Peinlichste Rede der Woche: Benjamin Netanjahu

Was sonst noch in der Welt passiert

„Jeder Satz wurde aber mit Aufstehen und stürmischem Applaus begrüßt – diese Reaktion haben wir in Erinnerung aus der Zeit, als Breschnew seine Reden auf den Parteitagen der KPdSU hielt.„

Zitat aus der bulgarischen sozialistische Zeitung „Duma“, die sich am Donnerstag mit der Rede von Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu vor dem US-Kongress befasste (zitiert nach Junge Welt)


 

Israels Premierminister Netanjahu scheint wirklich sehr besorgt um seine Wiederwahl bei der am 17.03. anstehenden Parlamentswahl in Israel. Sein Likud-Bündnis ist in jüngsten Umfragen nur noch zweitstärkste Kraft hinter bzw. gleichauf mit dem Mitte-links-Bündnis von Arbeitspartei und Hatnuah. Jedenfalls haben ihn die Republikaner – ohne das Weiße Haus einzubinden – in den Kongress zu einer bemerkenswerten Rede eingeladen, bemerkenswert realitätsfern und propagandistisch. Ich zitiere aus einem Junge Welt-Artikel: „Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu hatte seinen gewünschten großen Auftritt im US-Kongress. Seine Rede am Dienstag dauerte rund 45 Minuten und wurde immer wieder von »Standing ovations« der Abgeordneten und Senatoren beider Parteien unterbrochen. Insgesamt haben sie vermutlich mehr gestanden als gesessen. Nur im Mittelteil der Rede, in dem die zentralen Aussagen konzentriert waren, ließ man Netanjahu ungestört ausreden. Das deutet auf eine gut organisierte Choreographie hin. Eine auch nur annähernd vergleichbare Demonstration totaler Uniformität und Selbstaufgabe wäre in der israelischen Knesset weder für einen ausländischen Gast noch für einen einheimischen Politiker möglich. Israelische Medien äußerten sich teils amüsiert, teils angewidert darüber, dass die US-amerikanischen Parlamentarier Netanjahu sogar für Aussagen zujubelten, die in Israel heiß umstritten sind. […]

Die große alte Dame der Demokraten, die Abgeordnete Nancy Pelosi, bekundete, dass sie während Netanjahus Auftritt den Tränen nahe gewesen sei. Offenbar nicht aus Rührung, sondern aus Zorn. Denn die 74jährige, die dem Kongress ohne Unterbrechung schon seit 1987 angehört und nie als Israel-Kritikerin auffiel, fuhr fort: Die Rede sei »eine Beleidigung für die Intelligenz der Vereinigten Staaten« gewesen. Man sollte ergänzen: eine Beleidigung der menschlichen Intelligenz schlechthin. Vollgestopft mit falschen Behauptungen und ohne logischen Zusammenhang. Zwei Redakteure der meistgelesenen israelischen Tageszeitung, Jediot Acharonot, kommentierten sarkastisch: »Eine Rede vor einer Gruppe eiserner Unterstützer zu halten, die jedem Wort zustimmen, das man sagt, bevor man es auch nur ausgesprochen hat, während der besten Sendezeit in Israel, zwei Wochen vor den Wahlen – das hat sehr wenig mit dem Iran oder mit dem Überleben des jüdischen Volks zu tun.«“

 

Die Rede auf englisch mit deutscher Übersetzung

Siehe auch:

http://www.dw.de/netanjahu-rede-historisch-oder-hysterisch/a-18293871

http://www.nzz.ch/meinung/kommentare/netanyahu-wuerde-besser-schweigen-1.18493920

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