{"id":80,"date":"2017-09-23T12:00:22","date_gmt":"2017-09-23T10:00:22","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/schwetschkensoehne\/?p=80"},"modified":"2017-09-20T16:43:59","modified_gmt":"2017-09-20T14:43:59","slug":"die-ersten-freien-texte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/schwetschkensoehne\/2017\/09\/die-ersten-freien-texte\/","title":{"rendered":"Die ersten freien Texte"},"content":{"rendered":"<p><em>Ich begann damals mit dem Schreiben, weil mich Worte schlicht faszinierten. Man kann mit ihnen auf einfachster Weise so viele Emotionen freisetzen, Gedanken festhalten, in fremde Galaxien fl\u00fcchten und sogar komplett eigene Welten erschaffen. Das war f\u00fcr mich immer unfassbar.\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>Der nachfolgende Text hat meinen Lebensweg h\u00f6chstwahrscheinlich ma\u00dfgeblich beeinflusst, denn ich schrieb ihn im Matheunterreicht in der elften Klasse. Mathe war immer eins meiner Steckenpferde, bis es mir schlie\u00dflich zu abstrakt wurde und ich den Anschluss drohte zu verlieren. Mein damaliges Ich machte das Beste draus und begann zu schreiben, anstatt um verbranntes Land zu k\u00e4mpfen. Ich denke bis heute, dass, falls ich mich f\u00fcr die Mathematik entschieden h\u00e4tte, ich nicht da w\u00e4re, wo ich bin.<\/em><\/p>\n<p><em>Bitte denken Sie beim Lesen daran: Dies war wahrscheinlich einer meiner ersten frei geschriebenen Texte und wurde nicht mit dem Gedanken an eine Publikation geschrieben. Die Wortwahl ist stellenweise pr\u00e4tenti\u00f6s und \u00fcberspitzt. Ich finde ihn, f\u00fcr meinen Teil, trotzdem sehr unterhaltsam.<\/em><\/p>\n<p>Mathematik ist eine, auf den ersten Blick, plastische Lehre, die mir, trotz meiner Pr\u00e4ferenz zur Logik, nicht liegt. Denn die Tiefe dieser n\u00fcchternen Kunst erf\u00e4hrt man erst, wenn man selbst schon mitten drin steckt. Man lernt Plus- und Minusrechnung, das kleine Ein-mal-Eins und die ersten kleinen Formeln und denkt noch vorerst, man bezwingt dieses Monster, vor dem so viele Menschen kuschen, mit aller Leichtigkeit. Es folgen binomische Formeln und quadratische Gleichungen mit ihren ach so freundlich und lustig wirkenden Kurven und Parabeln, doch schon hier kommen die ersten Mitstreiter ins Straucheln. Dabei lauern hinter der Grenze, hinter der sich das sagenumwobene Land &#8222;SEK II&#8220; verbirgt, noch schrecklichere Gesch\u00f6pfe, als sich ein kleiner, tapferer Knappe mit geschwollener Brust und dem Abschlusszeugnis in der Hand vorstellen kann.<\/p>\n<p>Man wirft sich noch mutig in den Kampf, st\u00fcrmt auf das Schlachtfeld mit der Tafel an der Stirnseite und wird freundlich von dem vertrauenserweckend aussehenden Mann mit Brille und Polohemd begr\u00fc\u00dft. Er l\u00e4chelt, doch sp\u00e4ter merkt man erst, dass dieses L\u00e4cheln keineswegs eine nette Einladung in die ausf\u00fchrlichere Form der Zahlenlehre ist, sondern mehr ein Z\u00e4hnefletschen beim Anblick neuer, frischer und noch zuversichtlicher Beute. Es ist ein Zeichen der Freude \u00fcber die neue Jagdsaison. Dabei ist er keiner der direkten J\u00e4ger, wie die Sprachgelehrten, die ihre Opfer gnadenlos mit ewigen Salven von Aufs\u00e4tzen, Interpretationen und Analysen maltr\u00e4tieren und belagern, nein, er geht den Weg der psychischen Abnutzung. \u00a0Der gemeine Zahlenmeister zerm\u00fcrbt sein Ziel, in dem er vorgibt, alles bestens zu erkl\u00e4ren. In Wirklichkeit bewaffnet er die m\u00e4chtigen, doch eigentlich noch immer bezwingbaren, Kreaturen der rationalen Funktionen mit messerscharfen Fachbegriffen und Formeln. Bei Revolten einiger Weniger, die diese Taktik durchschauen, schl\u00e4gt er mit der Unschuldsstrategie zu und entkommt den Vorw\u00fcrfen wie ein Wolf im Schafspelz.<\/p>\n<p>Man sieht zu beiden Seiten wackere Recken, die man selbst immer als Meister mit Bleistift und Rechner sah, fallen und kapitulieren, konfrontiert mit der \u00fcberm\u00e4chtigen Gegnerzahl und f\u00e4ngt selbst an, langsam in dem Treibsand der Resignation zu versinken.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich begann damals mit dem Schreiben, weil mich Worte schlicht faszinierten. Man kann mit ihnen auf einfachster Weise so viele Emotionen freisetzen, Gedanken festhalten, in fremde Galaxien fl\u00fcchten und sogar komplett eigene Welten erschaffen. 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