Immer weniger Reiche häufen mehr Reichtum an

Antikapitalismus

Nach einer Allianz-Studie waren die Bürger Deutschlands 2013 mit einem Bruttogeldvermögen von 5153 Milliarden Euro (plus vier Prozent gegenüber 2012) statistisch so reich wie nie. Weltweit kletterte der Besitz privater Haushalte in Form von Bargeld, Bankeinlagen, Aktien etc. um 9,9 Prozent gegenüber 2012 und damit so stark wie seit 2003 nicht mehr. Auf der ganzen Welt gibt es ein Geldvermögen von 118,3 Billionen Euro. Das bedeutet bei einer Erdbewohnerzahl von aktuell etwa 7,138 Mrd., dass jeder Bewohner der Erde bei absolut gleicher Verteilung dieses Vermögens über rund 16.573 Euro verfügen könnte. Das wiederum hieße, niemand müsste hungern oder obdachlos sein; viele Weltprobleme ließen sich also lösen, aber der Kapitalismus als weltweit dominierendes ökonomisches (und gesellschaftliches) Prinzip sorgt für eine maximale Ungleichverteilung des von den Arbeitern weltweit erzeugten Reichtums. Wobei Letzteres korrigiert werden muss, denn laut Allianz sei das Wachstum des Geldvermögens im Wesentlichen auf die gute Entwicklung der Börsenkurse zurückzuführen, also hat mittlerweile vor allem das künstliche Wertschöpfen der Finanzmärkte für Vermögenszuwachs gesorgt.

In Deutschland besitzt jeder Bürger im Schnitt ein Netto-Geldvermögen von 44.280 Euro. Damit erreicht die BRD im weltweiten Ranking Platz 16. Spitzenreiter ist die Schweiz, gefolgt von den USA, wie in dieser Grafik von Spiegel Online zu sehen:

Eine weitere Erkenntnis der Studie ist, dass die Ungleichheit des Vermögens abgenommen habe, da die Mittelklasse gewachsen und die Oberklasse kleiner geworden ist: „Fast eine halbe Milliarde Menschen ist demnach in den vergangenen 13 Jahren in die globale Vermögensmittelklasse aufgestiegen. Zwischen 2012 und 2013 waren es 60 Millionen. Zur Mittelklasse zählt in der Allianz-Definition, wer ein Vermögen zwischen 5300 und 31.800 Euro besitzt. Im vergangenen Jahr waren das laut Allianz weltweit 912 Millionen Menschen.“ (Spiegel Online) Das ist eine sehr interessante Definition von „Mittelklasse“, in der Mehrzahl der Länder der Welt – nämlich in den Entwicklungsländern – wäre ein Vermögen von mehr als 10.000 Euro auf jeden Fall schon Kennzeichen der Zugehörigkeit zur obersten Klasse, in Nepal wäre jede Mittelklasse-Familie sehr froh, über 20.000 Euro auf der hohen Kante zu verfügen. Sieht man sich die methodischen Anmerkungen der Allianz-Studie an (S. 120ff.), so erfährt man, dass die Grenzen für die Vermögensmittelschicht bei 30% bis 180% des durchschnittlichen Pro-Kopf-Vermögens liegen, was eine großzügig breite Definition von Mittelklasse darstellt und ermöglicht, eine sehr große Zahl von Menschen zur Mittelklasse zu zählen. Na ja, Statistiken zurechtbiegen, muss gekonnt sein. Zur Wahrheit der Allianz-Studie gehört, dass nur 19,8 % der Bevölkerung der Erde (912 Mio.) zur Mittelklasse zählt (S. 12f).

Hingewiesen wird noch darauf, dass das Wachsen der globalen Mittelschicht auch einigen Absteigern aus der Oberschicht zu verdanken ist, die im Zuge der Wirtschaftskrisen Vermögen verloren haben, und dass die Unterklasse immer noch die größte Gruppe bleibt. 3,55 Milliarden Menschen besitzen also weniger als 5300 Euro. Länder, in denen die Ungleichheit der Vermögen zugenommen hat, seien z. B.: Russland, Indien, Frankreich, Italien, Griechenland, USA und Irland. Und schließlich ist interessant zu lesen, dass Deutschland im internationalen Vergleich noch immer zu den Ländern gehört, in denen das Vermögen ungleich verteilt ist.

 

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