{"id":375,"date":"2018-11-18T17:55:48","date_gmt":"2018-11-18T16:55:48","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/pluraleoekonomik\/?p=375"},"modified":"2022-02-22T19:32:48","modified_gmt":"2022-02-22T18:32:48","slug":"hasi-muss-bleiben","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/pluraleoekonomik\/hasi-muss-bleiben\/","title":{"rendered":"Hasi muss bleiben!"},"content":{"rendered":"\n<div>\n<p><em>Die HaSi (Hafenstra\u00dfe 7) bietet uns seit Jahren Raum f\u00fcr unsere zahlreichen Treffen. Nun soll sie ger\u00e4umt werden. Das wollen wir nicht hinnehmen! Wenn ihr die Hasi und uns unterst\u00fctzen m\u00f6chtet, verbeitet diese Botschaft gerne weiter und kommt am Mittwoch, den 21.11.18, um 13 Uhr zur Kundgebung und Demonstration auf den Marktplatz in Halle. Danke!<\/em><\/p>\n<p>Die R\u00e4umung der HaSi wird vollstreckt. Neben den vielzitierten Initiativen und Aktivit\u00e4ten wie Gartenprojekt, Capoiera-Kurs, Yoga-Kreis, Elterncaf\u00e9 und Jam Session sowie Orten der Selbstorganisation wie die Fahrradselbsthilfewerkstatt und solidarische K\u00fcche, sind auch wir als Initiative Neue Plurale \u00d6konomik Halle davon betroffen.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Inwiefern und wer sind wir \u00fcberhaupt?<\/p>\n\n\n\n<p>Kurz: Wir sind eine Gruppe Studierender verschiedener Fachrichtungen, die sich kritisch mit dem Studium der Wirtschaftswissenschaften auseinandersetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Was haben wir&nbsp; mit der HaSi zu tun?<\/p>\n\n\n\n<p>Kurz: Wir nutzen die HaSi. Wir treffen uns dort w\u00f6chentlich f\u00fcr unseren Lesekreis und Plena. Im Lesekreis besch\u00e4ftigen wir uns selbstorganisiert mit Texten und B\u00fcchern, die uns im universit\u00e4ren Kontext fehlen. In Plena organisieren wir Veranstaltungen, debattieren \u00fcber wissenschaftliche Konzepte und feilen an M\u00f6glichkeiten, unsere Vorstellungen von Lehre und Wissensproduktion in die Praxis umzusetzen. Uns eint die Unzufriedenheit mit dem kapitalistischen Normalzustand, der Ausbeutung und Hass verursacht und wir versuchen, diesen Normalzustand zu analysieren, um ihn zu durchbrechen.<\/p>\n\n\n\n<p>Was bedeutet \u201ekapitalistisch\u201c an dieser Stelle?<\/p>\n\n\n\n<p>Es bedeutet die Orientierung an der Verwertung des Kapitals, also am Gewinn statt am&nbsp; Bedarf,&nbsp; an&nbsp; der&nbsp; Vermehrung&nbsp; des&nbsp; Kapitals&nbsp; statt&nbsp; am&nbsp; Verbrauch. Ein derart operierendes System funktioniert langfristig nicht. Es wird an seine Grenzen kommen, da in Wirklichkeit materieller Bedarf \u00fcber finanziellem Interesse steht. Und das wird auch Halle merken. Es ist ungerecht, dass die nicht kapitalistisch organisierte Arbeit in der HaSi nicht als solche wertgesch\u00e4tzt wird. Sie wird ausgebeutet, indem das Grundst\u00fcck, das zw\u00f6lf Jahre leer stand nun wieder von Interesse f\u00fcr die Stadt ist. Die aktiven Menschen in der HaSi haben das Gel\u00e4nde aufger\u00e4umt und wieder instandgesetzt. Das will die HWG nun ausnutzen. Die kapitalistische Logik vom Zwang der Lohnarbeit, um den Lebensunterhalt zu bestreiten, um Mieten zu bezahlen f\u00fchrt zu einem entfremdeten Leben \u2013 sinnlos und unfrei. Es steht dem diametral gegen\u00fcber, wof\u00fcr sich die HaSi einsetzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Fakten sind bekannt: Gegenw\u00e4rtig steht die HaSi unter Denkmalschutz, was bedeutet, dass die bauf\u00e4lligen Geb\u00e4ude zu erhalten sind. Das wird die Stadt unendlich viel Geld kosten. Kosten, die an anderer Stelle gebraucht w\u00fcrden. Nach derzeitiger Rechtsprechung kann das Gel\u00e4nde von der Stadt nicht sinnvoll genutzt oder verwertet werden. Die Stadt selbst hat den Wert des Gel\u00e4ndes mit Minus 200.000 Euro veranschlagt. Ein Kaufangebot seitens der HaSi von einer viertel Million \u00fcber diesem Wert hat die Stadt abgelehnt. In der Hoffnung, zuk\u00fcnftig nicht mehr an momentan geltende Vorgaben gebunden zu sein, ordnet die stadteigene HWG die R\u00e4umung des Gel\u00e4ndes und beendet ein Projekt, das mehr als n\u00f6tig ist f\u00fcr den Ort Halle. Denn: Wir brauchen Platz!