Die Mauer, die Linke und die Junge Welt

Parteien

Was ich jetzt hier kommentiere, ist zwar ein heißes Eisen, aber ich hoffe, dass mein vernunftorientierter Kommentar die geifernden Reaktionen in Zaum halten kann. Am 13. August hat sich der Bau der Berliner Mauer das 50. Mal gejährt, wodurch die bürgerliche Gesellschaft mal wieder eine Gelegenheit hatte, auf die DDR und die heutigen verbohrten Alt- und Neukommunisten verbal einzuprügeln und die Überlegenheit der eigenen, freiheitsliebenden Gesellschaft zu betonen. Im Vordergrund soll, so interpretiere ich das mal, eigentlich das Gedenken an die Mauertoten stehen, aber wie gesagt, der Anlass bietet wieder Gelegenheit, antikommunistische Pamphlete in den üblichen Medienkanälen zu verbreiten. Provoziert wurde diese zum einen durch eine provokante Titelseite der marxistischen Tageszeitung Junge Welt und den Rostocker Landesparteitag der Mecklenburger Linken.

Die Junge Welt dankte der Berliner Mauer für verschiedene Errungenschaften des Bauwerks, zum Beispiel „für 28 Jahre ohne Hartz IV und Erwerbslosigkeit“ oder „für 28 Jahre ohne Beteiligung deutscher Soldaten an Kriegseinsätzen“. Einfache, kaum widersprechbare Fakten. In den 28 Jahren der Existenz der Mauer wurde kein deutscher Soldat in irgendein Kriegsgebiet geschickt, ein dritter Weltkrieg zwischen West- und Ostblock konnte verhindert werden (natürlich nicht allein der Mauer wegen) und schikanöse Sozialgesetzgebung fand in der DDR nicht statt. Diese positiven Effekte der Teilung Deutschlands, die mit der Mauer gefestigt, aber nicht begonnen hatte (!), können selbstverständlich nicht die negativen Folgen verdecken. Die Mauer stand auch dafür, dass der Sozialismusversuch sowjetischer Prägung im Konkurrenzkampf mit dem kapitalistischen Westen ohne scharfe Freiheitsbeschränkungen nicht für längere Zeit stabilisiert werden konnte. Familien mussten getrennt werden, weil die ständige Abwanderung gut ausgebildeter Fachkräfte gen BRD (hat sich die BRD für diese kostenlosen Fachkräfte je bedankt?) in den 60er Jahren wohl zum Exodus der DDR geführt hätte. Nun muss aber auch mal zugegeben werden, dass die Mauer objektiv gesehen nur für diejenigen ein Problem darstellte, die sich mit dem sozialistischen Staatsmodell nicht anfreunden und daher fliehen wollten. Es gab aber eine nicht unerhebliche Zahl von Menschen, die aus den Erfahrungen von 1933 bis 1945 die antifaschistische Grundlage des ostdeutschen Staates ernst nahmen und wirklich eine sozialistische Gesellschaft aufbauen wollte, mit ganz anderen als den Werten des Kapitalismus. Für diese hat sich 1933 gezeigt, dass der Kapitalismus der Schoß des Faschismus war, weshalb jegliche kapitalistischen Strukturen beseitigt werden mussten. Antifaschistischer Schutzwall war nicht umsonst offizielle Bezeichnung der Mauer. 137 Mauertote sind natürlich 137 zu viel, doch ich bitte doch dergestalt vernünftig und sachlich zu bleiben, dass Millionen Menschen mit dem Leben in der DDR zufrieden waren bzw. sich mit den Verhältnissen arrangiert haben. Auch unsere Kanzlerin als FDJ-Mitglied mit Zuständigkeit für Agitation und Propaganda konnte trotz des religiösen Hintergrunds ihrer Familie studieren und promovieren (siehe hier).

