{"id":118,"date":"2015-10-18T19:44:00","date_gmt":"2015-10-18T17:44:00","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/pluraleoekonomik\/?p=118"},"modified":"2015-10-18T19:44:00","modified_gmt":"2015-10-18T17:44:00","slug":"ist-die-oekonomie-eine-wissenschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/pluraleoekonomik\/ist-die-oekonomie-eine-wissenschaft\/","title":{"rendered":"Ist die \u00d6konomie eine Wissenschaft?"},"content":{"rendered":"<p>Darum, ob die \u00d6konomie eine Wissenschaft sei, <a href=\"http:\/\/www.theguardian.com\/business\/economics-blog\/2013\/nov\/06\/is-economics-a-science-robert-shiller\" target=\"_blank\">streiten sich<\/a> schon immer <a href=\"http:\/\/www.thecrimson.com\/article\/2013\/12\/13\/economics-science-wang\/\" target=\"_blank\">die Geister<\/a>. So akademisch diese Frage erscheint, so wichtig kann sie in der Praxis sein \u2013 es ist nun mal so, dass man in unserer Gesellschaft als Wissenschaftler eine Art Sonderstatus genie\u00dft. In Deutschland, wo man immer wieder auf Klingelschildern \u201eDr.\u201c oder \u201eProf. Dr. Dr.\u201c sieht und Minister gest\u00fcrzt werden, weil sie des Prestige wegen um jeden Preis einen Doktortitel haben wollten, merkt man dies besonders deutlich. Aber auch aus rein \u201eakademischem\u201c Interesse ist die Frage nach dem Wissenschaftsstatus der \u00d6konomie durchaus spannend \u2013 zumal man sich bei ihrer Beantwortung klar machen muss, was eigentlich Wissenschaft ist und was die \u00d6konomie ausmacht. Beides ist bei Weitem nicht trivial.<!--more--><\/p>\n<p>Mit der Frage, was Wissenschaft ist, befasst sich die Wissenschaftstheorie. Sie ist eine Teildisziplin der Philosophie und widmet sich der normativen Frage, was das sog. \u201eDemarkationskriterium\u201c zwischen Wissenschaft und Nicht-Wissenschaft ist (sie ist damit zu unterscheiden von der Wissenschaftsgeschichte, die die Frage zu beantworten sucht, wieso Wissenschaft sich so entwickelt, wie sie es historisch tut). Die meisten Menschen sind sich einig, dass Physik eine Wissenschaft ist, Astrologie hingegen keine. Warum aber?<\/p>\n<p>Den Grundstein f\u00fcr das moderne Verst\u00e4ndnis von Wissenschaft legte der \u00d6sterreicher Karl Raimund Popper ab den 1930er Jahren. Seine Antwort auf die Frage nach dem Demarkationskriterium war einfach: eine wissenschaftliche Theorie ist eine solche, die empirische Beobachtungen benennt, welche sie widerlegen w\u00fcrden \u2013 der sog. <em>Falsifikationismus<\/em>. Laut Popper kann man eine Theorie oder Hypothese nie best\u00e4tigen \u2013 man kann sie nur widerlegen. Ist eine Theorie widerlegbar, ist sie wissenschaftlich. Je mehr F\u00e4lle sie benennt, die sie widerlegen w\u00fcrden, desto wissenschaftlicher ist sie. \u00dcber die Jahre wurde die Popper\u2019sche Wissenschaftstheorie weiterentwickelt und verfeinert (v. a. durch Imre Lakatos in seiner <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Imre_Lakatos#Forschungsprogramme\" target=\"_blank\">Theorie der wissenschaftlichen Forschungsprogramme<\/a>), der Falsifikationismus bleibt aber im Grunde das weiterhin g\u00fcltige Kriterium der Wissenschaftlichkeit \u2013 obgleich es nicht immer ernstzunehmende Str\u00f6mungen gibt, die ihn ablehnen (hier ist vor allem der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Paul_Feyerabend#Wissenschaftstheoretische_Ansichten\" target=\"_blank\">Wissenschaftsanarchismus