Patientin erzählt. Lücke im Lebenslauf

Ich habe oft, wenn ich von Fremden oder Bekannten gefragt wurde was ich in den letzten Monaten gemacht habe, meinen Krankenhausaufenthalt verschwiegen oder andere Gründe vorgeschoben. Aber warum?! Weil ich wusste, dass ich genau dieses Kopfkino bei den meisten Menschen lostreten würde und ich so oder so nicht mit ehrlichem Verständnis rechnen könnte.

Wenn ich mich jetzt bei einem Unternehmen bewerben möchte, stellt sich mir die Frage, wie ich das Loch in meinem Lebenslauf stopfen soll. Denn dem potentiellen Arbeitgeber die Wahrheit zu erzählen ist keine Option. Viel zu groß wäre in seinen Augen die Gefahr für einen Rückfall oder ständige Krankmeldungen. Er sieht die Gefahr der Instabilität und Leistungsminderung und sortiert Einen im Vergleich mit den anderen Bewerbern aus.

Welchen Umgang oder welche Reaktion ich mir mit psychisch Kranken wünsche?!

Weder Mitleid noch vorgeschobenes Verständnis, was nach und nach in Kontaktabbruch übergeht. Ich wünsche mir einfach genauso behandelt zu werden wie jeder andere auch. Ich bin immer noch Karen Pesch und nicht meine Krankheit. Und wenn sich dieser offenere Umgang mit dem Thema psychische Erkrankungen manifestiert und man sich nicht mehr dafür schämen oder rechtfertigen muss, dann wird auch die Hemmschwelle geringer für sich einzugestehen, dass man Hilfe benötigt und sich diese zu suchen.

Patientin erzählt. Missverstanden werden

Die Selbsterkenntnis, dass man eine psychische Erkrankung hat und vorallem, dass man professionelle Hilfe benötigt um sie zu bekämpfen fällt schwer! Oft fällt sie so schwer, dass man seine Probleme so lange leugnet, ignoriert und ausblendet, bis man ganz tief am Boden ist. Mit einer früheren Erkenntnis und dem Schritt zu einem Therapeuten oder psychatrischen Facharzt könnte oft sehr viel Leid und traurige Schicksale vermieden werden.

Schon oft habe ich mich gefragt: Warum ist das so?

Ich bin in mich gegangen und habe versucht die Gründe in mir zu finden, warum ich, aus heutiger Sicht, erst viel zu spät zum Arzt gegangen bin. Dabei wurde mir klar, dass der alles entscheidende Punkt war, dass man in jeglicher sozialen und gesellschaftlichen Hinsicht als Verlierer gilt, wenn man sich psychatrisch behandeln lässt. Erzählt man jemandem, dass man sich in eine Psychatrie, oder noch schlimmer: auf die geschlossene Station hat einweisen lassen, blitzen in den Köpfen der meisten, Bilder von abgestürtzten Junkies oder agressiven, weggetretenen Irren auf, die schreiend, an ein Bett gefesselt, vor sich hin vegetieren. Ein Ort für diejenigen, die zur Sicherheit und zum Schutze aller aus der Gesellschaft aussortiert wurden und ein Leben in der Isolation leben.

Ich kann aus eigener Erfahrung sagen: So ist es nicht!

Mir sind in dem halben Jahr in dem ich auf den unterschiedlichen Stationen der Psychatrie war, die großartigsten Menschen begegnet. Und versucht man eine Eigenschaft aller dieser Personen zusammenzufassen, dann die, dass sie zu sensibel für die heutige Gesellschaft, den Leistungsdruck und den Egoismus sind. Depression, Shizophrenie, PTBS, Essstörungen und co. sind Krankheiten! Und während einige Menschen ein schwaches physisches Immunsystem haben und sich jeden Winter fünf mal die Grippe einfangen, haben andere eine niedrigere psychische Schwelle und werden so aus unterschiedlichsten individuellen Gründen früher oder später krank.

Aber ist ein psychisch Kranker anders zu behandeln als ein körperlich Kranker? Nein!