{"id":298,"date":"2021-03-25T17:46:52","date_gmt":"2021-03-25T16:46:52","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/waldecker\/?p=298"},"modified":"2021-03-25T17:46:53","modified_gmt":"2021-03-25T16:46:53","slug":"if-it-does-not-challenge-you","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/waldecker\/2021\/03\/if-it-does-not-challenge-you\/","title":{"rendered":"If it does not challenge you &#8230;"},"content":{"rendered":"\n<p>\u2026 it does not change you.<\/p>\n\n\n\n<p>Wieder so eine Aussage, von der es viele Variationen gibt: Wenn es mir Angst macht, ist es wahrscheinlich eien gute Idee. Gro\u00dfe Dinge passieren au\u00dferhalb der Komfortzone. Wenn es keine Herausforderung ist, werde ich daran nicht wachsen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin nicht mal sicher, ob ich da \u00fcberall 100% zustimme, aber trotzdem sto\u00dfen Aussagen wie diese bei mir erst mal auf Resonanz. Beim Versuch, den Grund daf\u00fcr zu verstehen, habe ich mich an verschiedene Situationen erinnert, bei denen ich eine Entscheidung treffen musste und es etwas gab, was mir Angst gemacht hat. Nicht Angst im Sinne von &#8222;Angst um mein Leben&#8220;, sondern Angst vor einer gro\u00dfen Ver\u00e4nderung, vor \u00dcberforderung, vor dem Scheitern.<\/p>\n\n\n\n<p>Inwiefern stimmen Sie den Aussagen oben zu? F\u00fchlt sich das f\u00fcr Sie wahr an? Wann haben Sie zuletzt etwas getan, was Ihnen etwas Angst gemacht hat? Warum haben Sie es trotzdem getan? War die Entscheidung im nachhinein gut? Oder vermeiden Sie grunds\u00e4tzlich alles, was Ihnen Angst machen k\u00f6nnte?<\/p>\n\n\n\n<p>Beim Nachdenken entstand die Frage, um welche Art von Angst es \u00fcberhaupt geht und ob dieses kleine Gef\u00fchl von &#8222;Oha, worauf habe ich mich da eingelassen?&#8220; vielleicht sogar n\u00f6tig ist, damit wir \u00fcberhaupt merken k\u00f6nnen, wo unsere Komfortzone verl\u00e4uft. Dabei unterscheide ich auch zwischen Angst in einer konkreten Situation (z.B. Lampenfieber vor der ersten Vorlesung vor einem neuen Ersti-Jahrgang) und der Angst vor etwas, also der Bef\u00fcrchtung, dass etwas passieren k\u00f6nnte. Da spielt sich alles im Kopf ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Warum habe ich zugesagt, diese Rede zu halten? Ich hab sowas doch noch nie gemacht! Was, wenn mir vor Aufregung die Stimme wegbleibt oder ich pl\u00f6tzlich Schluckauf bekomme? Was, wenn die Leute meine Witze nicht lustig finden oder den Inhalt der Rede belanglos?<\/p>\n\n\n\n<p>Was passiert, wenn ich auf dieser gro\u00dfen Konferenz vortrage und dann ganz viele kluge Nachfragen kommen, die ich nicht beantworten kann? Stehe ich dann als inkompetent da?<\/p>\n\n\n\n<p>Was, wenn ich im Vorstellungsgespr\u00e4ch den Faden verliere, mich im Ton vergreife, unsicher wirke, naheliegende Fragen nicht beantworten kann?<\/p>\n\n\n\n<p>Was, wenn ich in der Betreuung inkompetent bin und deshalb jemand seine Abschlussarbeit nicht schafft?<\/p>\n\n\n\n<p>Was, wenn ich einen Job im Ausland annehme und ich mich da ganz allein nicht zurechtfinde? Wenn ich einsam bin oder mich fremd f\u00fchle? Wenn ich den Anforderungen an den Job nicht gewachsen bin?<\/p>\n\n\n\n<p>Kommen solche Gedanken Ihnen bekannt vor?