des Paul Feyerabend<\/a> zu nennen). Gem\u00e4\u00df der Popper\u2019schen Wissenschaftstheorie bezeichnen wir in der Regel die meisten Bereiche der Physik als Wissenschaft, denn man kann physikalische Theorien widerlegen \u2013 <em>vide<\/em> das Durcheinander, das <a href=\"http:\/\/www.zeit.de\/wissen\/2011-09\/neutrinos-cern-licht\" target=\"_blank\">scheinbar \u201ezu schnelle\u201c Neutrinos<\/a> vor ein paar Jahren verursacht haben (die sich dann doch als <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/wissenschaft\/natur\/cern-experiment-bestaetigt-einstein-neutrinos-nicht-schneller-als-licht-a-821855.html\" target=\"_blank\">Messfehler, nicht als eine Widerlegung der Einstein\u2019schen Relativit\u00e4tstheorie<\/a> herausstellten). Dahingegen ist die Wissenschaftlichkeit der <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Stringtheorie\" target=\"_blank\">String-Theorie<\/a> h\u00f6chst umstritten, weil man sie kaum empirischen Tests unterziehen kann.<\/p>\n<p>Eine in der Wissenschaftstheorie seit Popper kontrovers diskutierte Frage ist, ob die Sozial<em>wissenschaften<\/em> denn tats\u00e4chlich Wissenschaften sind. Eine recht h\u00e4ufig anzutreffende Antwort ist ein knappes \u201eNein!\u201c Popper selbst war eher der Meinung, dass es innerhalb der Sozialwissenschaften eine Art Kontinuum gibt \u2013 manche Teile seien wissenschaftlich (seiner Meinung nach v. a. die \u00d6konomie), andere weniger (Soziologie). Lakatos hingegen bezeichnete die meisten Sozialwissenschaften als \u201edegenerierend\u201c \u2013 sein Begriff daf\u00fcr, dass ein Forschungsprogramm immer mehr Wissenschaftlichkeit einb\u00fc\u00dft.<\/p>\n<p>Fragt man die \u00d6konomen selbst, was \u00d6konomie ausmacht, bekommt man \u00fcberraschenderweise(?) sehr unterschiedliche Antworten. Die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Klassische_National%C3%B6konomie\" target=\"_blank\">Klassiker<\/a> beispielsweise tendierten zum sog. Apriorismus, der von Vertretern der \u00d6sterreichischen Schule (allen voran Carl Menger) besonders deutlich explizit gemacht wurde \u2013 die \u00d6konomie basiere auf apriorischen Erkenntnissen \u00fcber das Wesen des Menschen, die man durch Introspektion, d. h. die Betrachtung seiner Selbst, erlangen k\u00f6nne. Auf diesen apriorischen Erkenntnissen basierend k\u00f6nne man durch die Anwendung von Logik weitere \u201e\u00f6konomische Gesetze\u201c deduzieren. Diese lie\u00dfen sich nicht durch empirische Beobachtung umst\u00fcrzen, denn sie seien \u201ewahr\u201c <em>a priori<\/em>. Man kann viel Gutes \u00fcber die \u00d6sterreichische Schule sagen, aber der Apriorismus geh\u00f6rt nicht zu ihren St\u00e4rken.<\/p>\n<p>Eine andere Gruppe von \u00d6konomen, zun\u00e4chst die Deutsche Historische Schule, sp\u00e4ter die alte Institutionen\u00f6konomik (hier v. a. Thorstein Veblen) und ihre Nachfolger, legt(e) einen sehr gro\u00dfen Wert auf die Sammlung empirischer Daten und ihre Interpretation. Diese Gruppe lehnt die Idee von ahistorischen \u201e\u00f6konomischen Gesetz(m\u00e4\u00dfigkeit)en\u201c jeglicher Art ab. Damit ist auch sie nicht wirklich zug\u00e4nglich f\u00fcr das Popper\u2019sche Kriterium \u2013 denn dieses setzt voraus, dass bestimmte Zusammenh\u00e4nge, beschrieben durch Theorien, halbwegs stabiler Natur sind. Die historisch gepr\u00e4gten Denkschulen in der \u00d6konomie lehnen Prognosen aber ab, weil ihrer Meinung nach die soziale Wirklichkeit nicht die n\u00f6tige temporale Stabilit\u00e4t aufweist.