{"id":30,"date":"2022-07-28T12:43:02","date_gmt":"2022-07-28T10:43:02","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/schimpfworte\/?page_id=30"},"modified":"2022-07-29T10:32:55","modified_gmt":"2022-07-29T08:32:55","slug":"was-passiert-beim-schimpfen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/schimpfworte\/grundlagen-des-schimpfens\/schimpfen-als-handlung\/was-passiert-beim-schimpfen\/","title":{"rendered":"Was passiert beim Schimpfen?"},"content":{"rendered":"\n<p>Schimpfw\u00f6rter und beleidigende Sprechakte sind ein nahezu selbstverst\u00e4ndlicher Bestandteil menschlicher Kommunikation und dieser schon seit Urzeiten inh\u00e4rent (vgl. Meinunger 2018, S.110). Das Schimpfen wird von Expert*innen auf verschiedene Art und Weise definiert. <\/p>\n\n\n\n<p>Zwei Erkl\u00e4rungen sind folgende:<\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container\">\n<div class=\"wp-block-image is-style-rounded\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/schimpfworte\/files\/2022\/07\/hut-1024x619.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-103\" width=\"95\" height=\"56\" srcset=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/schimpfworte\/files\/2022\/07\/hut-1024x619.png 1024w, https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/schimpfworte\/files\/2022\/07\/hut-300x181.png 300w, https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/schimpfworte\/files\/2022\/07\/hut-768x464.png 768w, https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/schimpfworte\/files\/2022\/07\/hut.png 1280w\" sizes=\"(max-width: 95px) 100vw, 95px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote has-text-align-center is-style-default\"><p><em>Veranla\u00dft ein aggressiver Affekt einen Sprecher, seine negative Beurteilung eines Menschen durch mindestens ein Wort mit negativer emotionaler Bedeutung auszudr\u00fccken, liegt eine Beschimpfung vor. W\u00f6rter mit negativer emotionaler Bedeutung, die h\u00e4ufig zur Beschimpfung verwendet werden, sind Schimpfw\u00f6rter.<\/em>                       <\/p><cite> Marten-Cleef 1991, zit. n. Scheller 2000, S. 4f.<\/cite><\/blockquote>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group\"><div class=\"wp-block-group__inner-container\">\n<div class=\"wp-block-image is-style-rounded\"><figure class=\"aligncenter size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/schimpfworte\/files\/2022\/07\/hut-1024x619.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-103\" width=\"92\" height=\"55\" srcset=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/schimpfworte\/files\/2022\/07\/hut-1024x619.png 1024w, https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/schimpfworte\/files\/2022\/07\/hut-300x181.png 300w, https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/schimpfworte\/files\/2022\/07\/hut-768x464.png 768w, https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/schimpfworte\/files\/2022\/07\/hut.png 1280w\" sizes=\"(max-width: 92px) 100vw, 92px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<blockquote class=\"wp-block-quote has-text-align-center is-style-default\"><p><em>Das Schimpfen ist ein Angriffsakt durch abwertende, beleidigende Worte. Es ist, psychologisch gesehen, das Endglied einer dreigliedrigen Kausalkette\u2026 Aufs \u00c4usserste reduziert, sieht diese Kette folgendermassen aus: Frustration (vereitelnde Ursache) \u2192 Affekt (Erregungszustand) \u2192 Aggression (Schimpfen).<\/em><\/p><cite> Aman 1975, zit. n. Meinunger 2018, S. 108<\/cite><\/blockquote>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p>Deutlich wird in beiden Ausf\u00fchrungen: Beim <strong><em>Schimpfen<\/em><\/strong> kommt es zur emotionalen Entladung oder zur Bewertung eines Objektes durch eine*n <span class=\"has-inline-color has-cyan-bluish-gray-color\">Sender*in<\/span>. Ein*e <span class=\"has-inline-color has-cyan-bluish-gray-color\">Adressat*in<\/span> wird nicht gebraucht. Kontr\u00e4r dazu erscheint die <strong><em>Beschimpfung<\/em><\/strong>, welche durch <span class=\"has-inline-color has-cyan-bluish-gray-color\">affektiv<\/span> motivierte Herabsetzung oder Beleidigung an eine*n Adressat*in gerichtet ist und somit stets zwischenmenschlich existiert (vgl. Scheffler 2000, S.103).&nbsp;                               <\/p>\n\n\n\n<p>Oft wird der Begriff des <strong><em>Fluchens<\/em><\/strong> im Kontext des Schimpfens erw\u00e4hnt und teilweise <span class=\"has-inline-color has-cyan-bluish-gray-color\">synonym<\/span> verwendet. Meinunger (2018, S.111) unterscheidet hier ebenfalls. Fluchen versteht er als einen <span class=\"has-inline-color has-cyan-bluish-gray-color\">monologischen Akt<\/span>, bei welchem der drohende Aspekt zu einem Gegen\u00fcber fehle. Wird wiederum ein Gegen\u00fcber direkt angegriffen, so er\u00f6ffnet sich seiner Ansicht nach das <span class=\"has-inline-color has-cyan-bluish-gray-color\">semantische Feld<\/span> der <strong><em>Drohung<\/em><\/strong> (vgl. ebd.).