Auf dem Landesparteitag der Linken haben nun drei Mitglieder der LINKEN verweigert, beim Gedenken an die Maueropfer aufzustehen. Ist dies nun ein rationaler Grund, die LINKE insgesamt zu verteufeln und als Partei zu verbieten, wie es der CSU-Generalsekretär Dobrindt fordert? – Nebenbei: Warum fordert die CSU nicht mit gleicher Vehemenz zu Anlässen wie der Nazi-Demo in Dresden, die alljährlich in Dresden stattfindet, ein NPD-Verbot? Geht von der LINKEN mehr Gefahr für das GG aus als von der NPD? Wer das glaubt, den kann kein Demokrat mehr ernst nehmen. Man sollte auch hier eine differenzierte Haltung einnehmen, wenn man auf Grundlage von Vernunft argumentieren will. Einerseits ist es wirklich sehr belastend zu sehen, wenn Sozialisten sich nicht überwinden können, eine Minute in Stille den unnötigen Opfern der deutschen Teilung zu gedenken. Andererseits sollte man sich die Argumente der „Gedenkverweiger“ anhören, siehe das Interview von Marianne Linke in jW. „Eine Debatte über das Jahr 1961 und die beiden deutschen Staaten muß im Zusammenhang mit den historischen Ereignissen des vergangenen Jahrhunderts erfolgen. Die Grenzsicherung im Jahr 1961 ist nicht ohne die Ereignisse um die beiden Staatsgründungen im Jahr 1949, die Beendigung des Krieges durch die Siegermächte 1945 und diese wiederum nicht ohne den deutschen Faschismus ab 1933 denkbar.“ (Zitat von Frau Linke) Dieser historische Zusammenhang von Mauerbau und Drittem Reich kann nicht völlig missachtet bleiben. Wer den Mauertoten gedenkt, muss genauso den Toten des Zweiten Weltkriegs und den Opfern der menschenverachtenden Ideologie der Faschisten gedenken. Ohne die Machtergreifung Hitlers wäre es wohl nie zu einer deutschen Teilung und damit auch nicht zu den Mauertoten gekommen. Das hört man von bürgerlichen „Gedenkern“ wie Hubertus Knabe nicht sehr oft.

Falls es dieser Staat mit der freiheitlich-demokratischen Grundordnung ernst meint, dann darf er keinem Bürger, auch den politisch links engagierten nicht, vorschreiben, wem er zu gedenken hat. Verordneter Antikommunismus bzw. verordnetes Mauergedenken ist moralisch nicht besser als verordneter Antifaschismus, den es angeblich in der DDR gegeben hat.

Jetzt noch zum Verhältnis von Junger Welt und Partei DIE LINKE. Da will nun Fraktionschef Gysi verhindern, dass weiterhin Anzeigen der Bundestagsfraktion in der Onlineausgabe der jW erscheinen. Auch Interviews mit jW und die Präsenz der Zeitung auf Parteiveranstaltungen sollen verboten werden (http://www.jungewelt.de/2011/08-19/057.php). Als täglicher Leser der jW kann man nicht leugnen, dass so mancher Artikel nicht gerade von Tiefsinnigkeit und Hochqualität strotzt. Aber man muss doch sagen, dass die Zeitung dabei nicht einen höheren Anteil von journalistischem „Ausschuss“ produziert als die meisten bürgerlichen Medien. Die LINKE und ihre Positionen nicht mehr in der Jungen Welt darzustellen, halte ich für keine gute Strategie. Die Zahl der Tageszeitungen, die der LINKEN im Großen und Ganzen wohl gesonnen sind und die eine Leserschaft besitzt, die potenzielle Wähler sein könnten, ist doch sehr überschaubar. Eine Ausgrenzung der jW wird die LINKE eher schwächen als stärken. Außerdem ist es höchst undemokratisch, den Parteimitgliedern und -gliederungen vorzuschreiben, mit welchen Medien sie zusammenzuarbeiten haben.

Die LINKE muss sich endlich auf tagesaktuelle Probleme des Kapitalismus konzentrieren und Gegenkonzepte zur Ideologie des sparsamen, schlanken Staates entwickeln (z. B. das bedingungslose Grundeinkommen). Es darf nicht sein, dass sich die LINKE von den bürgerlichen Gegnern wegen der Haltung zu Fragen der Vergangenheit spalten lässt. Sie muss pluralistisch bleiben. Sie hat nur dann dauerhafte Erfolgschancen, wenn sie Kommunisten und demokratische Sozialisten unter einem Dach vereinigt. Die Linken müssen solidarisch zueinander sein; denn wen man sich gegenseitig befeindet, wie soll man den eigentlichen politischen Gegner wirksam bezwingen?