<\/p>\n<p>Nun zu der seit ca. 100 Jahren dominanten Denkschule der neoklassischen \u00d6konomie. Viele Neoklassiker deklarieren sich als Popperianer und halten rhetorisch den Falsifikationismus hoch. Manche von ihnen gehen damit so weit, in den sog. Instrumentalismus zu verfallen, d. h. die \u00dcberzeugung, dass das einzige Kriterium der G\u00fcte einer Theorie darin besteht, ob sie treffende Vorhersagen machen kann (womit Extrapolationen pl\u00f6tzlich den Status erkl\u00e4render wissenschaftlicher Theorien bek\u00e4men). Das klassische Beispiel hierf\u00fcr liefert der enorm einflussreiche und nicht minder kontroverse Beitrag Milton Friedmans zur <em>Methodology of Positive Economics<\/em> (1953). Das Problem mit der Begeisterung der \u00d6konomen f\u00fcr Popper liegt zuvorderst darin, dass sie vor allem rhetorischer Natur ist \u2013 sieht man sich ihren Umgang mit eigentlichen Theorien an und wie sie auf empirische Widerlegungen reagieren (bzw., ob die Theorien \u00fcberhaupt widerlegbar sind), erkennt man oft eine implizite Tendenz zum Apriorismus.<\/p>\n<p>Aus diesem \u00dcberblick d\u00fcrfte schon mal erkennbar sein, dass man kaum sagen kann, dass <em>die<\/em> \u00d6konomie eine Wissenschaft ist \u2013 man kann dies h\u00f6chstens \u00fcber konkrete Theorien sagen, ggf. \u00fcber einzelne Denkschulen. Bleiben wir also bei der Neoklassischen \u00d6konomie im weitesten Sinne.<\/p>\n<p>Das interessante an ihr ist, dass sie urspr\u00fcnglich in einer sehr starken Anlehnung an die Physik aufgebaut wurde (siehe das Buch <em><a href=\"http:\/\/www.cambridge.org\/catalogue\/catalogue.asp?isbn=9781139240093\" target=\"_blank\">More Heat Than Light<\/a><\/em> von Philip Mirowski). Die neoklassischen \u00d6konomen der ersten Stunde (L\u00e9on Walras, Francis Ysidro Edgeworth, Alfred Marshall, Cecil Arthur Pigou&#8230;) wollten unbedingt zeigen, dass ihre \u00d6konomie eine richtige Wissenschaft sei. Dies f\u00fchrte nicht nur dazu, dass die Wirtschafts<em>wissenschaft<\/em> pl\u00f6tzlich eine sehr starke <a href=\"https:\/\/skeptischeoekonomie.wordpress.com\/2014\/12\/13\/der-okonomie-drang-zur-mathematischen-exaktheit\/\" target=\"_blank\">Mathematisierung<\/a> erfuhr \u2013 manche Modelle wurden schlicht und einfach von der Physik abgekupfert, wie bspw. die <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Optimale_Steuerung\" target=\"_blank\">Theorie optimaler Steuerung<\/a>, die in der Allgemeinen Gleichgewichtstheorie und der Wohlfahrts\u00f6konomik eine gro\u00dfe Rolle spielt (interessanterweise scheinen die Neoklassiker dabei die Thermodynamik vergessen zu haben, <a href=\"http:\/\/www.barnesandnoble.com\/w\/entropy-law-and-the-economic-process-nicholas-georgescu-roegen\/1101705210?ean=9781583486009\" target=\"_blank\">so zumindest die Kritik seitens der \u00d6kologischen \u00d6konomik<\/a>). Dieser Drang zur mathematischen Exaktheit f\u00fchrte mit der Zeit zu allerlei Absurdid\u00e4ten \u2013 die Allgemeine Gleichgewichtstheorie ist wohl das pr\u00e4gnanteste Beispiel. Sie basiert auf so hoher Mathematik, dass es manchmal hei\u00dft, man br\u00e4uchte einen Doktortitel in Mathematik, um sie wirklich nachvollziehen zu k\u00f6nnen. Gleichwohl sind ihre zentralen Ergebnisse aufgrund der notwendigen Annahmen so abstrakt, dass sie kaum Relevanz f\u00fcr die reale Welt zeitigen.