Eine der zentralen Aufgaben einer Lehrkraft ist es, den Schüler*innen einen aktiven und individuellen Zugang zu Fachwissen zu ermöglichen und sie in ihrem Lernprozess zu fördern. Dazu muss sie nicht nur selbst Fachwissen besitzen, sondern auch über Vermittlungsstrategien verfügen.

Wolfgang Hallet merkt dazu an, dass fachdidaktisches Handeln dadurch gekennzeichnet ist, dass die Lehrkraft in der Lage ist, Inhalte in ihrem Fach so auszuwählen, dass die Schüler*innen aktiv Wissen erwerben können. Dazu müssen die Inhalte exemplarisch sein und Lernen ermöglichen. (1)

Hallet (2006), S. 45.

Diese Definition lässt natürlich eine ganze Menge Spielraum: Wahrscheinlich besitzt jede*r von uns eine individuelle Vorstellung davon, was einen gelungenen Vermittlungs- und Lernprozess ausmacht. Der begriffliche Kern erscheint zuerst einmal diffus: Wie kann von vielen Einzelvorstellungen und recht allgemein gehaltenen wissenschaftlichen Definitionen der Übergang zu einem klaren und möglichst simplen Konzept gelingen?

Zu Beginn meiner Arbeit standen daher vier Fragen im Vordergrund:

  1. Gibt es DAS fachdidaktische Handeln?
  2. Kann man fachdidaktisches Handeln überhaupt lernen?
  3. Wenn ja, wie könnte dieser Vorgang aussehen?
  4. Bedeutet fachdidaktisches Handeln für alle Lehrkräfte dasselbe?

Gesetzt dem Fall, dass es möglich ist, fachdidaktisches Handeln „greifbar“ zu machen und die Grundzüge einheitlich zu definieren, sollte es auch möglich sein, Formen des Übens und Reflektierens zu gestalten. Das praktische Üben von Vermittlungsprozessen ist natürlich schon lange ein Thema aller (Fach-)Didaktiken sowie der Pädagogik. Im theoretischen Teil der Arbeit habe ich exemplarisch Konzepte aufgegriffen und analysiert. Ein Beitrag dazu wird folgen.

Eine Entwicklung greifen alle diese Konzepte jedoch nur ungenügend auf: die steigende Zahl an digitalen Lehr- und Lernmöglichkeiten. Ganz besonders interessiert mich hier das Erklärvideo. Ursprünglich aus dem privaten Bereich, hat es in kürzester Zeit viele Schulen erobert und ist für zahlreiche Schüler*innen gelebter Alltag. Häufig werden die Videos benutzt, um Inhalte, die nicht verstanden wurden, zu vertiefen oder die Lehrer*innen lassen sie selbst produzieren und nutzen die Effekte des Lernens durch Lehren. In der Hochschule sieht der Einsatz je nach Fachwissenschaft völlig unterschiedlich aus. Dabei bieten diese kleinen Formate noch so viele weitere Möglichkeiten.

In Bezug auf das fachdidaktische Handeln stellen Erklärvideos einen Mikrokosmos dar: Sie leben von didaktischen Entscheidungen und sind zugleich voll davon! Ohne sie würde es gar keine Videos geben. Selbst die Wahl, einfach nur einen Vorgang zu filmen, ist eine didaktische. Diese Eigenschaft kann und sollte auch in der Lehrer*innenbildung genutzt werden. Einzelne fachdidaktische Handlungen können innerhalb dieses kleinen Raums detailliert erprobt und reflektiert werden.

Diese ersten Gedanken und Anregungen haben mich zu folgenden Zielen der Arbeit geführt:

  1. Der Begriff des fachdidaktischen Handelns (insbesondere für das Fach Deutsch) soll präzisiert werden.
  2. Auf Grundlage vorhandener Konzepte und Modelle soll ein neues Lehr-Lernkonzept für das fachdidaktische Handeln in der Germanistik entstehen.
  3. Das Format „Erklärvideo“ soll als didaktischer und multimodaler Handlungsraum (hierzu: @herbstjuste) dienen.
  4. Die Entwicklungen sollen in Form von episodischen Interviews und weiteren qualitativen Erhebungen festgehalten und ausgewertet werden.
  5. Das Modell soll kompatibel für alle Berufsphasen sein.

Die nächsten Beiträge versuchen, alle hier erwähnten Gedanken genauer zu erklären.

Literatur:

Hallet, Wolfgang (2006): Didaktische Kompetenz, Lehr- und Lernprozesse erfolgreich gestalten, Klett, Stuttgart, S. 45.

Ein erster Einblick: Ziele der Promotion

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