{"id":173,"date":"2020-10-05T09:20:56","date_gmt":"2020-10-05T07:20:56","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/waldecker\/?p=173"},"modified":"2020-10-13T10:07:24","modified_gmt":"2020-10-13T08:07:24","slug":"vom-verstreichen-der-zeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/waldecker\/2020\/10\/vom-verstreichen-der-zeit\/","title":{"rendered":"Vom Verstreichen der Zeit"},"content":{"rendered":"\n<p>Wenn ich Zeit mit meinen Nichten und Neffen verbringe, was momentan selten vorkommt, dann genie\u00dfe ich diesen Effekt der Pr\u00e4senz: Beim Lesen, Spielen, Toben, Knuddeln sind wir voll da, der Augenblick wird total ausgekostet und mir ist sehr bewusst, dass wir da gerade das erschaffen, was sp\u00e4ter im R\u00fcckblick Kindheitserinnerungen sind. Mit den Kindern erlebe ich aber auch Vorfreude und Ungeduld. Und wenn der Tag vorbei ist und wir etwas auf Morgen verschieben m\u00fcssen: &#8222;Morgen ist doof, warum k\u00f6nnen wir das nicht jetzt machen?&#8220;. Ich bin gespannt, wie es wird, wenn sie noch etwas \u00e4lter sind und eine genauere Vorstellung von Zeit haben. Wie sie sich erinnern, wie sie Entscheidungen treffen dar\u00fcber, wie die Zeit verbracht werden soll. <\/p>\n\n\n\n<p>Ich arbeite dran, finde es aber allein schwierig, diese Art von Pr\u00e4senz zu erzeugen, die ich mit den Kindern habe. Daf\u00fcr scheint das Verstreichen der Zeit mehr durch Erinnerungen und Vorfreude gestaltet zu werden. Und ich experimentiere jetzt damit, das Mittel der Vorfreude st\u00e4rker zu nutzen. Es hilft, dass ich planungsaffin und nicht sehr spontan bin. (Ich bin wirklich geradezu l\u00e4cherlich nicht-spontan.) Durch die lange Vorfreude auf einen Urlaub, zum Beispiel, wird das Erlebnis gr\u00f6\u00dfer und die so verbrachte Zeit wird gef\u00fchlt ausgedehnt, so dass ich viel mehr vom Urlaub habe. Eine langfristige Planung bringt dann nicht nur &#8222;Oh, das dauert ja noch soooooo lange!&#8220;, sondern auch &#8222;Toll, ich kann mich da noch soooo lange drauf freuen!&#8220;. Zusammen mit dem entspannten Bewusstsein, dass der Urlaub selbst nie wie geplant l\u00e4uft, entstehen so viele sch\u00f6ne Erinnerungen. Das Vergehen der Zeit wird so greifbarer f\u00fcr mich. Ohne die bewusste Planung und Vorfreude, ohne das innerliche Stehenbleiben w\u00e4hrenddessen, fliegt alles einfach nur vorbei. <\/p>\n\n\n\n<p>W\u00e4hrend ich das weiter kultiviere, arbeite ich auch an mehr Spontaneit\u00e4t. Hei\u00dft, dass es einen gewissen Modus gibt, der ab und zu eingeschaltet wird und mit dem spontanes Verhalten m\u00f6glich ist. Sieht oft wie ein Entscheidungsbaum aus, weil es so komplett spontan dann doch nicht geht, aber es ist pl\u00f6tzlich Raum f\u00fcr Improvisation. Das hat insofern etwas mit dem Verstreichen der Zeit zu tun, als so besonders witzige Erinnerungen zustande kommen. &#8222;Wei\u00dft Du noch, als wir spontan das und das machen wollten und das dann gar nicht geklappt hat und wir stattdessen das und das ausprobiert haben und dann den Zug verpasst haben und dann die und die Leute getroffen haben und dann auf dieser Party gelandet sind und einen Riesenspa\u00df hatten?&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Und, wie bemerken Sie das Verstreichen der Zeit?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn ich Zeit mit meinen Nichten und Neffen verbringe, was momentan selten vorkommt, dann genie\u00dfe ich diesen Effekt der Pr\u00e4senz: Beim Lesen, Spielen, Toben, Knuddeln sind wir voll da, der Augenblick wird total ausgekostet und mir ist sehr bewusst, dass wir da gerade das erschaffen, was sp\u00e4ter im R\u00fcckblick Kindheitserinnerungen sind. 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