<\/p>\n<p>Hat all diese Orientierung an der Physik dazu gef\u00fchrt, dass die \u00d6konomie wissenschaftlicher wurde? Das ist zu bezweifeln. Wie bereits angemerkt, tendieren \u00d6konomen dazu, Falsifikationismus zu predigen, in der Praxis aber eher den Apriorismus zu leben. Andererseits wurden gerade in letzter Zeit Rufe nach mehr Empirie in der \u00d6konomie lauter \u2013 experimentelle \u00d6konomik, Verhaltens\u00f6konomik, empirische Makro\u00f6konomik sind Beispiele von relativ neuen Forschungsfeldern, in denen \u00f6konomische Theorien getestet werden. Ein Problem jedoch bleibt die Komplexit\u00e4t sozialer Ph\u00e4nomene, mit denen die \u00d6konomie, wie die anderen Sozialwissenschaften, klarkommen muss \u2013 die meisten \u201e\u00f6konomischen Gesetze\u201c gelten bestenfalls \u201ein der Tendenz\u201c oder <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Ceteris_paribus\" target=\"_blank\"><em>ceteris paribus<\/em><\/a>. Damit ist die sog. <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Duhem-Quine-These\" target=\"_blank\">Duhem-Quine-These<\/a> f\u00fcr die \u00d6konomie von besonderer Tragweite: diese besagt, dass eine wissenschaftliche Hypothese praktisch nie eindeutig widerlegt werden kann, denn ihre G\u00fcltigkeit bzw. auch der Pr\u00fcfvorgang auf der G\u00fcltigkeit eines ganzen Schwarms weiterer Hypothesen (sog. <em>auxilliary hypotheses<\/em>) basiert. Wenn eine Hypothese also (scheinbar) widerlegt wird, ist es unklar, welcher Teil des theoretischen Geflechts, das sie ausmacht, tats\u00e4chlich falsch ist. Dies ist sogar in einer so exakten Wissenschaft wie die Physik durchaus ein Problem, obwohl dort kontrollierte Experimente in aller Regel durchf\u00fchrbar sind \u2013 eine M\u00f6glichkeit, die den Sozialwissenschaften kaum zur Verf\u00fcgung steht, die zwangsl\u00e4ufig auf deutlich weniger pr\u00e4zise Quasi-Experimente oder gar nur (mathematisch formalisierte) Gedankenexperimente zur\u00fcckgreifen m\u00fcssen. Dies bedeutet, dass das Duhem-Quine-Problem in den Sozialwissenschaften besonders stark ausgepr\u00e4gt sein d\u00fcrfte.<\/p>\n<p>Zuletzt noch eine Frage, die meine eigene Forschung betrifft: was ist mit der Wohlfahrts\u00f6konomik, die h\u00e4ufig als eine \u201enormative Wissenschaft\u201c bezeichnet wird (f\u00fcr viele Wissenschaftstheoretiker ein Oxymoron)? In der <a href=\"https:\/\/skeptischeoekonomie.wordpress.com\/2015\/09\/27\/was-ist-an-dem-arrow-paradoxon-dran\/\" target=\"_blank\">Wohlfahrts\u00f6konomik<\/a> geht es darum, Ver\u00e4nderungen in der Wirtschaft zu <em>bewerten<\/em> \u2013 es geht also weniger um die Beschreibung bzw. Erkl\u00e4rung menschlicher Aktivit\u00e4ten und deren Ergebnisse, sondern vielmehr um deren normative Beurteilung. Das klingt nat\u00fcrlich nicht allzu sehr nach Wissenschaft. Allerdings wird gelegentlich darauf hingewiesen, dass Kontroversen bez\u00fcglich der Beurteilung von verschiedenen Politiken weniger aus Unterschieden in Werten resultieren, sondern vielmehr das Ergebnis mangelnder \u00dcbereinstimmung bei der Interpretation von Fakten ist. F\u00fchrt staatlich generierte Nachfrage in Krisenzeiten zur Stabilisierung der Wirtschaft? Gibt es ein <em>trade-off<\/em> zwischen Arbeitslosigkeit und Inflation? F\u00fchrt <a href=\"https:\/\/skeptischeoekonomie.wordpress.com\/2015\/04\/23\/freier-handel-guter-handel\/\" target=\"_blank\">freier