Leseprotokoll Digitale Arbeit (Teil 1)

Politische Theorie

Das heute begonnene Leseprotokoll soll die Inhalte von Aufsätzen, Artikeln u. Ä. zum Thema Digitalisierung der Arbeit und damit zusammenhängende Fragen für die Zukunft der Arbeit zusammenfassen. Die marxistische Theorie, aber auch die politisch-gewerkschaftliche Praxis muss sich den Veränderungen, die der zunehmende Einsatz von digitalen Arbeitsmitteln, Computern und dem „Internet der Dinge“ hervorrufen, stellen. Eine vordringliche Frage ist, ob und wie die Digitalisierung der Arbeitswelt emanzipatorische Wirkung für einen Kommunismus der Zukunft hat. Gibt es nun Chancen für einen digitalen „Wissenskommunismus“ (Gorz)? Die Leseprotokolle von Texten, die sich mit diesen Fragen beschäftigen, sollen den Bloglesern Anregungen und Basisinformationen liefern. Besonders wichtige Erkenntnisse meiner Lektüre sind fett hervorgehoben.

1) Ursula Huws: Widersprüche der digitalen Ökonomie, in: Z. Zeitschrift Marxistische Erneuerung, H. 103/2015, S. 15-28.

  • Immer wenn kapitalist. Wachstumslogik zur Übersättigung von Märkten u. somit in eine Krise der Rentabilität zu führen scheint, werden weitere Lebensbereiche kommodifiziert (= neue Produktionsformen von neuen Waren und Dienstleistungen entstehen, neue Märkte erschlossen)
  • In solchen Phasen kommt es zum Durchbruch neuer Technologien (S.15)
  • Zugleich neue Arten bezahlter Arbeit + Haushaltsarbeit in „Konsumarbeit“ umgewandelt

a) Kommodifizierung (Umwandlung in Waren) von Kunst und Kultur

  • Führt zu: Verhandlungsmacht und Einkommensmöglichkeiten der Künstler heute gesunken; Kreative werden zu Zuliefern von Inhalten für Geräte (Kindle, iPhone)

b) Kommodifizierung von öffentl. Dienstleistungen

  • durch Privatisierung und Outsourcing wurden Arbeitskräfte billiger und konnten Unternehmen Steuerabgaben senken

c) Kommodifizierung der zwischenmenschl. Beziehungen

  • statt direkter Kommunikation werden SMS, Telefongespräche oder Emails genutzt, was zur Steigerung der Profite der Kommunikationsindustrie führt (Hersteller von PCs, Handys, iPads etc.)
  • IK-Techniken (Informations- und Kommunikationstechniken) verbrauchten 2013 zw. 930 und 1500 Mrd. kWh (S. 20)
  • Alle zwischenmenschl. Kontakte dieser Art hinterlassen digitale Spuren, die für zielgerichtete Werbung genutzt werden können (Internet = riesiges Einkaufszentrum)

 

  • Kapitalismus kann Krisen nicht nur überwinden, sondern aus jeder neuen Krise Kraft schöpfen und sich mit neuen Ressourcen ausstatten, um seine Beziehungen zur Arbeit zu erneuern
  • These: „dass wir heute in einer Zeit leben, in der sich gegenseitig verstärkende ökonomische, politische und technologische Faktoren den Charakter der Arbeit grundlegend verändern.“ – Merkmale von Arbeit, die früher Ausnahmen waren, werden heute zur Normalität (S. 22)
  • Produktive Potenzial der Digitalisierung erwuchs durch Entstehen der IK-Techniken, der Verknüpfung von Computern auf weltweiter Ebene (24)
  • Mit Digitalisierung etablierte sich Idee, Arbeit sei etwas Grenzenloses und Virtuelles – Grenze zw. Wohnung und Arbeitsplatz verschwimmt (Emails, 25)
  • Junge Berufsanfänger sind heute Teil einer globalen Reservearmee – Konkurrenz von Arbeitnehmern weltweit; diese haben dadurch dramatisch geringe Verhandlungsmacht (27)
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