10 Comments

10 Comments

  1. Freiheitsliebender  •  Aug 21, 2011 @16:21

    Ich habe mir mal die Beiträge auf diesem Blog durchgelesen und ich muss sagen, dass sie mir sehr gut gefallen. Schade ist aber, dass die Beiträge so wenig präsent sind!

  2. Stefan Dorl  •  Aug 21, 2011 @18:04

    Vielen Dank für das Kompliment, da darf man sich hier auch anderes anhören. Die Präsenz kann ich leider nicht beeinflussen, vielleicht müsste man mal die URZ-Leute bestechen 🙂

  3. Matthias  •  Aug 23, 2011 @00:19

    Wir müssen gar nicht bestochen werden, um zu helfen 😉

    Was genau ist damit gemeint, „dass die Beiträge so wenig präsent sind“? In Suchmaschinen? Auf Facebook?

  4. Jojo89  •  Aug 22, 2011 @14:16

    Aha, interessant. Die Mauer war also nur ein Problem für die Menschen, welche sich nicht mit dem System arrangieren wollten; die ihr Leben gerne selbst bestimmt hätten; die gerne selbst bestimmt hätten, in welches Land sie fahren wollen; die gerne selbst bestimmt hätten, welche Partei sie wählen wollen… Man kann unterschiedlicher Meinung sein, man kann unterschiedliche Parteien und auch Systeme präferieren. Aber hier in einer schamlosen Weise die Mauer und ihre direkten Folgen, nämlich die Maueropfer, zu verharmlosen oder gar zu rechtfertigen ist ein Schlag ins Gesicht der Angehörigen und Hinterbliebenen. Sie ist ein Schlag ins Gesicht der Freiheit! Eine Schande dass du dich Student nennst – Propagandaminister alter Schule… zum Kotzen!

  5. Stefan Dorl  •  Aug 22, 2011 @17:42

    Schön, diese Art einseitige Kommentare mussten ja kommen. Aber ich möchte ernsthaft darauf eingehen.
    Ich möchte festhalten, dass ich und jeder überzeugte Sozialist/Kommunist die Opfer der Mauer nicht begrüßen, nicht gutheißen. Niemand kann froh sein, dass Menschen sterben, weil sie andere politische Überzeugungen haben oder woanders leben wollen. Diesen Opfern zu gedenken, sollte keine Zumutung sein, darf aber niemandem aufgezwungen werden; das hätte mit Freiheit auch nicht viel zu tun. Es muss aber auch gesagt werden, dass wohl niemand, der den Plan zur Flucht aus der DDR nach 1961 entwickelte, nicht von den Gefahren dieser Flucht wissen konnte. Es war doch klar, dass diejenigen, die ihrem Freiheitsdrang (oder anderen Antrieben zur Flucht) ausleben wollten und die Mauer überwinden wollten, ihr Leben in Gefahr brachten. Nun kann nicht gesagt werden: „Ihr wollt Freiheit? Lasst es sein oder ihr müsst sterben“ Es war falsch, die Flüchtenden zu erschießen. Davon bin ich überzeugt.
    Ich bin aber weiterhin von meiner These überzeugt, dass die Mauer als freiheitsraubendes Instrument der DDR-Politik nur für diejenigen problematisch war, die derart unzufrieden mit dem Gesellschaftssystem der DDR waren, dass sie flüchten wollten. Vielleicht kann man etwas grob gesprochen drei politische Haltungen in der DDR finden: die erste waren die überzeugten Kommunisten und Sozialisten, die sich in der SED oder in anderen gesellschaftlichen Verbänden wie FDGB oder DFD engagierten, also voll mit den Zielen der DDR übereinstimmten. Die zweite Haltung kann als unpolitisch bezeichnet werden. Das sind Menschen, die sich für große Politik nicht interessieren, sondern einzig darum, dass sie und ihre Familie gut über die Runden kommen, arbeiten konnten. Die wollen auch kulturell was erleben und haben vielleicht an den Konsummöglichkeiten etwas zu kritisieren; aber ihre Kritik geht niemals so weit, dass sie das große Ganze in Frage stellen. Und die dritte Gruppe waren die völlig Unzufriedenen, die politisch Nicht-Sozialisten, überzeugte Liberale oder Christen, deren ideologischen Vorstellungen in der DDR mehr oder weniger bekämpft und unterdrückt wurden. Die eine bürgerlich-freiheitliche Gesellschaft wünschten und den Konflikt mit den DDR-Organen nicht aus dem Weg gingen.
    Ich kann nicht beurteilen, welchen Anteil nun jede Gruppe annahm. Doch scheint es mir nicht gewagt zu sein, der dritten Gruppe eine Minderheitenposition zuzusprechen. Die beiden anderen Gruppen stellten eine deutliche Mehrheit der DDR-Gesellschaft. Wenn es nicht so wäre, wäre die DDR trotz Unterstützung der Sowjetunion nicht 40 Jahre lebensfähig gewesen. Und diese beiden Gruppen hatten mit der Mauer nichts zu tun. Vielleicht gab es auch unter den DDR-Befürwortern die Meinung, dass der Mauerbau falsch war. Aber rein persönlich litten diese Menschen nicht existenziell unter dieser Mauer, weil sie nicht in den kapitalistischen Westen flüchten wollten (weil sie sich nicht ausbeuten lassen wollten, weil das politische System der BRD nicht wesentlich demokratischer war als das DDR-System, weil die Faschisten in der BRD weiter Karriere machen konnten in den Ministerien).
    Aber noch mal: nur weil die Mehrheit der Menschen nicht negativ von der Mauer betroffen waren, rechtfertigt das nicht einen einzigen Mauertoten. Die Mauer hat das Scheitern der DDR und der (Un-) Form des Sozialismus vorweggenommen. Die Lehre daraus ist, dass die heutigen SozialistInnen Gesellschaftskonzepte entwickeln müssen, die die Bevölkerung annimmt und die deren Freiheit nicht einschränkt.
    Ich möchte aber am Ende auch den historischen Kontext hervorheben: die Mauer entstand auch, weil Kapitalismus und Sozialismus nach dem gemeinsamen Sieg über den verbrecherischen Faschismus keine friedliche Koexistenz akzeptieren wollten, wobei man begründende Argumente dafür findet, dass vor allem der Kapitalismus diese Koexistenz verhindert hat. Einer der Gründe für den Mauerbau war auch (!) die vom deutschen Kapital unterstützte Machtergreifung Hitlers und seiner Ideologie.

