{"id":215,"date":"2020-05-25T09:30:51","date_gmt":"2020-05-25T07:30:51","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/testblognt2020\/?page_id=215"},"modified":"2020-06-26T12:54:30","modified_gmt":"2020-06-26T10:54:30","slug":"sitzung-9","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/testblognt2020\/sitzung-9\/","title":{"rendered":"Sitzung 9 &#8211; Antijudaismus, Israel im Joh-Ev und im Lichte einer Kirche in Eisenach in der NS-Zeit"},"content":{"rendered":"\n<p>Karl Hollerung: <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Susannah\nHeschel The Aryan Jesus \u2013 Christian Theologians and the Bible in Nazi Germany<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kapitel\nII<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Das \u201e\u201eInstitut\nzur Erforschung und Beseitigung des j\u00fcdischen Einflusses auf das deutsche\nkirchliche Leben\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>So, hier\nkommt noch meine leider sehr versp\u00e4tete Zusammenfassung des zweiten Kapitels\naus dem Buch \u201eThe Aryian Jesus\u201c von Frau Heschel. Das zweite Kapitel\nbesch\u00e4ftigt sich mit dem in Eisenach ans\u00e4ssigen Institut \u201eInstitut zur\nErforschung und Beseitigung des j\u00fcdischen Einflusses auf das deutsche\nkirchliche Leben\u201c (im Folgenden einfach \u201edas Institut\u201c genannt), welches\nbereits Gegenstand unseres Seminars gewesen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Kapitel\nbeginnt mit der Situation, in der sich die Deutschen Christen \u2013 bzw. deren\nf\u00fchrende Mitglieder &#8211; Mitte der 30er Jahre befanden. Sie hofften auf Teilhabe\nan der Macht im nationalsozialistischen Staat \u2013 was ihnen jedoch seitens des\nRegimes verwehrt wurde. Dies zeigt sich in symbolhaften Ma\u00dfregelungen, mit\ndenen sich das NS-Regime gegen die Anbiederungsversuche der Deutschen Christen\nverwahrte. So musste eine Zeitschrift der Deutschen Christen namens\n\u201eChristenkreuz und Hakenkreuz\u201c ihren Namen in \u201eDeutsche Fr\u00f6mmigkeit\u201c \u00e4ndern.\nAuch die Th\u00fcringer Sektion der Deutschen Christen, die sich \u201eKirchenbewegung\ndeutsche Christen\u201c nannte, musste ihren Namen \u00e4ndern, und zwar in\n\u201eNationalkirchliche Einigung Deutscher Christen\u201c. Das Wort \u201eBewegung\u201c sollte\ninnerhalb der misstrauisch be\u00e4ugten Kirche keine Verwendung finden. Wichtig ist\nin diesem Zusammenhang, dass f\u00fchrende Nationalsozialisten das Christentum\nh\u00e4ufig als eine Unterart des Judentums betrachteten, als \u201eJudentum f\u00fcr\nNichtjuden\u201c. Die Deutschen Christen wollten derartige Vorbehalte nicht stehen\nlassen und strebten nach einem Christentum, das mit der germanischen Urreligion\nvereinbar w\u00e4re. Dabei gingen f\u00fchrende Vertreter der Deutschen Christen schon\nfr\u00fch sehr weit. So sprach sich Reinhold Krause bereits im November 1933 f\u00fcr die\nAbschaffung des Alten Testaments und auch der paulinischen Schriften aus, da\nsich Paulus bekanntlich eindeutig als Juden bekennt. Auf einer Tagung f\u00fchrender\nDeutscher Christen in Godesberg Mitte M\u00e4rz 1939 wurde beschlossen, dass das\nChristentum stets eine nationale Religion w\u00e4re und mit dem Judentum nichts zu\ntun h\u00e4tte.<\/p>\n\n\n\n<p>Seitens der\nBekennenden Kirche und \u201eneutraler\u201c Theologen wurden derartige Vorst\u00f6\u00dfe\nentschieden zur\u00fcckgewiesen. Man war sich zwar in einer negativen Betrachtung des\nJudentums weitgehend einig. Dennoch wurde z.B. die negative Beurteilung der\npaulinischen Schriften mit dem aus lutherischer Sicht nahezu zwingenden\nArgument ihrer zentralen Bedeutung f\u00fcr Luthers Theologie verworfen. Auch das\nAlte Testament als zentrale Schrift des Christentums verteidigt. Ein weiteres\nKonfliktfeld waren \u201enichtarische\u201c Christen, sprich, getaufte Christen j\u00fcdischer\nHerkunft. Gerade Vertreter der Bekennenden Kirche sahen in ihnen vollwertige\nMitchristen und wollten die christliche Mission unter Juden keinesfalls\neinstellen. Gerhard Hahn, ein Pfarrer der Deutschen Christen in Th\u00fcringen, schlug\ndagegen vor, dass Juden nur noch von j\u00fcdischen Pfarrern getauft werden sollten.\nAuch sollte es keine gemeinsamen Gemeinden zwischen Christen j\u00fcdischer und\n\u201earischer\u201c Herkunft mehr geben.<\/p>\n\n\n\n<p>Bemerkenswert\nfinde ich auch die Reaktion des NT-Professors an der Universit\u00e4t Marburg, Hans\nvon Sodem. Er warf den Deutschen Christen im Allgemeinen und der Deklaration\nvon Godesberg im Besonderen vor, das Christentum gerade zu judaisieren. Das\nChristentum richte sich gegen den Anspruch sowohl des j\u00fcdischen als auch jedes\nanderen Volkes, eine auserw\u00e4hlte Nation zu sein und rei\u00dfe die Barrieren\nzwischen den Nationen nieder. Die Deutschen Christen wiederum wollen diese\nBarrieren wieder errichten und damit die Verh\u00e4ltnisse wiederherstellen, die vor\nJesu Kreuzestod geherrscht haben.<\/p>\n\n\n\n<p>So, nach\ndieser Darstellung der Vorgeschichte jetzt soll es wirklich um das Institut\ngehen. Die Idee zur Gr\u00fcndung eines Forschungsinstituts mit dem Ziel der\n\u201eEntjudung\u201c der Kirche stammt von Walter Grundmann. Er wollte das Institut an\nder Universit\u00e4t Jena ansiedeln und schlug einen ehemaligen Kommilitonen von\nsich, Erich Wilkens, als dessen Leiter vor. Dieses Institut sollte ein\nakademisches Journal herausgeben, von der Evangelischen Kirch gef\u00f6rdert werden\nund Kontakte sowohl zur NS-Regierung als auch u.a. zu Julius Streicher\nunterhalten, dem Herausgeber des \u201eSt\u00fcrmers\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Institut\nkam zun\u00e4chst nicht so voran, wie Grundmann es sich erhofft hatte: Weder gab es\neine Anerkennung durch die Universit\u00e4t Jena noch B\u00fcros innerhalb der Kirche.\nDer damalige Rektor der Universit\u00e4t, Karl Astel, war ein \u00fcberzeugter\nRassentheoretiker und sah im Christentum eine vom Judentum beeinflusste\nReligion. Dementsprechend geringsch\u00e4tzte er auch die Theologie und stand\nGrundmanns Vorschlag daher ablehnend gegen\u00fcber.<\/p>\n\n\n\n<p>Dennoch fuhr\nGrundmann mit den Planungen f\u00fcr sein Institut fort und formulierte daf\u00fcr zwei\nKriterien, die Mitarbeiter des Instituts erf\u00fcllen m\u00fcssten: Erstens sollten sie\nExperten in Rassenkunde sein und zweitens der \u00dcberzeugung sein, dass Juden- und\nChristentum nichts miteinander zu tun h\u00e4tten. Innerhalb der Deutschen Christen\ngewann die Idee zur Gr\u00fcndung des Instituts schnell Anh\u00e4nger.<\/p>\n\n\n\n<p>Am 6. Mai\n1939 schlie\u00dflich war es soweit: Das Institut wurde auf der Wartburg feierlich\ner\u00f6ffnet. Bemerkenswert ist, dass die Lieder, die dabei gespielt wurden,\nausnahmslos einen s\u00e4kularen Hintergrund hatten und keinerlei Bezug zu christlichen\nThemen erkennbar war. Grundmann verwarf in seiner Er\u00f6ffnungsrede s\u00e4mtliche\nVerhei\u00dfungen des Alten Testamentes, forderte die Unterbindung des j\u00fcdischen\nEinflusses auf das kirchliche Leben und warf allen Christen, die anderer\nAnsicht seien, vor, j\u00fcdisch beeinflusst zu sein.<\/p>\n\n\n\n<p>Interessant\nist, dass Grundmann seitens extrem nationalsozialistischer Zeitungen wie\n\u201eNordland\u201c Hohn und Spott f\u00fcr sein Institut erntete: Entnehme man dem\nChristentum alles j\u00fcdische, bleibe vom Christentum leider nichts mehr \u00fcbrig. Grundmann\nverteidigte sich gegen diese Stellungnahmen: Wenn dem so sei, warum haben die\nJuden dann Jesus gekreuzigt und seien immer die gr\u00f6\u00dften Verfolger des\nChristentums gewesen? Au\u00dferdem sei eine Verleumdung des Christentums auch eine\nVerleumdung des deutschen Volkes und seiner Geschichte, denn die Deutschen\nseien w\u00e4hrend des Gro\u00dfteils ihrer Geschichte immer fromme Christen gewesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine\ninteressante Randnotiz ist, dass es in Hermannstadt in Rum\u00e4nien eine\nZweigstelle des Instituts gab, das innerhalb der dortigen Evangelischen Kirche\nals Helfer bei der Vollendung der wahren Reformation gefeiert wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem\nKrieg sollte sich Grundmann damit herausreden, das Institut sei ein rein\nakademisches Projekt gewesen und habe keine festen ideologischen Ziele gehabt.\nDass das Gegenteil der Fall war, l\u00e4sst schon der Titel erahnen, der im\nFolgenden noch einmal genannt sei: \u201eInstitut zur Erforschung und Beseitigung\ndes j\u00fcdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben\u201c. Dennoch forderte\nGrundmann 1940 tats\u00e4chlich die Tilgung des Begriffs \u201eBeseitigung\u201c aus dem Namen\ndes Instituts, da zu seri\u00f6ser Wissenschaft geh\u00f6re, dass deren Ziele nicht von\nAnfang an feststehen. Das \u00e4nderte jedoch nichts daran, dass dieser Begriff von\n1940-3 immer wieder in Ver\u00f6ffentlichungen des Instituts auftauchte. In sp\u00e4teren\nVer\u00f6ffentlichungen wurde der Begriff \u201eBeseitigung\u201c durch \u201eEntjudung\u201c ersetzt,\nwas meines Erachtens nicht wirklich dazu beitr\u00e4gt, Grundmann zu entlasten.<\/p>\n\n\n\n<p>Grundmann\nwar erwartungsgem\u00e4\u00df der Ansicht, dass Jesus Arier gewesen sei. Dies\nuntermauerte er mit den Schriften \u201eJesus der Galil\u00e4er\u201c und, als in einfacherer\nSprache geschriebene Zusammenfassung dessen, \u201eWer ist Jesus von Nazareth?\u201c. Ein\ngro\u00dfes Problem sah Grundmann in Paulus, an dessen j\u00fcdischer Herkunft leider\nkein Zweifel bestehen k\u00f6nne. Auch Grundmann forderte daher die Entfernung der\npaulinischen Briefe aus dem Neuen Testament. Allerdings m\u00fcssen derart radikale\nMa\u00dfnahmen mit Bedacht angegangen werden, denn die Paulinischen Briefe seien\nzentral in der lutherischen Theologie und es brauche Zeit, die Mehrheit der\nlutherischen Theologen von dieser Notwendigkeit zu \u00fcberzeugen.