Das Netzwerk der Stipendiat:innen der Landesgraduiertenförderung Sachsen-Anhalt
Das Netzwerk der Stipendiat:innen der Landesgraduiertenförderung Sachsen-Anhalt

Stellungnahme zu den aktuellen Entwicklungen um die Landesgraduiertenförderung Sachsen-Anhalt

Sehr geehrte Entscheidungsträger:innen in Landespolitik und Universität, liebe Geförderte, Kommiliton:innen und alle Unterstützer:innen des GraFö Netzwerks,

mit großer Verwunderung und Befremden mussten wir feststellen, dass die Ausschreibung der Landesgraduiertenstipendien für das Wintersemester 2026/27 ausblieb. Nach umfangreichen, gremienübergreifenden Rückfragen unsererseits erhielten wir vor wenigen Tagen die Bestätigung: Das Stipendium für das kommende Semester wird nicht neu ausgeschrieben.

Wie uns über Umwege durch Unterstützende mitgeteilt wurde, resultiert diese Entscheidung primär aus einer fehlenden Finanzierungssicherheit im kommenden Landeshaushalt 2027. Angesichts der unklaren politischen Weichenstellungen im Vorfeld der Landtagswahl im September 2026 sahen sich die zuständigen Universitätsgremien offenbar gezwungen, von einer Ausschreibung abzusehen. Auch wenn wir die haushalterischen Bedenken aus rationaler Sicht nachvollziehen können, löst diese Entscheidung bei uns tiefes Unbehagen aus.

Aus diesen Entwicklungen und Beschlüssen ergeben sich für uns drängende Fragen und Kritikpunkte:

  • Mangelnde Informationspolitik: Angesichts der bislang stets konstruktiven Zusammenarbeit und der gewohnt offenen Kommunikation mit der Universität, ist es umso unverständlicher, warum wir nicht proaktiv über diese weitreichenden Entwicklungen informiert wurden.
  • Fehlende Partizipation: Warum fand bei einer solch richtungsweisenden Entscheidung keine Anhörung von Sprecher:innen des GraFö-Netzwerks in der Graduiertenförderungskommission statt?
  • Steigende Verunsicherung: Diese mangelnde Informationspolitik sowie die fehlende Partizipation verschärfen die ohnehin prekäre Lage in finanziell und politisch unsicheren Zeiten. Dies betrifft nicht nur zukünftige Graduierte, sondern auch bereits geförderte Promovierende, die bspw. aus guten Gründen einen Antrag auf Verlängerung stellen müssen und nun (erstmals) vor einer unklaren Zukunft ihres Dissertationsvorhabens stehen.

Angesichts dieser Situation fordern wir von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg

  1. Transparenz und Aufklärung: Eine lückenlose und offene Kommunikation der universitären Verantwortlichen über die Hintergründe und den genauen Status des Aussetzens der Ausschreibung sowie die Zukunft derselben.
  2. Partizipationsmöglichkeiten: Die Einrichtung eines beratenden Sitzes für das GraFö-Netzwerk in der Graduiertenförderungskommission der MLU. Nur so kann ein direkter Informationsfluss gewährleistet und die Interessen der Geförderten wirksam vertreten werden.
  3. Politisches Engagement: Den bedingungslosen und nachdrücklichen Einsatz des Rektorats und der universitären Gremien der MLU gegenüber der Landesregierung, namentlich Herrn Prof. Dr. Armin Willingmann, Minister für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt, und Herrn Michael Richter, Minister der Finanzen des Landes Sachsen-Anhalt, um die Finanzierung der Graduiertenförderung über die aktuelle Legislaturperiode hinaus dauerhaft zu sichern und unklare Situationen wie die aktuelle zukünftig dringend zu vermeiden.

Angesichts dieser Situation fordern wir von der Landesregierung und -politik Sachsen-Anhalts:

  • Zukunftssicherung: Ein sofortiges und kompromissloses politisches, rechtliches sowie finanzielles Handeln zur dauerhaften Sicherung der Landesgraduiertenförderung Sachsen-Anhalts. Nach der einstimmig beschlossenen Erhöhung des Stipendiums im letzten Jahr: Wie kann dessen Existenz in diesem Jahr bereits zur Disposition stehen?

Mit dem Landesgraduiertenstipendium steht weit mehr auf dem Spiel als eine finanzielle Unterstützung: Es geht um die aktuelle Finanzierung von über 120 Promovierenden in Sachsen-Anhalt sowie die zukünftige Finanzierung der wissenschaftlichen Basis des Bundeslandes als konkurrenzfähigen Forschungsstandort. Dieses Stipendium hat seit den 1990er-Jahren bis heute exzellente Nachwuchswissenschaftler:innen in Sachsen-Anhalt zur Promotion qualifiziert – und das soll es auch zukünftig noch leisten können. Es sichert Sachsen-Anhalt nicht nur akademische Reputation, sondern garantiert die nachhaltige Zukunftsfähigkeit unserer Forschungsstandorte.

Wissenschaft braucht Planbarkeit – wissenschaftlicher Nachwuchs braucht Perspektiven.

Ihr und EuerGraFö-Netzwerk