{"id":238,"date":"2021-01-04T13:53:52","date_gmt":"2021-01-04T12:53:52","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/waldecker\/?p=238"},"modified":"2021-01-04T13:53:53","modified_gmt":"2021-01-04T12:53:53","slug":"wachstum","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/waldecker\/2021\/01\/wachstum\/","title":{"rendered":"Wachstum"},"content":{"rendered":"\n<p>Schwieriges Wort, das gebe ich zu. Hat gleich was von Marktmodellen, Wirtschaftswissenschaft und so. Nein, das wird weder ein wirtschaftswissenschaftlicher Beitrag noch Kapitalismuskritik. Es geht um eine innere Einstellung, eine Haltung. Wir beginnen mit ein paar Fragen:<\/p>\n\n\n\n<p>Wer sind Sie? Was macht Sie aus? Was k\u00f6nnen Sie, was nicht? Was wissen Sie, was nicht? Wo haben Sie eine gefestigte Meinung, wo nicht? Wen m\u00f6gen Sie, wen nicht? Was \u00e4rgert Sie, was nicht? Ok, jetzt ist deutlich geworden, worauf ich hinaus m\u00f6chte &#8211; eine Zustandsbeschreibung. Und was davon war gestern genau so, wie Sie es heute beschreiben? Was davon ist morgen auch immer noch genau so?<\/p>\n\n\n\n<p>Bei n\u00e4herem Hinsehen stellt sich (hoffentlich?) heraus, dass Sie heute nicht ganz genau so sind wie gestern, und morgen werden Sie auch wieder ein wenig anders sein. Nicht nur biologisch \u00e4lter, sondern Sie werden sich morgen etwas anders f\u00fchlen als heute, Sie werden ein paar Erfahrungen gemacht haben (n\u00e4mlich heute im Lauf des Tages), und vielleicht haben Sie etwas dazugelernt und etwas anderes vergessen. In jedem Fall ver\u00e4ndern Sie sich ein wenig. Und wenn wir uns biologisch wandeln, \u00e4lter werden, Dinge vergessen und dazulernen, warum sollten wir uns dann nicht auch noch grunds\u00e4tzlicher ver\u00e4ndern k\u00f6nnen? Ist nicht genau das die Grundlage f\u00fcr Wachstum? Inneres Wachstum? Ist nicht die F\u00e4higkeit zum Wandel erst die Voraussetzung daf\u00fcr, dass wir wachsen, wirklich dazulernen und reifer werden k\u00f6nnen? <\/p>\n\n\n\n<p>Ich stelle mir das ungef\u00e4hr so vor: Jeden Morgen beim Aufwachen kann ich mir die Frage stellen, was bleiben soll und was &#8222;weg kann&#8220;. Was gleich bleiben darf und was sich, bitte sch\u00f6n, ver\u00e4ndern soll. Denn jeden Tag habe ich die M\u00f6glichkeit, mich ein wenig zu ver\u00e4ndern. Nur weil ich mich gestern \u00fcber etwas ge\u00e4rgert habe, muss ich das heute nicht automatisch auch tun, denn ich bin ja heute anders. Ich kann ein bisschen mitentscheiden, ob ich den \u00c4rger von gestern mit in den heutigen Tag lasse oder nicht. Und selbst dann, wenn der \u00c4rger mehrere Tage lang anh\u00e4lt, hei\u00dft das nicht, dass er f\u00fcr immer da sein wird. Das Wissen darum, dass ich morgen eine Andere bin als heute, macht \u00fcberhaupt erst m\u00f6glich, dass ich glauben kann, dass der \u00c4rger irgendwann weg geht. Und dieses Prinzip m\u00f6chte ich so breit wie m\u00f6glich anwenden. Wenn ich etwas nicht wei\u00df, dann hei\u00dft das, dass ich es jetzt gerade noch nicht wei\u00df. Ich kann es aber lernen. Wenn ich etwas nicht kann, kann ich es noch nicht und kann es vielleicht lernen. <\/p>\n\n\n\n<p>Was auch immer ich glaube, \u00fcber mich zu wissen, kann ich in Frage stellen mit dieser Haltung: Das ist heute so, aber vielleicht ist es morgen anders. Meine Meinung dazu ist heute so, ich habe mir das gut \u00fcberlegt, aber es k\u00f6nnte sein, dass ich heute neue Fakten dazu erfahre und dass ich dann morgen eine andere Meinung dazu habe. Dabei werden manche Meinungen fester stehen als andere, mancher innere Ma\u00dfstab ist kaum zu verr\u00fccken, manch eine Charaktereigenschaft ist tief verwurzelt. Aber es gibt Spielraum zur Ver\u00e4nderung. K\u00f6nnen Sie sich heute schlecht motivieren? Das hei\u00dft nicht, dass Sie grunds\u00e4tzlich eine Person sind, die sich schlecht motivieren kann. Es hei\u00dft nur, dass es Ihnen heute so geht (und vielleicht schon oft so ging). Morgen k\u00f6nnte es anders sein. \u00c4rgern Sie sich \u00fcber jemanden und haben das Gef\u00fchl, das nie verzeihen zu k\u00f6nnen? Wenn das heute so ist, dann ist es nicht automatisch auch morgen so. Es ist sehr gut m\u00f6glich, dass der Tag kommt, an dem ein F\u00fcnkchen Verzeihen aufkeimt, und dann irgendwann noch ein bisschen mehr. Lauter kleine Ver\u00e4nderungen, die m\u00f6glich sind, weil wir uns jeden Tag ein wenig wandeln. Jedenfalls finde ich diese Einstellung fruchtbarer als eine, nach der wir quasi fertig, einmal geformt, durch die Welt laufen und dann nunmal so sind, wie wir sind. Es gibt mir Hoffnung, dass wir jeden Tag diese M\u00f6glichkeit haben, bessere Entscheidungen zu treffen als am Tag davor. <\/p>\n\n\n\n<p>Und das meine ich mit Wachstum. Nicht nach oben oder au\u00dfen, sondern nach innen. Jeden Tag lernen wir uns ein wenig besser kennen, wachsen ein klein wenig hin in eine Richtung, die uns ins Reine mit uns selbst bringt. Jeden Tag ein bisschen mehr Klarheit. Alles nur, weil wir jeden Tag mit der Frage starten: Na, was ver\u00e4ndert sich heute? Was werde ich lernen? <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Schwieriges Wort, das gebe ich zu. Hat gleich was von Marktmodellen, Wirtschaftswissenschaft und so. Nein, das wird weder ein wirtschaftswissenschaftlicher Beitrag noch Kapitalismuskritik. Es geht um eine innere Einstellung, eine Haltung. Wir beginnen mit ein paar Fragen: Wer sind Sie? Was macht Sie aus? Was k\u00f6nnen Sie, was nicht? Was wissen Sie, was nicht? 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