  6. Jojo89  •  Aug 22, 2011 @19:41

    Zitat: „Schön, diese Art einseitige Kommentare mussten ja kommen. […]“ Bei solch einseitigen Blog-Einträgen kaum verwunderlich, oder? Ich hätte von einem Politikstudent mehr Objektivität erwartet…

    Zitat #2: „[…] Es muss aber auch gesagt werden, dass wohl niemand, der den Plan zur Flucht aus der DDR nach 1961 entwickelte, nicht von den Gefahren dieser Flucht wissen konnte. […] “ Aha. Also wenn der Geiselnehmer sagt, ihr dürft das Haus nicht verlassen und es machen trotzdem welche und sterben zufällig dabei, dann ist das gänzlich ihre eigene Schuld? Weil nach deiner Aussage waren die Gefahren ja bekannt… Interessant.

    Zitat #3: „[…] Und die dritte Gruppe waren die völlig Unzufriedenen, die politisch Nicht-Sozialisten, überzeugte Liberale oder Christen, deren ideologischen Vorstellungen in der DDR mehr oder weniger bekämpft und unterdrückt wurden.[…]“ Warum hat man denn dann nicht einfach alle, die wollten, gehen lassen? Wenn die DDR doch so ein tolles Paradies deiner Meinung nach war, warum musste der Arbeiter und Bauernstaat dann seine Bürger einsperren? Nach deiner Logik vom ach so tollen Staat hätten ja eigentlich welche in die DDR einwandern müssen. Ist mir aber nicht bekannt.