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Institut\nblieb innerhalb der Evangelischen Kirche stets umstritten und genoss die\nUnterst\u00fctzung von lediglich sechs der elf Bisch\u00f6fe, die die Godesberger\nDeklaration unterschrieben hatten. U.a. die Unterschrift von Friedrich Werner,\ndem Pr\u00e4sidenten der Evangelischen Kirche der Altpreu\u00dfischen Union, fehlte.\nWerner unterst\u00fctzte das Institut zwar und lie\u00df ihm mehrfach betr\u00e4chtliche\nGeldzahlungen zukommen, vermied eine Unterschrift jedoch mit dem Hinweis\ndarauf, wie umstritten das Institut innerhalb der Kirche sei. Er wolle keine\nKirchenspaltung riskieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Ab dem\nFr\u00fchjahr 1940 wurde das Institut auch durch die Reichsregierung finanziell\nunterst\u00fctzt und erwirtschaftete ab da sogar Gewinn. Tagungen des Instituts\nkonnten reichsweit in noblen Hotels abgehalten werden und namhafte Mitarbeiter\ngewinnen, u.a. Rudi Paret, der sp\u00e4ter der Verfasser der bis heute ma\u00dfgeblichen\nKoran\u00fcbersetzung ins Deutsche werden sollte. Neben ihm geh\u00f6rten bis zu 180\nMitglieder dem Institut an, darunter Theologen aller Disziplinen sowie Bisch\u00f6fe\nund Pfarrer aus dem ganzen Reich.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Institut\nwar auf drei Ebenen t\u00e4tig: 1. Es hielt \u00f6ffentliche Tagungen ab, 2. Es f\u00fchrte\nArbeitsgruppen durch, 3. Es ver\u00f6ffentlichte Publikationen. Auf diese Weise\nentstanden u.a. ein \u201eentjudaisiertes\u201c Neues Testament, ein neuer Katechismus\nund ein neues Gesangbuch. Die Jahre bis 1942 waren diesbez\u00fcglich am\nproduktivsten. Anschlie\u00dfend, nach weitgehendem Abschluss der gro\u00dfen\nMassendeportationen der deutschen Juden nach Osteuropa, feierte man im Institut\ndie \u201eEntjudung\u201c Deutschlands und beschr\u00e4nkte sich auf Forschungen \u00fcber die\nSynthese des Christentums mit der germanischen Urreligion. <\/p>\n\n\n\n<p>Auch das\nInstitut konnte jedoch nichts daran \u00e4ndern, dass die antichristliche\nEinstellung radikaler Nazis blieb. 1941 skandierten deutsche Soldaten in\nZakopane (Polen) z.B., der Friede werde kommen, wenn der letzte Jude an den\nEingeweiden des letzten Pfarrers aufgeh\u00e4ngt werde.<\/p>\n\n\n\n<p>Im darauf folgenden dritten Kapitel wird die Arbeit des Instituts n\u00e4her erl\u00e4utert \u2013 u.a. anhand von deutschem Quellenmaterial.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Marcus Kobert: <\/p>\n\n\n\n<p><strong>Susannah Heschel The Aryan Jesus \u2013 Christian Theologians and the Bible in Nazi Germany<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Kapitel\nI<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p><strong>Reinigung\nJesu vom J\u00fcdischen\/J\u00fcdischsein \u2013 Erfinden des arischen Jesus<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\nSusanna\nHenschel zeichnet im ersten Kapitel ihres Buches verschiedene\nhistorische Linien, in ihren unterschiedlichsten Facetten hin zum\nantijudaischen \u201earischen Jesus\u201c nach, die u.a. vom\n\u201eEntjudaisierungsinstitut\u201c um Walter Grundmann aufgriffen, weiter\nverarbeitet und tradiert wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201e<strong>Vorbemerkung\u201c<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\nDas\nInstitut zur Erforschung und Beseitigung des j\u00fcdischen Einflusses\nauf das deutsche kirchliche Leben\nhat sich in seiner Arbeit auf\netwas gr\u00fcnden k\u00f6nnen, was bereits vor seiner Gr\u00fcndung ein\nlegitimer Teil der kirchlichen Diskussion geworden war, n\u00e4mlich,\ndass Jesus kein Jude, sondern ein Gegner \u201edes Judentums\u201c war und\ndas Alte Testament ein j\u00fcdisches Buch ist, das keine Teil der\nchristlichen Bibel sein soll. Nach Robert Younh war dies die\nheimliche Hoffnung eines bestimmten Strangs der Theologie seit dem 2.\nJh., sodass eine \u201eHistorische Weiterschreibungen\u201c der\nAntij\u00fcdischen und Antisemitischen Tradition im Christentum von\nMarcion bis Grundmann zu beobachten ist. Dabei konnte sich ein\nChristentum entwickeln, dass mit der Ideologie der Nazis, wie\nGrundmann kompatibel wurde. So verk\u00fcndete dieser u.a: (hier\n\u00fcbersetzt nach Heschel) \u201eUnser Volk, dass im Kampf gegen die\nSatanische Macht des Weltjudentums \u00fcber allen anderen f\u00fcr die\nOrdnung und das Leben dieser Welt steht, lehnt Jesus ab, weil es\nnicht einerseits gegen die Juden k\u00e4mpfen und andererseits sein Herz\ndem K\u00f6nig der Juden \u00f6ffnen kann.\u201c <em>(<\/em><em>Offensichtliche\nVerkn\u00fcpfung <\/em><em>zu Joh.\n8,<\/em><em>44<\/em><em>)<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\nAllerdings,\nso Heschel ist die Perspektive auf dieses Ph\u00e4nomen der Arisierung\ndes Juden Jesus zu erweitern und steht in einer \u201eallgemeineren\u201c\nwestlichen Tradition des vor allem auch kolonialen Rassismus in der\nchristlichen Theologie.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Philologie,\nReligion und Rassentheorie<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\nDie\nAblehnung der Autorit\u00e4t der Schrift und damit die In-Frage-Stellung\nder Monogenese im 17. Jh. er\u00f6ffnete einen ideologischen Raum f\u00fcr\ndie Akademische Besch\u00e4ftigung mit \u201eRasse\u201c, von der die Theologie\nnicht ausgenommen war. Hinzu kam in diesem Zusammenhang die\nromantische Suche nach einer \u201eUrheimat\u201c,als urspr\u00fcngliche Heimat\nvon Nation, Kultur und Volk, die seit Beginn die deutschen Literatur\n\u00fcber \u201eMenschen-Rassen\u201c dominierte und eine Alternative zum\nbiblischen Eden bot. Dieses wurde, so zeichnet es Heschel nach, statt\nin Mesopotamien in Indien als neuer geografischer Front des Westens\nlokalisiert, sodass Sanskrit das biblische Hebr\u00e4isch in den\nSchriften von u.a. Friedrich und Wilhelm Schlegel ersetzte. \n<\/p>\n\n\n\n<p>\nAuch\nBuddhismus und Zoroastrismus wurden Teil dieser Rezeption. Heschel\nstellt heraus, dass linguistische Studien proto-nationalistische\n\u00dcberzeugungen, dass ein Volk nicht nur von einem Land und einer\nSprache begr\u00fcndet wird, sondern auch von Mythos und Ritual, also\nKultur und Religion, verst\u00e4rkten. Die am h\u00e4ufigsten pr\u00e4senten\nAntinomien waren dabei \u201eArisch\u201c und \u201eSemitisch\u201c, ersteres\nverbunden mit \u201edem Christentum\u201c und letzteres mit \u201eJudentum und\nIslam\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Ernest\nRenan und die Rassifizierung der christlichen Urspr\u00fcnge<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\nDas\nVokabular f\u00fcr die Rassifizierung Jesu lieferte als einer der ersten\nder franz\u00f6sische katholische Theoretiker Ernest Renan. Er gewann f\u00fcr\nseine Studien zur Semitischen Sprache einen Preis und vertrat u.a.\ndie Theorie, dass der Monotheismus dem \u201esemitischen Instinkt\u201c\nentstammt, w\u00e4hrend die Indoeurop\u00e4er eher Polytheisten waren. Der\nMonotheismus war seiner Meinung nach der Grund f\u00fcr den Absolutismus\nund behinderte die Kreativit\u00e4t und Imagination, die daher dem\nJudentum und Islam fern w\u00e4ren. In seiner wissenschaftlichen Kariere\nverst\u00e4rkte sich sein Antisemitismus und er unterschied zwischen\n\u201earischen\u201c Indern, Griechen und Deutschen und \u201esemitischen\u201c\nArabern und Juden und trug dies in den Diskurs um die Unterscheidung\nzwischen Hellenismus und Hebraismus in der Sprachwissenschaft seiner\nZeit ein. 1863 publizierte er \u201eDas Leben Jesu\u201c und beschrieb\ndarin Jesus als einen Gallil\u00e4er, der sich einer Wandlung vom\nJudentum zum Christentum unterzog und beschrieb das aufkommende\nChristentum als vom Judentum \u201egereinigt\u201c. Dabei trug er den\nDiskurs um \u201eMenschen-Rassen\u201c in das \u201eHerz des Christentums\u201c\nein. Allerdings war der Jesus Renans noch eine romantische, feminine\nFigur, so Heschel. Im Vorwort seiner Arbeit zitierte er sogar die\nJesus Beschreibung des j\u00fcdischen Historikers Abraham Geiger, wobei\nseine Beschreibung des Judentums sich diametral von der Geigers\nunterschied, der Jesus mit den Pharis\u00e4ern seiner Zeit identifizierte\nund Jesu Erfolg in der \u00dcberlegenheit seiner religi\u00f6sen Ausbildung\ngegen\u00fcber seinem galil\u00e4ischen Umfeld begr\u00fcndet sah. Im Unterschied\nzu Renan war sich dessen Zeitgenosse, der deutsche Philologe Paul de\nLagarde sicher, dass Jesus kein Jude war und argumentierte in seiner\nKritik am Christentum, dass erst Paulus und seine Apostel das\nChristentum \u201ejudaisiert\u201c h\u00e4tten, sodass es wiederum einer\n\u201eBefreiung des Christentums\u201c vom J\u00fcdischen bed\u00fcrfe. Diese\nArgumentation, so macht es Heschel deutlich, wurde dann im 19. und\n20. Jh. von der V\u00f6lkischen Bewegung, der er Lagarde angeh\u00f6rte und\nnationalistischen Protestanten weiter aufgegriffen. In Renans\nSchriften wurden fr\u00fch Verbindungen zu dem \u201eRassentheoretiker\u201c\nAlbert Gobineau gesehen, der ihm, so Heschel, sogar vorwarf ihn\nplagiiert zu haben. \n<\/p>\n\n\n\n<p>\nDas\nWichtigste ist dabei aber, dass Renan ein Vokabular und eine Logik,\n\u201egeh\u00fcllt in die Sprache der romantischen Pietisten\u201c bereit\nstellte, die Jesus von einem Kritiker des Judentums seiner Zeit zu\neinem machte, dessen Religiosit\u00e4t in seiner \u201earischen Identit\u00e4t\u201c\nbegr\u00fcndet war, die er fand als er sich vom Judentum befreite, so\nHeschel.