Hemmungsloser Antikommunismus

Parteien

Die heilige Inquisition des Antikommunismus ist zurück. Gesine Lötzsch hat in der Jungen Welt einen Beitrag über Wege zum Kommunismus geschrieben, der dank eines hetzerischen, teils unwahren Bericht des Spiegels die gesamten bürgerlichen Medien in heller Aufruhr versetzt hat. CSU-Politiker wie Generalsekretär Dobrindt fordern sogar ein Parteiverbot für die LINKE, was mehr als ein Witz ist, denn die LINKE ist für das Grundgesetz harmloser als so mancher SPD-Politiker (z.B. Herr Sarrazin) oder CDU-Politikerin (z.B. Erika Steinbach mit ihrem Vertriebenenverband).

Frau Lötzsch hat einen völlig der Programmatik einer linkssozialistischen Partei angemessenen Artikel geschrieben. Der Weg zum Kommunismus ist eben nicht ein einzelner, denn Kommunismus ist nicht gleich Stalinismus. Es ist einfach Dummheit, wenn alle Antikommunisten glauben, dass Kommunismus nur Stalinismus bedeutet. Kommunismus kann auch ganz demokratisch und freiheitlich organisiert werden. Rosa Luxemburgs gesamtes Werk kann als Beweis dafür gelesen werden. Wer bei Kommunismus sofort an Gulag, Stacheldraht, Mauer und Stasi denkt, denkt zu kurz. Dieses Kapitel der kommunistischen Geschichte ist vorbei!!! Niemand, der in der LINKEN eine führende Position innehat, und kein nennenswerter Anteil der Parteibasis fordert eine Rückkehr der stalinistischen Verfehlungen. Ich wage sogar die These, dass keine echte kommunisttische Partei (die Linke ist, wie Lötzsch richtig korrigierte, keine) in Deutschland, sei es DKP, MLPD oder KPD, wieder Gulags oder Stasi-Apparate errichten will.

Ein Parteiverbot ist lächerlich, schon die Beobachtung des Verfassungsschutzes ist überflüssig. Die ressourcen des Verfassungsschutzes sollte sich auf die fusionierte Nazipartei NPD – Die Volksunion konzentrieren. Von ihr geht tausendmal mehr Gefahr für das Grundgesetz aus als von der alles andere als klassenkämpferischen Linkspartei, die in einigen Kommunen (z.B. Cottbus) auch die Kooperation mit der CDU nicht scheut.

Siehe auch:

http://www.jungewelt.de/2011/01-06/060.php

http://www.jungewelt.de/2011/01-07/048.php

6 Comments

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  1. Che  •  Jan 20, 2011 @10:49

    Hallo,

    du solltest aber auch bedenken, dass der Antikommunismus in der BRD einer gewissen Tradition folgt – kann bis Luxemburg bis 1917/18 zurückzuführen sein. Ständig stand links der Feind und das hat sich bei den Menschen und unseren bürgerlichen medien sowieso „eingebrand“. Dort hieße es vermutlich nicht „sch…-sozialismus in der DDR“ sondern „sch…kommunismus in der DDR“ Das beide Begriffe nicht deckungsgleich verwendet werden sollten, wird dabei nicht bedacht.
    Und wie du schon sagst, von der Theorie bzw. den Theoretiker/innen her, kann es im Sozialismus wie Kommunismus nur Demokratie geben, sonst würden die Arbeiter/innen ja nicht die Kontrolle über die Produktionsmittel haben.
    Aber was glaubst du – warum wurde der Artikel so angefeindet? Ist das wirklich strikter Antikommunismus? Wenn mensch den ganzen Artikel liest, bekommt mensch ja einen anderen Eindruck, als wenn mensch nur den einen Satz herausgreift.

