Arbeitslosigkeit in der EU – heute und gestern

Antikapitalismus

Heute will ich auf die Lage des gesamteuropäischen Arbeitsmarktes aufmerksam machen (in den EU-Staaten). Es zeigt sich hieran sehr deutlich, dass das deutsche „Jobwunder“, das sich bei einem Blick auf das Ausmaß von Statistikfälschung, prekäre Beschäftigung und „stiller Reserve“ ja deutlich relativiert, auf Kosten anderer EU-Staaten entstanden ist. Die Länder in den folgenden Tabellen sind nach der Arbeitslosenquote (gemessen nach geschönten Eurostat-Kriterien) im Oktober 2015 dargestellt, mit der höchsten Quote oben beginnend.

Deutschland befindet sich in diesem Ranking ganz unten, hat also mit 4,5 % derzeit die beste Arbeitslosenquote. Schaut man auf das vierte Quartal 2007, vor Ausbruch der großen Finanzkrise, dann war Deutschland mit 8,2 % damals noch ein Sorgenkind in der EU und hatte eine der höchsten Quoten der EU. In der 3. Spalte der 1. Tabelle sieht man, dass kein Land der EU seitdem seine Arbeitslosenquote so stark senken konnte wie die BRD. Überhaupt haben nur fünf Länder ihre Quoten in diesem Zeitraum senken können. In 20 Ländern ist die Quote um mehr als ein Prozentpunkt gestiegen, in drei Ländern sogar um über zehn Prozentpunkte. Die ganze Unmenschlichkeit und Unwirksamkeit der neoliberalen Austeritätspolitik lässt sich an den Zahlen von Griechenland studieren: Vor der Krise (2007) lag die Quote bei 8,1 %, 2009 bei 10, 2011 schon bei 20 und Ende 2013 bei über 27 %. Seitdem gab es einen leichten Rückgang auf nun 24,6 %.

Doch wo sollen die Arbeitsplätze für all die Arbeitslosen in der EU herkommen? Der EU-Durchschnitt aller Arbeitslosenquoten lag im Oktober 2015 bei 9,3 Prozent, in absoluten Zahlen entspricht das etwa 17,2 Millionen Frauen und Männer. Woran mangelt es den Europäern? Welche Produkte und Dienstleistungen, die in der Privatwirtschaft hergestellt werden, fehlen in nennenswertem Umfang, um Arbeitsmöglichkeiten für diese 17 Millionen Menschen darzustellen? Die größten Bedürfnisse an Arbeit bestehen in öffentlichen Diensten wie Alten- und Krankenpflege, Bildungssystem, Sozialarbeiter, doch diese Stellen können nicht alle Arbeitslosen versorgen und werden dank neoliberaler Wirtschaftslogik auch nicht vollumfänglich besetzt (sondern stetig weiter abgebaut!).

Wer die Arbeitslosigkeit in der EU beseitigen will, muss die Arbeit umverteilen und die Normalarbeitszeit drastisch reduzieren. Das kann nur erreicht werden, wenn die Mächtigen in dieser Gesellschaft, die Groß- und Monopolkapitalisten enteignet und entmachtet werden!!!

