Lese-Tipp des Tages: Jürgen Todenhöfers Bericht aus dem Iran

Was sonst noch in der Welt passiert

Jürgen Todenhöfer würde gerne einmal westliche Politiker mit in das vorgebliche Land des Schreckens, den Iran, mitnehmen: „Ich würde sie in eine der christlichen Kirchen oder eine der Synagogen Teherans begleiten. Und in jenes berühmte jüdische Sapir-Hospital, wo sie Ciamak Moresadegh kennenlernen würden, den liebenswürdigen, klugen Direktor des Krankenhauses.

Moresadegh ist auf vieles stolz. Darauf, dass 80 Prozent seiner Patienten Muslime sind, die für ihre Behandlung nur wenig oder gar nichts bezahlen müssen. Und darauf, dass er Jude und Iraner ist. Wie 20.000 weitere Juden, deren Familien seit über zweieinhalbtausend Jahren hier leben.

Moresadegh, der die Juden als Abgeordneter auch im Parlament vertritt, würde mit seinen Besuchern gerne über Religionsfreiheit im Iran sprechen. Über die jüdischen Schulen und Kindergärten in Teheran, die koscheren Restaurants und darüber, dass der iranische Staat sein Krankenhaus jährlich mit einer Million Dollar unterstützt.“ (Siehe Frankfurter Rundschau)

 

Er trifft Ajatollah Abbas Ka’bi, Mitglied des mächtigen Expertenrats, das den Revolutionsführer wählt und überwacht: „Wir sprechen über die von Irans geistlichem Führer Ali Chamenei erlassenen Fatwas, jene viel zitierten, verbindlichen Religionsgutachten zur Nuklearfrage. Darin hat der mächtigste Mann des Iran Nuklearwaffen als unvereinbar mit dem Koran erklärt, weil sie keinen Unterschied zwischen Soldaten und Zivilisten machten. Frédéric fragt, ob eine veränderte Bedrohungslage zu einer Änderung der Fatwas führen könne.

Ajatollah Abbas Ka’bi erklärt lächelnd, dass das bei diesen Fatwas unmöglich sei. Atomwaffen würden immer Zivilisten töten, und das werde der Koran immer verbieten. Kein Religions- oder Revolutionsführer habe die Macht, das zu ändern. […]

Abbas Ka’bi wehrt sich gegen die Unterstellung, sein Land habe Kriegsabsichten. Seit 150 Jahren habe der Iran kein Land angegriffen, anders als die USA. Er sei jedoch mehrfach überfallen worden, zuletzt 1980 von Saddam Hussein mit Unterstützung der USA. Dass der Iran seine Friedfertigkeit nun ausgerechnet gegenüber den USA und Israel beweisen solle, stelle die Dinge auf den Kopf. Die USA wüssten durch ihre Geheimdienste, dass der Iran keine Nuklearwaffen wolle. „Anders als manche westliche Politiker schalten wir in kritischen Situationen unseren Verstand nicht aus“, sagt Abbas Ka’bi.“ (Siehe Frankfurter Rundschau, Seite 2)

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