Empört euch!

Was sonst noch in der Welt passiert

Wir leben gerade in sehr politisierten Verhältnissen. Manches Ereignis erfreut einen, z. B. dass der sozialistische Ministerpräsident und sein unsoziales Sparpaket gescheitert sind, manche Dinge empören. Ich nehme mir Stephane Hessels Buch zu Herzen und liste mal auf, was mich persönlich gerade empört:

 

1. Die Panikmache der hiesigen Mainstreammedien wegen des Reaktorunglücks in Japan, inkl. der täglichen Brennpunkte in der ARD, die auch nichts anderes berichten als das, was den ganzen Tag schon gebracht wurde.

2. Die plötzliche und deshalb unglaubwürdige 180-Grad-Kehrtwende von CDU und FDP in der Atomenergiepolitik, um bei den Wahlen noch ein paar Stimmen für sich zu retten. Warum wird nicht einfach mal ausgerechnet, wie viel Stromüberschuss wir produzieren und wie viel Atomkraftwerke entsprechend sofort und dauerhaft abgeschaltet werden können? Das Moratorium ist eine reine Nebelkerze!

3. Der vom UN-Sicherheitsrat beschlossene Krieg gegen Lybien und die verschrobene Berichterstattung über angebliche Greueltaten von Gaddafi regen mich auf! Seit wann darf sich die UN in die inneren Angelegenheiten von souveränen Staaten einmischen (vielleicht sollte man mal wieder in die UN-Charta schauen)? In Lybien findet ein Bürgerkrieg zwischen Regierung und Opposition statt. Wer von beiden da demokratischer ist, ist ja wohl noch nicht klar – hat sich schon mal irgendjemand mit den Leuten der Opposition und ihren politischen Vorstellungen beschäftigt?? Ich höre dauernd, wie schlimm Gaddafi ist (der in der Tat etwas durchgeknallt ist), aber welche konkreten politischen Pläne verfolgt die Opposition? Wie homogen ist die Opposition, droht Lybien ein Staatszerfall a la Jugoslawien??

Krieg war nie Mittel zur zufriedenstellenden Lösung politischer Konflikte, siehe Irak, siehe Afghanistan, siehe Jugoslawien. Wo geht es den Menschen denn besser als vor den Kriegen?

 

4. Unsere Euro-Krise wird einfach nicht gelöst! Ein Land nach dem anderen gerät in existenzielle Schwierigkeiten beim Bezahlen (nicht Abtragen!) der Schulden. Was wird als Lösung gepriesen? Lohnkürzungen, höheres Renteneintrittsalter, Mehrwertsteur rauf, radikale Staatsausgabensenkungen, Sozialleistungen kürzen etc. Das ist ein Kreuz- und Raubzug der Neoliberalen, der Kapitalisten und anderen Reaktionären! Die verschuldeten Staaten brauchen jetzt günstige Kredite zur Haushaltssanierung verbunden mit europaweiten Steuererhöhungen für Vermögende, für Finanztransaktionen und eventuell auch Schuldenerlässe – alles andere ist unsozial und vernichtet die Lebenschancen vieler Millionen Bürger in der EU.

5. In Ungarn wehrt man sich mit Händen und Füßen, um das neue Pressezensurgesetz zu erhalten; in Italien treibt Berlusconi wie eh und jeh seine Spielchen mit der Justiz, die jedem demokratischen Rechtsstaat spotten. Die Faschisten sind auf dem Vormarsch in Ost- und Süd-, in Nord- und Westeuropa. Noch sind sie nicht überall (direkt) an der Macht – doch wer hält sie auf? Von wehrhafter Demokratie – keine Spur! Die NPD, Jobbik (Ungarn), Front National, SS-Veteranen-Aufmarsch in Lettland – alles rassitische, antidemokratische Organisationen, die niemand verbietet und die man gewähren lässt.

 

6. Die SPD in Sachsen-Anhalt liefert mal wieder ein Trauerspiel. Warum schreiben die überhaupt noch ein eigenes Wahlprogramm? Sie können doch gleich eine Wahlkoalition mit der CDU bilden und ein gemeinsames Weiterregieren-Programm schreiben. Und zur CDU mal so viel: während die SPD noch Inhalte vertreten will, hat die CDU gar keine. Seit den Wahlen hört man nichts, was die CDU als politische Projekte vorantreiben will; Motto: nach inhaltslosem Kuschelwahlkampf kommen inhaltsleere Koalitionsgespräche.

