{"id":169,"date":"2022-08-02T20:20:20","date_gmt":"2022-08-02T18:20:20","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/schimpfworte\/?page_id=169"},"modified":"2022-09-01T15:48:07","modified_gmt":"2022-09-01T13:48:07","slug":"einfluesse","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/schimpfworte\/einfluesse\/","title":{"rendered":"Einflussindikatoren auf die Jugendsprache"},"content":{"rendered":"\n<p id=\"E48\">Jedes Individuum ist oder kommt in seinem Leben in die Phase, ein Teenager zu sein und im Laufe der pers\u00f6nlichen Entwicklung verfolgt man das Ziel, ein Teil von etwas sein zu wollen. Bei Jugendlichen ist dies nicht nur der Freundeskreis, die Art wie man sich kleidet und der soziale Status, sondern auch die Form der Kommunikation. Was f\u00fcr manchen Au\u00dfenstehenden wie eine Fremdsprache klingt, ist f\u00fcr die Heranwachsenden eine sprachliche Aneignung, welche es ihnen erm\u00f6glicht, sich in ihrem Umfeld zu verst\u00e4ndigen und sich mit Gleichaltrigen auf einer Ebene zu bewegen.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"E51\">Die Sprache unterliegt dem Ph\u00e4nomen von Generation zu Generation zu bestehen, zu wachsen und sich weiterzuentwickeln. Keinen unbedeutenden Anteil hat dabei die jugendliche Generation, welche Sch\u00fcler*innen, Student*innen und Auszubildene umfasst.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"E55\">Im Folgenden wird beleuchtet, welche Einfl\u00fcsse generell auf die Jugendsprache einwirken.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" width=\"451\" height=\"342\" src=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/schimpfworte\/files\/2022\/09\/image.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-670\" srcset=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/schimpfworte\/files\/2022\/09\/image.png 451w, https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/schimpfworte\/files\/2022\/09\/image-300x227.png 300w\" sizes=\"(max-width: 451px) 100vw, 451px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<p id=\"E59\">Eva Neuland hat 2008 eine Darstellung zum Variationsspektrum der Jugendsprache erstellt, anhand dessen die Bandbreite der Einflussfaktoren sichtbar wird. Der innere Kreis betont hier die Ausgangssituation und die Gruppe, in welcher die Sprachverwendung stattfindet. Dies bedeutet, dass die Jugendlichen ihre Sprache an ihren jeweiligen Kommunikationspartner anpassen. Bei Freunden und Bekannten werden somit \u00fcberwiegend gruppenspezifische Begriffe und Redeweisen verwendet. Im Gegensatz zu einem Gespr\u00e4ch mit den Eltern, Gro\u00dfeltern oder Lehrer*innen werden diese minimiert oder gar vermieden. Die Jugendsprache ist kein festes Konstrukt, sondern die Jugendlichen sind ebenfalls in der Lage, sich dem Standarddeutsch zu bedienen und die Gespr\u00e4che mit anderen Generationen verst\u00e4ndlich zu gestalten. Dieses sogenannte \u201eCode-Switching\u201c ist anh\u00e4ngig vom Kontext und der Absicht der Sprechsituation.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"E105\">Diese Basis ist umgeben von den individuellen (=soziolinguistischen) Merkmalen des\/der Sprecher*in. Dazu geh\u00f6rt unter anderem das Geschlecht, das Alter und der Bildungsgang.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"E113\">In der mittleren Jugendzeit (15-19 Jahre) nutzen die Heranwachsenden die Jugendsprache am h\u00e4ufigsten, was vermutlich damit zu begr\u00fcnden ist, dass sie in dieser Phase ein gefestigtes Umfeld besitzen, in welchem sie eine gruppenspezifische Art der Kommunikation aus\u00fcben. Die fr\u00fche (10-14 Jahre) und sp\u00e4te (20-24 Jahre) Jugendzeit hingegen ist verbunden mit dem Beginn der weiterf\u00fchrenden Schule oder dem \u00dcbergang zu einer Ausbildung oder einem Studium, was wiederrum einen Wechsel des sozialen Milieus bedingt.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"E121\">Bezogen auf das Geschlecht kann die Jugendsprache von \u201egendertypischen\u201c Interessen beeinflusst werden. Auch die Differenzierung im Gebrauch wird sichtbar zwischen M\u00e4dchen und Jungen, da erstere eine h\u00f6here Sprachsensibilit\u00e4t aufweisen. M\u00e4dchen vermeiden den Gebrauch von diskriminierenden Ausdr\u00fccken \u00f6fter als Jungen.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"E140\">Der Bildungsgang wirkt sich nicht entscheidend auf den Gebrauch und die Ausbildung der Jugendsprache aus. Jedoch konnte festgestellt werden, dass Hauptsch\u00fcler*innen im Gegensatz zu Gymnasiast*innen kreativere Sprachformen und Wortneusch\u00f6pfungen entwickeln.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"E150\">Ein wichtiger Aspekt der soziolinguistischen Merkmale der Sprecher*innen ist ihr kultureller Hintergrund. So entstehen vor allem Begriffe in der Jugendsprache, die sich aus Fremdsprachen etabliert haben. In der historischen Sprachvergangenheit kam es bereits zu der Vermischung von Latein, Griechisch und Franz\u00f6sisch. Ein gleicher Prozess l\u00e4sst sich in der Gegenwart mit den nichtdeutschen Muttersprachen T\u00fcrkisch, Russisch und Polnisch nachweisen. Wird diese Vermischung von den Heranwachsenden angewendet, dann kann man vom sogenannten \u201eKiez-Deutsch\u201c sprechen.