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der\nbuddhistische Jesus<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\nEine\nweitere alternative Ann\u00e4herung an den \u201earischen Jesus\u201c, war es\nihn g\u00e4nzlich au\u00dferhalb des antiken Judentums im Buddhismus zu\nverorten. Bereits 1880, so vermerkt es Heschel unter Verweis auf die\nHistorikerin Eva-Maria Kaffanke an, wurden deutsche\nJesus-Darstellungen als \u201ezu j\u00fcdisch\u201c kritisiert, sodass\nK\u00fcnstler_innen Bem\u00fchungen unternahmen \u201eorientalischere\u201c Modelle\nzu nutzen, zuerst Muslime und dann Deutsche. In der gleichen Zeit, so\nHeschel, begann u.a. der Religionshistoriker Robert Seydel aus\nLeipzig den Religionen, die als Buddhismus und Hinduismus bezeichnet\nwurden, eine geistige Verwandtschaft mit den Lehren Jesu zu\nattestieren, indem er die Kindheitsgeschichten Jesu und Buddhas\nverglich.<\/p>\n\n\n\n<p>\nSeine\nArbeit wurde h\u00e4ufig zitiert, um die angebliche \u201eIndogermanische\nNatur Jesu\u201c zu belegen. Auch Arthur Schopenhauer und der unter\ndessen Einfluss stehende Richard Wagner rezipierten und verarbeiteten\nderartige Vorstellungen eines \u201ebuddhistischen\u201c und \u201earischen\nJesus\u201c in ihren Werken. W\u00e4hrend andererseits Nietzsche\nbeispielsweise das Christentum nicht als \u201eGegenteil des Judentums\u201c,\nsondern dessen radikale Form und somit definitiv aus dem Judentum\nstammend, identifizierte und daher weniger von Bef\u00fcrwortern eines\n\u201earischen Jesus\u201c zitiert wurde. Allerdings, so Heschel, findet\nsich auch bei Nietzsche eine buddhistisch beeinflusster Jesus und ein\nHang zu Zarathustra, dem wiederum einige v\u00f6lkische Theologen den\nselben Rang wie Jesus zusprachen. \n<\/p>\n\n\n\n<p>\nEs\nbedurfte aber eines weiteren Schritts, um aus dem \u201ezu einem\nindischen Buddha stilisierten Jesus\u201c einen Symbol der\nmilitaristischen und nationalen Interessen Deutschlands zu machen, so\nHeschel. Eine wichtige Rolle spielte dabei, die Fokussierung auf die\n\u201eimmanente relig\u00f6se Erfahrung\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>\nDer\nTheologe Arthur Bonus sah in der Verinnerlichung des transzendenten\nGottes im Menschen, also der Immanenz Gottes \u201ein uns\u201c den\nSchl\u00fcssel zur \u201egermanischen Identit\u00e4t Jesu\u201c, mit dem es m\u00f6glich\nwurde die T\u00fcr zur Identifikation Hitlers und des Deutschen Volkes\nmit dem G\u00f6ttlichen oder sogar der Personifikation Christi zu \u00f6ffnen,\nso Henschel.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Der\ngermanische Jesus<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\nHuston\nSteward Chamberlain, ein begeisterter Anh\u00e4nger des \u201eBayreuther\nKreises\u201c und Schwiegersohn von Richard Wagner, konnte das Argument\ndes \u201earischen Jesus\u201c in seinem \u201eBest-Seller\u201c: \u201eGrundlagen\ndes neunzehnten Jahrhunderts\u201c, der 1899 erschien, weit verbreiten.\nTrotz des Mangels einer theologischen Ausbildung konnte er darin mit\ntheologischen Argumenten aufwarten und identifizierte Jesus und\ndessen Lehre als zum gr\u00f6\u00dften Teil \u201earisch\u201c , im Unterschied zu\ndem \u201erassisch j\u00fcdischen\u201c Paulus, der nach Chamberlain eine\npagane Pr\u00e4gung durch Hellenistische Mysterienkulte hatte, wodurch er\nwiederum auch eine Verbindung zu \u201eindo-arischen Lehren\u201c hatte.\nHeshel f\u00fcrt dazu aus, dass in Chamberlains Logik die \u201eIndische\nReligion\u201c auch nicht frei von \u201esemitischen Einfl\u00fcssen\u201c war,\naber den \u201egermanischen Impuls\u201c der \u201ereinen innerlichen\nreligi\u00f6sen Erfahrung\u201c bewahrt h\u00e4tte.<\/p>\n\n\n\n<p>\nEr\nberief sich bez\u00fcglich der Herkunft Jesu auf das \u201eArgument\u201c, nach\ndem im Galil\u00e4a des 1. Jh. nach Christus, aufgrund der assyrischen\nInvasion, die wohlgemerkt im 8. Jh. vor Christus erfolge, nur wenige\nJuden gelebt h\u00e4tten, welche eine \u201elaxe religi\u00f6se Praxis\u201c gehabt\nh\u00e4tten und dem Hebr\u00e4ischen gegen\u00fcber \u201eignorant\u201c waren. Jesus\nwar, so Chamberlain, seiner religi\u00f6sen Erziehung nach \u201ezweifellos\nj\u00fcdisch\u201c, aber seiner \u201eRasse\u201c nach, als der eigentlichen\nBedeutung von j\u00fcdisch, sehr wahrscheinlich nach nicht. Er h\u00e4tte\nnach Chamberlain sehr wahrscheinlich \u201ekeinen tropfen j\u00fcdischen\nBlutes\u201c in sich gehabt. Chamberlain sah die \u201ezerst\u00f6rerische\nBedrohung des Judentums\u201c u.a. im r\u00f6mischen Katholizismus\n\u201everborgen fortwirken\u201c und identifizierte im Gegenzug den\nProtestantismus mit dem \u201eindogermanischen Genius\u201c. Wobei Heschel\nanmerkt, dass er sich in seiner \u201eKritik\u201c des Katholizismus nicht\nwesentlich von der aus den protestantischen Reihen jener Zeit\nunterschied. Trotz der Kritik des Buches in theologischen Kreisen,\nhatte es eine breite Leser_innenschaft in der Bev\u00f6lkerung und Kaiser\nWilhelm der II war teilweise von den Chamberlains Bem\u00fchungen den\ndeutschen Nationalismus in einem Christentum zu verankern, das von\n\u201ej\u00fcdischem Unrat\u201c \u201egereinigt\u201c wurde, so beeindruckt war,\ndass er 10.000 Reichsmark daf\u00fcr aufwendete, um dieses Buch\nlandesweit in den deutschen Bibliotheken zu platzieren. Es gelang\nChamberlain, so Heschel, mit seiner Schrift die \u201eexternen\u201c\nantisemitischen Kritiker_innen des Christentums aufgrund des\nj\u00fcdischen Einflusses auf es, mit den Christen Deutschlands zu\nvereinen, indem er Jesus als \u201enicht j\u00fcdisch\u201c und in seiner\nReligiosit\u00e4t als \u201eIndo-europ\u00e4isch\u201c charakterisierte. Seine\nAgenda der religi\u00f6sen Erneuerung \u201eispirierte\u201c den Autor Gustav\nFrenssen zu seinem erfolgreichen \u201etheologischen\u201c Roman\n\u201eHilligenlei\u201c, in dem er die Evangelien als Allegorie zu\nDeutschland \u201erekonzeptualisierte\u201c und aus Jesus einen \u201eErl\u00f6ser\naus Schleswig-Holstein\u201c machte und von dem zwischen 1905 und 1944\n250,000 Kopien verkauft wurden.. Heschel h\u00e4lt angesichts der\nPopularit\u00e4t dieser B\u00fccher und der damit verbundenen Diskurse fest,\ndass es \u201eunm\u00f6glich sei, dass viele der gebildeten Deutsche am\nVorabend des I Weltkrieges nichts davon wussten, dass es die\nBehauptungen \u201eJesus sei kein Jude gewesen\u201c, gab\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>V\u00f6lkische\nBewegungen und ihr Jesus<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\nV\u00f6lkische\nBewegungen gab es sowohl au\u00dferhalb, als auch innerhalb der\nprotestantischen Kirche. Eine Zentrale Frage der v\u00f6lkischen\nChrist_innen war die Tauglichkeit des Christentums f\u00fcr Deutschland.\nEiner ihrer Hauptideologen war Adolf Bartels, der sp\u00e4ter ein\nMitglied des Eisenacher Instituts wurde und den Slogan vertrat: \u201eMehr\nDeutsches Christentum, weniger j\u00fcdisches Christentum.\u201c. Henschel\nbeschreibt weiter, dass es vor allem Pfarrer waren, die die v\u00f6lkische\nBewegung mit ihren Ideen eines \u201egermanisierten Christentums\u201c, der\nForderung nach Ausschluss des Alten Testaments und einem \u201earischen\nJesus\u201c, der gegen das Judentum k\u00e4mpfte, in die Kirchen brachten\nund verweist dabei insbesondere auf den sehr umtriebigen, stark von\nChamberlain beeinflussten, schleswig-holsteinischen Pfarrer Friedrich\nAndersen, welcher bereits 1907 das antisemitische Traktat\n\u201eAnticlericus\u201c ver\u00f6ffentliche, in dem er den Ausschluss des\nAlten Testaments forderte. Dieser wurde von seiner Kirche daraufhin\nf\u00fcr sein Schrift \u201edisziplinarisch ger\u00fcgt\u201c, allerdings nicht\naufgrund des Inhalts, wie Heschel betont, sondern weil er sie ohne\nGenehmigung ver\u00f6ffentlichte. Im Zuge des ersten Weltkrieges\nradikalisierte er seinen Antisemitismus und machte \u201edie Juden\u201c\nf\u00fcr selbigen verantwortlich. Im Jahr 1917 ver\u00f6ffentlichte er ohne\neinen Protest der Kirchenoberen zusammen mit drei anderen v\u00f6lkischen\nAutoren 95 Thesen zur Reform der Kirche und gr\u00fcndete vier Jahre\nsp\u00e4ter mit ihnen den Bund f\u00fcr deutsche Kirche, als erste formale\nOrganisation in der Kirche, die f\u00fcr ein \u201edeutsches Christentum\u201c\nwarb. Die V\u00f6lkische Bewegung, so Heschel, war beides eine Rebellion\ngegen die Kirche, ihre Autorit\u00e4ten und Dogmen und ein Begeisterung\ndaf\u00fcr die neue Theologische Avantgarde zu sein. Andersen brachte\n1921 das Buch \u201eDer deutsche Heiland\u201c heraus, in welchem er eine\n\u201eErl\u00f6sung ohne j\u00fcdische Tr\u00fcbung\u201c verk\u00fcndete und 1923 unter\nVerweis auf ein Zitat Adolf von Harnacks, der selbst schrieb, dass\ndie Elimination des Alten Testaments aus dem christlichen Kanon\nLuthers Reformation vervollst\u00e4ndigen w\u00fcrde, rechtfertigte. Somit\nwar Andersen, nach Heschel nicht mehr nur ein \u201everr\u00fcckter\nAu\u00dfenseiter\u201c. Dies zeige u.a. auch der Ausdruck von \n\u201eMeinungsverschiedenheit\u201c mit Andersen im moderat leisen Ton\nseitens des Kieler Theologieprofessors Otto Baumgarten in seinem\nBuch: \u201eKreuz und Hakenkreuz\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>\n<strong>Der\nBund f\u00fcr deutsche Kirche in der Weimar<\/strong><strong>er Zeit<\/strong> \n<\/p>\n\n\n\n<p>\nAndersen\nsetzte sich auf verschiedenen Ebenen f\u00fcr die Unterbindung des\n\u201ezersetzenden j\u00fcdischen Einflusses\u201c auf die Kirche ein, so\nforderte er neben der Ver\u00e4nderung von Schrift und Liturgie auch die\nUnterbindung der Mission von J\u00fcd_innen.<\/p>\n\n\n\n<p>\nJuden\njener Zeit beobachteten diese Tendenzen der Arisierung Jesu und\nreagieren darauf teils polemisch, indem sie die Abgrenzung Jesu vom\nJudentum ironisch \u201eguthie\u00dfen\u201c, gleichzeitig aber in der\nAbgrenzung der v\u00f6lkischen Bewegung um Ludendorff von Jesus als Juden\nauch die Gefahr erkannten und vor einem m\u00f6glichen weiteren\nWeltkrieg, den diese Gruppen ausl\u00f6sen k\u00f6nnten, warnten, so Heschel.