{"id":295,"date":"2021-03-15T19:01:10","date_gmt":"2021-03-15T18:01:10","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/waldecker\/?p=295"},"modified":"2021-03-15T19:01:11","modified_gmt":"2021-03-15T18:01:11","slug":"ueber-wollen-und-nicht-wollen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/waldecker\/2021\/03\/ueber-wollen-und-nicht-wollen\/","title":{"rendered":"\u00dcber Wollen und Nicht-Wollen"},"content":{"rendered":"\n<p>&#8222;Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg.&#8220;<br>Stimmen Sie dem zu?<br>Wie sieht es mit der Kontraposition aus?<br>&#8222;Wenn da kein Weg ist, dann ist da auch kein Wille.&#8220;<br>Denken Sie auch, dass alles erreichbar oder durchsetzbar ist, wenn man es nur genug will?<\/p>\n\n\n\n<p>Ein anderer solcher Spruch ist<br>&#8222;Wenn man nicht wirklich will, dann findet man einen Grund.&#8220;<br>Stimmt das f\u00fcr Sie? Wollen Sie manchmal nicht und kommunizieren stattdessen &#8222;Ich kann nicht, weil\u2026&#8220;?<\/p>\n\n\n\n<p>Oder anders gefragt: Woran merken Sie, dass Sie etwas wirklich wollen, dass es Ihnen wirklich wichtig ist? Wie viel Einsatz zeigen Sie dann, wie sehr h\u00e4ngen Sie sich rein? Und woran merken Sie, dass Sie etwas nicht wollen? Was machen Sie, wenn Sie z.B. um einen Gefallen gebeten werden und keine Lust haben? Wenn es zwar prinzipiell m\u00f6glich w\u00e4re, aber Sie gerade andere Priorit\u00e4ten haben? Wie klingt bei Ihnen die Antwort &#8222;Nein.&#8220;?<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Oh nein, tut mir leid, aber ich habe keine Zeit.&#8220;<br>&#8222;Ich w\u00fcrde ja wirklich gern, aber ich kann nicht.&#8220;<br>&#8222;Entschuldigung, aber jetzt geht es wirklich nicht.&#8220;<br>Wie oft lassen Sie sich dann doch \u00fcberzeugen?<br>Warum ist ein einfaches Nein so schwierig?<\/p>\n\n\n\n<p>Mir f\u00e4llt das auch schwer, und ich musste da zwei Dinge \u00fcben:<\/p>\n\n\n\n<ol><li>Differenzieren. Manchmal ist es &#8222;Normalerweise mache ich \u2026 oder helfe bei \u2026, aber diesmal nicht, weil\u2026&#8220; und manchmal ist es einfach &#8222;Nein, will ich nicht.&#8220;.<\/li><li>Wirklich Nein sagen. Nicht &#8222;Vielleicht&#8220; oder &#8222;Entschuldigung&#8220;, sondern &#8222;Nein&#8220;.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Je l\u00e4nger ich dar\u00fcber nachdenke und je mehr ich das Differenzieren und das Nein-Sagen \u00fcbe, desto klarer wird mir, dass es wirklich nur um Wollen und Nicht-Wollen geht, und um Klarheit dar\u00fcber. Wenn ich etwas wirklich will, h\u00e4nge ich mich rein. Das kann auch bedeuten, dass ich jemandem helfe, obwohl daf\u00fcr keine Zeit eingeplant war und das Umst\u00e4nde macht. Oder Freizeit kostet. Oder dass ich mich f\u00fcr etwas einsetze, obwohl es viel Arbeit macht oder f\u00fcr Konflikte sorgt. Wenn der Wille also gro\u00df genug ist, dann finde ich einen Weg. Dabei hilft Sturheit! Nicht immer eine angenehme Eigenschaft, aber genau diese Dickk\u00f6pfigkeit sorgt daf\u00fcr, dass ich mehrmals gegen die gleiche Wand laufe und teste, was l\u00e4nger standh\u00e4lt &#8211; die Wand oder mein Kopf. Ich musste eher lernen, rechtzeitig zu merken, wenn ich wirklich nicht weiterkomme und ich mich also verabschieden muss &#8211; von dem, was ich will, oder von dem Weg, den ich eingeschlagen habe. Meine innere Stimme sagt dann immer &#8222;Das muss doch irgendwie gehen!&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>Woran merken Sie, dass Sie etwas wirklich wollen? Was sind Sie dann bereit zu mobilisieren? Wie f\u00fchlt es sich an, sich wirklich einzusetzen?<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht-Wollen ist komplizierter. Um das Nicht-Wollen wirklich zu sp\u00fcren, muss ich mir ja zugestehen, dass meine Meinung bzw. das Gef\u00fchl des Nicht-Wollens \u00fcberhaupt ihre Berechtigung haben. Manchmal wird man auf eine Art und Weise angesprochen oder um einen Gefallen gebeten, die nicht so wirkt, als ob ein Nein akzeptiert w\u00fcrde. Interessanterweise ist dabei egal, ob man eine sehr hilfsbereite Person ist (bei der dann erwartet wird, dass sie immer einspringt und hilft) oder ob man eher die anderen machen l\u00e4sst (und dann ein schlechtes Gewissen bekommen soll, weil man ja sonst nie hilft). Wenn man dann also dem inneren Nicht-Wollen folgt, bef\u00fcrchtet man, die andere Person zu entt\u00e4uschen. Bin ich eine schlechte Kollegin, wenn ich Nein sage? Bin ich eine schlechte Schwester, Freundin, Lernpartnerin, wenn ich Nein sage? Wird die (Arbeits-)Beziehung oder Freundschaft dadurch belastet? Und wenn schon Nein, wie viel Ehrlichkeit vertr\u00e4gt dann die Beziehung? Wird die andere Person akzeptieren, dass ich einfach nicht m\u00f6chte? Wir sagen doch auch deshalb so oft, dass wir keine Zeit haben (oder so), weil das sozialvertr\u00e4glicher ist. Dabei hei\u00dft &#8222;Ich habe keine Zeit.&#8220; doch auch nur, dass wir die Zeit bereits anders verplant haben und unsere Priorit\u00e4ten jetzt nicht \u00e4ndern wollen. Wollen. Ich will nicht (meine Priorit\u00e4ten \u00e4ndern), aber sage stattdessen, dass ich keine Zeit habe (gebe also einen sozial akzeptierten Grund an).<\/p>\n\n\n\n<p>Was davon kommt Ihnen bekannt vor? Wie ehrlich sind Sie sich und anderen gegen\u00fcber, wenn Sie etwas nicht wollen? Wie kommunizieren Sie dann? Haben Sie Angst um die Belastbarkeit von Beziehungen, wenn Sie Nein sagen? Was sagt das \u00fcber diese Beziehungen aus? Akzeptieren Sie, wenn andere etwas nicht wollen? Wie reagieren Sie dann? Was f\u00fcr Reaktionen w\u00fcrden es Ihnen umgekehrt leichter machen, ein Nicht-Wollen ganz simpel und direkt zum Ausdruck zu bringen?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>&#8222;Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg.&#8220;Stimmen Sie dem zu?Wie sieht es mit der Kontraposition aus?&#8222;Wenn da kein Weg ist, dann ist da auch kein Wille.&#8220;Denken Sie auch, dass alles erreichbar oder durchsetzbar ist, wenn man es nur genug will? 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