  2. Stefan Dorl  •  Jan 20, 2011 @16:37

    Warum wurde der Artikel angefeindet?
    Als Motive kommen außer dem allgemeinen Antikommunismus natürlich zuerst die Diskreditierung der Partei Die LINKE in Frage. 7 Landtagswahlen stehen dieses Jahr an, da kann es aus Sicht der politischen Gegner nicht schaden die LINKE als Schreckensgespenst darzustellen, damit ihr die Wähler weglaufen (ob das auf die billige Tour funktioniert wird man sehen, ich bezweifle das). Als drittes Motiv kommt auch noch die Diskreditierung der Parteivorsitzenden und damit der Partei insgesamt in Betracht, man denke nur an die fortdauernde Kritik an Klaus Ernst, dem zweiten Parteivorsitzenden, wegen seines Lebensstils.
    Danke für deinen Kommentar und den Hinweis, dass Antikommunismus eine lange Tradition hat. In den 50er Jahren musste sich ja sogar die gute alte SPD noch mit Kommunismus-Vorwürfen auseinandersetzen (heute gar nicht mehr vorstellbar) – aber dank Bad Godesberg 1959 hat sich das nach einigen Jahren auch erledigt und man suchte sich andere Gruppierungen, z.B. Teile der Studentenbewegung 1968, SDS …

  3. Che  •  Jan 20, 2011 @21:54

    Aber glaubt das bürgerliche Lager wirklich, dass mit solchen plumpen Tricks wirklich die „linke“ Wählerschaft abgschreckt werden kann? Ich kann es mir fast nicht denken. Gerade weil die Linke auch so schwankungsresistent erscheint. Sie bleibt auf den 10 Prozent und ist nicht so anfällig wie Grüne oder SPD bspw. Natürlich sollte in Zeiten einer Krise die Linke mehr Profit daraus schlagen, aber darüber kann mensch streiten. Deine aufgezählten Gründe erscheinen mir auch ganz plausibel. Mal schaun ob es schon auf die Wahl in HH Auswirkung hat?!
    Naja da sich der heutige SDS auch hinter Lötzsch stellt und ebenso eine „klassenlose Gesellschaft“ (Sascha Collet, neuer Geschäftsführer des SDS) als Fernziel hat, bin ich sehr gespannt, wie der Verfassungsschutz reagiert;-)

  4. Stefan Dorl  •  Jan 21, 2011 @17:22

    Ich glaube, dass es immer noch rechte Politiker gibt, die meinen, mit solchen Kampagnen potenzielle linke Wähler verschrecken zu können. Ebenso meine ich aber, wie du schon sagst, dass dieses Mittel völlig erfolglos sein wird. Auf Bundesebene sind die Umfrageergebnisse stabil und für die Landtagswahlen sieht es auch ganz gut aus – noch dazu, wenn man bedenkt, dass die meisten Umfragen für die LINKE tendenziell zu niedrige Werte ausgeben (aus meiner Sicht auch nur aus politischen Gründen). Ich bin dabei, eine Übersicht über alle aktuellen Umfragen zu erstellen, kommt bis Sonntag.

  5. Hugo Dimpfelmoser  •  Mai 6, 2011 @14:33

    Entschuldigung, aber was hat sarrazin mit Kommunismus zu tun?
    Ich denke, dass kommunismus nur in der Form in den wir ihn kennen durch zu bringen ist, und diese Form durchaus sehr bedenklich ist.

  6. Stefan Dorl  •  Mai 6, 2011 @16:47

    Herr Sarrazin hat mit Kommunismus gar nichts tun, ich wollte nur andeuten, dass Herr Sarrazins Äußerungen zum Thema Migration und Integration von Ausländern das Grundgesetz viel eher verletzen als die politischen Aussagen der LINKEN.
    Du meinst also, dass Kommunismus nur a la Revolution wie 1917 in Russland herbeigeführt werden kann? Oder nur wie 1946ff. die DDR? Und was genau (im Falle DDR) ist daran bedenklich aus deiner Sicht – die fehlende demokratische Legitimation, zu wenig „input“ von unten und zu viel „von oben“?

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