\nSie f\u00fchrt auch an, dass ein Gesuch des Pastoren Johannes Kunz auf\nder Synode in Brandenburg 1932, die zum Ziel hatte\n\u201ealttestamentliche\/hebr\u00e4ische\/j\u00fcdische Elemente\u201c, wie\n\u201ezeva\u00b4ot\u201c, \u201eZion\u201c oder \u201eAmen\u201c aus der Liturgie zu\nentfernen, mit 180 zu 6 Stimmen abgelehnt wurde. Heschel macht\ndeutlich, dass die F\u00fchrer der V\u00f6lkischen Christen am Christentum\njener Zeit grundlegend kritisierten, dass es eigentlich um die\nErrichtung des Gottesreichs auf Erden gehen m\u00fcsse und die Heiligkeit\ndes Gottesreiches nur durch \u201erassischen S\u00e4uberung\u201c\nsichergestellt werden k\u00f6nne. Nach Ansicht der Deutschen Christen\nwaren Charakter, Pers\u00f6nlichkeit, Kultur und Spiritualit\u00e4t nur\nProdukte der \u201erassisch impr\u00e4gnierten Seele\u201c. Umgekehrt seien\nnach dderen Ansicht nach an den Ausdr\u00fccken der Seele auch die\n\u201erassische Identit\u00e4t\u201c abzulesen, wie am Torso oder Kopf, so\nHeschel.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Die\nneue Ethik<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\nNach\nHeschel bot der arische Jesus als \u201epolitisches Symbol\u201c den\nDeutschen eine Identifikationsm\u00f6glichkeit f\u00fcr die eigene kulturelle\nHerkunft, w\u00e4hrend er als \u201eethisches Symbol\u201c eine Rechtfertigung\nf\u00fcr die Gr\u00e4ueltaten der Deutschen lieferte. Dies begann nach dem I\nWK. So konnte die Situation, die mit der Niederlage Deutschlands nach\ndem I. WK bestand, als eine \u201eKreuzigung Deutschlands durch seine\nGegner\u201c interpretiert werden und Hitler konnte so wiederum\nDeutschland seine eigene \u201eAuferstehung\u201c offenbaren. Statt\nselbstkritisch mit den kriegerischen und kolonialen Gr\u00e4ueltaten der\nDeutschen umzugehen, so Heschel, drehen die deutschen Theologen das\nganze um und machen aus den Deutschen Soldaten \u201eOpfer der\nRussischen Rache\u201c. Sie identifizieren die Deutschen mit Christus\nund f\u00fcr \u201edie Rache\u201c war im Gegenzug der alttestamentarische Gott\nverantwortlich, dem es an Mitgef\u00fchl mangelt und der \u201edem\nMassensterben gleichg\u00fcltig gegen\u00fcberstand\u201c. So wurden, wie\nHeschel zeigt, aus dem Alten und Neuen Testament zwei\nunterschiedliche Religionen, die zueinander in Opposition stehen.\nU.a. wurde \u201edie Rache\u201c mit Verweis auf Jos. 6,21 als\n\u201ealttestamentarische\u201c und somit \u201esemitische\u201c Verhaltensweisen\nklassifiziert. Gleichzeitig unterdr\u00fcckte die Identifikation\nDeutschlands mit Christus eine Verantwortung f\u00fcr die Gr\u00e4ueltaten\nder Deutschen im Zuge des Kolonialismus und des I. Weltkriegs. Die\nGewalt gegen\u00fcber J\u00fcd_innen im Deutschland der Weimarer Zeit stieg\nnach Heschel analog zu ihrer Etikettierung als \u201egewaltt\u00e4tig\u201c\ndurch den Bund f\u00fcr deutsch Kirche. \n<\/p>\n\n\n\n<p>\nTheologen\nwie Kurd Niedlich bem\u00fchten sich sogar, bspw. das M\u00e4rchen der\nGebr\u00fcder Grimm \u201e12 Br\u00fcder\u201c als eine \u201eSchweseterevangelium\u201c,\ndas Gott den Deutschen gegeben hat zu identifizieren und das sich\nbesser zum Militarismus und Mord passte.<\/p>\n\n\n\n<p>\nIn\nder Theologie des \u201eEisenacher Instituts\u201c wurde der Antisemitismus\ngenauso wie eine radikal \u00fcberarbeitete Geschichte und Theologie des\nChristentums zur Basis f\u00fcr eine neue Ethik.<\/p>\n\n\n\n<p>\nDabei\nfand die Auseinandersetzung um die \u201earische Identit\u00e4t Jesu\u201c auch\nihren Ausdruck im Diskurs um bildliche\/k\u00fcnstlerische Darstellungen\nvor allem des Leidens Jesu. W\u00e4hrend gerade nach dem 1. WK der\nIsenheimer Altar mit seiner einzigartigen Leidens-Darstellung der\nKreuzigung Jesu f\u00fcr die leidenden Kriegsversehrten Veteranen eine\nIdentifikationsm\u00f6glichkeit bildete, und dementsprechend als\n\u201everbl\u00fcffende \u00e4hnliche Repr\u00e4sentation der Nachkriegsqualen\u201c,\nund vermeintlich \u201eals nur f\u00fcr die Deutschen, die die \u201enordische\nBotschaft\u201c des mittelalterlichen K\u00fcnstlers Matthias Gr\u00fcnewald\nbedeutend, verstanden\u201c, gedeutet wurde, wurden der Todeskampf und\ndie Kreuzigung ansonsten als \u201eunheroisch\u201c und der\nNationalsozialistischen Bewegung nicht entsprechend aufgenommen.\nBeispielsweise wurden Kreuzesdarstellung zeitgen\u00f6ssischer\nexpressionistischer K\u00fcnstler, die das Leiden st\u00e4rker thematisierten\nals inakzeptabel und \u201eentartet\u201c gekennzeichnet. Heschel f\u00fchrt\nhier u.a. die Kreuzigungsdarstellung Emil Noldes in dessen\nPolyptychon \u201eDas Leben Christi\u201c an, dass physische Qualen Jesu am\nKreuz zeigt, und bei der Femeausstellung \u201eEntarte Kunst\u201c\nausgestellt wurde. Wichtig ist aber dabei zu bedenken, dass Emil\nNolde trotz seines Berufsverbots durch die Nazis ein bekennendes\nNSDAP Mitglied und Verfechter der NS-Ideologie war. Beachtenswert\nfinde ich, dass auch in Noldes Bildfolge ein blondes Jesuskind, bzw.\nein rothaariger Jesus von seinem dunkelhaarigen Umfeld abgegrenzt\nwird, das m. E. stellenweise ebenso \u00c4hnlichkeiten zu den\nJudendarstellung aus dem St\u00fcrmer aufweisen k\u00f6nnte und nicht\nzwingend auf seine expressionistische Farbverwendung und\nDarstellungsweise zur\u00fcckzuf\u00fchren ist. Siehe u.a. der 12-J\u00e4hrige\nChristus 1911.Siehe dazu u.a.:\n<a href=\"https:\/\/blog.staedelmuseum.de\/keine-schwarz-weis-malerei-emil-nolde-im-nationalsozialismus\/\">https:\/\/blog.staedelmuseum.de\/keine-schwarz-weis-malerei-emil-nolde-im-nationalsozialismus\/<\/a>\n\n<\/p>\n\n\n\n<p>\nIm\nGegenzug so Heschel musste Jesus in seinen bildlichen und\nliterarischen Darstellungen zu einem \u201eheroischen, aggressiven,\nm\u00e4nnlichen Krieger\u201c werden, dessen Leben und nicht sein Tod im\nVordergrund stand. Am Ende sollte sein Tod, als direkter Auftakt zu\nseiner gro\u00dfartigen Auferstehung verstanden werden, wie es Grundmanns\nInterpretation des Iseneimer Altars von 1940 vorgab. Im Jahr 1935\nwurde in einem der wenigen Kirchenbauten des dritten Reichs ein dem\nChristusbild der Nazis entsprechendes Wandgem\u00e4lde der Kreuzigung und\neiner Auferstehung geschaffen. Die Kreuzigung zeigt einen blonden,\nmuskul\u00f6sen, und gutaussehenden Jesus, der aufw\u00e4rts starrt, und zu\nseiner linken von einem Centurio zu Pferd flankiert wird und zu\nseiner rechten von einem \u201eabscheulichen\u201c Juden mit langem\nschwarzen Haar und einer hervorstehenden Nase am Kreuz, der stark an\ndie antisemitischen Darstellung von Juden in der Zeitung \u201eDer\nSt\u00fcrmer\u201c erinnert. Heschel merkt an, dass in einer th\u00fcringischen\nKirchen wurden sogar das Kruzifix zur Seite bewegt und durch Bilder\nvon Hitler und Luther ersetzt wurde.<\/p>\n\n\n\n<p>\nUmstritten\nwar die Stellung von Paulus in Bezug auf die vermeintliche\nVerdunkelung der arischen Identit\u00e4t Jesu. So wurde Paulus, wie \u201eden\nJuden\u201c , die Schuld an der Verf\u00e4lschung des Evangeliums und eine\nj\u00fcdische Uminterpretation der Christlichen Theologie zugeschrieben,\nund von andere Seite wurde Paulus u.a. durch den damals sehr\nprominenten Theologen Ernst Hirsch als der gr\u00f6\u00dfte Gegner des\nJudentums verstanden, der nach Otto Borchert um ihre\nMenschenfeindschaft und Gottlosigkeit wusste.\n<em>Hier h\u00f6rt man meines Erachtens die antijudaistische\nInterpretation von 1. Thessalonicher 2,14-16 heraus.<\/em><\/p>\n\n\n\n<p>\nHeschel\nstellt heraus, dass sich das Bild der Z\u00e4rtlichkeit Jesu, die zuvor\nbei Renan Merkmal seiner erhabene spirituelle Gr\u00f6\u00dfe war und\n\u201eWeiblichkeit\u201c erlaubte, sich in den 20er und 30er Jahren zu\neiner harten M\u00e4nnlichkeit wandelte, die keine Schw\u00e4che duldete und\nu.a. in der \u201egermanisierten Variante\u201c der Bergpredigt von\nReichsbischof Ludwig M\u00fcller 1936, als einem militaristischen\nKrieger-haften Traktat ihren Ausdruck fand.<\/p>\n\n\n\n<p>\nJuden\nwurde die Konversion zum Christentum mit Rassistischen Begr\u00fcndungen\nuntersagt, die Mission ihnen gegen\u00fcber eingestellt und nichtarische\nKirchenangestellte wurden entlassen, und die Teilnahme am kirchlichen\nDienst untersagt, sowie getauften Juden die Seelsorge verwehrt.<\/p>\n\n\n\n<p>\nDas\nJudentum wurde im Unterschied zur \u201eHerzensreigion\u201c Christentum,\nwelches sich durch seine Innigkeit mit Gott als von diesem\ndifferenzierte als amoralische und gewaltt\u00e4tige Religion\nidentifiziert, indem Grundmann den ersten Makkab\u00e4erbrief in einer\nbestimmten Tendenz \u00fcber das Verhalten von Juden gegen\u00fcber\nNicht-Juden las.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Assyriologie\nund Galil\u00e4a<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\nAls\nein weiteres, weniger beachtetes Bezugsfeld das half aus dem Juden\nJesus einen \u201eArier\u201c zu machen, stellt Heschel die Assyriologie\nheraus. So war es vor allem die Arbeit des deutsch-j\u00fcdischen\nHistorikers Heinrich Graetz, die Houston Steward Chamberlain bei\nseiner Darstellung Galil\u00e4as nutze, wobei dieser selbst keine\n\u201earische Identit\u00e4t\u201c der galil\u00e4ischen Bev\u00f6lkerung behauptete.<\/p>\n\n\n\n<p>\nNach\nGraetz unterschieden sich die Galil\u00e4ischen Juden begr\u00fcndet durch\nihren Minorit\u00e4tsstatus in der Region Galil\u00e4a vor allem in ihrer\nlaxen religi\u00f6sen Haltung und ihrer geringen theologischen Bildung\nvon den Juden in Jud\u00e4a, was sie empf\u00e4nglich f\u00fcr vermeintliche\nMessiasse wie Jesus machte und auch ihre Opposition zum Jud\u00e4ischen\nJudentum begr\u00fcndete.