{"id":173,"date":"2021-12-10T09:12:25","date_gmt":"2021-12-10T08:12:25","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/seemannsfrass\/?page_id=173"},"modified":"2022-02-16T06:41:10","modified_gmt":"2022-02-16T05:41:10","slug":"station-4","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/seemannsfrass\/station-4\/","title":{"rendered":"Station 4"},"content":{"rendered":"\n<figure class=\"wp-block-pullquote\"><blockquote><p><strong>Seekrankheiten<\/strong><\/p><\/blockquote><\/figure>\n\n\n\n<p>Am 13. Juli 1772 stach der Seefahrer und Entdecker James Cook als Kapit\u00e4n der HMS Resolution in Plymouth in See. Gemeinsam mit einer gro\u00dfer Crew, wo auch der Naturforscher Georg Forster dazugeh\u00f6rte, f\u00fchrte sie die Reise zun\u00e4chst in den S\u00fcdatlantik, dann durch den Indischen Ozean in die Antarktis. Von dort aus ging es weiter in den S\u00fcdpazifik und zu den Inseln Polynesiens und schlie\u00dflich um Kap Hoorn herum wieder zur\u00fcck nach England, wo das Schiff nach drei Jahren am 30. Juli 1775 im Hafen eintraf.<\/p>\n\n\n\n<h4>Auszug aus dem Reisebericht von Georg Forster<\/h4>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap has-background has-small-font-size\" style=\"background-color:#e8e8e8\"><em><strong>\u00bb<\/strong>Robb oder dick eingekochter Saft von Zitronen und Orangen, wurde als Arznei gegen den Skorbut mitgegeben; allein, weil man wegen der Kostbarkeit des Mittels die Dosis viel zu gering vorgeschrieben hatte, so lie\u00df sich keine vollst\u00e4ndige Kur davon erwarten. Au\u00dferdem hielt sich unser rechtschaffener Wundarzt, Herr Patton, auch nicht f\u00fcr berechtigt, mit seinen Kranken Experimente zu machen, solange er noch wirklich bew\u00e4hrte Genesungsmittel in H\u00e4nden hatte. Doch versichert er, dass der Robb von gro\u00dfem Nutzen sei. <br>Eine Marmelade aus gelben M\u00f6hren oder Karotten, (Daucus Carota) die dem gew\u00f6hnlichen schwarzen Zuckersirup an Farbe und Geschmack sehr \u00e4hnlich ist, hatte der Herr Baron von Muzel Stosch in Berlin zur Probe gegen den Skorbut vorgeschlagen. [&#8230;]<br>Auch bin ich, nach allem, was ich von den Heilkr\u00e4ften der Malz-Infusion und von ihrer Art zu wirken erfahren habe, ganz \u00fcberzeugt, dass mit Hilfe der Suppen-T\u00e4felchen, des Sauerkrauts, Zuckers, Sayos, und der Korinthen, jene Pest des Meeres, der Skorbut, selten oder gar nicht unter dem Schiffsvolk selbst auf den l\u00e4ngsten Reisen erscheinen wird. [&#8230;]<br>Hiernach wurde die Gesundheit unseres Schiffsvolks noch durch verschiedene andere Veranstaltungen bef\u00f6rdert. Die wichtigste und n\u00fctzlichste war, dass man die Leute bei ihrer gesalzenen Speise, so viel Wasser trinken lie\u00df wie sie nur immer mochten. Nur selten fanden wir uns gen\u00f6tigt, sie auf gewisse bestimmte und noch seltener auf knappe Portionen von Trinkwasser einzuschr\u00e4nken. Zu dem Ende wurde auch keine Gelegenheit vers\u00e4umt, frisches Wasser zu f\u00fcllen, wenn wir gleich noch Vorrat davon hatten; weil es unstreitig besser frisch vom Lande kommt als es in den F\u00e4ssern wird, nachdem es eine Zeitlang aufbewahrt worden.