{"id":8,"date":"2019-10-14T21:03:40","date_gmt":"2019-10-14T19:03:40","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/projectzero\/?p=8"},"modified":"2019-10-14T21:03:40","modified_gmt":"2019-10-14T19:03:40","slug":"prolog","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/projectzero\/2019\/10\/prolog\/","title":{"rendered":"Prolog"},"content":{"rendered":"<p>Er f\u00fchlt sich wohl an diesem Ort. Die Stille zwischen dem Schutt beruhigt seine<br \/>\naufgew\u00fchlte Seele. Die Stille der \u00dcberreste. Tr\u00fcmmerhaufen am Rande eines kleinen<br \/>\nSees.<br \/>\nEr wei\u00df nicht, was hier passiert war. Vielleicht sind es \u00dcberbleibsel einer alten Siedlung oder doch nur Tr\u00fcmmer eines alten Steinbruchs. Aber genau das h\u00e4lt ihn an<br \/>\ndiesem Ort. Nichts war hier definiert. Nichts festgelegt. Hier konnte er sein, wer auch<br \/>\nimmer er sein wollte. Er konnte er selbst sein.<br \/>\nEr war nat\u00fcrlich zu alt f\u00fcr Rollenspiele in dem Sinne. Aber wenn die Welt\u00fcber ihm<br \/>\neinzust\u00fcrzen drohte, zog er sich in die Abgelegenheit des kleinen Tals zur\u00fcck. Die<br \/>\nLichtung war umgeben von W\u00e4ldern und es gab nur wenige Pfade, \u00fcber welche man<br \/>\nsein kleines Eden erreichen konnte. Er hatte sich eine kleine H\u00fctte aus Tr\u00fcmmern am<br \/>\nSeeufer errichtet. Gute Verstecke f\u00fcr seine Sachen gab es zuhauf. So haben<br \/>\nsich seine Eltern gefragt, was mit manchen Tellern, Pfannen und T\u00f6pfen passiert ist.<br \/>\nCampingst\u00fchle hat er in weiser Voraussicht auch schon in seiner Welt untergebracht.<br \/>\nNormalerweise kam er hierher um zu entspannen. Heute jedoch traf er Vorbereitungen.<br \/>\nEr wollte in naher Zukunft eine l\u00e4ngere Zeit in seinem Utopia verbringen. Also<br \/>\nholte er sich die kleine Axt, die in dem Baumstumpf vor der H\u00fctte steckte, und<br \/>\nmachte sich auf dem Weg zum Waldrand. Nach wenigen Stunden musste er sein<br \/>\nUnterfangen jedoch fr\u00fchzeitig abbrechen. Sein Handy hat geklingelt. Er wurde gebraucht.<br \/>\nEr trug noch das Holz zum See und schlichtete es. Dann machte er sich auf<br \/>\ndem Heimweg.<br \/>\nMit dem richtigen Pfad dauert der Fu\u00dfmarsch etwa eine Stunde. Danach befand<br \/>\nman sich wieder in der Zivilisation. Zumindest wenn man die grauen, von Menschen \u00fcberf\u00fcllten Wohnbl\u00f6cke so nennen m\u00f6chte. Die Stadt wird nicht ohne Grund von allen<br \/>\nnur C.C. genannt. Die Stra\u00dfen quollen \u00fcber mit H\u00e4ndlern, Touristen, Passanten<br \/>\nund sind ges\u00e4umt von Ramschl\u00e4den und Restaurants.<br \/>\nEr k\u00e4mpfte sich durch die Massen, biegt in eine Seitenstra\u00dfe und \u00f6ffnet eine Haust\u00fcr.<br \/>\n&#8222;Wo bist du so lange gewesen?&#8220;, eine emp\u00f6rte Frauenstimme hallte durch den Flur. &#8222;Ich war zum lernen in der Bib.&#8220;, antwortete er knapp, &#8222;Also? Was gibt\u00b4s so dringendes?&#8220; Ein Kopf wurde aus einem T\u00fcrrahmen an der Seite des Flurs geschoben und die Frau sagte nur: &#8222;Du hast versprochen mit Edward auf den Spielplatz zu gehen. Hast du das schon vergessen? Es wird bald dunkel!&#8220;<\/p>\n<p>Wie konnte er nur Ed vergessen? &#8222;Okay, Mom. Ich nehm ihn gleich mit. Wann sollen wir wieder da sein?&#8220; &#8222;Um F\u00fcnf gibt es Essen.&#8220; &#8222;Gut, dann sind wir da wieder zur\u00fcck.&#8220; &#8222;Ach und Tobi. Camille hat vorhin angerufen. Klang nicht dringend, aber melde dich mal bei ihr.&#8220; &#8222;Alles klar, danke. Bis sp\u00e4ter!&#8220;<\/p>\n<p>Er ging eine Etage nach oben und klopfte an Eds T\u00fcr. &#8222;Hey Gro\u00dfer, Lust spielen zu gehen?&#8220; &#8222;Tobi!&#8220; Ein kleiner, vielleicht f\u00fcnf Jahre alter, br\u00fcnetter Junge kam aus dem Zimmer gest\u00fcrmt und schlang die Arme um seinen gro\u00dfen Bruder. Dieser nahm ihn auf den Arm: &#8222;Auf geht\u00b4s, Gro\u00dfer. Wir gehen noch ein bisschen raus, bevor es Abendessen gibt.