Handel<\/a> zu Wohlfahrtssteigerungen in Entwicklungsl\u00e4ndern? Diese und \u00e4hnliche Fragen liegen oft Debatten zu Grunde, die scheinbar Wertedebatten sind, in denen man sich aber in Wirklichkeit nicht \u00fcber Fakten einigen kann, w\u00e4hrend die normativen Ziele im Grunde \u00e4hnlich sind. Auch die Wohlfahrts\u00f6konomik im engeren Sinne h\u00e4ngt in vielerlei Hinsicht an der G\u00fcltigkeit bestimmter positiver Theorien \u2013 bspw. bez\u00fcglich der groben Form von Nutzenfunktionen, des Verhaltens von Menschen, wenn sie kollektiven Entscheidungsproblemen gegen\u00fcberstehen, des Ma\u00dfes an Risikoaversion, das Menschen zeitigen bzw. einfach der Priorit\u00e4ten und Wertsch\u00e4tzungen, die Menschen in ihren K\u00f6pfen bilden (Pr\u00e4ferenzordnungen im \u00d6konomensprech). Die betreffenden Grundannahmen der Wohlfahrts\u00f6konomik sind umstritten, aber in der Regel grunds\u00e4tzlich wissenschaftlich im Popper\u2019schen Sinne \u2013 man kann sie testen. Und sie werden getestet, z. B. mit den Mitteln experimenteller \u00d6konomik. Eine andere Frage ist nat\u00fcrlich, wie leicht sich die betreffenden \u00d6konomen von Tests ihrer Theorien \u00fcberzeugen lassen, an diesen ggf. etwas zu \u00e4ndern. So gesehen kann man durchaus sagen, dass die Wohlfahrts\u00f6konomik eine \u201enormative Wissenschaft\u201c ist, so seltsam und widerspr\u00fcchlich diese Formulierung anmutet.<\/p>\n<p>Nun aber zur\u00fcck zu unserer Ausgangsfrage: ist die \u00d6konomie eine Wissenschaft? Meine allgemeine Antwort w\u00e4re: dies ist nicht gerade leicht zu beantworten. Zwar ist man sich \u00fcber das grundlegende Kriterium der Wissenschaftlichkeit \u2013 die Falsifizierbarkeit von Theorien \u2013 relativ einig. Doch in der konkreten Anwendung ist dieses Kriterium nicht immer hilfreich und eindeutig, nicht zuletzt wegen des erw\u00e4hnten Duhem-Quine-Problems. Im Falle der \u00d6konomie kommen einige zus\u00e4tzliche Probleme hinzu: erstens, es gibt nicht <em>die<\/em> \u00d6konomie. Selbst innerhalb der Neoklassik gibt es mehr und weniger wissenschaftliche Bereiche. Zweitens, die \u00d6konomen predigen etwas anderes (Falsifikationismus) als sie teilweise leben (verdeckten Apriorismus). Drittens, die fehlende M\u00f6glichkeit kontrollierter Experimente erschwert die eindeutige Verifikation von Hypothesen bedeutend. Kurzum, man kann die Ausgangsfrage des heutigen Beitrags ruhigen Gewissens mit der Standard-Antwort eines Sozialwissenschaftlers beantworten: Das kommt drauf an!<\/p>\n<p><strong>Leseempfehlungen:<\/strong><\/p>\n<ul>\n<li>Mark Blaug (1992): <em><a href=\"http:\/\/www.cambridge.org\/catalogue\/catalogue.asp?isbn=9780521430616\" target=\"_blank\">The Methodology of Economics or How Economists Explain<\/a><\/em>. Cambridge University Press.<\/li>\n<li>Julian Reiss (2013): <em><a href=\"https:\/\/www.routledge.com\/products\/9780415881173\" target=\"_blank\">Philosophy of Economics: A Contemporary Introduction<\/a><\/em>. Routledge.<\/li>\n<\/ul>\n<p><em>Der Beitrag erschien zuerst <a href=\"https:\/\/skeptischeoekonomie.wordpress.com\/2015\/10\/18\/ist-die-oekonomie-eine-wissenschaft\/\" target=\"_blank\">auf meinem eigenen Blog<\/a>.<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Darum, ob die \u00d6konomie eine Wissenschaft sei, streiten sich schon immer die Geister. 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