\u00ab<br><br>(Quelle: Forster, Georg. Reise um die Welt auf der Resolution unter dem Kommando von Kapit\u00e4n James Cook (German Edition) (S. 29-33).)<\/em><\/p>\n\n\n\n<h4>Skorbut<\/h4>\n\n\n\n<p>Im Zeitalter der Entdeckungsreisen (15. bis 18. Jahrhundert) war Vitamin-C-Mangel, auch als Skorbut bezeichnet, eine der h\u00e4ufigsten Todesursachen bei Seeleuten. Grund daf\u00fcr war die mangelnde Ern\u00e4hrung, die haupts\u00e4chlich aus konservierter oder getrockneter Nahrung bestand. Die empfohlene Tagesmenge an Vitamin-C liegt bei 110 mg\/Tag f\u00fcr M\u00e4nner und 95 mg\/Tag f\u00fcr Frauen. Eine Zitrone enth\u00e4lt etwa 50 mg Vitamin-C.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-drop-cap has-background has-small-font-size\" style=\"background-color:#e8e8e8\"><em><strong>\u00bb<\/strong>Skorbut \u00e4u\u00dferte sich durch kleine Bluterg\u00fcsse unter der Haut, welche als violette Flecken auf der Haut sichtbar werden. Au\u00dferdem schwillt das Zahnfleisch der Seeleute an und entz\u00fcndet sich, woraufhin sp\u00e4ter die Z\u00e4hne ausfallen. An\u00e4mie und allgemeine Schw\u00e4che f\u00fchren sp\u00e4ter zum Tod. Erste Heilungsversuche wurden w\u00e4hrend einer \u00dcberwinterung im Jahr 1535\/36 an der Crew von Jaques Cartier vor Neufundland durchgef\u00fchrt. Ein Indianer \u00fcbergab ihm das pflanzliche Heilmittel&nbsp;Thuja occidentalis&nbsp;(Lebensbaum), dessen zubereiteter Sud seine und weitere Mannschaften heilte. Jedoch geriet dieses Heilmittel in Vergessenheit.&nbsp;James Lind f\u00fchrte 1754 die erste kontrollierte medizinische Studie an zw\u00f6lf mit Skorbut erkrankten Seeleuten durch. Dabei wies&nbsp;er die Heilwirkung von frischen Citrusfr\u00fcchten nach. Seine Entdeckung wurde hier jedoch noch wenig beachtet und sp\u00e4ter von Sir Gilbert Blane wieder aufgegriffen, der eine t\u00e4gliche Ration frischen Citrussaftes auf allen britischen Schiffen durchsetzen konnte. James Cook f\u00fchrte dann das Sauerkraut als Grundnahrungsmittel auf Schiffen ein. Erst einige Zeit sp\u00e4ter konnten die Ursachen und Therapien von Skorbut systematisch untersucht werden. Ungef\u00e4hr 1920 wurde der anti-skorbutischem Faktor, der in manchen Fr\u00fcchten und Pflanzen enthalten war, Vitamin-C genannt. Im weiteren Verlauf wurde das Vitamin-C dann isoliert, dessen Struktur sowie Synthese aufgekl\u00e4rt.<em><strong>\u00ab<\/strong><\/em><br><br>(Quelle: Streller, S. und Roth, K. (2009): Der lange Kampf gegen Skorbut. Weinheim: Wiley- VCH Verlag GmbH &amp; Co.)<\/em><\/p>\n\n\n\n<hr class=\"wp-block-separator\" \/>\n\n\n\n<h4>Arbeitsauftr\u00e4ge<\/h4>\n\n\n\n<ol><li>Bewerte die Entdeckung von Vitamin-C in seiner Bedeutung f\u00fcr die Ern\u00e4hrung auf&nbsp;einem Schiff.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Seekrankheiten Am 13. Juli 1772 stach der Seefahrer und Entdecker James Cook als Kapit\u00e4n der HMS Resolution in Plymouth in See. Gemeinsam mit einer gro\u00dfer Crew, wo auch der Naturforscher Georg Forster dazugeh\u00f6rte, f\u00fchrte sie die Reise zun\u00e4chst in den S\u00fcdatlantik, dann durch den Indischen Ozean in die Antarktis. 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