{"id":276,"date":"2017-11-10T11:02:46","date_gmt":"2017-11-10T10:02:46","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/pluraleoekonomik\/?p=276"},"modified":"2018-02-15T13:15:00","modified_gmt":"2018-02-15T12:15:00","slug":"kurzimpuls-auf-der-tagung-wirtschaftswissenschaften-und-sozial-oekologische-transformation-in-berlin-am-06-11-2017","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/pluraleoekonomik\/kurzimpuls-auf-der-tagung-wirtschaftswissenschaften-und-sozial-oekologische-transformation-in-berlin-am-06-11-2017\/","title":{"rendered":"Kurzimpuls auf der Tagung &#8222;Wirtschaftswissenschaften und sozial-\u00f6kologische Transformation&#8220; in Berlin am 06.11.2017"},"content":{"rendered":"<p class=\"bodytext\">Im Zuge der Ver\u00f6ffentlichung eines Sammelbandes &#8222;Transformative Wirtschaftswissenschaft im Kontext nachhaltiger Entwicklung&#8220; veranstaltete das I\u00d6W (Institut f\u00fcr \u00f6kologische Wirtschaftsforschung), die Cusanus Hochschule, das Netzwerk Plurale \u00d6konomik und das Wuppertal Institut eine Tagung am 06.11.2017 in Berlin auf der die vielf\u00e4ltigen theoretischen, methodischen und inhaltlichen Ans\u00e4tze der Wirtschaftswissenschaften und ihre Wirkungen auf die gesellschaftliche Praxis zu diskutiert wurden. Daf\u00fcr kamen \u00d6konom\/innen verschiedener Str\u00f6mungen, Sozial- und Nachhaltigkeitswissenschaftler\/innen sowie Expert\/innen aus Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft zusammen.<\/p>\n<p>Wir hatten die Ehre einen Kurzimpuls zum Thema &#8222;Transformative Lehre aus studentischer Perspektive&#8220; auf dieser Tagung zu halten. Im folgenden findet ihr die Rede:<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<blockquote><p><em>Guten Tag sehr geehrte Damen und Herren,<\/em><\/p>\n<p><em>ich wurde im Zuge dieser Tagung angefragt einen Kurzimpuls zum Thema Transformative Lehre aus studentischer Perspektive zu halten. Daf\u00fcr m\u00f6chte ich Ihnen ein grobes Bild meines Lehrumfeldes geben und die Situation an der Universit\u00e4t Halle umschreiben aus der ich Ihnen berichten m\u00f6chte:<\/em><\/p>\n<p><em>In den Veranstaltungen sitzen meist mehr als 200 Menschen. Die Einf\u00fchrungsveranstaltungen in die Wirtschaftswissenschaften mit knapp 800 Teilnehmenden m\u00fcssen daher j\u00e4hrlich in das Konzerthaus in Halle verlegt werden. In der Lehre der \u00d6konomie wird die Neoklassik nicht als dominierende Theorieschule in den Wirtschaftswissenschaften hinterfragt, nicht mal als solche dargestellt, sondern als gegebene Tatsache den Studierenden zum Auswendiglernen vorgesetzt. Dies ist kein spezifischer Zustand an meiner Universit\u00e4t. Ich kann nur aus der Vielzahl anderer Lokalgruppen des bundesweiten Netzwerks f\u00fcr Plurale \u00d6konomik ableiten, dass ein \u00e4hnlicher Zustand auch an anderen Universit\u00e4ten vorzufinden ist.<\/em><\/p>\n<p><em>Ich studiere Volkswirtschaftslehre im Bachelor und habe vor 2 \u00a0Jahren mit Mitstudierenden die Initiative Neue Plurale \u00d6konomik gegr\u00fcndet, um eine M\u00f6glichkeit zu schaffen, sich mit anderen Studierenden der Universit\u00e4t kritisch \u00fcber Lehrinhalte im \u00d6konomiestudium auszutauschen.<\/em><\/p>\n<p><em>Was ist nun unsere Rolle als Studierendeninitiative f\u00fcr eine Transformation der Wirtschaftswissenschaften an der Universit\u00e4t? Zun\u00e4chst sind es unsere Bildungsangebote, welche in Formen von selbstorganisierten Ringvorlesungen vorzufinden sind. Diese sollen die Studieninhalte erg\u00e4nzen, neue Betrachtungsweisen aufzeigen und Zuh\u00f6renden zum ersten kritischen Nachdenken \u00fcber die monistisch dargestellten Inhalte in der Universit\u00e4t anregen.<\/em><\/p>\n<p><em>Ein weitaus gr\u00f6\u00dferes Potenzial f\u00fcr eine Transformation der Lehre und des Lernens findet sich jedoch in der internen Arbeit der Lokalgruppe: Eine Gruppe von bis zu 10 Menschen, die aus verschiedenen Disziplinen kommen und ausgestattet sind mit unterschiedlichen Wissensst\u00e4nden. Diese treffen zusammen und lesen Klassiker oder aktuelle Paper aus dem Wissenschaftsbereich der \u00d6konomie und diskutieren diese im Kontext der aktuellen Ereignisse aus Wirtschaft und Politik.<\/em><\/p>\n<p><em>Damit \u00a0schaffen sie sich einen Raum zum freien Austausch. Dieser Austausch ist von Aspekten gepr\u00e4gt, die meiner Meinung nach grundlegend sind f\u00fcr eine kritische und auch selbstkritische Betrachtung der Erkenntnissch\u00f6pfung einer Gruppe: Durch den Raum, welcher frei von der Deutungshoheit einer Person ist, in dem nicht Wissen von Lehrenden zu Lernenden nur weitergegeben wird, schwindet die Interpretationsmacht von Erkenntnissen, \u00a0welche durch einen h\u00f6heren \u201eBildungsstatus\u201c vorget\u00e4uscht werden kann. In diesem Raum ist jeder dazu angeregt, das eigene Wissen und die eigenen Ansichten zu hinterfragen und sich mit den anderen \u00fcber Erkenntnisse auszutauschen.