&#8220; Ein breites Grinsen zog sich \u00fcber das Gesicht des Jungen und sie machten sich auf den Weg. Es ist jedes Mal eine Herausforderung den kleinen, aufgeweckten Jungen nicht in dem Gewirr der Stra\u00dfen zu verlieren. Er war viel zu neugierig um auch nur daran zu denken ruhig durch die Massen zu gehen. Aber irgendwie wirkte der Junge heute anders. Er blieb durchgehend dicht bei Tobi und sah sich kaum um. Nat\u00fcrlich viel es Tobi auf, aber er lie\u00df es unkommentiert.<\/p>\n<p>Auf dem Spielplatz angekommen war Ed wie ausgewechselt. Er erbl\u00fchte beim Spielen mit seinem gro\u00dfen Bruder. Er war das spr\u00fchende Leben, sodass Tobi die ganze Sache schon wieder vergessen hatte. Kurz bevor sie gehen mussten, rief Tobi Ed zu sich: &#8222;Hey Eddy! Soll ich dir was cooles zeigen?&#8220; Der kleine Junge sah ihn nur verwundert an und so kramte der \u00e4ltere zwei Steine aus seiner Tasche. Er schlug sie aneinander und es entsprangen Funken. Die Augen des Zwerges wurden riesig und gl\u00e4nzten vor Bewunderung. Tobi war das Gr\u00f6\u00dfte und der Tollste f\u00fcr ihn. Er wollte irgendwann einmal genauso sein wie er. &#8222;Na komm, lass uns nach Hause gehen.&#8220; Gesagt getan. Die beiden waren sogar p\u00fcnktlich. Die dreik\u00f6pfige Familie a\u00df zusammen und dann ging Tobi in sein Zimmer.<\/p>\n<p>Das Haus besa\u00df insgesamt drei Stockwerke. W\u00e4hrend Formalit\u00e4ten und \u00e4hnliches im Erdgeschoss abgehandelt wurden, lebten Tobis Mutter und Ed im ersten Stock. Tobi hatte den Dachboden samt Dachterrasse f\u00fcr sich allein. Es gab fast schon ein idyllisches Bild ab, wie er dort sa\u00df, den Sonnenuntergang beobachtete und Mundharmonika spielte. Er war gerne allein. Allein mit seinen Gedanken und genoss die Ruhe. Nat\u00fcrlich liebte er seinen kleinen Bruder, aber ab und an war die Stille einfach n\u00f6tig. Das Vibrieren seines Handys brachte sein Spielen zum Stoppen. Drei neue Nachrichten. Die eine war unwichtig. Aber die anderen beiden waren von Camille. Er hatte sie komplett vergessen. Die erste Nachricht war: &#8222;Hoffe du hast heute Abend nicht vergessen.&#8220; Die zweite war ein Standort mit dem Kommentar &#8222;Komm im Anzug&#8220;. Verdammt, dachte er, die Gala, und begann sich umzuziehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"entry-summary\">\nEr f\u00fchlt sich wohl an diesem Ort. Die Stille zwischen dem Schutt beruhigt seine aufgew\u00fchlte Seele. Die Stille der \u00dcberreste.&hellip;\n<\/div>\n<div class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/projectzero\/2019\/10\/prolog\/\" class=\"more-link\">Continue reading<span class=\"screen-reader-text\"> &ldquo;Prolog&rdquo;<\/span>&hellip;<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":2875,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/projectzero\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/projectzero\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/projectzero\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/projectzero\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2875"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/projectzero\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=8"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/projectzero\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":17,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/projectzero\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/8\/revisions\/17"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/projectzero\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=8"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/projectzero\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=8"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/projectzero\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=8"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}