<\/p>\n\n\n\n<p>\nDie\nTheorie der Arischen Identit\u00e4t Jesu \u00fcbernahm Chamberlain hingegen\nma\u00dfgeblich von dem Assyriologen Paul Haupt, der 1908 Direktor des\nOrientalischen Seminars an der John\u00b4s Hopkins Universit\u00e4t war und\nbehauptete Jesus sei ein Nachkomme von \u201earischen\u201c\n(Iranern\/Persern) Kolonisten in Galil\u00e4a, die w\u00e4hrend der\nAssyrischen Besatzung an Stelle der Juden, die nach Babylon entf\u00fchrt\nwurden, dort angesiedelt worden w\u00e4ren. Allerdings geben dies die\nPrim\u00e4ren Quellen 1. Makkab\u00e4er nicht wieder, so Heschel. Andere\nAssyriologen so schreibt sie, gingen sogar soweit die\nJesusgeschichten in den Evangelien sowie die Mosesgeschichte und die\nvon Paulus als \u201ever\u00e4nderte Abschriften des Gilgamesh Epos\u201c zu\ndeuten und weiteten diese Theorie sogar auf die gesamte Literatur von\ndes ATs, des Islams, \u00c4gyptens, Indiens und der Teutonen aus, oder\nassoziierten den \u201eJesus-Mythos\u201c mit dem Babylonischen Gott\nBel-Merodach.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Jesus\nals Galil\u00e4ischer Menschensohn, nicht Messias<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\nF\u00fcr\ndie Ideologen um Grundmann war, wie f\u00fcr die meisten Theologen jener\nZeit, die an den Universit\u00e4ten ausgebildet wurden, das methodische\nArbeiten der sog. Religionsgeschichtliche Schule ma\u00dfgebend. Ihre\nGrundannahme war es, die biblischen Texte im Kontext der religi\u00f6sen\n\u00dcberzeugungen ihrer jeweiligen Zeit und unabh\u00e4ngig von ihrer\nKanonizit\u00e4t zu betrachten. \n<\/p>\n\n\n\n<p>\nDementsprechend\nwurde zwischen dem Glauben und der Verk\u00fcndigung Jesu und der\nBotschaft der Evangelien unterschieden. Da dementsprechend die\nAnnahmen bestanden, dass die Autoren der Evangelien einem \u201ej\u00fcdischen\nMilieu\u201c entstammten oder selbst \u201eJuden\u201c waren, konnten\nGrundmann und andere f\u00fcr eine vermeintliche \u201ej\u00fcdische Verzerrung\u201c\nder Evangelien argumentieren. So wurde es mittels des\nreligionsgeschichtlichen Arbeitens einerseits m\u00f6glich, dass\nTheologen sich historisch kritisch gegen\u00fcber Dogmen mit der\nPers\u00f6nlichkeit Jesu und den Schichten der Evangelien\nauseinandersetzten aber andererseits auch, dass sie Jesus\nAuseinandersetzung mit \u201eden Juden\u201c als Allegorie zur sog.\n\u201eJudenfrage\u201c ihrer Zeit zu interpretieren.<\/p>\n\n\n\n<p>\nEine\nweitere wichtige Unterscheidung zwischen Judentum und\n\u201earisch-jesuanischem\u201c Christentum erfolgte auf Grundlage der\nUnterscheidung zwischen den Titeln \u201eSohn Gottes\u201c, \u201eMessias\u201c\nund \u201eMenschensohn\u201c. Zun\u00e4chst war die Annahme in der\nReligionshistorischen Schule sehr verbreitet, dass Jesus nicht der in\nden j\u00fcdischen Schriften versprochene Messias war. Im Gegenteil\nordnete man den Titel Menschensohn, obwohl er zuerst im AT vorkommt,\nso Heschel, dem Kontext des Hellenismus und einem \u201eGemisch aus\nindischen, persischen und griechischen, aber nicht j\u00fcdischen\nVorstellungen\u201c zu. Ma\u00dfgeblich nennt Heschel hier Wilhelm Bousset,\nder Professor f\u00fcr Neues Testament an der Universit\u00e4t G\u00f6ttingen\nwar.<\/p>\n\n\n\n<p>\nEntscheidend\nist dabei aber auch, dass dieses \u201eGemisch\u201c an Vorstellungen\nverschiedenster Kulturen, Heschel spricht hier polemisch von einem\n\u201eHexentrank\u201c, als \u201eorientalisch\u201c identifiziert wurde. Damit\nwurde \u201eder Orient\u201c vom Judentum abgegrenzt und wurde als\n\u201eUnterbrechung\u201c der direkten \u00dcbertragung des Judentums ins\nChristentum in Stellung gebracht, die eine Genealogie f\u00fcr die\nDeutschen und ihre reinen \u201earischen Wurzeln\u201c lieferte. Die\nOriginalit\u00e4t von Jesu Glauben wurde dadurch \u201ewiederhergestellt\u201c,\nso Heschel, dass man ihn vom Judentum, seinen Propheten und Rabbis \nentfernte und anstelle dessen als eine \u201eheroische Figur mit einem\nmutigen Glauben an Gott\u201c, der ihn unvers\u00f6hnlich gegen die falsche\nFr\u00f6mmigkeit seiner Zeit aufstehen lies, inszenierte. Dazu gesellte\nsich die ebenfalls von einem G\u00f6ttinger Neutestamentler Walter Bauer\nvertretene These, dass Jesus ein Galil\u00e4er, \u201ein Opposition zum\njud\u00e4ischen Judentum\u201c war, der aber keine Gemeinschaften in Galil\u00e4a\nhinterlie\u00df, da die dortigen hellenisierten Juden ihn auch nur als\nProphet, Zeichenwirker und nicht als Menschensohn verstanden h\u00e4tten.\nBedingt durch die Assyrische Invasion im Jahr 734 und 722 v. Chr. sei\ndie Bev\u00f6lkerung in Galil\u00e4a, wie bereits von Assyriologen behauptet\nzum gr\u00f6\u00dften Teil \u201earisch\u201c gewesen, sodass der Theologe Emanuel\nHirsch, als Nazisympatisant ohne Beleg behaupten konnte, dass im Jesu\nBlut \u201ekein Tropfen j\u00fcdischen Blutes gewesen sei\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>\nAls\nein anderes Rezeptionsgeschichtlich wichtiges Beispiel nennt Heschel\nden Breslauer Neutestamentler Ernst Lohmeyer, der selbst nach ihrer\nAussage nach \u201eweder Nazi noch Rassist war\u201c und Probleme wegen der\nUnterst\u00fctzung j\u00fcdischer Kollegen bekam. Jedoch wurde seine\nUnterscheidung zwischen einer Kritik des messianischen Verst\u00e4ndnis\nJesu durch die \u201eJudenchristen\u201c in Jud\u00e4a\/Jerusalem, die wussten\ndass Jesus ein Galil\u00e4er war und nicht aus Bethlehem, als\nprophezeitem Herkunftsort des Messias, stammte und einem\nHeidenchristlichen Verst\u00e4ndnis Jesu in Galil\u00e4a von den v\u00f6lkischen\nChristen aufgenommen und weiterverarbeitet. Er selbst entnahm diese\nDichotomie der grundlegenden Unterscheidung Ferdinand Christian\nBauers in Juden- und Heidenchristliche Gemeinden und \u201everortete\u201c\ndiese geografisch. Sein Ausgangspunkt war dabei die Frage nach der\nMessianit\u00e4t Jesu in Joh. 7:41 und er argumentierte f\u00fcr eine\nzweigeteilte Eschatologie der fr\u00fchen Christen.<\/p>\n\n\n\n<p>\nDiese\nTheorie wurde von den antisemitischen Theologen seiner Zeit als\nBelege f\u00fcr einen nicht-j\u00fcdische galil\u00e4ische Identit\u00e4t Jesu\n\u201eausgenutzt\u201c, so Heschel. Obwohl Lohmeyer selber die Galil\u00e4er\nnur als \u201eHeiden\u201c und nicht als \u201eArier\u201c identifizierte, konnte\nJohannes Leipoldt ein Professor der Universit\u00e4t Leipzig, der sp\u00e4ter\ndem Institut in Eisenach beitrat und einen Jesus in Opposition zum\nj\u00fcdischen Messianismus pr\u00e4sentierte, sich auf ihn berufen und die\nreligi\u00f6se Differenz \u201erassistisch f\u00fcllen\u201c. Auch wenn \u00fcber Jesus\nHerkunft aus dem Judentum debattiert wurde, schreibt Heschel, war man\nsich bez\u00fcglich der Bewegung um ihn herum ziemlich einig, dass sie\neher im \u201egriechisch r\u00f6mischen Bereich\u201c anzusiedeln war, als im\n\u201ej\u00fcdischen\u201c. So stellt Heschel abschlie\u00dfend heraus, dass sogar\nAdolf von Harnack, als einer der gr\u00f6\u00dften Historiker des\nChristentums es als Fakt verbuchte, dass die Religion Jesu keinerlei\nWurzeln im Judentum oder auf semitischen Boden schlagen konnte. Denn,\nda muss etwas in dieser Religion gewesen sein, dass mit dem \u201efreien\ngriechischen Geist\u201c verbunden war. Er war sich sicher, so zitiert\nihn Heschel, dass das Christentum bis \u201eheute\u201c griechisch\ngeblieben ist.<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Schlussfolgerung<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\n\u201eVerschiedene\nPfade\u201c f\u00fchren nach Heschel auf \u201eden Berg, der geschaffen wurde,\num den \u201earischen Jesus\u201c zu belegen\u201c. In der Zeit in der\nGrundmann und seine Kollegen vom Institut begannen die\n\u201eEntjudaisierung\u201c der Kirche zu fordern, konnten sie einfach die\nArgumente benutzen, die bereits von verschiedensten vorhergehenden\nGenerationen von Theologen, Philosophen, Intellektuellen und\nDemagogen vorgebracht wurden und darauf verweisen und beharren, dass\nJesus kein Jude war, dass Galil\u00e4a von Nicht-Juden bev\u00f6lkert war und\ndas \u201eJudentum\u201c ein gewaltt\u00e4tige Religion ist, die alle Christen\nunterdr\u00fcckt. F\u00fcr einige fungierte die Abtrennung Jesu vom Judentum\nals \u201eBest\u00e4tigung der deutschen Identit\u00e4t\u201c, oder als blo\u00dfe\nAbwertung der Juden, w\u00e4hrend es f\u00fcr andere in einer \u00c4ra der neuen\nBegeisterung f\u00fcr den Orient, eine echter Versuch war \u201eneue\nintellektuelle Genealogien der Religion zu entdecken\u201c, so Heschel.\nChristliche Theologen, die lange nach eine klaren Unterscheidung\nzwischen Jesus und den anderen Juden seiner Zeit suchten, waren\ndankbar f\u00fcr M\u00f6glichkeiten Jesus Einzigartigkeit ungeachtet der\nhistorischen Kontextualisierung bewahren zu k\u00f6nnen.\u201c (frei\n\u00fcbersetzt nach Heschel 64) \u201eDer j\u00fcdische Jesus mit seiner\nBotschaft f\u00fcr die ganze Menschheit (so formuliert sie es sehr\ntreffend) wurde ersetzt durch einen \u201egermanischen Jesus\u201c mit\neiner Botschaft in \u00dcbereinstimmung mit Deutschlands milit\u00e4rischen\nund rassischen Ziel der Vorherrschaft \u00fcber Europa.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>\n\u201eAntisemitismus\nvereinte die verschiedenen theologischen Methoden und Impulse und\nbrachte Leidenschaft zur Religion. Wie der Deutsche Christ Christian\nFriedrich Wienecke sagte: \u201eNicht was wir denken, sondern was Gott\nwill ist entscheidend.\u201c, das Problem war, dass sie dabei\nscheiterten zwischen Gott und Hitler zu unterscheiden.\u201c (Henschel,\n66.)<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Eigene\nBemerkungen zu dem Thema und dem Ersten Kapitel Heschels:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>\n1.