<\/p>\n\n\n\n<p>Vor Jahren hatte ich mal ein langes Gespr\u00e4ch mit einer \u00e4lteren Kollegin, das ich diesbez\u00fcglich sehr erhellend fand. Es ging darum, eine an mich herangetragene Aufgabe anzunehmen oder abzulehnen, und dazu habe ich sie um Rat gefragt. Ich f\u00fchlte mich noch zu jung, nicht erfahren und kompetent genug. Mein inneres Selbstgespr\u00e4ch war also ganz klar negativ. Sie hingegen fand die Aufgabe spannend und hat mir ganz lebhaft ausgemalt, was ich f\u00fcr M\u00f6glichkeiten h\u00e4tte und was ich alles lernen w\u00fcrde. Sie fand es aufregend und hat mir dazu geraten, Ja zu sagen. Am meisten hat mich dran verbl\u00fcfft, wie sehr sich ihre Sichtweise von meiner unterschied. Sie hat mir auch von eigenen Erfahrungen berichtet und davon, wie sie solche Entscheidungen normalerweise trifft. F\u00fcr ein Ja war es dann oft ausreichend, dass die Aufgabe interessant war, eine neue Herausforderung, dass sie dort Gestaltungsspielraum gesehen hat. Alles das, was bei mir Angst und Sorge vor \u00dcberforderung ausgel\u00f6st hat, war bei ihr eine spannende Herausforderung und eine Gelegenheit, sich weiterzuentwickeln und zu wachsen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin damals ihrem Rat nicht gefolgt und habe trotzdem Nein gesagt, weil mein Bauchgef\u00fchl sehr klar bei &#8222;Nein&#8220; war. Aber diese Unterhaltung hat mich sehr beeindruckt und hat daf\u00fcr gesorgt, dass ich bei \u00e4hnlichen Gelegenheiten jetzt anders nachdenke. Ich h\u00f6re meinem inneren Dialog zwar zu und lasse die Angst zur Sprache kommen, aber ich denke jetzt viel st\u00e4rker dar\u00fcber nach, warum die Aufgabe spannend w\u00e4re, was ich lernen w\u00fcrde, und warum es sich lohnen w\u00fcrde, Ja zu sagen oder mitzumachen. Au\u00dferdem differenziere ich st\u00e4rker, worauf die Angst sich eigentlich bezieht. Angst davor, zu versagen? Oder keine Zeit mehr f\u00fcr andere Dinge zu haben?<\/p>\n\n\n\n<p>Seit diesem Gespr\u00e4ch ist viel Zeit vergangen und ich stand schon mehrmals wieder vor \u00e4hnlichen Entscheidungen. Manchmal war das Bauchgef\u00fchl ganz klar &#8222;Nein&#8220;, gut begr\u00fcndet, und dann bin ich dem gefolgt. Manchmal kam sofort ein klares &#8222;Ja&#8220;. Und immer wieder passiert es, dass die Lage nicht so klar ist und ein innerer Dialog anf\u00e4ngt, wo es um Angst vor \u00dcberforderung geht. Dann \u00fcbe ich (immer noch!), mir folgende Fragen zu stellen: Was genau macht mir Angst? Habe ich die n\u00f6tige Erfahrung und Kompetenz? Falls nicht, kann ich sie erwerben? Was davon ist wirklich n\u00f6tig? Mache ich mir da unn\u00f6tig Sorgen, k\u00f6nnte ich in die Aufgabe hineinwachsen? Wie w\u00e4re es ohne die Angst? Ist die Aufgabe an sich spannend? Was w\u00fcrde ich lernen? Passt die Aufgabe zu meinen Priorit\u00e4ten? Wenn ja, dann sage ich inzwischen immer \u00f6fter &#8222;Ja&#8220; und vertraue darauf, dass ich mit der Herausforderung wachse. Und das hat zu wirklich tollen neuen Projekten und Kontakten gef\u00fchrt. Wenn ich die Angst so behandle, dann hilft sie mir, nicht blau\u00e4ugig zu sein und die neue Herausforderung ernst zu nehmen. Sie erinnert mich daran, dass ich inhaltlich gut vorbereitet sein muss.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Ende ist es also weniger &#8222;Das macht mir Angst, also lasse ich es lieber.&#8220; und mehr &#8222;Es klingt spannend und macht mir ein bisschen Angst, also ist es eine gute Idee!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>So, und jetzt sind Sie dran! Was macht Ihnen Angst? An welchen Herausforderungen wachsen Sie?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u2026 it does not change you. Wieder so eine Aussage, von der es viele Variationen gibt: Wenn es mir Angst macht, ist es wahrscheinlich eien gute Idee. Gro\u00dfe Dinge passieren au\u00dferhalb der Komfortzone. Wenn es keine Herausforderung ist, werde ich daran nicht wachsen. 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