<\/em><\/p>\n<p><em>Eine feste Ontologie l\u00e4sst sich in diesem Erkenntnisprozess nur schwer etablieren. Das Bewusstsein und Bewusstwerden \u00fcber die Subjektivit\u00e4t in Anschauungen und Annahmen bei der Generierung von Wissen ist notwendig, um reflexiv Wissen betrachten zu k\u00f6nnen. Dieser Aspekt wird oft durch eine pr\u00e4sente Definitionsmacht an der Universit\u00e4t untergraben und wirkt sich destruktiv aus auf eine kritische Eigeninitiative von Studierenden im H\u00f6rsaal.<\/em><\/p>\n<p><em>Ein herrschaftsfreier und selbstkritischer Weg des Lernens und der Erkenntnisfindung stellt f\u00fcr mich einen bedeutenden Schritt dar, um festgefahrene Strukturen verlassen zu k\u00f6nnen und den Blick f\u00fcr neue R\u00e4ume zu \u00f6ffnen. Eine banale Sache wie das autodidaktische Lernen einer Gruppe birgt f\u00fcr mich das Potenzial einer transformativen Lehre.<\/em><\/p>\n<p><em>Um einen ersten Schritt einer Transformation der Lehre an der Universit\u00e4t zu erm\u00f6glichen, wurde, mit zwei weiteren Studierendeninitiativen aus den Disziplinen der Agrarwissenschaft und der \u00d6kologie, das B\u00fcndnis f\u00fcr transformative Lehre gegr\u00fcndet. \u00a0Dieses hat im letzten Semester ein Positionspapier ver\u00f6ffentlicht und an die Hochschulleitung herangetragen, in dem die notwendigen Schritte der Institutionalisierung von studentisch-organisierten Lehrangeboten und studentischen Lernr\u00e4umen \u00a0beschrieben werden, welche notwendig \u00a0f\u00fcr eine Etablierung von transformativen Wissen an der Universit\u00e4t. Dazu z\u00e4hlt nicht nur die Institutionalisierung, sondern auch die Akkreditierung, also die Anerkennung, der Denkr\u00e4ume, in welchen transformatives Wissen entstehen kann. Eine Begegnung von Lehrenden und Lernenden auf Augenh\u00f6he, in der der Austausch und die gemeinsame Generierung von Wissen mehr im Vordergrund stehen als ihre repetitive Weitergabe sehe ich daher als notwendig an, um einen Transformationsprozess in der Lehre an Universit\u00e4ten zu erm\u00f6glichen. Das Eingreifen einer Studierendeninitiative in die Lehre an der Universit\u00e4t ist wird nicht ausreichen, um einen Wandel hervorzurufen. Dennoch hoffe ich Ihnen die wichtige Rolle der Studierendenschaft als Agierende im Transformationsprozess der Wirtschaftswissenschaften verdeutlicht zu haben.<\/em><\/p><\/blockquote>\n<p>Tagung: <a href=\"https:\/\/www.ioew.de\/veranstaltung\/wirtschaftswissenschaften_und_sozial_oekologische_transformation\/\">https:\/\/www.ioew.de\/veranstaltung\/wirtschaftswissenschaften_und_sozial_oekologische_transformation\/<\/a><\/p>\n<p>Sammelband: <a href=\"http:\/\/www.metropolis-verlag.de\/Transformative-Wirtschaftswissenschaft-im-Kontext-nachhaltiger-Entwicklung\/1286\/book.do\">http:\/\/www.metropolis-verlag.de\/Transformative-Wirtschaftswissenschaft-im-Kontext-nachhaltiger-Entwicklung\/1286\/book.do<\/a><\/p>\n<p>Positionspapier B\u00fcndnis Transformative Lehre: <a href=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/pluraleoekonomik\/files\/2017\/11\/PoPaPi-Transformative-Lehre.pdf\">PoPaPi-Transformative-Lehre<\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Zuge der Ver\u00f6ffentlichung eines Sammelbandes &#8222;Transformative Wirtschaftswissenschaft im Kontext nachhaltiger Entwicklung&#8220; veranstaltete das I\u00d6W (Institut f\u00fcr \u00f6kologische Wirtschaftsforschung), die Cusanus Hochschule, das Netzwerk Plurale \u00d6konomik und das Wuppertal Institut eine Tagung am 06.11.2017 in Berlin auf der die vielf\u00e4ltigen&#8230;<\/p>\n","protected":false},"author":2846,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/pluraleoekonomik\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/276"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/pluraleoekonomik\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/pluraleoekonomik\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/pluraleoekonomik\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2846"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/pluraleoekonomik\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=276"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/pluraleoekonomik\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/276\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":293,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/pluraleoekonomik\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/276\/revisions\/293"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/pluraleoekonomik\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=276"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/pluraleoekonomik\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=276"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/pluraleoekonomik\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=276"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}