Ärztinnen und Ärzte in Praxen werden zu Klimaschutzmaßnahmen befragt

Wie bewerten niedergelassene und angestellte Ärztinnen und Ärzte das Potenzial von Klimaschutzmaßnahmen im ambulanten Bereich? Eine Umfrage zu möglichen Klimaschutzmaßnahmen wird seit Anfang Oktober 2020 von der Global-Health-AG des Instituts für Medizinische Epidemiologie, Biometrie und Informatik der Medizinischen Fakultät der Universität Halle und der Medizinischen Fakultät der Universität Tübingen durchgeführt.

In einer Studie sollen Ärztinnen und Ärzte zu Klimaschutzmaßnahmen befragt werden.

„Ärztinnen und Ärzte haben mit ihrem täglichen Kontakt zu Patientinnen und Patienten eine große Reichweite in alle gesellschaftlichen Bereiche. Handlungsmöglichkeiten ergeben sich durch direkte Klimaschutzmaßnahmen in der Praxis, Aufklärungsarbeit über Klimawandel und Gesundheit, und auch Beratung zu klimafreundlichem und gleichzeitig gesundheitsbewusstem Verhalten“, erklärt Nikolaus Mezger, einer der beiden Initiatoren. Die Studie soll erste Daten zu Klimaschutz und ambulanter medizinischer Versorgung in Deutschland schaffen und bundesweit ein möglichst großes und vielfältiges Kollektiv erreichen. „Zum Zeitpunkt des nächsten Ärztetags im Mai 2021, der sich schwerpunktmäßig mit Klimawandel und Gesundheit beschäftigen wird, möchten wir erste Ergebnisse unserer Befragung vorstellen“, fügt Marlene Thöne hinzu. Die Ergebnisse könnten dabei helfen, den Diskurs um Klimaschutz im Gesundheitswesen mit den erhobenen Daten zu untermauern, so die Co-Initiatorin der Studie.

Nach dem Absenden des Fragebogens haben die Teilnehmenden die Möglichkeit, sich ein wissenschaftlich fundiertes Hintergrundpapier zu allen im Fragebogen angesprochenen Themen herunterzuladen und Zugang zu weiteren Ressourcen zu bekommen, die für die Themen Nachhaltigkeit, Klimaschutz und gesunder Lebensstil hilfreich sind.
Die Studie wird vom Umweltbundesamt, dem Virchowbund und der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit (KLUG) unterstützt.

Niedergelassene, aber auch beispielsweise in Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) angestellte Ärztinnen und Ärzte können an der Online-Umfrage teilnehmen unter:
www.medizin.uni-halle.de/klimapraxen

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Virtuelles Mikroskopieren, digitale Vorlesungen und Präsenzkurse mit Mundschutz: Medizinische Lehre in Zeiten der Corona-Krise

Es ist alles etwas anders in diesem Sommersemester 2020. Ab dem 20. April beginnt, leicht verspätet aufgrund der Corona-Krise und damit verbundenen Anordnungen von Stadt Halle und Land Sachsen-Anhalt, der Lehrbetrieb an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg – und damit auch an der Medizinischen Fakultät. Während in anderen Studienfächern die Lehre fast vollständig digitalisiert möglich ist, geht das für Studienfächer wie Medizin oder Zahnmedizin nur bedingt.

„Wir haben zusammen mit dem Lehrausschuss der Fakultät und unserem Dorothea Erxleben Lernzentrum Konzepte für eine digitale Lehre erarbeitet und uns mit den verschiedensten Akteuren, wie dem Landesprüfungsamt, dazu abgestimmt, damit die Leistungen auch anerkannt werden. Andererseits haben wir aber auch Lösungen dafür erarbeitet, wie Seminare und Praktika mit persönlicher Anwesenheit durchführbar sind, denn es gibt Lehrveranstaltungen, bei denen das unabdingbar ist. Unser oberstes Ziel ist, ein didaktisch sinnvolles, verzögerungsfreies Studium zu ermöglichen. Das heißt, das Erreichen der Lernziele ist entscheidend“, sagt Prof. Dr. Michael Gekle, Dekan der Medizinischen Fakultät. Auch vorher habe es bereits digitale Lehrinhalte gegeben, doch nun müsse das umfangreicher angeboten werden.