\nIch\nbin durch die Recherche zu Frau Susannah Heschel auf einen Vortrag\nvon ihr,\nder auf\nYoutube hochgeladen\nwurde, aufmerksam\ngeworden, in dem sie den Inhalt ihres Buches sehr knapp und\nverst\u00e4ndlich zusammen fasst:\n<a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=hnnggA-mIJI\">https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=hnnggA-mIJI<\/a>\nDar\u00fcber\nhinaus\nbin auf \u00fcber\nsie auf\nihren\nVater den interessanten Rabbiner Abraham Joshua Heschel aufmerksam\ngeworden, der u.a. gemeinsam mit Martin Luther King f\u00fcr die\nGleichberechtigung und gegen\nUnterdr\u00fcckung und soziale Ungerechtigkeit stritt und sich dabei vor\nallem auf\ndie Propheten der hebr\u00e4ischen Bibel berief. (Evtl.\nin der derzeitigen Situation in den USA und weltweit noch einmal\nbesonders interessant)<\/p>\n\n\n\n<p>\n2.\nVersatzst\u00fccke derartiger antisemitische und \u201earischer\u201c\nJesusbilder, wie sie Frau Heschel nachzeichnet, existieren so absurd\nsie \u201euns\u201c teilweise auch erscheinen m\u00f6gen meiner Meinung und\nErfahrung nach in unterschiedlichen Schattierungen und auf\nunterschiedlichen Ebenen immer noch, bzw. bieten selbst vermeintlich\nneutrale \u201eErkenntnisse\u201c, wie sie im Fall Lohmeyers zeigte, das\nPotential f\u00fcr derartige Auslegungen. Ich denke es ist daher die\nbest\u00e4ndige Aufgabe der Theolog_innen und der Kirchen selbstkritisch\nan diesen zu arbeiten. \n<\/p>\n\n\n\n<p>\nEin\nBeispiel daf\u00fcr ist sicherlich auch die immer wieder einmal\naufkommende Debatte um die sog. \u201eJudenmission\u201c, die von der EKD,\nwie ich finde aus gutem Grund abgelehnt wird.<\/p>\n\n\n\n<p>\n3.\nDass es bez\u00fcglich des Instituts\nzur Erforschung und Beseitigung des j\u00fcdischen Einflusses auf das\ndeutsche kirchliche Leben weiterer\nAufarbeitung und der Etablierung einer Erinnerungskultur bedarf, ist\nunbestreitbar\nund\nl\u00e4ngst \u00fcberf\u00e4llig. Allerdings denke ich auch, dass es dabei nicht\nstehen bleiben darf sondern, wenn es\nwirklich ernst genommen wird, sollten\ngerade auch immer\nwieder die\nantisemitischen Verstrickungen bspw. Adolf von Harnacks\nbei Gedenktagen o.\u00e4. thematisiert werden,\nohne\nsie lediglich durch historische Kontextualisierungen \u201eman\nmuss es in seiner Zeit sehen\u201c\nzu \u201eentschuldigen\u201c. \n<\/p>\n\n\n\n<p>\n4.\nDar\u00fcber\nhinaus sensibilisieren\nmich\ndie Betrachtungen\nHeschels\nzu\nbildlichen\nDarstellungen\nzum\neinen f\u00fcr\nantisemitische Stereotype, wie Sie\nbspw. bei\neinem\nAfD Post\ngegen Martin Schulz Anwendung\nfanden,\nandererseits sind damit\nauch\nimmer wieder die Darstellungen von Jesus Christus,\nHeiligen oder Propheten und\nAposteln der\nKirchen kritisch zu hinterfragen,\ndie weiterhin pr\u00e4sent und pr\u00e4gend sind und\nin Schule, Uni oder Kirche immer wieder thematisiert werden sollte.\nAuch\nsollte dabei\ndie\nBedeutung dieser Bilder im kolonialen Zusammenhang, was Heschel nur\nandeutet, thematisiert werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine weitere Anregung, die ich vor allem aus Heschels Vortrag und \u00c4u\u00dferungen ihres Vaters entnehme, ist es sich als Christ mit j\u00fcdischem Leben, auseinanderzusetzen.<\/p>\n\n\n\n<p> Hannah M\u00e4lck:<br><strong>Zusammenfassung: Martin Leutzsch: Umgang mit Antijudaismus im Neuen Testament nach der Shoah: Am Beispiel von Joh 8,44<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Leutzsch\nbehandelt in seinem Beitrag die Frage, welche Konsequenzen in\nBezug auf antijudaistische Bibelstellen heute gezogen\nwerden m\u00fcssen. Dabei stellt er einige Methoden vor, wie mit\nAntijudaismus\nin der Bibel\nverfahren werden kann. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Einen wird die Kategorie des Vorwortes zum jeweiligen biblischen Buch vorgestellt. Diese Methode wird bereits verwendet, z.B. beim Bibel\u00fcbersetzungsprojekt \u201eThe People\u00b4s Bible\u201c. Durch Vorbemerkungen oder ein Vorwort k\u00f6nnen begr\u00fcndete Distanzierungen von antijudaistischen \u00c4u\u00dferungen in der Bibel erfolgen und der historische Kontext wird erkl\u00e4rt. Dies setzt jedoch einen verantwortungsbewussten Umgang mit solchen Versen voraus, denn konsequenterweise m\u00fcssten dann alle Bibelstellen kontextualisiert werden und nicht nur diejenigen, die \u201eeinem nicht zusagen\u201c (vgl. Gerd Thei\u00dfen). Es w\u00fcrde dann ein \u201eunzul\u00e4ssiger opportunistischer Gebrauch historischer Methodik\u201c (vgl. Gerd Thei\u00dfen) ausgef\u00fchrt werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum\nAnderen besteht die M\u00f6glichkeit, dass Anmerkungen, Sacherl\u00e4uterungen\noder ein Glossar erstellt werden. Solch ein Verfahren wandte bereits\nLuther an, indem er Randbemerkungen an B\u00fccher (Hebr,\nJak) schrieb,\ndie aus seiner Sicht irrt\u00fcmlich sind. Dabei\nk\u00f6nnen Querverweise am\nRand oder im\ntextkritischen\nApparat vermerkt\nwerden. Beispielsweise w\u00fcrde Joh 4,22 als Randbemerkung zu Joh 8,44\neine klare Relativierung erzeugen und deutlich machen, dass es sich\nhierbei nicht um eine ausdr\u00fccklich antijudaistische Aussage eines\nChristen gegen das j\u00fcdische Volk handelt, sondern dass darin eine\ninnerj\u00fcdische Debatte zu lesen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Des\nWeiteren stellt Leutzsch diejenige Methode vor, die \u201edie Juden\u201c\nin Anf\u00fchrungszeichen setzt. Damit\ntritt erneut\neine Distanzierung ein. Dieses Vorgehen weist auf die Kontexte hin,\nin denen der biblische Text gelesen und interpretiert werden muss.\nDenn die damalige j\u00fcdische Realit\u00e4t muss klar von der heutigen\ndifferenziert und darf nicht instrumentalisiert werden (wie\nim Nationalsozialismus).<\/p>\n\n\n\n<p>Daneben\nk\u00f6nnen Zwischen\u00fcberschriften der\nKl\u00e4rung dienen.\nMit diesem Verfahren muss jedoch vorsichtig umgegangen werden\naufgrund\nder\nstarken\nLenkkraft des Lesers. Sie veranlassen den Leser den Text in der vom\n\u00dcbersetzer her gedachten Interpretation zu deuten. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Schlie\u00dflich\nkann der Einsatz von Klammern erfolgen, die kontroverse Bibelstellen\nanalysieren\nund dem Laien eine differenzierte Sicht erm\u00f6glichen. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Auch Auslassungen solcher oder die in der urspr\u00fcnglichen Form gehaltenen Verse sind m\u00f6glich, verbergen jedoch Schwierigkeiten. Einerseits k\u00f6nnen unge\u00fcbte Leser diese Bibelstelle nicht \u00fcbersetzen und sie bleibt ihnen unzug\u00e4nglich, was das Wort Gottes keinesfalls sein darf. Andererseits wird durch Auslassungen zensiert, was dem Menschen nicht im Zusammenhang mit der Heiligen Schrift obliegt.<\/p>\n\n\n\n<p>_______________________________________________________________________________________<\/p>\n\n\n\n<p><strong>\u00dcberblick: \u201eAnti-Judaism and the Fourth Gospel\u201d von R. Bieringer <\/strong>(zusammengefasst von Luise Maidowski)<\/p>\n\n\n\n<p>Der\nAutor beschreibt in seinem Aufsatz die wissenschaftliche Arbeit des Leuen\nKolloquiums, das sich in mehreren Arbeitsphasen von 1998 an mit der Frage des\nAnti-Judaism im Johannesevangelium auseinandergesetzt hat. Neben einer kurzen\nBeschreibung der verwendeten Methoden, werden Erkenntnisse der neuen\nJohannesforschung, die eng mit der New Perspective of Paul verbunden ist, vorgestellt\nund die Frage nach der Wirksamkeit und dem Einfluss der wissenschaftlichen\nArbeit 50 Jahre sp\u00e4ter untersucht. Es erscheint ihm als wichtig, dass das Leuen\nKolloquium interdisziplin\u00e4r gearbeitet und interreligi\u00f6se und \u00f6kumenische\nDimensionen aufgenommen hat. Die Antworten der gestellten Frage (S. 262f) zu\ndem Thema der Untersuchung fallen divers und vielschichtig aus und zeigen die\nKomplexit\u00e4t der Thematik auf. Bieringer selbst schreibt dem Johannesevangelium\nanti-judaistische Elemente zu (wie er zwischen anti-judaistischen und anti-j\u00fcdischen\nElementen unterscheidet, beschreibt er in diesem Aufsatz nicht genauer) und\nbetont, dass diese f\u00fcr die Theologie des JohEvg ein gef\u00e4hrliches Potenzial innehaben,\ndas \u00fcber den Konflikt im 1 Jh n Chr hinaus bis in unsere Zeit reicht. In einem\nhermeneutischen Zugang k\u00f6nne dieses Potenzial, so Biering, verkleinert werde;\nwichtig hierbei ist die (exegetische und theologische) Betrachtung des Textes\nin seinem Kontext. <\/p>\n\n\n\n<p>Als\nBeispiel f\u00fcr die neue Johannesforschung steht die Interpretation des Begriffes \u03bf\u1f35 \u1f30\u03bf\u03c5\u03b4\u03b1\u1fd6\u03bf\u03b9: Johannes nutzt nach Biering dieses Wort\nin seinen Texten in einer beispiellosen Polemik, die sich allerdings nicht\ngegen Juden als Ethnie oder als Glauben richtet, sondern vielmehr gegen\nMenschen, die in der gleichen Ethnie\/im gleichen Glauben wie Johannes sind,\nallerdings nicht an Jesus als Christus und Sohn Gottes glauben. Diese\nUnterscheidung, so die neue Johannesforschung, birgt ein durchaus\ngef\u00e4hrlicheres Potential, da es zwischen den \u201eGuten\u201c und \u201eSchlechten\u201c unterteilt\nund keinen Raum f\u00fcr Nicht-Jesus-Anh\u00e4nger*innen l\u00e4sst. Die anti-j\u00fcdischen\nElementen des Johannesevangeliums stehen in einer Spannung mit der inklusiven Zukunft\ndes Heils und diese Spannung, so bem\u00e4ngelt Bieringer, wird bis heute nicht\ngen\u00fcgend in einem interreligi\u00f6sen und interdisziplin\u00e4ren Dialog untersucht. <\/p>\n\n\n\n<p>[Kurze Anmerkung zu Joh 8,31-59: Bieringer verweist auf Reinhartz, der diese Stelle aus der j\u00fcdischen Perspektive untersucht und dabei den Versuch der Bewahrung des monotheistischen Glaubens nach innen und eine nach au\u00dfen sich als Glaubensgemeinschaft konsolidierende Gruppe sieht. (S. 253)]<\/p>\n\n\n\n<p>_______________________________________________________________________________________<\/p>\n\n\n\n<p>Karl\nHollerung<\/p>\n\n\n\n<p><strong>Noch einige Gedanken zu Bieringer <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p>Im zweiten\nAbschnitt des Textes von Reimund Bieringer besch\u00e4ftigt sich dieser mit