{"id":268,"date":"2025-11-04T14:50:00","date_gmt":"2025-11-04T13:50:00","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/studilab\/?p=268"},"modified":"2026-03-13T20:26:15","modified_gmt":"2026-03-13T19:26:15","slug":"konzertdesign","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/studilab\/2025\/11\/konzertdesign\/","title":{"rendered":"Konzertdesign \u2013 Wenn das Konzert selbst zum Werk wird"},"content":{"rendered":"\n<p>Wie kann man ein Konzert nicht nur&nbsp;<em>auff\u00fchren<\/em>, sondern&nbsp;<em>gestalten<\/em>? Welche M\u00f6glichkeiten \u00f6ffnen sich, wenn man nicht allein fragt,&nbsp;<strong>was<\/strong>&nbsp;gespielt wird, sondern ebenso&nbsp;<strong>wie<\/strong>,&nbsp;<strong>wo<\/strong>,&nbsp;<strong>wann<\/strong>&nbsp;und&nbsp;<strong>f\u00fcr wen<\/strong>? Wie kann man Parameter ver\u00e4ndern, die im klassischen Konzert sonst eher unangetastet bleiben, etwa Lichtdesign oder r\u00e4umliche Anordnungen?<\/p>\n\n\n\n<p>Mit diesen Fragen besch\u00e4ftigt sich das Konzept des&nbsp;<strong>Konzertdesigns<\/strong>, ein Ansatz, der im Zentrum des StudiLabs steht und die Grundlage f\u00fcr die Arbeit der Studierenden bildet.<\/p>\n\n\n\n<h2><strong>Vom Ritual zum gestalteten Erlebnis<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Das klassische Konzert folgt bis heute festen Ritualen: B\u00fchne und Publikum sind klar getrennt, das Licht geht aus, es wird nicht gesprochen, nicht geklatscht zwischen den S\u00e4tzen (daf\u00fcr gehustet), das Programm ist vorgegeben und folgt einem bew\u00e4hrten Schema: Ouvert\u00fcre, Orchesterst\u00fcck oder Solokonzert, Pause, Sinfonie. Diese Form hat sich \u00fcber Jahrhunderte etabliert \u2013 und wird bis heute nahezu unver\u00e4ndert stetig reproduziert.<\/p>\n\n\n\n<p>Gleichzeitig stellt sich zunehmend die Frage, ob diese Form f\u00fcr jede Musik, jedes Publikum und jede Situation gleicherma\u00dfen geeignet ist. Hier setzt Konzertdesign an: Es versteht die Form des Konzerts nicht als unver\u00e4nderlichen Rahmen, sondern als&nbsp;<strong>gestaltbare Situation<\/strong>.<\/p>\n\n\n\n<p>Der Kurator und Kulturmanager&nbsp;<strong>Folkert Uhde<\/strong>, einer der zentralen Impulsgeber dieses Denkens, schl\u00e4gt vor, das Konzert selbst als eine Art&nbsp;<em>Komposition<\/em>&nbsp;zu begreifen. Nicht nur die Musik, sondern auch Raum, Licht, Zeit, Dramaturgie, Kommunikation und die Rolle des Publikums k\u00f6nnen bewusst gestaltet werden, auch \u2013 oder gerade \u2013 in Abweichung von tradierten Normen.<\/p>\n\n\n\n<h2><strong>Das Konzert als Ganzes denken<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Konzertdesign bedeutet nicht, die bew\u00e4hrte Form des klassischen Konzerts abzuschaffen oder Musik in h\u00fcbsche, aber oberfl\u00e4chliche Effekte zu \u201everpacken\u201c. Vielmehr geht es darum, bewusst Entscheidungen zu treffen, die konzeptuell stimmig sind:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>In welchem\u00a0<strong>Raum<\/strong>\u00a0entfaltet <strong>welche<\/strong> Musik ihre Wirkung am besten? Wie kann der Raum dazu gestaltet werden? In welcher Beziehung stehen Raum und Musik zueinander?<\/li><li>Welche\u00a0<strong>N\u00e4he oder Distanz<\/strong>\u00a0zwischen Musiker*innen und Publikum ist sinnvoll? Wie kann man N\u00e4he (oder Distanz) aktiv herstellen?<\/li><li>Gibt es eine\u00a0<strong>Narration<\/strong>? Wie vermittelt sie sich (gerade in instrumentalen Konzerten)?<\/li><li>K\u00f6nnen <strong>Moderation<\/strong>, Stille oder Dialog helfen?<\/li><li>Welche <strong>Atmosph\u00e4re<\/strong> unterst\u00fctzt das H\u00f6ren?<\/li><li>Wie gestaltet man das <strong>Setting<\/strong> und die H\u00f6rsituation?<\/li><li>Welche\u00a0<strong>gesellschaftlichen Fragen<\/strong>\u00a0schwingen mit? Wie explizit positioniert man sich und in welcher Form?<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Folkert Uhde beschreibt eine Reihe von Parametern, die jedoch kein Selbstzweck sind. Jede gestalterische Entscheidung sollte aus der Musik, dem Thema oder der Idee des Konzerts heraus begr\u00fcndet sein und zur gesamtkonzeptionellen Abrundung beitragen.<\/p>\n\n\n\n<h2>Konzertdesign im StudiLab<\/h2>\n\n\n\n<p>Im Rahmen des StudiLabs dient Konzertdesign nicht als Rezeptbuch, sondern als&nbsp;<strong>Denkwerkzeug<\/strong>. Die Studierenden entwickeln eigene Entw\u00fcrfe f\u00fcr alternative Konzertformate, indem sie bewusst mit verschiedenen Gestaltungsebenen arbeiten \u2013 und ihre Entscheidungen immer wieder kritisch pr\u00fcfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Welche Rolle soll das Publikum einnehmen?<br>Welche Erwartungen werden best\u00e4tigt, welche gebrochen?<br>Und wie l\u00e4sst sich ein Konzert so gestalten, dass es sowohl k\u00fcnstlerisch \u00fcberzeugend als auch f\u00fcr eine neue Zielgruppe relevant ist?<\/p>\n\n\n\n<p>Die Antworten darauf sind offen und k\u00f6nnen vielf\u00e4ltig ausfallen. Einige m\u00f6gliche Antworten pr\u00e4sentieren die Studierenden in ihren Konzepten am 12. Februar im nt-Schaufenster. Nach der Pr\u00e4sentation wird ein Jury-Preis unter Publikumsbeteiligung vergeben. Das Gewinnerkonzept wird von der Staatskappelle Halle im Oktober 2026 im Volkspark umgesetzt.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie kann man ein Konzert nicht nur&nbsp;auff\u00fchren, sondern&nbsp;gestalten? 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