Vorlesungen, wie die von Prof. Dr. Michael Gekle im Fach Physiologie, sind aufgezeichnet worden und können nun online verfolgt werden.

So werden Vorlesungen über die Plattform StudIP als Videos angeboten oder als „vertonte“ Folien-Präsentationen. Es sind Anleitungen für Arbeitsblätter und Aufgaben online bereitgestellt, die schriftlich zu bearbeiten sind. Für Seminare bestehen ebenfalls diese Möglichkeiten, aber auch Formate wie Chat oder Videokonferenzen.

Im Portal StudIP sind die Online-Inhalte der Lehrveranstaltungen hinterlegt.

Selbst virtuelles Mikroskopieren ist möglich. „Alle Präparate aus unserem Kurs in Halle sind soweit digitalisiert, dass man sie virtuell betrachten und navigieren kann“, sagt Prof. Dr. Faramarz Dehghani vom Institut für Anatomie und Zellbiologie. Möglich ist das über das Projekt „Histo-Hal“, das es bereits längere Zeit gibt. Die virtuelle Mikroskopie ist jedoch ein neues Feature. „In der jetzigen Ausnahmesituation hilft das Projekt, die Lehrveranstaltung komplett digital abzuhalten. Ich bin allerdings der Meinung, dass wir das Mikroskopieren nicht ersetzen können, aber aktuell ist es eine sehr hilfreiche Lösung“, so Dehghani.

Mit dem Projekt „Histo-Hal“ kann nun auch virtuell mikroskopiert werden.

Nach dem 4. Mai werden dann auch wieder sukzessive Präsenzveranstaltungen angeboten, sofern es sich um Veranstaltungen handelt, die zumindest in Teilen nur auf diese Art möglich sind. „Hierfür haben wir ein Konzept mit reduzierter Personenzahl sowie speziellen Zugangs- und „Absperrungsmaßnahmen“ im Falle der Unterrichtsräume am Standort Ernst-Grube-Strasse erarbeitet. Dadurch wird die Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln ermöglicht. Kontakte zu Patientinnen und Patienten wird es im Universitätsklinikum in diesem Semester außer für Studierende im Praktischen Jahr und für Studierende der Evidenzbasierten Pflege voraussichtlich nicht geben“, sagt Gekle. Zahnmedizinstudierende üben vor allem am sogenannten Phantomkopf und mit Simulatoren und gegebenenfalls in späteren Phasen des Semesters in unkritischen und zuvor mit dem oder der jeweiligen Betreuer/in abgesprochenen Fällen auch in der Zahnklinik am Patienten.

„Es ist eine außergewöhnliche Situation für alle Beteiligten. Wir haben in enger Abstimmung mit dem Landesprüfungsamt und dem Wissenschaftsministerium jedoch aus meiner Sicht gute Lösungen gefunden, damit den Umständen, aber auch den Zielen des Studiums angemessene Lehre und Prüfungen stattfinden können“, so Gekle.

Neue Methode für Test der Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke entwickelt

Forschende des Instituts für Physiologische Chemie der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg haben eine neue Methode entwickelt, um die Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke zu testen. Ihre Ergebnisse haben sie im Journal of Visualized Experiments (JoVE) sowohl in Textform als auch als Video veröffentlicht (doi:10.3791/60692 (2020)).

Mit Hilfe von menschlichen Zelllinien, wie sie auch im Gehirn vorkommen, konnten Veronika Weber, Dr. Heidi Olzscha, Prof. Dr. Rüdiger Horstkorte und Dr. Kaya Bork zeigen, dass die normalerweise sehr dichte Barriere für Bakterien durchlässig werden kann. Diese können so die Blut-Hirn-Schranke durchqueren und zum Beispiel Meningitis auslösen.

Zu den Stoffen, die die Durchlässigkeit erhöhen, gehören die Stoffwechselprodukte von Blutzucker. „Das zeigt einmal mehr, dass ein kontrollierter Blutzuckergehalt und damit eine ausgewogene Ernährung von entscheidender Bedeutung für die Gesundheit sind“, sagt Dr. Heidi Olzscha, Letztautorin der Publikation und Leiterin einer Arbeitsgruppe zu Proteinopathien am Institut für Physiologische Chemie.