der\nForschung, die seit dem Kolloquium in Leuven (Belgien) stattgefunden hat, das\nim Jahre 2000 zum Thema Antijudaismus im Johannesevangelium stattfand. Da Frau\nMaidowski den Text bereits sehr gut zusammengefasst hat, werde ich im Folgenden\nlediglich zentrale Ergebnisse dieser Forschung kurz zusammenfassen und\nkommentieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Eine wichtiges Ergebnis, das bereits von Frau Maidowski genannt wurde, ist, dass der Evangelist Johannes mit \u201eJuden\u201c nicht Angeh\u00f6rige eines fremden Volkes gemeint habe, sondern Angeh\u00f6rige seines Volkes, die nicht wie er Jesus als Messias anerkannt haben. Die gegen Juden gerichteten Stellen richten sich also nicht gegen Juden allgemein und verurteilen auch nicht pauschal die j\u00fcdische Religion, greifen aber sehr wohl alle Juden an, die die Messianit\u00e4t Jesu nicht anerkennen. Dies stelle f\u00fcr den j\u00fcdisch-christlichen Dialog nat\u00fcrlich ein Problem dar, da das Johannesevangelium Juden keine M\u00f6glichkeit biete, Jesus als Messias abzulehnen und trotzdem gute Juden oder \u00fcberhaupt gute Menschen zu sein. Dieses Problem lasse sich dadurch l\u00f6sen, indem die zentrale Botschaft des Johannesevangeliums betont werde, n\u00e4mlich die Liebe Gottes zu allen Menschen. In der heutigen Zeit m\u00fcsse aber besonders betont werden, dass diese Liebe allen Menschen gelte und nicht nur den Christen (251-254). <\/p>\n\n\n\n<p>Ich\npers\u00f6nlich denke und glaube, dass es einen gro\u00dfen Unterschied mache, ob man den\nhistorischen Jesus und sein Wirken in seinem historischen Umfeld erlebt hat und\nihn dennoch ablehnt, oder ob man ihn ablehnt, weil man ihn nie pers\u00f6nlich\nerlebt hat und entweder in eine nichtchristliche Familie hineingeboren wurde\noder durch schlechte Vorbilder dem Glauben entfremdet wurde. <\/p>\n\n\n\n<p>Ich denke auch, dass zu ber\u00fccksichtigen sei, dass in der j\u00fcdischen \u00dcberlieferung vielfach sehr negativ \u00fcber Jesus berichtet wird und seine Hinrichtung mehrfach als legitim nach halachischem Recht und von Juden durchgef\u00fchrt beschrieben wird (u.a. Talmud, Maimonides, Toledot Jeschu). Dies \u00e4ndert nichts daran, dass Juden viel zu oft durch die Hand von Christen schweres Unrecht und noch schlimmeres erlitten haben. Das j\u00fcdisch-christliche Verh\u00e4ltnis ist kein einfaches und ein Dialog eine gr\u00f6\u00dfere Herausforderung, als man es gerne h\u00e4tte. Dies liegt auch daran, dass es meiner Meinung nach eine hundertprozentig eindeutige Trennung zwischen Juden- und Christentum nicht gibt, auch wenn \u00fcberzeugte Vertreter beider Religionen das nicht wahrhaben wollen. Man kann auch heute als Jude an Jesus als Messias glauben und trotzdem Jude bleiben, genauso wie die ersten Christen dies auch taten. Zu ber\u00fccksichtigen ist beim j\u00fcdisch-christlichen Verh\u00e4ltnis nat\u00fcrlich auch, dass das j\u00fcdische Volk Gottes auserw\u00e4hltes Volk ist und bleiben wird, unabh\u00e4ngig davon, wie die Mehrheit der Juden von Jesus denkt.<\/p>\n\n\n\n<p>Frau Tack geht in ihrer 2015 geschriebenen Dissertation nochmals speziell auf Johannes 14, 6 ein (\u201eniemand kommt zum Vater denn durch mich\u201c) (258). Sie kritisiert darin den Absolutheitsanspruch der Stelle und das Fehlen des Heiligen Geistes darin. Gerade die Dreifaltigkeit zeige doch, dass Einhalt in Vielfalt m\u00f6glich sei. Meines Erachtens ist dies ein sehr kreativer, aber keineswegs befriedigender Ansatz, um das Grundproblem der Vereinbarkeit des Neuen Testamentes mit den Toleranzvorstellungen unserer Zeit zu l\u00f6sen. Ein anderer Ansatz von ihr ist der Gedanke, Johannes 14, 6 mit den Versen 2 und 3 desselben Kapitels zu relativieren (\u201eIm Hause meines Vaters befinden sich viele Wohnungen [ff]\u201c) (258). Aber auch das greift letztlich zu kurz, da damit offensichtlich gemeint ist, dass jeder Mensch die M\u00f6glichkeit habe, an Jesus als seinen Retter zu glauben und so erl\u00f6st zu werden. Das von ihr gestellte Grundproblem wird damit in keiner Weise gel\u00f6st. Auch ihr Argument, mit den \u201eich bin\u201c-S\u00e4tzen sei nicht gemeint, dass Jesus identisch mit dem Licht, der Wahrheit und dem Leben sei, sondern dies einen literarischen Vergleich bedeute, \u00fcberzeugt mich nicht wirklich, aber vielleicht verstehe ich schlicht nicht genug von altgriechischen Stilmitteln, um dieses Argument angemessen zu w\u00fcrdigen. Das meine ich im \u00dcbrigen ganz ohne Ironie.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<h2> <strong>Zusammenfassung: De Jonge, Jan: \u201cThe Jews\u201d in the Gospel of John (Charlotte Wagner)<\/strong><\/h2>\n\n\n\n<p>In seiner Exegese \u201e\u2018The Jews\u2018 in the Gospel of John\u201c behandelt Jan de Jonge Johannes 5-12 und zeigt, wie die johanneische Erz\u00e4hlung zugleich eine literarische und narrative Ebene bedient, von der aus er eine eigene, radikale Christologie innerhalb seines Lebenskontextes vertritt und nach au\u00dfen hin vor allem Kritik an seinen innerchristlichen Gegnern \u00fcbt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das\nJohannesevangelium zeichnet\nsich auf den ersten Blick durch\neine deutliche anti-judaistische Polemik aus.\nJedoch,\nso m\u00f6chte der Autor zeigen, sind die polemischen Beschreibungen und\nStreitgespr\u00e4che\nzwischen\nJesus und\n\u201eden\nJuden\u201c\nTeil eines Kommunikationsgeschehens, welches sich vom Autor des\nJohannesevangeliums gegen die\ninnerchristlichen Gegner seiner eigenen johanneischen Gemeinde am\nEnde des ersten Jahrhunderts richtet (S. 122).<\/p>\n\n\n\n<p>Da\nder Evangelist seine Version des Lebens und der Passion Jesu\ndarstellen m\u00f6chte, muss er in seinem Text auf aktuelle Situationen\nantworten, das hei\u00dft aktuelle Gegenargumente und Streitpunkte mit\nder Lebensgeschichte Jesu verbinden,\num seinen eigenen theologischen Standpunkt zu unterstreichen. Die\nGegner\nseiner\nGemeinde werden\nalso im \u00fcbertragenen Sinne als \u201eJuden\u201c bezeichnet, um die von\nihm empfundene Parallelit\u00e4t zur Situation Jesu aufzuzeigen (S. 122).<\/p>\n\n\n\n<p>\nDe Jonge unterstreicht seine\nArgumentation anhand von zwei Textbefunden. \n<\/p>\n\n\n\n<p>Zum\neinen sind die Streitpunkte zwischen \u201eden Juden\u201c und Jesus in den\nKapiteln 5-12 stets theologischer Natur und behandeln die\njohanneische Theologie der\nGemeinde des\n1. Jahrhunderts, Jesus sei als Gesandter\nund Sohn\nGottes dem Vater gleich (vgl. Joh 10,13).<\/p>\n\n\n\n<p>Obwohl\ndie implizite Betonung der Transzendenz\ndes irdischen Jesus zu theologischen Br\u00fcchen f\u00fchrt, verstehen sich\ndie\nGegner des Johannes selbstverst\u00e4ndlich als Christen, jedoch mit\neinem unterschiedlichen Verst\u00e4ndnis der\nPerson und Rolle Christi\n(S. 122f.). Die g\u00f6ttliche Sendung Jesu an\nsich\nwird auf\nder Textebene\nnicht hinterfragt \u2013 etwas,\ndas\nim Gespr\u00e4ch mit \u201eechten\u201c Juden innerhalb der Erz\u00e4hlung des\nEvangeliums durchaus dringender w\u00e4re (S. 123).<\/p>\n\n\n\n<p>Daran\nankn\u00fcpfend\nargumentiert\nDe\nJonge, dass Jesu Reden als\nReaktion\nauf die ablehnende Haltung der \u201eJuden\u201c ihm gegen\u00fcber auf einem\npositiven grundlegenden Interesse an ihm und seiner Person basieren.\nHierdurch greift\nJohannes\ndie theologischen Diskussionen seiner Zeit auf\nund thematisiert\neinen\ninnerchristlichen Diskurs. Authentische\nj\u00fcdische\nPositionen finden hier keinen Platz, da\nder Autor selbst nicht in Kontakt zu Juden steht, was\nsich an seiner verzerrten und nur\nsehr\noberfl\u00e4chlichen Beschreibung der j\u00fcdischen Gesellschaft zeigt (vgl.\nJoh 18\/19).<\/p>\n\n\n\n<p>Es\nzeigt sich\nalso ein\ndoppelter\nBedeutungshorizont\nder Aussagen des Johannesevangeliums.\nDer hermeneutische Bezug zu der Lebensrealit\u00e4t des Autors\nbeeinflusst ma\u00dfgeblich den Argumentationsverlauf und richtet sich\nvor allem gegen innerchristliche Gegner der johanneischen Gemeinde\nseiner Zeit: \u201c[\u2026]\nthe Jews can refer to the characters in the biographical story of\nJesus and at the same time represent a group of non-Johannine\nChristians with whom the author is engaged in a dispute.\u201d (S.\n125)<\/p>\n\n\n\n<p>\nIm\nFolgenden sei auf biblische Befunde De Jonges hinzuweisen.<\/p>\n\n\n\n<p>\nJoh\n5 er\u00f6ffnet Jesu Wirken in Jerusalem durch die Wunderheilung des\nGel\u00e4hmten am Teich Betesda. Da diese am Sabbat geschieht und sich\nJesus im Anschluss als ebenm\u00e4\u00dfig\nmit \u201edem Vater\u201c, durch dessen Sendung er wirke, beschreibt,\nerwirkt\nsie harsche Kritik durch traditionelle Juden, die schlie\u00dflich dessen\nTod ersehnen (Joh 5,18).<\/p>\n\n\n\n<p>Es\nsei aber nicht\ndie wundersame Heilung durch Jesus selbst, die Unmut provoziere,\nsondern dessen unmittelbarer Bezug zu Gott, in dessen Vollmacht und\nNamen er vorgibt zu wirken \u2013 ein zentraler theologischer\nStreitpunkt zwischen der johanneischen Gemeinde und anderen\nChrist*innen seiner Zeit (S. 126). \n<\/p>\n\n\n\n<p>Jesu\nRede in Joh 5,19-47 unterstreicht dies; die Selbstbezeichnungen als\n\u201eSohn\u201c (Joh 5,19), der das eschatologische Gericht \u00fcber die Welt\nund die Kontrolle \u00fcber die Auferstehung der Toten \u00fcbertragen\nbekommen habe (Joh 5,22-30) als\nInkarnation der g\u00f6ttlichen Heilsank\u00fcndigung f\u00fcr Israel (Joh\n5,36-37), wird nicht hinterfragt. Es\nist die Exklusivit\u00e4t Jesu, die in 5,25 zur Sprache kommt und die\nEinleitung der Heilszeit im (der Gemeinde erz\u00e4hlten) \u201eJetzt\u201c\nwirkt, die ihn als anders als alle anderen Propheten (zum Beispiel\nMose, vgl. Joh 5,46) betont und ihn gleichzeitig in eine Linie mit\nihnen stellt. Die Grundlegende Anerkennung Jesu ist also deutliches\nIndiz f\u00fcr einen hermeneutischen Bezug, der innerchristliche Debatten\nzu l\u00f6sen versucht:\n\u201c[&#8230;]\npeople\nwho accept that Jesus is the Son of God, that he is sent by God, and\nthat he is the Son of man must be Christians.