{"id":345,"date":"2025-12-09T16:08:00","date_gmt":"2025-12-09T15:08:00","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/studilab\/?p=345"},"modified":"2026-03-13T20:40:52","modified_gmt":"2026-03-13T19:40:52","slug":"raumgestaltung-und-konzert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/studilab\/2025\/12\/raumgestaltung-und-konzert\/","title":{"rendered":"Raumgestaltung mit Robert Laser"},"content":{"rendered":"\n<p>Wie wirkt Raum auf das Erleben von Musik? Und welche M\u00f6glichkeiten er\u00f6ffnen sich, wenn man Raum nicht als gegeben hinnimmt, sondern als gestaltbaren Bestandteil eines Konzerts versteht?<\/p>\n\n\n\n<p>Mit diesen Fragen er\u00f6ffnet Robert Laser, Architekt, Professor f\u00fcr Innenarchitektur an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule und Mitbegr\u00fcnder von <em>bla\u00b0 architekten<\/em> (Leipzig), seinen Impulsvortrag im StudiLab.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" width=\"769\" height=\"1024\" src=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/studilab\/files\/2026\/02\/PXL_20251125_134117355-1-769x1024.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-350\" srcset=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/studilab\/files\/2026\/02\/PXL_20251125_134117355-1-769x1024.jpg 769w, https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/studilab\/files\/2026\/02\/PXL_20251125_134117355-1-225x300.jpg 225w, https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/studilab\/files\/2026\/02\/PXL_20251125_134117355-1-768x1023.jpg 768w, https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/studilab\/files\/2026\/02\/PXL_20251125_134117355-1-1153x1536.jpg 1153w, https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/studilab\/files\/2026\/02\/PXL_20251125_134117355-1-1538x2048.jpg 1538w, https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/studilab\/files\/2026\/02\/PXL_20251125_134117355-1-scaled.jpg 1922w\" sizes=\"(max-width: 769px) 100vw, 769px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<h2><strong>Architektur und Musik<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Laser versteht Raum im Konzert nicht als blo\u00dfe H\u00fclle f\u00fcr Musik, sondern als aktiven Mitspieler. Im StudiLab-Seminar soll es auch um gr\u00f6\u00dfere Zusammenh\u00e4nge gehen: Architektur und Musik, so Lasers These, stehen heute vor \u00e4hnlichen Herausforderungen: Ressourcenknappheit, gesellschaftliche Fragmentierung und ver\u00e4nderte Publikumsbed\u00fcrfnisse. In der Architektur reagiere man darauf zunehmend mit Umnutzung und Transformation bestehender R\u00e4ume \u2013 ein Gedanke, der sich auch auf Konzertformate \u00fcbertragen l\u00e4sst.<\/p>\n\n\n\n<h2><strong>Das Konzertwesen im Wandel<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Nur noch gut ein Viertel der Deutschen geht regelm\u00e4\u00dfig ins Konzert, etwa die H\u00e4lfte einmal im Jahr. Das Publikum und seine Bed\u00fcrfnisse wandeln sich, w\u00e4hrend Repertoire und Darbietungsform klassischer Musik seit geraumer Zeit weitgehend unver\u00e4ndert reproduziert wurden. Gleichzeitig erleben viele Menschen Vereinzelung und einen Verlust von Selbstwirksamkeit. Robert Laser stellt die Frage in den Raum, ob Musik hier etwas kompensieren k\u00f6nne \u2013 und wie? M\u00fcssen Konzerte etwa bequemer, g\u00fcnstiger, zug\u00e4nglicher werden?<\/p>\n\n\n\n<h2><strong>B\u00fchnenformen und Raumtypen<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Anhand verschiedener Beispiele stellt Robert Laser unterschiedliche B\u00fchnentypen vor: von der klassischen Frontalb\u00fchne \u00fcber Orchester- und Zentralb\u00fchnen bis hin zu experimentellen, tempor\u00e4ren oder vollst\u00e4ndig \u201eenvironmentalen\u201c Formaten, in denen sich Publikum und Musiker*innen mischen.<\/p>\n\n\n\n<p>Jede r\u00e4umliche Anordnung erzeugt eine bestimmte Beziehung zwischen Publikum und Musik; N\u00e4he oder Distanz, Konzentration oder Zerstreuung, Hierarchie oder Gemeinschaft.