Es werde zudem spekuliert, dass auch andere Krankheitsbilder, wie beispielweise das postoperative Delirium, und neurodegenerative Erkrankungen wie die Alzheimer-Krankheit mit einer erhöhten Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke einhergehen.

„Translationsregion für Digitalisierte Gesundheitsversorgung“ (TDG) geht nun in die Umsetzungsphase

Im April 2019 kam die Förderzusage, im Dezember nun beginnt die Umsetzungsphase des Projektes „Translationsregion für Digitalisierte Gesundheitsversorgung“, kurz TDG. In der Zwischenphase wurde daran gearbeitet, das Innovationsmanagement und die Koordination auf die Beine zu stellen, um die Umsetzungsphase strukturiert angehen zu können. Koordiniert von der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg wollen die Akteure des TDG-Bündnisses gemeinsam den Herausforderungen des demographischen Wandels begegnen und im Süden Sachsen-Anhalts eine Modellregion für innovative Gesundheitsversorgung mit dem Schwerpunkt ambulante Pflege etablieren.

Die Teilnehmenden der Auftaktveranstaltung zur Umsetzungsphase des TDG-Projekts in den „SaltLabs“ in Halle (Foto: privat)

Im ersten Teil der Auftaktveranstaltung für die Umsetzungsphase informierten Prof. Dr. Patrick Jahn als TDG-Projektleiter und TDG-Koordinator Dr. Karsten Schwarz die etwa 60 anwesenden Bündnismitglieder und Unterstützenden umfassend über die Modalitäten, die für das Einreichen von innovativen Projektvorhaben erfüllt sein müssen. Neben den Anforderungen im dreistufigen TDG-Antragsverfahren (Umsetzungsphase, Grobskizze, Bestätigung durch den Beirat) wurden auch Einzelheiten zum Arbeitsprozess des TDG-Beirats bekannt gemacht.

In Workshops in der zweiten Hälfte der Veranstaltung wurden zudem Ideen für Innovationen in der Häuslichkeit zur Erleichterung von Pflegeroutinen sowie Ausstattungsoptionen für die neu entstehenden Simulationsräume des von der Dieter Schwarz Stiftung geförderten Innovation Hubs im Dorothea Erxleben Lernzentrum der Medizinischen Fakultät eruiert.

„Wir waren überwältigt von dem großen Interesse und der aktiven Beteiligung an der Veranstaltung. Mit diesem engagierten und kreativen Bündnis werden die nächsten Jahre sicher spannend und erfolgreich“, sagt Karsten Schwarz.

Mit dem TDG-Projekt wollen die Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftler und Akteure aus Wirtschaft und Gesellschaft um Jahn und Schwarz neue Technologien von der Idee bis zur Marktreife bringen. Übergeordnete Ziele sind dabei der Autonomieerhalt im Alter im eigenen Wohnumfeld sowie die technologische Unterstützung des Pflegeprozesses. Daran beteiligt sind mittlerweile mehr als 70 Akteure aus der Kreativwirtschaft, der Hausärzteverband, das Deutsche Rote Kreuz, Fachärztinnen und -ärzte, ambulante Pflegedienste, Wohnungs- und IT-Unternehmen sowie weitere Bildungsträger.

Die TDG wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Programms „WIR! – Wandel durch Innovation in der Region“ gefördert.

Weitere Informationen zur TDG sowie zur Auftaktveranstaltung finden Sie auf der Website: https://inno-tdg.de

Wissenschaft in 60 Sekunden und mehr

Der Nikolaustag hat an der Universitätsmedizin Halle (Saale) ganz im Zeichen der Wissenschaft gestanden – beim 6. Forschungstag der Medizinischen Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Der Forschungstag begann mit einem wissenschaftlichen Vortragsprogramm. Im ersten Block ging es um Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Altern, im zweiten um onkologische Forschung.
Junior-Professor Dr. Tony Gutschner erklärt, wie „Elevator Speeches“ funktionieren.

Beim gutbesuchten Vortragsprogramm, das sich in die Blöcke Herz-Kreislauf-Erkrankungen & Altern sowie Onkologie teilte, hatten die Referentinnen und Referenten jeweils mehr als zehn Minuten Zeit, ihr Thema zu präsentieren. 15 (Nachwuchs-) Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stellten sich aber auch der Herausforderung, ihre Forschungsprojekte innerhalb von 60 Sekunden zu erklären. In den sogenannten „Elevator Speeches“, angelehnt daran, ein Anliegen innerhalb der Länge einer Fahrstuhlfahrt zu erläutern.