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"E164\">Die bisherigen Merkmale sind also entscheidend f\u00fcr den jeweiligen Sprachgebrauch von Jugendlichen, weil die Art, sich zu artikulieren, anpassungsf\u00e4hig ist und durch die genannten Faktoren variiert.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"E166\"><em>Meinung: Vor allem der letzte Punkt treibt den Wandel und die Entwicklung der <\/em><em>Jugendsprache weiter voran. Als Sch\u00fcler*in<\/em><em>, Student*in oder Auszubildene<\/em><em>*r<\/em><em> kommt man mit den verschiedensten Menschen in Kontakt und <\/em><em>zahlreiche Kulturen treffen aufeinander, lernen voneinander und <\/em><em>tauschen sich im besten Fall offen \u00fcber ihre Herkunft aus. Das wiederrum bedingt <\/em><em>vorrangig bei jungen Leuten, die auf der Suche nach ihrer Identit\u00e4t sind, das Be<\/em><em>wusstsein, sich dem anzunehmen. Bezogen auf die Jugendsprachen ist nicht eine einzelne Person daf\u00fcr verantwortlich, dass sich Sprachformen e<\/em><em>tablieren, sondern es ist die Gemeinschaft und das Zusammenwirken<\/em><em> aller. Das Alter und das Geschlecht <\/em><em>bleiben<\/em><em> <\/em><em>immer gleich, aber die Einfl\u00fcsse aus anderen L\u00e4ndern und Kulturen <\/em><em>werden immer mehr und die Menschen <\/em><em>offener. <\/em><em>WAS DENKST DU DAR\u00dcBER?<\/em><\/p>\n\n\n\n<p id=\"E184\">Der \u00e4u\u00dfere Rahmen in Neulands Modell wird seit einiger Zeit vorwiegend von einem Faktor dominiert \u2013 den Medien. Mit Beginn des Internets hat sich ein Wandel der Interessen der Jugendlichen und ihres Sprachgebrauchs vollzogen. Die neuen Medien, wie Facebook, Instagram, Twitter und TikTok sind das Mittel der Jugend, um dauerhaft auf dem neusten Stand zu sein und keine Trends zu verpassen. So, wie diese ihr Leben pr\u00e4gen, bieten sie auch eine Plattform f\u00fcr Memes und Insider, woraus sich neue sprachliche Besonderheiten ergeben. Dazu geh\u00f6ren auch die Film-, Musik- und Gaming-Szene, welche \u00e4hnlich funktionieren, wie die Internetplattformen und dazu beitragen, dass junge Menschen eine Fach- &amp; Szenensprache entwickeln.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"E225\">Zu betonen ist an der Stelle, dass diese Medien nicht ausschlie\u00dflich f\u00fcr Jugendliche zur Verf\u00fcgung stehen. Jedoch sind sie besonders wichtig, um die Zugeh\u00f6rigkeit und die Anerkennung bei Gruppenmitgliedern zu erzielen.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"E231\"><strong><em>Was bedeuten diese Einfl\u00fcsse f\u00fcr den Schimpfwortgebrauch von Jugendlichen?<\/em><\/strong><\/p>\n\n\n\n<p id=\"E233\">Die individuelle Ausgangslage des jeweiligen Heranwachsenden gibt insgesamt einen Aufschluss \u00fcber den grundlegenden Gebrauch einer Jugendsprache.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"E239\">In der aktuellen Generation hat sich in Hinblick auf den Schimpfwortgebrauch vorrangig der kulturelle und mediale Einfluss ausgewirkt.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"E242\">Ein Beispiel f\u00fcr den medialen Einfluss ist das Meme um \u201eKaren\u201c. Dies bezeichnet einen amerikanischen, weiblichen Vornamen, welcher mit der Eigenschaft verkn\u00fcpft ist, dass es sich um eine Frau handelt, welche mittleren Alters ist und ihre Rechte einfordert, die \u00fcber das normale Ma\u00df hinausgehen. Diese Beleidigung ging 2020 \u00fcber TikTok viral und hat sich \u00fcber weitere Plattformen verbreitet und etabliert.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"E278\">Sprachliche Ver\u00e4nderungen vollziehen sich wie bereits genannt durch kulturelle Einfl\u00fcsse. SO hat sich beispielsweise der Begriff \u201eAlman\u201c etabliert. Das Wort stammt aus dem T\u00fcrkischen, bedeutet Deutsche*r und wird verwendet, um auf eine Person hinzuweisen, die sich durch ein besonders stereotypisches Verhalten auszeichnet, welches aus Deutschland stammenden Menschen zugeschrieben wird. Damit ist das Beharren auf Recht und Ordnung gemeint und zum Beispiel Angewohnheiten, wie das Reservieren einer Sonnenliege im Urlaub am fr\u00fchen Morgen.<\/p>\n\n\n\n<p id=\"E302\">Man k\u00f6nnte die Begriffe \u201eKaren\u201c und \u201eAlman\u201c als Synonyme einordnen. Damit l\u00e4sst sich verdeutlichen, dass auf unterschiedliche Art und Weise zwei verschiedene W\u00f6rter etabliert werden konnten. Sowohl \u00fcber ein digitales als auch ein m\u00fcndliches Medium.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Jedes Individuum ist oder kommt in seinem Leben in die Phase, ein Teenager zu sein und im Laufe der pers\u00f6nlichen Entwicklung verfolgt man das Ziel, ein Teil von etwas sein zu wollen. 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