\u201d (S.\n127)<\/p>\n\n\n\n<p>Joh\n6 erz\u00e4hlt in\ndreifacher\nAusf\u00fchrung\nvon\nder\nAblehnung Jesu\ndurch, zum\neinen, \u201edas Volk\u201c, \u201edie\nJuden\u201c und eigene J\u00fcnger*innen in Abgrenzung zu den Zw\u00f6lfen,\ninsbesondere Petrus, nach der Speisung der 5000, der Seewanderung und\nJesu Rede \u00fcber ihn selbst\nals\n\u201edas Brot des Lebens\u201c (Joh 6,35). An Jesu Rede in Joh 6,41-59 und\nder Reaktion der H\u00f6renden in Joh 6,60-66\nzeigt sich, dass der Autor des Evangeliums diejenigen Menschen\nherausstellen und doppelt betonen m\u00f6chte, die nicht im johanneischen\nSinne an\nJesus\nglauben, sondern ihn h\u00f6chstens als von\nGott gesandten Messias\nund Prophet betrachten \u2013 eine Anschuldigung, die f\u00fcr Johannes\nma\u00dfgeblich \u00fcber \u201eechten\u201c und \u201efalschen\u201c Glauben entscheidet\n(S. 127f.).<\/p>\n\n\n\n<p>Die\nerste Szene des\nsiebten Kapitels,\n7,1-13, erz\u00e4hlt von der T\u00f6tungsabsicht der traditionell gepr\u00e4gten\n\u201eJuden\u201c in Galil\u00e4a gegen\u00fcber Jesus in Reaktion\nauf\nJesu Anspruch auf seine G\u00f6ttlichkeit in 5,17-18. Da sie zur Zeit des\nhistorischen Jesus die dominante religi\u00f6se Gruppe darstellten, sind\nsie es auch hier, die Johannes f\u00fcr seine metaphorische Darstellung\nder vielen Gegner seiner eigenen Gemeinde nutzt. Die Tatsache, dass\nJesus alleine nach Jerusalem geht und verdeckt am Laubh\u00fcttenfest\nteilnimmt unterstreicht die Parallele, in der sich Johannes\u2018\nGemeinde als Au\u00dfenseiterin im \u00f6ffentlichen und\nreligi\u00f6sen Leben\nbefunden haben muss (S. 128)<\/p>\n\n\n\n<p>Im\nTempel richtet\nsich\nJesus an \u201edie Juden\u201c, obwohl ihm\nklar ist, dass diese ihn t\u00f6ten wollen, er sie sogar direkt darauf\nanspricht (Joh 7,19) und damit eine Grundsatzdiskussion \u00fcber\nm\u00f6gliche oder verbotene Heiligungen am Sabbat initiiert. Die\nSituation eskaliert, entsprechend johanneischer Theologie, aber\nerst,\nals sich Jesus als \u201eaus dem Vater kommend\u201c beschreibt (7,29; S.\n129)\nund \u201edie Juden\u201c in fest zu nehmen versuchen. Die M\u00f6glichkeit,\ndass Jesus der \u201eChristus\u201c sein k\u00f6nnte, wird jedoch nicht\nbestritten und\nseine Vollmacht zumindest anerkannt: \u201eSollten unsere Oberen\nwahrhaftig erkannt haben, dass er der Christus ist?\u201c (7,26; 7,15)<\/p>\n\n\n\n<p>Es\nsind die Hohepriester und Pharis\u00e4er in Joh 7,31-36, die die \u2013\nvom\nAutor als die\nliterarisch\nkonstruierten\n\u2013 Gegner der Person Jesu darstellen, da sie es sind, die Jesu\nPassion durch Festnahme einleiten werden und das klare, weltliche\nMotiv der Eifersucht ihm gegen\u00fcber aufweisen (S. 130). \n<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eDie\nJuden\u201c auf\nder anderen Seite sind\ndiejenigen, die Jesus nicht richtig verstehen k\u00f6nnen, da sie dessen\nUrsprung, Sendung und den Fluchtpunkt seines Wirkens auf Erden\naufgrund mangelhaften Glaubens nicht verstehen bzw. erfassen, ihn nur\n\u201esuchen\u201c k\u00f6nnen, den\nrichtigen Glauben im johanneischen Sinn also nicht haben\n(7,35-36; S. 130).<\/p>\n\n\n\n<p>An\ndie innerj\u00fcdischen Schwierigkeiten\nanschlie\u00dfend folgt eine lange Interaktion zwischen Jesus und \u201eden\nJuden\u201c, in der er wiederholt seinen Ursprung aus \u201edem Vater\u201c\nbetont und die H\u00f6renden, selbst\ndiejenigen, die bereits\nan ihn glauben,\nf\u00fcr ihren mangelnden Glauben r\u00fcgt (Joh 8,31).\nDie\nmissgl\u00fcckte T\u00f6tung Jesu (Joh 8,59) vollendet das Narrativ, das zum\neinen den Spannungsbogen bis zur Passion aufbauen, zum anderen auf\ndie problematische Gemeindesituation zu johanneischer Zeit hinweist\nund die Verwerfung derjenigen impliziert, die der johanneischen\nChristologie nicht folgen k\u00f6nnen oder wollen: \u201eThe\nbreaking point between them and Jesus is now defined by the\nspecifically Johannine view of Jesus.\u201c\n(S. 132)<\/p>\n\n\n\n<p>Auch\ndas neunte Kapitel steht unter der Notion der Einheit Jesu mit Gott,\nindem er Gottes heilendes Werk an einem Blindgeborenen tut (Joh 9,4),\nwas zu einer Kluft innerhalb der Gruppe der Pharis\u00e4er f\u00fchrt \u2013 die\neinen\ntrauen Jesus zwar \u00fcbermenschliche Wunder zu, k\u00f6nnen ihn aber nicht\nals eins mit \u201edem Vater\u201c anerkennen, w\u00e4hrend\nandere den n\u00e4chsten Schritt im Glauben an Jesus als in Einheit mit\nGott existierend gehen k\u00f6nnen\n(Joh 9,16\/S. 133). De\nJonge zeichnet hier die Parallelen nach, die Johannes zu geben\nintendiert \u2013 der innerchristliche Streit um die Person Jesu findet\nin den Figuren der Pharis\u00e4ern und \u201eden Juden\u201c Ausdruck, die ihn,\nder trotz\nVerbot\nam Sabbat heilt, als S\u00fcnder bezeichnen (Joh 9,16;24; S. 133f.).<\/p>\n\n\n\n<p>Das\nzehnte Kapitel unterstreicht Jesu Botschaft und Einzigartigkeit\nanhand von Gleichnissen.<\/p>\n\n\n\n<p>In\nReaktion auf\ndiese\ngeraten \u201edie Juden\u201c wie zuvor in Streit und Teilen sich in Lager\nauf, die Jesus entweder als in einzigartiger Existenz in und aus dem\nVater lebend aufgrund seiner Wundertaten akzeptieren k\u00f6nnen (Joh\n10,21) oder nicht (Joh 10,20). T\u00f6ten\nwollen sie ihn dann\nin\nJoh 10,31, da er zuvor den eindeutigen Satz \u201eIch und der Vater sind\neins.\u201c (Joh 10,30) sagt\n\u2013 das Kernst\u00fcck johanneischer \u00dcberlieferung.<\/p>\n\n\n\n<p>Trotz\nallem h\u00f6ren sie ihm zu, zeigen also zumindest Interesse an seiner\nBotschaft, und wissen alle um die vorangegangene Blindenheilung. Auf\nnarrativer Ebene geht also auch hier um den Diskurs um die\njohanneische \u00dcberlieferung und Theologie: \u201eOn\nthe level of his communication with his readers, John typecasts the\ncategory of \u201athe Jews\u2018 to play the role of Christian\ncontemporaries [\u2026]\u201c\n(S. 135). \n<\/p>\n\n\n\n<p>Da\nKapitel\n11 und 12 auf die folgende Passion hinweisen sollen, kommt es in\nKapitel 11 nicht zu einer direkten theologischen Diskussion zwischen\nJesus und Vertretern \u201eder Juden\u201c. Vielmehr geht es um die\nanhaltende Wirkkraft Jesu durch die Totenauferweckung des Lazarus\n(Joh 11,1-45) und dessen Bedrohung f\u00fcr die Pharis\u00e4er und\nHohepriester, die ihn aus Machtgr\u00fcnden ausschalten m\u00f6chten (Joh\n11,47-48). Johannes\u2018 Erz\u00e4hlung konzentriert sich hier also auf die\n\u00dcberlieferung\nvon\nhistorischen Gegner Jesu, die ihn als tragischen Helden sterben\nlassen sollen (S. 137; Joh\n12,19).<\/p>\n\n\n\n<p>Trotz\nJesu Wundertaten und besonderen Reden notiert Johannes, dass \u201edas\nVolk\u201c, also die Allgemeinheit, Jesus keinen Glauben schenke (Joh\n12,37).<\/p>\n\n\n\n<p>Johannes\nkonstruiert\nhier\nein doppeltes Netz von Zusammenh\u00e4ngen, zum einen, indem der Unglaube\ndes Volkes als auf tragische Weise vorherbestimmt beschrieben wird\n(Joh 12,38-41) und zum anderen, indem der Glaube des Einzelnen\naufgrund der \u00e4u\u00dferlich bedrohlichen Situation und\nder m\u00f6glichen Exkommunikation aus der Synagogengemeinde\nnicht offen bekannt werden kann, was\ndie weitere Ausbreitung des Glaubens an Jesus als g\u00f6ttlicher Messias\nverhindert\n(Joh 12,42f.). Auf\njeden Fall aber sollte\ndieser Glaube f\u00fcr\nihn,\ngegeben der Wundertaten Jesu, als\nlogische Konsequenz\ngelten\n(S. 138).<\/p>\n\n\n\n<p>Zusammenfassend\nsei zu sagen, dass eine differenzierte Betrachtung \u201eder Juden\u201c\nals Gruppe und als handelnde Personen bei Johannes vor allem in\nimaginierte Narrative treten, die die Konstruktion der Passion Jesu\nerst m\u00f6glich machen und somit in der historischen Betrachtung nicht\nins Gewicht fallen (S. 139). Gleichzeitig dienen \u201edie Juden\u201c als\nParallele in\neinem\n<em>innerchristlichen<\/em>\nStreit. Dieser\ntr\u00e4gt\nsich auf literarischer Ebene aus und nimmt\ndarin\nGestalt an, dass Johannes seine spezifische Christologie und\nseinen\nGlauben\nan Jesus als eschatologischen\nRichter der Welt als Ma\u00dfstab f\u00fcr \u201ewahren\u201c und \u201efalschen\u201c\nGlauben versteht,\nan dem sich alle messen m\u00fcssen, die Christ*innen\nsein\nwollen (S. 140). \n<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Karl Hollerung: Susannah Heschel The Aryan Jesus \u2013 Christian Theologians and the Bible in Nazi Germany Kapitel II Das \u201e\u201eInstitut zur Erforschung und Beseitigung des j\u00fcdischen Einflusses auf das deutsche kirchliche Leben\u201c So, hier kommt noch meine leider sehr versp\u00e4tete &hellip; <a href=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/testblognt2020\/sitzung-9\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":4507,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/testblognt2020\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/215"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/testblognt2020\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/testblognt2020\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/testblognt2020\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4507"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/testblognt2020\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=215"}],"version-history":[{"count":9,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/testblognt2020\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/215\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":276,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/testblognt2020\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/215\/revisions\/276"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/testblognt2020\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=215"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}