Dr. Alexander Navarrete Santos (l.) und Maximilian Brückner

Wer die besten Präsentationen lieferte, entschied unter anderem das Publikum mit der Intensität des Applaus‘. Bei den Elevator Speeches siegte Maximilian Büttner, „Sieger der Herzen“ wurde Dr. Alexander Navarrete Santos.

Zusätzlich zu den Vorträgen fanden Postersessions statt. Die Poster waren im Foyer ausgestellt und die Forschung von den jeweiligen Studierenden und Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern anhand dessen einer Jury und anderen Interessierten gegenüber erläutert.

Die besten Vorträge und Arbeiten wurden im Anschluss an die Keynote Lecture von Dr. Michael Cross vom Universitätsklinikum Leipzig ebenfalls mit Preisen ausgezeichnet.

Fahrstuhl-Reden, Postersessions und Vorträge: 6. Forschungstag der Universitätsmedizin Halle (Saale) findet am 6. Dezember statt

Am 6. Dezember wird es wieder voll im Foyer des Lehrgebäudes. Hier stellen (Nachwuchs-)Forschende der Universitätsmedizin Halle (Saale) ihre Arbeit anhand von wissenschaftlichen Postern vor. (Archivfoto)

Dem Publikum innerhalb der Länge einer Fahrstuhlfahrt das eigene wissenschaftliche Projekt erklären, ist nicht ganz einfach. Doch dieser Herausforderung werden sich 15 Menschen beim 6. Forschungstag der Universitätsmedizin Halle (Saale) stellen. Moderiert werden die sogenannten „Elevator Speeches“ (Fahrstuhl-Reden) von Junior-Professor Dr. Tony Gutschner. Allerdings nicht direkt im Fahrstuhl, dafür aber mit Stoppuhr. Mehr als 60 Sekunden werden nicht erlaubt.

Neben diesem Programmpunkt, der von 11.45 bis 12.30 Uhr stattfindet, ist der Forschungstag auch davor und danach gut gefüllt. Nach der Begrüßung der Teilnehmenden durch den Dekan der Medizinischen Fakultät, Prof. Dr. Michael Gekle, und einer Einführung durch den Prodekan für Forschung, Prof. Dr. Patrick Michl, und den Prodekan für Nachwuchsförderung, Prof. Dr. Michael Bucher, geht es mit der ersten Vortragssession los. Innerhalb einer Stunde präsentieren fünf Rednerinnen und Redner ihre Forschung aus dem Bereich Herz-Kreislauf-Erkrankungen & Altern. Die vorgestellten Arbeiten kommen dabei unter anderem aus den Bereichen Psychiatrie, Epidemiologie oder auch Herzchirurgie. Die Moderation dieser Session übernehmen Dr. Kai Knöpp und PD Dr. Daniel Medenwald.

Danach schließt sich die zweite Vortragssession an, die einen Onkologie-Schwerpunkt hat. Moderiert von PD Dr. Ulrich Ronellenfitsch und Dr. Thomas Weber werden ebenfalls innerhalb einer guten Stunde fünf wissenschaftliche Vorhaben präsentiert. Die Vortragenden kommen dabei unter anderem aus den Bereichen Anatomie, Pädiatrie I (Kinderonkologie) oder Molekulare Medizin.

Nach der bereits erwähnten Elevator Speech und einer Mittagspause schließen sich ab 13 Uhr die beiden Posterbegehungen an. Diese sind unterteilt – zunächst werden wissenschaftliche Poster mit ungeraden Nummern begutachtet, danach die mit geraden Nummern. Jeder Posterpräsentierende kann anhand der Abbildungen die eigene Forschung gegenüber der Jury und anderen Interessierten erläutern. Ziel ist, die besten Präsentationen und Vorträge des Forschungstages mit Preisen auszuzeichnen. Doch bevor als letzter Programmpunkt die Preisverleihung erfolgt, wird von Dr. Matt Fuszard einerseits kurz die Core Facility „Massenspektrometrie“ vorgestellt, eine technische Einrichtung im Charles-Tanford-Proteinzentrum, die sowohl von der Medizinischen Fakultät als auch der Naturwissenschaftlichen Fakultät I betrieben und genutzt wird.

