{"id":128,"date":"2020-05-02T15:37:09","date_gmt":"2020-05-02T13:37:09","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/waldecker\/?p=128"},"modified":"2020-05-03T07:45:44","modified_gmt":"2020-05-03T05:45:44","slug":"die-macht-der-gewohnheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/waldecker\/2020\/05\/die-macht-der-gewohnheit\/","title":{"rendered":"Die Macht der Gewohnheit"},"content":{"rendered":"\n<p>Vor ca. 1,5 oder 2 Jahren habe ich angefangen, mich mit dem Thema &#8222;Gewohnheiten&#8220; zu besch\u00e4ftigen. B\u00fccher, Blogbeitr\u00e4ge, Podcasts, Gespr\u00e4che mit Leuten, immer mit dem Hintergedanken, dass das, was wir jeden Tag tun, mehr \u00fcber uns aussagt und unsere Pers\u00f6nlichkeit mehr formt als das, was wir nur ab und zu tun. Klar gab es auch Dinge, die ich mir angew\u00f6hnen wollte und von denen ich dachte, dass sie sinnvoll oder n\u00fctzlich sind. Es sind dann zwei Dinge passiert: Es gibt nun neue Gewohnheiten und eine Routine, mit der langsam weitere dazukommen und sich festigen. Gleichzeitig habe ich aber auch gelernt, dass ein paar schon vorhandene oder geplante Gewohnheiten eigentlich bl\u00f6d sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Zum Beispiel wollte ich mir angew\u00f6hnen, regelm\u00e4\u00dfig meinen Posteingang leerzur\u00e4umen und E-Mails ganz klar danach zu sortieren, was ich sofort erledigen kann (David Allens &#8222;2 Minuten-Regel&#8220;), wo ich Zuarbeit brauche, was ich delegieren kann etc. Ich hab mir vorgestellt, dass der leere Posteingang ganz viel Stress reduziert und ich dann konzentrierter an anderen Aufgaben arbeiten kann. Eine weitere Idee war, regelm\u00e4\u00dfig Liegest\u00fctze zu machen, um st\u00e4rker zu werden und irgendwann ganz viele am St\u00fcck zu schaffen. Mehr Wasser trinken, regelm\u00e4\u00dfig meditieren, konsequent Pausen bei der Arbeit machen, lauter solche Dinge.<\/p>\n\n\n\n<p>Einige Zeit sp\u00e4ter habe ich neue Gewohnheiten, aber die aktuelle Covid-19-Situation und mein dadurch v\u00f6llig ver\u00e4nderter Arbeitsalltag haben mir noch eine neue Perspektive auf das Thema gegeben. Wenn ich jetzt von &#8222;vorher&#8220; spreche, dann meine ich &#8222;vor den Beschr\u00e4nkungen wegen Covid-19&#8220; und schreibe ansonsten &#8222;jetzt&#8220; oder &#8222;danach&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>Vorher bin ich oft extra fr\u00fch ins B\u00fcro gefahren, um dort etwas Ruhe zu haben vor dem allgemeinen Trubel. Die Zeit habe ich dann aber zum Leerr\u00e4umen meines Mailposteingangs genutzt, oft auch zum Abarbeiten von &#8222;2-Minuten-Mails&#8220;. Das mit dem Postfach ist eigentlich eine gute Gewohnheit, weil ich so regem\u00e4\u00dfig, aber nicht st\u00e4ndig reinschaue, alles Wichtige schnell zu finden ist, ich alle Termine im Blick habe und nix den Posteingang zum\u00fcllt. Eine gute Gewohnheit mit schlechtem Timing &#8211; noch viel besser w\u00e4re es, das Gleiche zu einer anderen Tageszeit zu tun. Zum Beispiel nach dem Mittagessen, wenn ein kleines Tief kommt. Oder vor dem Feierabend, nach dem Motto: Was jetzt nicht bei mir angekommen ist, kann bis morgen warten. Die ruhige Zeit morgens, wenn ich total energiegeladen bin, ist viel zu wertvoll f\u00fcr Mailkram! Diese Gewohnheit habe ich jetzt, im home office, modifiziert. Mal sehen, wie ich das sp\u00e4ter wieder in den Arbeitsalltag integrieren kann, wenn die Tage voller und unruhiger sind und es mehr Unterbrechungen gibt.