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Lenin zu „Vereinigte Staaten von Europa“

Antikapitalismus

Genau heute vor 100 Jahren hat sich der prominente Marxist und Staatsmann Wladimir Lenin zu der politischen Idee der Vereinigten Staaten von Europa geäußert. Lenin zu zitieren gilt in der postmodernen, sich von Klassentheorie und -kampf distanzierenden Linken als absolutes „No go“ und unschicklich, weil Lenin ja Vorbote bzw. Vollstrecker des Totalistarismus in Russland war. Wie auch immer man zu Lenins politischer Praxis stehen mag, so lohnt sich die Lektüre des einen oder anderen Gedankens von Lenin, um die heutige kapitalistische Wirklichkeit (z. B. die EU) zu verstehen. So auch seine Äußerungen zu den Vereinigten Staaten von Europa im Sozial-Demokrat Nr. 44 vom 23. August 1915 (nachzulesen in: Lenin Werke, Band 21, Seite 342-346; Dietz Verlag Berlin, 1972; siehe auch Interview mit Alfred Kosing in jW):


 

In Nr. 40 des „Sozial-Demokrat“ teilten wir mit, dass die Konferenz der Auslandssektionen unserer Partei beschlossen hat, die Frage der Losung „Vereinigte Staaten von Europa“ bis zur Erörterung ihrer ökonomischen Seite in der Presse zu vertagen (1).

Die Diskussion über diese Frage hatte auf unserer Konferenz einseitig politischen Charakter angenommen. Das war zum Teil vielleicht dadurch hervorgerufen, dass diese Losung im Manifest des Zentralkomitees direkt als politische Losung formuliert ist („die nächste politische Losung …“ – heisst es dort), wobei nicht nur von republikanischen Vereinigten Staaten von Europa gesprochen, sondern noch speziell betont wird, dass diese Losung sinnlos und verlogen ist, „wenn die deutsche, die österreichische und die russische Monarchie nicht auf revolutionärem Wege beseitigt werden.“

Gegen eine solche Fragestellung im Rahmen der politischen Beurteilung dieser Losung zu polemisieren – z.B. von dem Standpunkt aus, dass sie die Losung der sozialistischen Revolution verdunkle oder abschwäche u. dgl. mehr, wäre vollkommen falsch. Politische Umgestaltungen in wahrhaft demokratischer Richtung, erst recht aber politische Revolutionen können keinesfalls und niemals, unter keinen Umständen die Losung der sozialistischen Revolution verdunkeln oder abschwächen. Im Gegenteil, sie bringen sie stets näher, verbreitern ihre Basis, ziehen neue Schichten des Kleinbürgertums und der halbproletarischen Massen in den sozialistischen Kampf hinein. Andererseits aber sind politische Revolutionen unvermeidlich im Verlauf der sozialistischen Revolution, die man nicht als einzelnen Akt betrachten darf, sondern als eine Epoche stürmischer politischer und ökonomischer Erschütterungen, des schärfsten Klassenkampfes, des Bürgerkriegs, der Revolutionen und Konterrevolutionen betrachten muss.

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