<\/p>\n\n\n\n<p>Wir von der Initiative Neue Plurale \u00d6konomik nutzen die HaSi. Denn sie bietet Raum, den es sonst so nicht gibt in Halle. Sie bietet Platz f\u00fcr Selbstorganisation, ohne inhaltliche Schranken, einen wahrhaften Freiraum. Etwas, das die Universit\u00e4t gerne von sich behauptet, aber in ihren eigenen wiederum \u00f6konomischen Zw\u00e4ngen nicht bieten kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Die HaSi als Versuch eines nichtkapitalistischen Raums bietet Platz f\u00fcr die gedankliche Entfaltung. Sie ist gelebtes Beispiel einer Welt abseits der vorherrschenden Meinung und Praxis von Geltungsdrang und Leistungszwang.<\/p>\n\n\n\n<p>Die HaSi als nichthierarchischer Raum bietet Platz f\u00fcr Mitbestimmung. Es gibt M\u00f6glichkeiten, geh\u00f6rt zu werden, sich einzubringen und bestimmender Teil eines Gr\u00f6\u00dferen zu sein, anstatt nur eine Stellschraube.<\/p>\n\n\n\n<p>Als kritischer Raum bietet die HaSi Platz zur Selbstreflexion. Was wir erreichen wollen, ist, eingefahrene Denkmuster st\u00e4ndig zu hinterfragen und progressiv weiterzuentwickeln. Die HaSi ist Fortschritt, nicht im Sinne von Entwicklungsgedanken, sondern im Sinne dialektaler Reise zu gesellschaftlicher Utopie.<\/p>\n\n\n\n<p>Und zuletzt bietet die HaSi als Platz der Diverstit\u00e4t Raum f\u00fcr Streit. Wovon unsere Theorie leben sollte, ist die inhaltliche Auseinandersetzung mit verschiedenen Vorstellungen und Analysen sowie der konstruktiven Kritik an der Sicht auf die Dinge. Auf dieser Grundlage k\u00f6nnen wir unser Handeln ausrichten.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir unser Positionspapier und unsere Forderungen als Gruppe in den letzten Jahren anschauen, ist genau das alles praktisch umgesetzt in der HaSi. Mit der HaSi war es uns m\u00f6glich die Universit\u00e4t aus ihrem Elfenbeinturm zu holen. Fragen der neoliberalen Kritik wurden nicht im abstrakten Seminarraum, sondern im materiellen Freiraum bearbeitet. Diese Vorstellungen scheinen konventioneller Wirtschaft zu widersprechen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir von Wirtschaft reden, sollen wir auf Wohlstand und Wachstum referieren. Der Wohlstand der HaSi zeigt sich nicht in materiellem Reichtum. Im Gegenteil, wir leben mit sporadischer Ausstattung der R\u00e4ume, ungeheizten R\u00e4umen im Winter, weil das Feuerholz knapp war und Brause und Bier gibt auf Spendenbasis zum Selbsterhalt. Reicher geworden sind wir doch alle. Jede Person, die sich engagiert hat. Alle, die regelm\u00e4\u00dfig da waren. Und gewachsen ist in der HaSi auch einiges: Freundschaften, Menschen, Gem\u00fcse und Obstb\u00e4ume, Netzwerke sowie der Kleiderbestand im Umsonstladen. Aber sicher nicht das BIP!<\/p>\n\n\n\n<p>Und jetzt siegen leider die Interessen von Gro\u00dfunternehmer_innen wie F.K. Horn und L\u00fchrmann, die nicht den Bedarf, sondern die profitable Kapitalverwertung im Sinn haben. L\u00fchrmann hat es bereits geschafft, die Rockstation in der Hafenstra\u00dfe zu zerst\u00f6ren. Ihr Schicksal ist bekannt. Die Rockstation musste umziehen und wurde letztes Jahr auch aus ihren neuen R\u00e4umen geschmissen. Ein weiteres Kulturzentrum mit Jugendarbeit und Prober\u00e4umen ist ruiniert. Es wird Platz f\u00fcr Neubauten geschaffen, hinter deren sauberen, grauen Fassaden das hallesche Leben genauso perspektivlos und arm bleibt. Es ist also egal, ob gemietet oder besetzt, f\u00fcr Subkultur soll in Halle kein Platz sein, solange kapitalistische Strukturen herrschen.<\/p>\n\n\n\n<p>Doch dank der HaSi wissen wir, dass eine andere Gesellschaftsordnung m\u00f6glich ist. Und wir tr\u00e4umen davon, dass es auch der Rest der Stadt und die Beh\u00f6rden mitbekommen. Und unsere Tr\u00e4ume sind st\u00e4rker als eure Gewalt!<\/p>\n\n\n\n<p>Initiative Neue Plurale \u00d6konomik Halle, November 2018<\/p>\n\n\n\n<p>Unser Text bei facebook:&nbsp;<a href=\"https:\/\/www.facebook.com\/pluraleoekonomikhalle\/posts\/2121855414797634?__tn__=K-R\">Hasi muss bleiben!<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die HaSi (Hafenstra\u00dfe 7) bietet uns seit Jahren Raum f\u00fcr unsere zahlreichen Treffen. Nun soll sie ger\u00e4umt werden. Das wollen wir nicht hinnehmen! 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