{"id":244,"date":"2021-01-14T19:44:22","date_gmt":"2021-01-14T18:44:22","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/waldecker\/?p=244"},"modified":"2021-01-14T19:44:23","modified_gmt":"2021-01-14T18:44:23","slug":"worte","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/waldecker\/2021\/01\/worte\/","title":{"rendered":"Worte"},"content":{"rendered":"\n<p>Gleich zwei Mal ist es mir jetzt passiert, innerhalb kurzer Zeit, dass mich ein Buch nach den ersten S\u00e4tzen schon begeistert hat. Auch wegen der Themen, aber vor allem, weil da so kraftvoll mit unserer Sprache gearbeitet wird. Was passiert da? Wir haben doch ab einer gewissen Sprachkompetenz einen \u00e4hnlichen Wortschatz, und doch machen manche Menschen da gar nichts draus und andere zaubern.<\/p>\n\n\n\n<p>Manchmal passiert es auch in einem mittelm\u00e4\u00dfigen Buch und ist dann \u00fcberrraschend. Ein Satz, einfach so, der genau trifft. Ich kenne die W\u00f6rter, w\u00e4re aber nicht auf die Idee gekommen, die so und in genau der Reihenfolge zu benutzen. Und dann bin ich hingerissen von der Wucht, die diese W\u00f6rter in dieser Reihenfolge pl\u00f6tzlich haben. Auch in Vortr\u00e4gen, in politischen Reden, in einer Diskussionssendung, einem Podcast, da passiert es pl\u00f6tzlich: Ein Satz, eine Formulierung, ein Vergleich, eine Umschreibung, und ich bin von den Socken. Unschlagbar wird es zusammen mit Artikulation und Mimik: Jean-Luc Picard auf der Enterprise in einer Schl\u00fcsselszene, ganz ruhig, mit reduzierter Mimik, aber kraftvoller Artikulation und, nat\u00fcrlich, mit den richtigen Worten.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Macht der Worte zeigt sich mir auch dann, wenn wir etwas mal nicht nur denken, sondern aufschreiben oder aussprechen. Oder wenn wir etwas h\u00f6ren. Wie oft denke ich dann: Ja stimmt, h\u00e4tte ich mir auch selbst denken k\u00f6nnen. Aber hab ich halt nicht. Und denken h\u00e4tte vielleicht auch nicht gereicht, es musste vielleicht mal gesagt werden. Es muss klingen, die Worte m\u00fcssen ihren ganzen Geschmack, ihre ganze Farbe entfalten und erzeugen dann Resonanz. Vielleicht wird eine Erinnerung angesprochen, eine Erfahrung, ein Wunsch, ein Traum. Manchmal rufen ein paar W\u00f6rter oder ein Satz einen ganzen inneren Film auf. Und wie oft denke ich: Ja, genau das ist es, und es w\u00e4re mir nie eingefallen, das so in Worte zu fassen! Die Analogie mit dem &#8222;fassen&#8220; finde ich wundersch\u00f6n und sehr passend &#8211; so, wie ein wertvoller Stein kunstvoll gefasst wird, um ihn zum Beispiel in einem Schmuckst\u00fcck zur Geltung zu bringen, so fassen wir ein Argument, einen Gedankenfetzen, ein Gef\u00fchl in Worte, um es zur Geltung zu bringen.<br>Dabei ist es tats\u00e4chlich ein Unterschied, ob wir etwas einfach nur sagen oder schreiben, ob also einfach nur eine Information oder ein Gedanke Ausdruck in Worten finden, oder ob es uns gelingt, mit Worten etwas zu transportieren, was \u00fcber die blo\u00dfe Information, \u00fcber den Gedanken hinausgeht und etwas ber\u00fchrt in der Person, die es h\u00f6rt oder liest.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin jedenfalls jedes Mal begeistert, wenn das passiert. Wann wurden Sie das letzte Mal von Worten \u00fcberrascht, schockiert, ber\u00fchrt? Gehen Sie bewusst mit dem kraftvollen Instrument der Sprache um?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Gleich zwei Mal ist es mir jetzt passiert, innerhalb kurzer Zeit, dass mich ein Buch nach den ersten S\u00e4tzen schon begeistert hat. Auch wegen der Themen, aber vor allem, weil da so kraftvoll mit unserer Sprache gearbeitet wird. Was passiert da? 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