Grasgeflüster


Bolzplatz ist nicht gleich Bolzplatz. Auch viele Fußballprofis haben nicht auf Rasenplätzen angefangen zu spielen. Auf Asche oder Beton kommen viele Kinder das erste Mal mit Fußball in Berührung. Aber warum gibt es so viele verschiedene Bodenbeläge? Und welche Vor- und Nachteile bieten die einzelnen Varianten? Rund und bunt erklärt es untergründig.

 

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Das Geld entscheidet

Die Untergrundwahl hat primär fiskalische Gründe, was der Kinder- und Jugendbeauftragte der Stadt Halle Mirko Petrick bestätigt: „Ich glaube, der Hauptgrund für die unterschiedlichen Formen ist die aktuelle finanzielle Lage kombiniert mit dem jeweiligen öffentlichen Druck, der sich je nach Fall unterscheidet.“ Für dieses Projekt haben wir die Kosten unterschiedlicher Beläge recherchiert und können sie wie folgt darstellen:

 

Bodenbelag

Kosten für Bau Pflege pro Jahr

Tartan

65000

Beton/Teer

50000

Tennenplätze

150000 14500
Kunstrasen 350000 6000
Naturrasen 190000 22000

Angaben in Euro, Quelle: Landwirtschaftsarchitektenbüro BDLA

Die Frage nach dem richtigen Belag ist also primär eine Frage der finanziellen Mittel. Dabei hat jeder Belag eigene Spezifika. Relevant sind hierbei unter anderem die Spielstunden, das Verletzungsrisiko und die Anschaffungs- und Pflegekosten.

Mythos Ascheplatz

Auf Asche werden Helden geboren. So oder so ähnlich wurde die Asche, die mit Schotterplätzen als Tennenfläche zusammengefasst wird, verklärt. Gerade im Ruhrgebiet erfreut sich der rote Sand noch immer großer Beliebtheit. In Duisburg sind 50 Prozent aller Bolzplätze Ascheplätze, in Dortmund sogar 67 Prozent. Das erklärt auch, warum Profis wie Marco Reus noch von ihren Aschezeiten schwärmen können. Dabei hat der Belag nicht nur Vorteile – im Gegenteil. Die Verletzungsgefahr ist deutlich höher als bei Rasenplätzen, aufgeschürfte Arme und Knie sind Asche-Standardverletzungen. Die Staubbelastung durch die aufgewirbelte Asche ist nur bedingt gesundheitsförderlich und der Zustand des Platzes ist stark witterungsabhängig. Dafür ist Asche deutlich billiger als Rasenplätze und ganzjährig bespielbar. Nach circa 15 bis 20 Jahren muss ein Ascheplatz saniert werden, was für Stadtplaner eine lange Zeit ist. Die Staubbelastung und die erhöhte Verletzungsgefahr sorgt aber dafür, dass die Ascheplätze deutschlandweit zurückgehen und durch Kunstrasenplätze zunehmend ersetzt werden.

PSV Halle

Pflegelos glücklich – mit Tartan und Co.

Die für Planer verlockendste, weil billigste,Variante sind Hartplätze. Auf Tartan, Teer oder Beton kann ganzjährig gespielt werden und der Platz benötigt so gut wie keine Pflege. Man muss keinen Greenkeeper einstellen und keine schwierige Reinigung durchführen – Hartplätze sind pflegeleicht. Dazu kommt, dass sie die billigsten Bolzplatz-Varianten sind. Ihr großer Nachteil ist die hohe Verletzungsgefahr. Bei Stürzen oder Grätschen sind Verletzungen vorprogrammiert, auch die Belastung für Gelenke ist deutlich höher. Hartplätze sind also eher Verlegenheitslösungen, wenn nicht genug Geld oder nicht genug Zeit für die Pflege aufgebracht werden soll.

Johannesplatz

 

Der Technikerrasen

Kunstrasen ist im Gegensatz zu Naturrasen beständiger, er bekommt keine Löcher und ist ebenmäßiger. Das macht das Spiel auf Kunstrasen schneller und technischer. In klimatisch extremeren Ländern wie Russland ist dieser Belag der Standardbelag, da er weniger intensiv gepflegt werden muss. Dafür ist die Anschaffung von Kunstrasen teuer, für einen Platz werden zwischen 290.000 und 380.000 Euro fällig. Die Pflege eines Platzes ist mit 6000 Euro pro Jahr dagegen günstig. Der Technikerrasen ist ganzjährig bespielbar, was ihn deutlich vom Naturrasen unterscheidet. Für Nichtprofi-Vereine ist der Platz die beste Variante, da sich der Pflegeaufwand in Grenzen hält und die Spielstunden pro Woche deutlich höher sind als bei einem Naturrasen. Die technische Weiterentwicklung des Kunstrasens hat auch das Verletzungsrisiko in die Nähe des Rasenniveaus gebracht. Dazu kommt, dass ein künstlicher Belag erst nach circa zwölf Jahren saniert werden muss. Deutschlandweit tritt der Kunstrasen daher zurecht seinen Siegeszug an. Wird ein Bolzplatz-Neubau kein Kunstrasen, ist normalerweise das fehlende Geld schuld.

Weißenfelser Straße

Natur pur – der klassische Rasen

Naturrasen ist Fußballrasen. Gerade im Profibereich ist der natürliche Rasen immer noch Pflicht. Auch Nichtprofivereine spielen bevorzugt auf Rasenplätzen, schon der Ähnlichkeit zu den Profis wegen. Ein Rasenplatz ist in der Anschaffung günstiger als Kunstrasen, benötigt aber sehr viel mehr Zeit in der Pflege. Der Platz muss gedüngt, gemäht, bewässert, liniert und vertikutiert werden, dazu kommen noch viele weitere Arbeitsschritte. Dafür bietet Rasen das beste Spielgefühl und die besten Spieleigenschaften. Aber Rasen ist nicht ganzjährig bespielbar, der Platz braucht Pausen und wird öfter aufgrund von Pflegemaßnahmen gesperrt. Der Platz muss quasi jedes Jahr saniert werden, da sonst Löcher im Rasen dauerhaft bleiben. Für Bolzplätze ist Naturrasen nicht gut geeignet, da der Pflegeaufwand für Stadtplaner im Normalfall nicht zu stemmen ist.

Stadion am Bildungszentrum

 

 

Impressionen der halleschen Untergründe