Archivfoto: Posterbegehung beim Forschungstag 2018

Andererseits hält Dr. Michael Cross, Leiter des Forschungslabors der Abteilung für Hämatologie und Internistische Onkologie des Universitätsklinikums Leipzig, die Keynote Lecture zum Thema „Epigenetics, Aging and Cancer“. Diese Themen spielen nicht nur in der weltweiten Forschung eine sehr aktuelle Rolle, sondern auch in der Forschung an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, insbesondere der Medizinischen Fakultät und der Naturwissenschaftlichen Fakultät I. An Studierende und Forschende dieser beiden Fakultäten richtet sich der Tag vornehmlich, aber es sind ebenfalls Interessierte aus anderen Fachbereichen der (Bio-) Informatik, oder den Ernährungswissenschaften eingeladen, die Anknüpfungspunkte zu den Forschungsthemen haben oder suchen.

Insgesamt habe es 94 Anmeldungen für den Forschungstag gegeben, so der Leiter des Prodekanats Forschung, Dr. Mike Tostlebe. Hieraus habe man dann ausgewählt, welche Teilnehmenden einen Vortrag halten werden und wer die eigene wissenschaftliche Arbeit mittels Poster präsentiere, so Tostlebe weiter.

Gut besuchter Auftakt: 6. Auflage der Halleschen OP-Wochen ist gestartet

Die Frage nach denjenigen, die zum ersten Mal da sind, offenbarte zwei Dinge: Es gibt neben Studierenden und Auszubildenden, die zum ersten Mal bei den „Halleschen OP-Wochen“ dabei sind, tatsächlich auch jede Menge, die bereits in den Vorjahren die Veranstaltungen besucht haben. Die Veranstaltungsreihe, die seit dem 18. und noch bis 28. November bereits zum sechsten Mal angeboten wird, ist zu einer festen Größe geworden, bekannt und beliebt.

Völlig zurecht, denn was hier Beschäftigte von Universitätsklinikum Halle (Saale) und Medizinischer Fakultät Halle, wie Ärztinnen und Ärzte, Technik- und OP-Personal oder Beschäftigte des Dorothea Erxleben Lernzentrums, auf die Beine stellen, gibt es in dieser Form an keiner anderen deutschen Universitätsmedizin: Dass über zwei Wochen, an jeweils vier Tagen eine andere Operation live aus dem OP in den Hörsaal übertragen wird – mit Bild, Ton und direkter Interaktion. Und zwar aus den unterschiedlichsten Fachgebieten: Ob Endokrine Chirurgie, Herzchirurgie, Augenheilkunde oder auch Urologie und Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde – gezeigt werden Standardoperationen, die, wie Initiator Prof. Dr. Stefan Plontke betonte, „für die klinische Medizin begeistern“ sollen.

Den Anfang machte eine Schilddrüsenlappen-Entfernung, moderiert von Prof. Dr. Kerstin Lorenz. Wie bei allen Veranstaltungen der OP-Wochen üblich gab es zunächst eine Einführung in das Thema. Von der Historie der Schilddrüsenchirurgie ging es über die Anatomie, die diagnostischen Verfahren, die verschiedenen Operationstechniken und auch mögliche Komplikationen bei der Operation sowie Erklärungen von Anästhesist Prof. Dr. Michael Bucher über die Art und Weise der Narkose zum konkreten Fall. Eine 31 Jahre alte Patientin, die zuvor explizit der Übertragung ihrer Operation zugestimmt hatte und dazu auch extra aufgeklärt worden war.

„Man muss flexibel bleiben, gerade als Chirurg.“

Prof. Dr. Kerstin Lorenz

Und wie das so ist, wenn etwas live ist: Nicht immer klappt alles auf Anhieb. Obwohl vorher noch erfolgreich getestet, streikte die Übertragung aus dem OP in den Hörsaal. Doch, wie es Lorenz mit „man muss flexibel bleiben, gerade als Chirurg“ schlagfertig kommentierte, wurde kurzerhand auf eine Handkamera umgestellt und telefonisch der Kontakt hergestellt. Wenig später funktionierte dann auch der Ton.

