Immer mehr Menschen Ü65 arbeiten – na und?

Antikapitalismus

Laut einer aktuellen Erhebung des Statistischen Bundesamtes gingen in Deutschland 2014 14 Prozent der Menschen im Alter von 65 bis 69 Jahren einer bezahlten Arbeit nach, 2005 waren es nur sechs Prozent. Auch in anderen Lebensbereichen werden Ältere ab 65 immer aktiver: „So nutzten im vergangenen Jahr 57 Prozent der Senioren einen Computer. Seit 2010 sei dieser Anteil um acht Prozentpunkte gestiegen. Der Anteil der Internetnutzer bei Menschen ab 65 Jahre hat sich im selben Zeitraum um zehn Punkte auf 45 Prozent erhöht.“ (ZEIT Online)

Das sind nun keine neuen Erkenntnisse der Sozialforschung. Schon länger ist bekannt, dass aufgrund des wachsenden gesellschaftlichen Wohlstands die Älteren immer älter werden und tendenziell fitter im Alter bleiben. Was soll uns das sagen? Das darf keinesfalls als Rechtfertigung für ständig weiter steigendes Renteneintrittsalter dienen, denn kehren wir obige Zahlen mal um: 86 Prozent der Ü65-Generation arbeiten nicht, die meisten werden das auch nicht wollen – wozu auch, ihre Rente ist (im Durchschnitt, Ausnahmen bestätigen die Regel) noch relativ hoch im Vergleich zu denen, die fünf oder zehn Jahren in Rente gehen werden. Wie viele der 14 Prozent arbeitenden Rentner das freiwillig tun, darüber gibt uns das Statistische Bundesamt leider keine Auskunft, das wäre wirklich sehr interessant zu erfahren. Jedenfalls bleiben arbeitende Über-65-Jährige eine klare gesellschaftliche Minderheit. Das ist gut so, denn so werden Arbeitsplätze für junge, tatendurstige und gut ausgebildete Menschen frei.

Die Junge Welt berichtet über einen anderen Trend, der sich zukünftig massiv verstetigen wird: „Einen Ausblick auf die künftige Entwicklung gibt die Zahl der über 65jährigen, die auf die sogenannte Grundsicherung im Alter angewiesen sind: Zum Jahresende 2013 bezogen knapp 500.000 bzw. drei Prozent diese Transferleistung. Das seien fast doppelt so viele wie 2003 […]. 14,9 Prozent der Rentner waren im Jahr 2013 armutsgefährdet.“

Und weiter: „Verschiedene Studien gehen zudem davon aus, dass der Anteil derer, auf die ein Alter in Armut wartet, drastisch steigen wird. So ergab eine 2012 veröffentlichte Studie der Freien Universität Berlin zu den Perspektiven der heute noch aktiv im Berufsleben stehenden Frauen der Geburtsjahrgänge 1962 bis 1966, dass ihre Durchschnittsrente bei voraussichtlich rund 700 Euro im Westen und 680 im Osten liegen wird – und damit deutlich unter dem aktuellen Niveau der Grundsicherung.“

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