<\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p>Soll eine sprachliche \u00c4u\u00dferung als Beschimpfung, Fluch, Beleidigung oder Schimpfwort definiert werden, k\u00f6nnen die folgenden drei sprachwissenschaftlichen Dimensionen (in Anlehnung an Hornscheidt 2011, S.18) unterschieden werden:<\/p>\n\n\n\n<ol><li>Schimpfende Sprechakte zeichnen sich durch eine negative, auf Verletzung, Kr\u00e4nkung oder Abwertung ausgerichtete Sprecher*innenintention aus.<\/li><li>F\u00fcr die abwertende Sprachhandlung werden zumeist W\u00f6rter und ihrer Semantik inh\u00e4rent zugeschriebene Verletzungen genutzt.<\/li><li>Findet eine Beschimpfung anderer Personen statt, so empfinden diese die \u00c4u\u00dferung als verletzend, negativ oder abwertend.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Hornscheidt (2011, S.18f.) nimmt mit diesen Dimensionen von Beschimpfungen eine den W\u00f6rtern<span class=\"has-inline-color has-cyan-bluish-gray-color\"> inh\u00e4rent<\/span> beleidigende oder diskriminierende<span class=\"has-inline-color has-cyan-bluish-gray-color\"> Konnotation<\/span> an und belegt dies mit Schimpfw\u00f6rtern oder sogenannter pejorativer Lexik, welche in unserer Gesellschaft <span class=\"has-inline-color has-cyan-bluish-gray-color\">konventionalisierte<\/span> Bedeutungen aufweisen.<\/p>\n\n\n\n<p>Schimpfw\u00f6rter und Beschimpfungen sind dabei in ihrer Funktionsweise oft \u00e4hnlich. Die Ursache des Schimpfens liegt meist in einem \u00c4rgernis. Auf jene Ver\u00e4rgerung wird im Rahmen eines emotionalen Erregungszustandes reagiert. Die Reaktion dient der Verarbeitung von Aggressionen (vor allem beim Schimpfen) oder der <span class=\"has-inline-color has-cyan-bluish-gray-color\">Deklassierung<\/span> einer anderen Person (vor allem beim Beschimpfen). Letztere l\u00e4uft \u00fcber eine Abwertung, die unter anderem auf tradierten Rollenbildern oder stereotypischen Vorurteilen basieren kann. Hinter dem Gebrauch von Schimpfw\u00f6rtern stehen h\u00e4ufig entt\u00e4usche Fremderwartungen, die sich in der Bedeutung der <span class=\"has-inline-color has-cyan-bluish-gray-color\">Lexeme manifestieren<\/span>. Schimpfw\u00f6rter zeigen also teilweise auf, welche Erwartung eines*r Sender*in nicht erf\u00fcllt wurde (vgl. Scheffler 2000, S.119ff.).\u00a0 <\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<p>Wenn Ruch (2001, S.31) von Fl\u00fcchen und Schimpfw\u00f6rtern als \u201eSprachdenkm\u00e4ler\u201c spricht, so ist ihm zuzustimmen. Schimpfw\u00f6rter illustrieren als Bestandteil der allt\u00e4glichen Kommunikation gesellschaftliche Normalvorstellungen und lassen sich bereits in alten Ratsprotokollen oder <span class=\"has-inline-color has-cyan-bluish-gray-color\">Schm\u00e4hschriften<\/span> auffinden (vgl. ebd., S. 31-40).<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<span id=\"Erluterungen\"><h6>Erl\u00e4uterungen<\/h6><\/span>\n\n\n\n<ul><li><span class=\"has-inline-color has-cyan-bluish-gray-color\">Sender*in:<\/span> Pe<em>rson, die eine Botschaft \u00fcbermittelt beziehungsweise nach au\u00dfen teilt.<\/em><\/li><li><span class=\"has-inline-color has-cyan-bluish-gray-color\">Adressat*in:<\/span> Person, welche die an sie gerichtete Botschaft einer anderen Person empf\u00e4ngt.<\/li><li><span class=\"has-inline-color has-cyan-bluish-gray-color\">affektiv:<\/span> gef\u00fchlsbetont<\/li><li><span class=\"has-inline-color has-cyan-bluish-gray-color\">synonym:<\/span> bedeutungsgleich<\/li><li><span class=\"has-inline-color has-cyan-bluish-gray-color\">monologischer Akt: <\/span>Selbstgespr\u00e4ch<\/li><li><span class=\"has-inline-color has-cyan-bluish-gray-color\">semantische Feld:<\/span> Bedeutungsrahmen<\/li><li><span class=\"has-inline-color has-cyan-bluish-gray-color\">inh\u00e4rent:<\/span> nat\u00fcrlicher Bestandteil einer Sache<\/li><li><span class=\"has-inline-color has-cyan-bluish-gray-color\">Konnotation:<\/span> Nebenbedeutung, Begleitvorstellung<\/li><li><span class=\"has-inline-color has-cyan-bluish-gray-color\">konventionalisierte: <\/span>normalisierte<\/li><li><span class=\"has-inline-color has-cyan-bluish-gray-color\">Deklassierung:<\/span> Herabsetzung<\/li><li><span class=\"has-inline-color has-cyan-bluish-gray-color\">Lexeme:<\/span> kleinste Einheiten des Wortschatzes<\/li><li><span class=\"has-inline-color has-cyan-bluish-gray-color\">manifestieren:<\/span> verankern<\/li><li><span class=\"has-inline-color has-cyan-bluish-gray-color\">Schm\u00e4hschriften:<\/span> beleidigende oder beschimpfende Schriftprodukte<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p class=\"has-text-align-right\"><span class=\"has-inline-color has-cyan-bluish-gray-color\">Max Groschke, 2022<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schimpfw\u00f6rter und beleidigende Sprechakte sind ein nahezu selbstverst\u00e4ndlicher Bestandteil menschlicher Kommunikation und dieser schon seit Urzeiten inh\u00e4rent (vgl. 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