    Den Rest erspare ich mir…

  7. Stefan Dorl  •  Aug 23, 2011 @14:00

    Zum ersten: von Politikstudenten oder Sozialwissenschaftlern allgemein Objektitivität zu erwarten, halte ich für aussichtslos. Wer sich mit politischen Vorgängen oder sozialen Prozessen beschäftigt, hat immer durch seine Sozialisation und durch sein Umfeld eine beeinflusste Meinung, die er beim Schreiben von wissenschaftlichen Texten nicht plötzlich vergessen kann. Es gibt keine objektive Wissenschaft im Sinne von politisch neutral.
    Zu #2: Nein, Schuld sind diejenigen, die die Grenzbewachung so restriktiv ausgeführt haben und diejenigen Faktoren, die zu diesem Grenzregime geführt haben. Dazu gehören auch die politisch Verantwortlichen der DDR, vor allem aber die Politiker der Sowjetunion und USA, die den Kalten Krieg Anfang der 60er haben eskalieren lassen (man denke an Kuba-Krise 1961). Ich wollte nur sagen, dass die Flüchtlinge wissen mussten, dass sie ihr Leben gefährdeten, wenn sie die Mauer durchbrechen wollten.
    Zu #3: Ich habe an keiner Stelle behauptet, dass die DDR ein Paradies war. Sie hatte gewisse soziale Vorzüge gegenüber der BRD; einer der größten Vorteile war, dass das Leben der Menschen nicht so stark von der kühlen, ökonomischen Rationalität geprägt war, d.h., dass nicht das gesamte Leben der Profit- und Wachstumsideologie unterworfen war, sondern auch Werte wie Solidarität und Freundschaft gelebt wurden. Die Arbeiter hatten noch die Möglichkeit, ihren Chefs in den Betrieben die Meinung zu sagen, ohne fürchten zu müssen, ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Die soziale Sicherheit war viel größer, niemand musste um seine Existenz bangen und unter der Brücke schlafen. Klar waren politisches Engagement und Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt; das muss kritisiert werden, genauso die ökonomische Unterlegenheit. Dass keine Menschenmassen in die DDR eingewandert sind, hängt ja auch von der politischen Einstellung der Menschen ab. Wer den Sozialismus entschieden ablehnt, z.B. weil die westlichen Propagandaapparate wie BILD und ARD Horrorgeschichten aus dem Osten erzählen, wandert auch nicht in die DDR ein. Es gibt aber durchaus prominte Übersiedler, die sich für ein Leben in der DDR entschieden haben, obwohl sie eine andere Wahl hatten: Heinrich Mann, Bertolt Brecht, Peter Hacks, Dean Reed, die Eltern von Angela Merkel … Siehe das Buch: Bernd Stöver, Zuflucht DDR. Spione und andere Übersiedler, C. H. Beck Verlag, München 2009

    Aber das ist eigentlich Vergangenheit, worüber sich kaum lohnt, zu streiten; es sollte hier um etwas ganz anderes gehen. Es gibt zu jedem historischen Ereignis nie nur eine Meinung. Das musst du, Jojo89, akzeptieren. Vor allem sollten die Menschen im kapitalistischen Westen mal respektieren, dass nicht allein die westliche Ideologie und Werte erstrebenswert sind.
    Ich wollte mit meinem Beitrag kund tun, dass die Linkspartei sich nicht wegen unterschiedlichen Einschätzungen zur Vergangenheit spalten soll, sondern die unterschiedlichen Meinungen zur DDR-Vergangenheit einfach hinnehmen. Es haben wirklich nicht alle Menschen schlecht in der DDR gelebt. Die Partei muss sich um die Probleme der Gegenwart kümmern, um das ausbeuterische System, das immer mehr Menschen belastet: Kinderarmut, Rentenarmut, Niedriglohnsektor, nur Praktika oder befristete Beschäftigung für Berufseinsteiger, fehlende Investitionen im Bildungssystem, Finanzkrise im Euroraum, Chancenungleichheit, Elend der Asylanten und Migranten. Die Liste könnte noch länger werden; für diese Probleme müssen Lösungen gefunden werden. Das Problem Mauerbau kann nicht mehr gelöst werden!

  8. Jojo89  •  Aug 23, 2011 @15:54

    So so, „vor allem“ der Westen hat Schuld an der Mauer. Vermutlich hat auch „der Westen“ die Republikflucht als Straftatbestand etabliert, den Schießbefehl erlassen und unzählige Menschen in Bautzen und den neun anderen Speziallagern interniert.

    Die DDR war ein Unrechtsstaat bester Couleur, das bügeln auch einige soziale Mildtaten nicht weg. Wer das nicht erkennt, ist und bleibt ein Ewiggestriger, bleibt ein Feind der Demokratie wie die Herren von rechts.

