Geschichten erzählen im Deutschunterricht. Eine Lese-Schreib-Projekt-Woche

Griechische Götter im Social-Media-Zeitalter – ein kritischer Rückblick

In unserer Projektwoche haben wir griechische Mythologie mit Social-Media verbunden. Wie genau diese Kombination entstanden ist und wie die Schülerinnen und Schüler schließlich selbst Social-Media-Profile und Beiträge zu den griechischen Göttern entwickelt haben, könnt ihr in den weiteren Blogbeiträgen unserer Gruppe nachlesen.

Für uns war die Verbindung beider Themen von Anfang an besonders naheliegend. Social-Media gehört zur Lebenswelt der Schülerinnen und Schüler und bot dadurch einen direkten Zugang zu einer zunächst sehr weit entfernten Thematik: der griechischen Mythologie. Anstatt die Götter und ihre Geschichten ausschließlich auf traditionelle Weise zu behandeln, konnten die Kinder überlegen, wie Zeus, Aphrodite oder Hephaistos wohl heute auftreten würden. Dadurch wurden die antiken Figuren nicht nur kennengelernt, sondern auch kreativ interpretiert und in eine moderne Lebenswelt übertragen.
Gleichzeitig bot das Format eine große Vielfalt an digitalen Möglichkeiten. Die Schülerinnen und Schüler konnten sich mit unterschiedlichen Formen von Social-Media-Beiträgen auseinandersetzen und dabei erfahren, wie unterschiedlich Inhalte präsentiert werden können. Ein Mythos kann beispielsweise als kurzer Post, als Story, als Kommentar oder aus der Perspektive einer bestimmten Figur dargestellt werden. Gerade diese Verbindung aus kreativem Arbeiten, Medien und Mythologie hat uns während der Projektwoche besonders gut gefallen.

Im Nachhinein würden wir an dieser Stelle allerdings einen Aspekt stärker berücksichtigen: die eigene Mediennutzung der Schülerinnen und Schüler. Wir haben Social-Media vor allem als kreatives Werkzeug genutzt, weniger als Gegenstand, über den selbst reflektiert werden sollte.
Dabei hätte es sich durchaus angeboten, zunächst einmal einen Schritt zurückzugehen und die eigene Mediennutzung zu betrachten. Welche sozialen Medien und digitalen Angebote nutzen die Kinder überhaupt? Wie viel Zeit verbringen sie dort? Welche Inhalte begegnen ihnen täglich und warum bleiben bestimmte Beiträge besonders im Gedächtnis? Eine solche Eigenbeobachtung hätte den Schülerinnen und Schülern möglicherweise dabei geholfen, die Mechanismen hinter Social-Media bewusster wahrzunehmen.
Daran anschließend hätten auch mögliche Gefahren thematisiert werden können: Was passiert mit persönlichen Daten? Wie erkennt man problematische oder manipulierte Inhalte? Welche Auswirkungen können Kommentare, Likes und die ständige Vergleichbarkeit mit anderen haben? Und vor allem: Wie kann man mit solchen Herausforderungen verantwortungsvoll umgehen?

Dass wir diese Aspekte nicht ausführlicher aufgegriffen haben, hatte vor allem zeitliche Gründe. Der erste Tag unserer Projektwoche war bereits sehr umfangreich, da zunächst die notwendigen theoretischen Grundlagen zur griechischen Mythologie geschaffen werden mussten. Am zweiten Tag begann dann die praktische Arbeit, für die die Schülerinnen und Schüler ausreichend Zeit benötigten. Schließlich sollten die selbst entwickelten Social-Media-Profile und Beiträge nicht nur begonnen, sondern auch vollständig fertiggestellt werden. Mit unserer ursprünglichen Zeitplanung waren wir deshalb insgesamt sehr zufrieden.

Trotzdem würden wir im Nachhinein wahrscheinlich einen kleinen Zeitblock für eine medienpädagogische Einordnung einplanen. Gerade weil Social-Media so selbstverständlich zur Lebenswelt nahezu aller Menschen gehört, bietet die kreative Nutzung eine gute Gelegenheit, gleichzeitig über den eigenen Umgang mit digitalen Medien nachzudenken. Die Projektwoche hätte damit nicht nur gezeigt, wie griechische Götter in der heutigen digitalen Welt aussehen könnten, sondern auch dazu angeregt, die eigene digitale Welt ein Stück bewusster zu betrachten.