Der Vermittlung des Inhaltes tat dies keinen Abbruch. Sowohl Lorenz als auch Operateur apl. Prof. Dr. Rick Schneider erklärten die jeweiligen Handgriffe und die zu sehenden anatomischen Strukturen. Selbst das akustische Signal der Nervenstimulation war zu hören. Das Besondere der OP-Wochen ist aber auch, dass die Zuschauenden Fragen stellen können, die direkt im Hörsaal oder aus dem OP heraus beantwortet werden. Theorie und Praxis werden somit im wahrsten Sinne veranschaulicht: Moderne Lehre, wie sie besser fast nicht geht.

Zweites Netzwerktreffen des internationalen Promotionsnetzwerks „Trans-Senior“ fand in Halle statt

Das Marie Skłodowska-Curie-Förderprogramm ist innerhalb der Horizon-2020-Verbundforschung der Europäischen Union angesiedelt. Über dieses wird auch „Trans-Senior“ gefördert, ein Promotionsnetzwerk unter Leitung der Universität Leuven (Belgien), an dem mit dem Institut für Gesundheits- und Pflegewissenschaft auch die Medizinische Fakultät der Martin-Luther-Universität Halle-Saale als einer von acht und einziger deutscher Partner beteiligt ist. Das Projekt wird bis 2022 insgesamt mit 3,384 Millionen Euro gefördert, der Anteil für Halle beträgt rund 505.000 Euro.

Diese Woche hat nun das zweite Treffen des Netzwerks in Halle stattgefunden, bei dem zwölf internationale Doktorandinnen und Doktoranden, Referenten einiger der Netzwerk-Unis sowie als Praxispartner der Medizinischen Fakultät Halle auch Vertreterinnen und Vertreter des sachsen-anhaltischen Landesverbandes der Volkssolidarität teilgenommen haben.

In einem umfangreichen Programm an zweieinhalb Tagen wurden unterschiedlichste Themen in Vorträgen und Übungen behandelt, wie wissenschaftliche Redlichkeit und Vermeidung von Fehlverhalten, Entwicklung von komplexen Interventionen, Einbezug von Praxispartnern in Forschung und Big data Analysen. Zur Praxiserkundung lernte die Gruppe die Praxispartnerin Volkssolidarität kennen und besuchte eine Seniorentagesstätte sowie eine Wohngemeinschaft für Menschen mit Demenz der Volkssolidarität.

Im Rahmen der Doktorarbeiten werden „innovative Lösungen in Pflege und gesundheitlicher Versorgung älterer Bürgerinnen und Bürger“ erarbeitet. Die Promotionsprojekte verfolgen dabei die Vermeidung von ungeplanten Krankenhaus- oder Pflegeheimeinweisungen im Versorgungsverlauf, aber auch die Optimierung dieser, sollten sie unvermeidlich sein, als Ziele.

Jede Uni betreut zwei Hauptdoktoranden und hat dafür weitere Unis als Partner – im Fall von Halle sind dies die Universitäten Basel, Schweiz, und Ben-Gurion Negev, Israel. Die Doktoranden erhalten dann zwei akademische Grade – einen deutschen Dr. rer. medic. und von Basel bzw. Israel einen PhD.

Vorab-Vorführung des Dokumentarfilms „Human Nature“ zur CRISPR-Methode am IPC

Das passiert am Institut für Physiologische Chemie (IPC) der Medizinischen Fakultät der Uni Halle auch nicht alle Tage: Der große Hörsaal wurde kurzerhand zum Kinosaal. Und das nicht für irgendeinen Film, sondern für den Dokumentarfilm „Human Nature“, der als Vorpremiere gezeigt wurde und bisher nur bei Film-Festivals lief. Erst ab 7. November ist der Streifen von Oscar-Preisträger Adam Bolt dann offiziell im richtigen Kino zu sehen.

Prof. Rüdiger Horstkorte hielt eine kurze Einführung im Hörsaal des IPC.