 

Das war’s erst einmal. Wer auch einfach mal Luft ablassen will, darf sich gerne im Kommentar äußern. Dann kann man um so befreiter wieder sachlich-nüchtern denken.

5 Comments

5 Comments

  1. Karl  •  Mrz 27, 2011 @13:13

    In Nordkorea würde man dich sofort zum Propagandaminister ernennen!

  2. Stefan Dorl  •  Mrz 27, 2011 @13:31

    Da verzichte ich gerne drauf, denn in Nordkorea möchte ich nicht gerne leben wollen.

  3. Seba  •  Mrz 29, 2011 @14:54

    Hallo,
    habe grad deinen Ausfluss überflogen und naja.
    Verwechsle nicht sozialistisch mit sozialdemokratisch, das hat miteinander nix zu tun. Sozialdemokratie passt sich kapitalistischen Verhältnissen an und trägt dazu bei, dass ArbeitnehmerInnen „geschützt“ werden und dient damit auch kapitalistischem Interesse. Zweitens ist Sozialismus eine Idee für die es sich zu kämpfen lohnt, da wir damit noch kaum Erfahrungen gesammelt haben. (DDR, SU usw. waren Staatskapitalitische Diktaturen, die sich eine Vulgärmarxistischen Version des Sozialismus strickten um besser herrschen zu können)
    Deine „wehrhafte Demokratie“ und das verbieten von „Nazi-Organisationen“ ist anscheinend alles was du kennst, es bringt nix, das muss aus den Köpfen raus und zwar nicht nur aus denen der „extremen Rechten“, sondern auch aus denen der bürgerlichen Mitte!!

    Aber, du studierst Politikwissenschaften in Halle, mit viel kritischem Fragen und Denken is da ja nix…

    So, um deine Sprache zu benutzen „Das war’s erst einmal. Wer auch einfach mal Luft ablassen will, darf sich gerne im Kommentar äußern“

  4. Stefan Dorl  •  Mrz 29, 2011 @18:37

    1. Ich weiß sehr gut Bescheid über den Unterschied zwischen Sozialdemokratie und Sozialismus und das das heutzutage nichts mehr miteinander zu tun hat. Wobei ich nicht verstehe, auf welchen Teil meiner Äußerungen du das beziehst. Jedenfalls gebe ich dir recht, dass wir noch niemals in der Geschichte einen Sozialismus im theoretisch gewollten Sinne erlebt haben. Wir können gerne gemeinsam für den Sozialismus kämpfen, da bin ich dabei.

    2. Schade finde ich deine leicht beschimpfende Äußerung zur wehrhaften Demokratie und NPD-Verbot etc. Du kennst mich doch gar nicht – ich kenne sehr wohl noch andere Möglichkeiten des Umgangs mit Neofaschisten. Sehr richtig: das rassitische Denken, was unter anderem durch solch „Bürgerliche“ wie Sarrazin verbreitet wird, muss aus dem Denken aller(!) Menschen verschwinden. Dazu ist eine andere Bildungs- und Aufklärungspolitik notwendig, aber auch eine andere politische Kultur. Du kannst gerne ein paar Vorschläge äußern, wie das konkret gemacht werden kann. Allerdings wirst du doch zugeben, dass es sehr hilfreich wäre, die faschistischen Parteien juristisch konsequenter zu verfolgen und unter bestimmten Bedingungen von der staatlichen Parteienfinanzierung auszuschließen??
    Ich verstehe deine Kritik also so, dass wir uns im Grunde völlig einig sind, oder?

    3. Zum Studium der PoWi in Halle: hast du das aus eigenem Erleben festgestellt, oder ist das auch nur eine pauschalisierte Meinung eines Nicht-Hallensers? Ich gebe zu, mit kritischem Denken und Theorien sieht es nicht besonders gut aus, es könnte aber auch schlimmer sein. Aber sag mir eine Uni, wo man sich als Politikwissenschaftler sehr ausführlich mit Marxismus und ähnlich kritischen Theorien beschäftigt? Das würde mich sehr interessieren. Außerdem hängt es auch von den Seminarteilnehmern selbst ab, wie kritisch man die Inhalte des Studiums sieht.

  5. Karl  •  Mrz 31, 2011 @15:36

    @Seba: Die DDR als kapitalistisch bezeichnen können auch nur solche, die sie selbst nicht miterlebt haben … typisches Geschwätz von jungen Leuten die sich als „links“ bezeichnen.

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