  Okt 15 * 2007Q4 2008Q4 2009Q4 2010Q4 2011Q4 2012Q4
Griechenland 24,6 16,5 8,1 8,1 10,4 14,3 20,7 26,3
Spanien 21,6 13,0 8,6 13,9 18,8 20,3 22,7 25,8
Kroatien 15,8 6,0 9,8 8,6 9,7 12,3 13,9 17,4
Zypern 15,1 11,4 3,7 3,6 6,4 5,9 9,4 13,3
Portugal 12,4 3,5 8,9 8,9 11,2 12,2 14 16,9
Italien 11,5 5,2 6,3 6,8 8,2 8,3 9,1 11,3
Frankreich 10,8 3,3 7,5 7,7 9,5 9,2 9,4 10,1
Slowakei 10,7 0,0 10,7 8,9 14,1 14 14 14,3
Lettland 9,9 4,5 5,4 10,5 20,2 18 15,3 14,2
Finnland 9,5 2,9 6,6 6,7 8,6 8 7,6 7,9
Bulgarien 9,5 3,3 6,2 5,2 8 11,3 11,5 12,4
Slowenien 9,1 4,4 4,7 4,4 6,5 7,7 8,6 9,6
Irland 8,9 4,0 4,9 8,1 13,2 14,9 15,1 14,3
Litauen 8,9 4,8 4,1 8,3 16,3 17,6 14,3 12,9
Belgien 8,7 1,5 7,2 6,9 8 7,9 7,2 8,3
Schweden 7,2 1,1 6,1 6,7 8,8 8,1 7,8 8,2
Polen 7 -1,5 8,5 6,9 8,8 9,6 9,9 10,4
Niederlande 6,9 3,0 3,9 3,6 4,9 4,9 5,3 6,2
Rumänien 6,8 0,9 5,9 5,7 6,9 6,9 7,2 6,8
Ungarn 6,5 -1,3 7,8 8,2 10,7 11 11 10,9
Dänemark 6 2,4 3,6 4 7 7,6 7,7 7,3
Estland 6 1,9 4,1 8,1 16,2 14,4 11,5 9,4
Luxemburg 5,8 1,6 4,2 5,2 4,9 4,7 4,8 5,3
Österreich 5,6 1,1 4,5 4,4 5,5 4,5 4,8 5
Vereinigtes Königreich 5,2 0,1 5,1 6,3 7,7 7,8 8,3 7,7
Malta 5,1 -1,1 6,2 6,2 6,8 7 6,5 6,4
Tschechien 4,7 -0,2 4,9 4,4 7,4 7 6,5 7,2
Deutschland 4,5 -3,7 8,2 7,1 7,6 6,6 5,6 5,3

* in dieser Spalte erkennt man die Differenz zwischen der Arbeitslosenquote im Oktober 2015 (2. Spalte) und der Quote im letzten Quartal 2007 (4. Spalte)

 

  2013Q4 2014Q1 2014Q2 2014Q3 2014Q4 2015Q1 2015Q2 2015Q3
Griechenland 27,7 27,1 26,9 26,2 26 25,9 25 :
Spanien 25,8 25,2 24,6 24,2 23,7 23,1 22,5 21,8
Kroatien 17,3 17,3 17 17 17,6 17 16,2 15,6
Zypern 16,6 15,6 16,1 16,4 16,5 16,2 15,4 15,1
Portugal 15,4 14,8 14,4 13,6 13,5 13,5 12,4 12,3
Italien 12,4 12,7 12,4 12,9 12,8 12,2 12,3 :
Frankreich 10,1 10,2 10,2 10,4 10,5 10,4 10,4 10,7
Slowakei 14,2 13,7 13,4 13,1 12,6 12,1 11,5 11,1
Lettland 11,5 11,4 10,7 10,9 10,4 9,8 9,8 10
Finnland 8,3 8,4 8,6 8,8 9 9,2 9,4 9,5
Bulgarien 12,9 12,4 11,5 11,4 10,6 10 10 9,7
Slowenien 9,7 10,1 9,7 9,6 9,4 9,3 9,5 9,3
Irland 12,3 12,1 11,6 11,1 10,4 10 9,6 9,1
Litauen 11,5 11,3 11 10,5 10,1 9,3 9,5 9
Belgien 8,5 8,4 8,4 8,6 8,6 8,6 8,8 8,8
Schweden 8 8,1 7,9 7,9 7,8 7,7 7,6 7,2
Polen 10 9,8 9,2 8,7 8,3 7,9 7,5 7,2
Niederlande 7,6 7,8 7,6 7,2 7,2 7,1 6,9 6,8
Rumänien 7,1 7 6,8 6,7 6,6 6,9 6,8 6,8
Ungarn 9,2 7,9 8,1 7,6 7,3 7,4 7 6,6
Dänemark 7 6,8 6,4 6,5 6,4 6,2 6,3 6,1
Estland 8,8 7,9 7,2 7,8 6,6 6,1 6,4 5,8
Luxemburg 6 6 6 6 6,1 6 5,8 5,8
Österreich 5,5 5,6 5,6 5,6 5,7 5,6 5,9 :
Vereinigtes Königreich 7,1 6,7 6,3 5,9 5,6 5,5 5,5 :
Malta 6,5 6 5,9 5,9 6 5,9 5,3 5,1
Tschechien 6,8 6,5 6,2 5,9 5,8 5,8 5,1 4,9
Deutschland 5,1 5,1 5 5 4,9 4,8 4,7 4,5

Quelle: Eurostat

 

Siehe auch: http://www.tagesschau.de/wirtschaft/arbeitslosenzahlen-november-101.html

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