Der Film behandelt ein Thema, das auch an der Universitätsmedizin Halle (Saale) in der Forschung zunehmende Bedeutung gewonnen hat: das als „Genschere“ bekannt gewordene CRISPR/Cas9-System. Zu Wort kommen Patientinnen und Patienten, die an bisher unheilbaren genetisch-bedingten Krankheiten leiden, aber auch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die für das Thema eine maßgebliche Rolle spielen – so unter anderem die Wissenschaftlerinnen Jennifer Doudna und Leibniz-Preisträgerin und Leopoldina-Mitglied Emmanuelle Charpentier, die 2012 die CRISPR/Cas9-Methode veröffentlicht haben.

Der Film zeigt eindrücklich die Entwicklung von einer seit Milliarden von Jahren bereits in der Natur vorkommenden „Genreparierung“ hin zu einer biotechnologischen, jederzeit einsetzbaren Methode. Er wirft aber auch die ethischen Fragen auf, die mit dieser „Beeinflussung der Evolution“, wie es auch Doudna im Film nennt, einhergeht. Er zeigt die Hoffnung, die CRISPR/Cas9 für Menschen bedeutet, deren Leiden bisher nur behandelbar, aber nicht heilbar ist, wie beispielsweise die Sichelzell-Anämie, weil damit prinzipiell kaputte Gene repariert werden können.

Neben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern kommen in dem Dokumentarfilm auch Menschen zu Wort, die an bisher noch nicht heilbaren Krankheiten leiden. Im Bild ist der Junge David Sanchez zu sehen, der aufgrund seiner Sichelzell-Anämie regelmäßig für Bluttransfusionen ins Krankenhaus muss.

Die Studierenden der Medizinischen Fakultät und anderer Fakultäten der Uni Halle, aber auch viele Lehrkräfte nutzten die Gelegenheit, den Film schon vorab zu sehen. Möglich war das, weil der Filmverleih an die Deutsche Gesellschaft für Biochemie (GBM) herangetreten war, deren hallescher Vertreter Prof. Dr. Rüdiger Horstkorte vom IPC ist.

Im Anschluss an den Film fand eine mehr als einstündige rege Diskussion über gesundheitliche wie sozialpolitische Chancen und Risiken sowie ethische Aspekte der Genom-Editierung mittels CRISPR statt. „Dabei ist sehr sorgsam und fundiert argumentiert worden“, sagt Horstkorte erfreut, der sich zudem positiv überrascht zeigte, dass so viele der Einladung zur Filmvorführung gefolgt waren. Tenor unter den Studierenden sei gewesen, dass es zwar eine tolle Methode sei, aber durchaus viele Risiken vorhanden seien, die thematisiert werden müssen, so Horstkorte.

Mehr zum Film: https://wondercollaborative.org

Uni-Zahnmediziner heimsen Preise bei Tagung ein

Bei der diesjährigen Tagung der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie vergangene Wochenende sind Zahnmedizinerinnen und Zahnmediziner der halleschen Universitätsmedizin mit Preisen für ihre wissenschaftliche Arbeit ausgezeichnet worden.

PD Dr. Susanne Schulz und apl. Prof. Dr. Stefan Reichert wurden mit einer Forschungsförderung in Höhe von 10.000 Euro geehrt.

So erhielt die Forschergruppe von apl. Prof. Dr. Stefan Reichert und PD Dr. Susanne Schulz der Universitätspoliklinik für Zahnerhaltungskunde und Parodontologie der Universitätsmedizin Halle (Saale) eine Forschungsförderung in Höhe von 10.000 Euro von der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie (DGP) in Kooperation mit der Firma CP GABA. Das Thema des Projektes der Forschergruppe lautet „Parodontitis und Rheumatoide Arthritis: Das orale Mikrobiom als mögliches Bindeglied zwischen beiden entzündlichen Erkrankungen“.

Ein weiterer Preis ging an Dr. Linda Seitter für ihre Dissertation „Polymorphismen im Gen der nicht-codierenden RNA ANRIL als parodontale und kardiovaskuläre Risikomarker (Longitudinale Kohortenstudie)“ von der Universitätspoliklinik für Zahnerhaltungskunde und Parodontologie den mit 1.500 Euro dotierten Dissertationspreis der Deutschen Gesellchaft für Parodontologie. Sie hat in Halle diese Dissertation angefertigt und ist hier promoviert worden und arbeitet nun als Zahnärztin in Baden-Württemberg.