    Im Übrigen ist dein Bild von der deutschen Wirtschaft schon grob fahrlässig „schief“. Sicherlich, auch hier gibt es unzählige schwarze Schafe. Aber im Gegensatz zu vielen anderen Ländern bilden bei uns die Klein- und Mittelständler das Rückgrat der Wirtschaft. Und ganz offensichtlich hast du keine Ahnung, wie es in solch einem Betrieb zugeht: Fischer, Bosch, Arburg…

  9. Stefan Dorl  •  Aug 24, 2011 @16:45

    Du willst mich einfach nicht verstehen oder du kannst nicht lesen oder beides. Die Sowjetunion gehört im Zusammenhang des Kalten Krieges nicht zum Westen, meine Meinung ist also, dass der Bau der Mauer auch Ergebnis des Konflikts zwischen den ehemaligen Verbündeten gegen den Hitlerfaschismus, also Sowjetunion und USA, Großbritannien und Frankreich, war. Die DDR hat keine alleinige Verantwortung für den Bau der Mauer, auch wenn das für im heutigen Gesellschaftssystem Sozialisierte schwer begreiflich ist. Was du dann noch schreibst, habe ich nicht gesagt und nicht gemeint. Klar ist die DDR dafür verantwortlich, wobei ich darauf aufmerksam machen möchte, dass es zur Existenz eines Schießbefehls auch unterschiedliche Meinungen gibt.
    Die DDR als Unrechtsstaat zu klassifizieren, ist nur auf Grund des Anhängens an der liberal-bürgerlichen Werteordnung möglich. Die Einschätzung ist ideologisch begründet und kann bei anderen Wertvorstellungen völlig anders ausfallen, das heißt, je nach normativen Vorstellungen über einen „Rechtsstaat“ wird man die rechtlichen Verhältnisse in einem Staat unterschiedlich bewerten.
    Zur Wirtschaft im Kapitalismus/Marktwirtschaft empfehle ich dir die Lektüre des ersten Bandes des Kapitals von Marx, dann können wir uns weiter unterhalten – wobei es ratsam erscheint, den Diskurs an dieser Stelle abzubrechen, da hier zwei unterschiedliche Weltbilder aufeinanderprallen, die unversöhnlich gegeneinander stehen und (was dich angeht) nicht zu einer ernsthaften Argumentation bereit sind, weil sie keine als die eigene Meinung respektieren.

  10. Stefan Dorl  •  Aug 24, 2011 @16:59

    Ich bin nicht der einzig „Ewiggestrige“, der eine etwas differenziertere Sicht auf den Mauerbau hat. Auf die Leserbriefseite der Jungen Welt will ich hinweisen (http://www.jungewelt.de/aktuell/rubrik/leserbriefe.php), aber auch auf Leserbriefe in der MZ (23.08.), die ich hier wiedergegebn will:

    „Ich war damals bei der NVA. 1961 war ein politisches Krisenjahr und nie war Deutschland näher an einem Ausbruch bewaffneter Eskalation. Die Mauer war die Nahtstelle zwischen NATO und Warschauer Vertragspartner und das einzige Mittel, den Frieden zu sichern. Wir können unsere Augen davor nicht verschließen. Es ist schlimm, dass Menschen dort ihr Leben verloren haben, aber an jeder bewachten Grenze muss ich bei einem gewaltsamen Durchbrechen damit rechnen, dass der Posten mich erschießt, wenn ich nicht auf Anruf stehen bleibe.“ (Jürgen M., Halle)

    „Ich habe mich seit 50 Jahren mit der Problematik des Mauerbaus auseinandergesetzt und bin der Meinung, dass jeder Mensch, der dort aus politischen Gründen ums Leben gekommen ist, ein Toter zu viel ist. Gleichwohl teile ich die Ansicht eines Teils der Bevölkerung der Bevölkerung der ehemaligen DDR, dass nicht legitime Grenzübertritte auch in der heutigen Zeit noch verfolgt werden. (Rainer B., Sangerhausen) [Man denke nur an die Außengrenzen der EU und die Grenzagentur FRONTEX, die keinen Flüchtling zu viel nach Europa lässt, Anmerkung S. D.]

    „Der Wegfall der Mauer hat uns zwar die Freiheit gebracht, aber für Hunderttausende auch Arbeitslosigkeit, Not und Elend. Die Treuhand hat damals ganze Arbeit geleistet und fast alle volkseigenen Betriebe, ob mit oder ohne Perspektive, der Freiheit geopfert.“ (Gerhard M., Halle)

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