<\/p>\n\n\n\n<p>Vorher habe ich oft Mahlzeiten \u00fcbersprungen, mir wenig Pausen geg\u00f6nnt, meine Priorit\u00e4ten danach geordnet, was andere Leute dringend oder wichtig fanden. Warum eigentlich? Warum sollte ich sp\u00e4t abends oder am Wochenende auf Arbeits-Emails reagieren, selbst wenn ich sie sehe? Daraus wurde auch eine neue Gewohnheit, die ich in die Zeit danach mitnehmen m\u00f6chte: Abends und am Wochenende reagiere ich nicht auf E-Mails, es sei denn die Mails sind privat, es geht um die Forschung (Spa\u00df!) oder es ist eine &#8222;Die-Welt-geht-unter&#8220;-Mail von einem*r Studi oder einem*r Kolleg*in. Ich schreibe manchmal Mails, auch an Leute aus dem Institut, aber die speichere ich dann ab und schicke sie erst am Montag Morgen los. Wenn ich jetzt am Wochenende arbeite (und das mache ich immer noch oft), ist es \u00fcberhaupt nicht mehr fremdgesteuert.<\/p>\n\n\n\n<p>Hier sind ein paar Gewohnheiten, die es geschafft haben und inzwischen fest im Alltag angekommen sind: Genug Schlaf, regelm\u00e4\u00dfig. Liegest\u00fctze, jeden Tag. Es werden immer mehr \ud83d\ude42 . Wasser trinken, mindestens einen Liter am Tag. Einen Plan f\u00fcr den Tag machen (mit time boxes, das macht Spa\u00df) und gro\u00dfz\u00fcgig Pufferzeiten einplanen. Es ist super, mit einem Arbeitsabschnitt eine halbe Stunde fr\u00fcher fertig zu sein und dann wirklich eine halbe Stunde Luft zu haben! Au\u00dferdem f\u00fchre ich eine Projektliste, die regelm\u00e4\u00dfig aktualisiert wird und wo genau dabeisteht, was als n\u00e4chstes zu tun ist. So habe ich nie dieses bl\u00f6de Gef\u00fchl, etwas zu vergessen oder einen Termin zu verpassen. <\/p>\n\n\n\n<p>Eine regelm\u00e4\u00dfige Meditationsgewohnheit habe ich dagegen noch nicht hingekriegt. Daf\u00fcr mache ich seit ein paar Wochen jeden Tag Yoga, und die Abschlusspose Chavasana ist immer eine Mini-Meditation. Ein, zwei Stunden Yoga jeden Tag wirken Wunder. Der Arbeitstag f\u00fchlt sich ganz anders an, wenn ich morgens fr\u00fch aufstehe und eine Stunde lang mit viel Energie arbeite (keine E-Mails!), um dann nach dem Fr\u00fchst\u00fcck und 30 Minuten Yoga in die zweite Runde zu starten. Leider sehe ich noch nicht, wie ich das in einer &#8222;normalen&#8220; Vorlesungszeit hinkriege. Yoga am Abend: ja, unbedingt! Aber morgens? Naja, noch nicht, bestimmt f\u00e4llt mir noch was ein. <\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe schon mit mehreren Leuten Gespr\u00e4che nach dem Motto &#8222;Endlich kann ich meinen Arbeitstag f\u00fcr mich passend gestalten!&#8220; gehabt. Vorher schien das nicht m\u00f6glich zu sein, warum eigentlich nicht? Wir alle sollten in die Zeit danach etwas davon mitnehmen. Viele Wissenschaftler*innen und auch Studis haben mehr Freiheit in der Tages- und Wochengestaltung, als sie sich manchmal bewusst machen. Und da muss ich mich selbst ganz fest an die eigene Nase fassen. In einem Beruf mit so viel Freiheit muss es doch m\u00f6glich sein, den aktuellen Zustand zum Ausprobieren zu nutzen und weitere gute Gewohnheiten zu etablieren, und dann die bew\u00e4hrten auch in die Zeit danach mitzunehmen! Wohlgemerkt: Es geht darum, die Gewohnheit zu etablieren, nicht um gute Vors\u00e4tze. <\/p>\n\n\n\n<p>Zum Schluss kommt hier ein Hinweis auf meinen Gewohnheits-Guru: James Clear. Durch sein Buch &#8222;Atomic Habits&#8220;, seinen wirklich tollen Newsletter und Podcasts mit ihm bleibe ich an dem Thema dran und sp\u00fcre ganz stark, wie m\u00e4chtig kleine Gewohnheiten sind und wie sie bleibende Ver\u00e4nderungen bewirken. Deshalb schlie\u00dfe ich mit Werbung.  <a href=\"https:\/\/jamesclear.com\/\">https:\/\/jamesclear.com\/<\/a><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vor ca. 1,5 oder 2 Jahren habe ich angefangen, mich mit dem Thema &#8222;Gewohnheiten&#8220; zu besch\u00e4ftigen. B\u00fccher, Blogbeitr\u00e4ge, Podcasts, Gespr\u00e4che mit Leuten, immer mit dem Hintergedanken, dass das, was wir jeden Tag tun, mehr \u00fcber uns aussagt und unsere Pers\u00f6nlichkeit mehr formt als das, was wir nur ab und zu tun. 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