Geschichten erzählen im Deutschunterricht. Eine Lese-Schreib-Projekt-Woche

Das Filmprojekt: Ein Erfolg? Bildungsauftrag erfüllt?

Während der Gruppenphase mit meinen Mitstudierenden hatten wir große Pläne; wir wussten bereits im Vorfeld, was wir gerne machen möchten in den vier Tagen mit den SuS der 6. Klasse.

Rückblickend betrachtet wurden unsere Erwartungen weitestgehend erfüllt: Wir hatten alle vier unseren Wirkbereich, wir wussten, was zu tun ist, was wir benötigen. Das konnten wir, mit ganz kleinen Abstrichen, auch umsetzen. Natürlich kann man alles bis ins kleinste Detail planen und am Ende kommt alles anders. Doch ich würde behaupten, dass Fortuna auf unserer Seite war.

Natürlich wussten wir auch vom Bildungsplan Sachsen-Anhalt, welche Kompetenzen wir bei den SuS mit welchen Handlungen formen, erweitern und sensibilisieren wollten. Im Nachhinein betrachtet ist das natürlich nicht immer zu 100% umsetzbar. Ja, wir hatten alle eine tolle Zeit, die SuS waren bei der Sache, verspürten Freude und es waren tolle vier Tage. Aber ich könnte jetzt nicht immer genau sagen, welcher Schüler die „Kompetenz X“ bei der Ausführung seiner Tätigkeit mitgenommen hat. Dafür müsste man das Ganze noch mehr protokollieren und den Fokus darauf setzen. Das wäre für mich ein Vorhaben, das ich beim nächsten Einsatz in einer Schule mehr in meinen Plan übernehmen würde: Am Ende war es sicher eine schöne Erfahrung für alle, aber ich möchte als LK auch, dass meine SuS aus dem ganzen Tun mehr mitnehmen, als nur Spaß an der Aktivität.

Ich habe gemerkt, dass eine gute Planung zwar die Grundlage für eine erfolgreiche Durchführung bildet, gleichzeitig aber die Bereitschaft vorhanden sein muss, diese Planung spontan anzupassen. Eine Schulklasse lässt sich nicht vollständig vorhersehen, weshalb man als Lehrkraft flexibel auf Situationen reagieren muss.

Gleichzeitig wurde mir bewusst, wie unterschiedlich die SuS innerhalb einer Klasse sein können. Während einige sofort mit Begeisterung bei der Sache waren, benötigten andere mehr Anleitung oder Motivation. Dadurch wurde mir noch einmal deutlich, dass eine Methode, die für die gesamte Klasse geplant ist, nicht automatisch bei allen SuS dieselbe Wirkung erzielt.

Durch die Projektwoche konnte ich feststellen, dass sich viele der im Studium behandelten theoretischen Inhalte erst in der praktischen Situation wirklich greifbar anfühlen. Begriffe wie Kompetenzorientierung, Differenzierung oder Schülerorientierung wirken in der Theorie zunächst sehr abstrakt. In der tatsächlichen Arbeit mit einer Klasse bekommen sie jedoch eine ganz andere Bedeutung.

Außerdem habe ich gemerkt, wie wichtig es ist, als Lehrkraft nicht nur die eigene Planung im Blick zu behalten, sondern gleichzeitig ständig zu beobachten, wie die SuS auf Aufgaben und Situationen reagieren. Dabei geht es nicht nur darum, ob eine Aufgabe erfolgreich abgeschlossen wurde, sondern auch darum, was die einzelnen SuS währenddessen tatsächlich gelernt oder für sich mitgenommen haben. Flexibilität, Spontanität sind somit sehr entscheidend.

Alles in allem war das Projekt für mich, und auch der Kurs mit Prof. Dr. M. Ballod, eine sehr schöne Erfahrung, die mich menschlich und auch fachlich weitergebracht hat.