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit ad hoc Performances und verschiedenen Aufstellungen im Raum k\u00f6nnen die Studierenden im Seminar spielerisch einige dieser Szenarien selbst erproben. Mit einfachen Instrumenten und wechselnden Anordnungen von Musiker*innen und Publikum wird schnell deutlich, wie stark sich Wahrnehmung allein durch r\u00e4umliche Setzungen ver\u00e4ndert \u2013 auch ohne gro\u00dfe technische Mittel.<\/p>\n\n\n\n<figure class=\"wp-block-image size-large\"><img loading=\"lazy\" width=\"1024\" height=\"769\" src=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/studilab\/files\/2026\/02\/PXL_20251125_133124336-1024x769.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-351\" srcset=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/studilab\/files\/2026\/02\/PXL_20251125_133124336-1024x769.jpg 1024w, https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/studilab\/files\/2026\/02\/PXL_20251125_133124336-300x225.jpg 300w, https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/studilab\/files\/2026\/02\/PXL_20251125_133124336-768x577.jpg 768w, https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/studilab\/files\/2026\/02\/PXL_20251125_133124336-1536x1153.jpg 1536w, https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/studilab\/files\/2026\/02\/PXL_20251125_133124336-2048x1538.jpg 2048w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/figure>\n\n\n\n<h2><strong>Der Volkspark als Herausforderung<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Besonders konkret wird Robert Lasers Betrachtung des <strong>Volksparks Halle<\/strong>. Einige Studierende empfinden den gro\u00dfen, dunkelroten Saal als atmosph\u00e4risch anspruchsvoll, teilweise sogar dr\u00fcckend. Robert Lasers Empfehlung: Man solle nicht versuchen, den Raum zu \u201eversch\u00f6nern\u201c und gegen die Gegebenheiten zu arbeiten, sondern radikal zu denken, den Raum zu abstrahieren, mit Licht zu arbeiten, oder ihn sogar \u201ewegzunehmen\u201c \u2013 etwa durch Dunkelheit oder geschlossene Augen und eine Gedankenreise (\u201estell dir vor, du bist in einem gro\u00dfen, wei\u00dfen Raum\u201c). Entscheidender als die realen physischen Gegebenheiten sei es, dem Publikum eine klare r\u00e4umliche <strong>Idee<\/strong> zu vermitteln, auch sprachlich oder symbolisch. Die Idee von Raum pr\u00e4ge das Erleben st\u00e4rker.<\/p>\n\n\n\n<h2><strong>Reflektionen zum Konzertbesuch<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>Im zweiten Teil sammelt die Gruppe Eindr\u00fccke aus einem zuvor besuchten Sinfoniekonzert. Diskutiert werden unter anderem:<\/p>\n\n\n\n<ul><li>fehlende Lichtdramaturgie und unklarer Beginn,<\/li><li>hektische Pausensituation,<\/li><li>ein sp\u00fcrbar distanziertes Verh\u00e4ltnis zwischen Orchester und Publikum,<\/li><li>ritualisierte Abl\u00e4ufe beim Applaus,<\/li><li>wenig Raum f\u00fcr spontane Reaktionen oder Austausch,<\/li><li>ein Nachgespr\u00e4ch ohne geeigneten Ort und Rahmen,<\/li><li>vor dem Konzert herrschte eine angenehme, soziale Atmosph\u00e4re \u2013 nach dem Konzert l\u00f6ste sie sich abrupt auf.<\/li><\/ul>\n\n\n\n<p>Auff\u00e4llig war dabei ein Widerspruch: Vor dem Konzert herrschte eine angenehme, soziale Atmosph\u00e4re \u2013 nach dem Konzert l\u00f6ste sie sich abrupt auf.<\/p>\n\n\n\n<p>All diese Beobachtungen lassen sich als r\u00e4umliche Ph\u00e4nomene beschreiben und gestalten.<\/p>\n\n\n\n<p>Robert Lasers Impulsvortrag machte deutlich, dass Raumgestaltung im Konzertkontext nicht nur Architektur meint. Es geht um Rituale, Dramaturgie und \u00dcberg\u00e4nge, Aufmerksamkeit und um die Frage, wie viel N\u00e4he ein Konzert zul\u00e4sst oder verhindert. Vor allem: Raum ist nie neutral.<br>Wer Konzertformate entwirft, gestaltet immer auch soziale Beziehungen, bewusst oder unbewusst.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie wirkt Raum auf das Erleben von Musik? 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