20 Jahre Srebrenica – Ansichten wider dem Mainstream

Was sonst noch in der Welt passiert

Neben Russland gehört(e) auch Serbien (bzw. das frühere Jugoslawien) zu den Schurkenstaaten in Europa, die in der Presse immer gerne mit abschätzigen und abwertenden Schlagzeilen bedacht werden. Am 11. Juli vor 20 Jahren fand nun das „Massaker von Srebrenica“ statt, bei dem nach gängiger Geschichtserzählung in unserer bürgerlichen Mainstreampresse ein „Völkermord“ (!) an 8000 bosnischen Muslimen stattfand. An diesen Völkermord, eine Bezeichnung, die sonst für massive Verbrechen benutzt wird (Völkermord an den Armeniern, mehr als 1,5 Mio. Opfer; Holocaust mit mehr als 5,5 Mio. Opfern; Völkermord in Burundi, über 100.000 Opfer), sollte in einer von Großbritannien eingebrachten Resolution des UN-Sicherheitsrates erinnert werden. Über den Begriff Völkermord, der durch UN-Gerichte bestätigt wurde, will ich nicht streiten. Doch stimmen die Fakten? Russland ließ die Resolution durch sein Veto scheitern, weil das zur Abstimmung stehende Dokument »unausgewogen« und »destruktiv« sei und der Versöhnung nicht helfe (Vgl. Junge Welt vom 10.07.).

Im hier zitierten Artikel der Jungen Welt heißt es weiter: „In dem britischen Resolutionsentwurf wurden die Ereignisse in und um Srebrenica als »Völkermord« bezeichnet. Außerdem wird ausgeführt, dass 8.000 muslimische Bosnier ums Leben kamen. Sowohl die Klassifizierung als »Genozid« wie auch die Zahl sowie die ethnische Zugehörigkeit der Toten sind strittig, werden aber in den westlichen Darstellungen als unumstößliche Fakten präsentiert. Nicht zuletzt diente Srebrenica als Argument für die militärische Intervention der NATO im Jugoslawien-Krieg und wurde auch 1999 bei der Bombardierung Serbiens als Rechtfertigung angeführt. “

Zum historischen Hintergrund erfährt man selten etwas. Dazu wieder die Junge Welt:

Was ging dem 11. Juli 1995 voraus? Nach der von Bundeskanzler Helmut Kohl und Außenminister Hans Dietrich Genscher beförderten Sezession Sloweniens und Kroatiens von Jugoslawien 1991 sahen sich die Führer der bosnischen Muslime im Frühjahr 1992 gezwungen, ihrerseits ebenfalls die »Unabhängigkeit« zu erklären. Bosnien-Herzegowina galt als Vielvölkerstaat im Vielvölkerstaat Jugoslawien. Es folgte ein Bürgerkrieg mit Ansage. Denn die dort lebenden Serben wollten – wie zuvor schon in der Region Krajina in Kroatien – die Degradierung zur entrechteten Minderheit im Sezessionsstaat nicht akzeptieren; sie erklärten sich ihrerseits von diesem unabhängig und blieben Jugoslawien weiter verbunden.

Bei Kriegsausbruch bestand die Bevölkerung von Srebrenica etwa zu zwei Dritteln aus Muslimen und zu einem Drittel aus Serben. Ende 1992 waren aus der Stadt fast alle Serben vertrieben oder ermordet worden. Im April 1993 wurden Srebrenica und fünf weitere Städte zu UN-Schutzzonen erklärt, in denen Blauhelme stationiert wurden. Die »Schutzzone« war vor allem auch ein »sicherer Rückzugsort« für Tausende muslimische Kämpfer, die in der Umgebung zwischen 1992 und 1995 Massenmorde an der serbischen Bevölkerung verübt hatten. Diese Truppen verließen die Stadt Srebrenica noch vor dem Einmarsch der Serben am 11. Juli 1995. Ihr Befehlshaber Naser Oric war zuvor mit seinen Offizieren vom französischen Militär ausgeflogen worden.

[…] Verbrechen ist nicht gleich Verbrechen: Im Windschatten von Srebrenica vertrieb die kroatische Armee Ende Juli 1995 binnen Tagen mehr als 200.000 Serben aus der Region Krajina und besetzte das Gebiet. Hunderte Menschen wurden ermordet, unzählige Dörfer des Landstriches an der Westgrenze zu Bosnien-Herzegowina zerstört. Es war die größte Operation der »ethnischen Säuberung« in den jugoslawischen Kriegen.“


 

Ich weiß nicht, was wirklich in Srebrenica 1995 passiert ist und wie hoch die Opferzahlen sind. Schlimm ist Krieg in jedem Fall. Aber das die Vorgeschichte des Massakers bei der Thematisierung des Massakers häufig unter den Tisch fällt, ist schon unlauter und deutet auf eine politisch motivierte Umbiegung der Geschichte hin, um das Bekämpfen der dem Westen nicht genehmen Milošević-Regierung zu rechtfertigen.

Weiter Artikel und Bücher zum Thema:

»NATO hat im Fall Jugoslawien Blut an den Händen« (Junge Welt vom 15.07.2011)

Germinal Civikov: SREBRENICA. DER KRONZEUGE (2009)

Alexander Dorin: »Srebrenica – Die Geschichte eines salonfähigen Rassismus« (2009)

Alexander Dorin/Zoran Jovanovic: »Srebrenica – wie es wirklich war« (2010)

http://srebrenica-genocide.blogspot.de/

No Comments

Leave a Reply

Allowed tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>