{"id":305,"date":"2021-04-08T14:20:11","date_gmt":"2021-04-08T12:20:11","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/waldecker\/?p=305"},"modified":"2021-04-08T14:20:13","modified_gmt":"2021-04-08T12:20:13","slug":"rituale","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/waldecker\/2021\/04\/rituale\/","title":{"rendered":"Rituale"},"content":{"rendered":"\n<p>Welche Rituale haben Sie?<br>T\u00e4glich, jede Woche, jedes Jahr? Allein?<br>Oder mit jemandem?<br>Freund:innen, Familie, Lebenspartner:in?<br>Sind Rituale und Gewohnheiten f\u00fcr Sie dasselbe?<br>Welche Rituale sind schon so alt, dass Sie sich gar nicht mehr daran erinnern, wie sie entstanden sind?<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe beim Nachdenken festgestellt, dass ich viele Gewohnheiten habe, die als Rituale angefangen haben. Ein Ritual ist dabei f\u00fcr mich eine T\u00e4tigkeit, die mit einer Bedeutung versehen ist, die \u00fcber die eigentliche T\u00e4tigkeit hinausgeht. Deswegen ist z.B. Z\u00e4hneputzen kein Ritual, sondern einfach eine Angwohnheit. Manches liegt irgendwo dazwischen. Eins meiner Lieblingsbeispiele ist mein Sport- und Yogaprogramm, speziell die Liegest\u00fctze. Bevor ich aber mit den Liegest\u00fctzen anfange: Das t\u00e4gliche Yoga ist tats\u00e4chlich keine Gewohnheit, sondern ein Ritual. Jedes Mal, wenn ich auf die Matte gehe, feiere ich es f\u00fcr einen kleinen Moment ganz bewusst, dass ich mir jetzt Zeit f\u00fcr mich selbst nehme und in einen freundlichen inneren Dialog trete. Anders als bei Kraft\u00fcbungen geht es nicht um &#8222;push and work harder&#8220;, sondern um &#8222;find your edge and be kind to yourself&#8220;.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt kommen aber die Liegest\u00fctze. Die sind spannend, weil ich durch sie so viel \u00fcber mich gelernt habe. Vor \u00fcber zwei Jahren habe ich damit angefangen, jeden Tag Liegest\u00fctze zu machen. Dabei war das Ziel, insgesamt 10 tiefe Liegest\u00fctze in guter Form zu machen, nacheinander, ohne Pause. Das hat zu Beginn nicht geklappt, also habe ich mich langsam vorgearbeitet und habe einfach nur jeden Tag 10 St\u00fcck gemacht. Jeden Tag gab es eine Strichliste. Mal zwei nacheinander, mal drei. Ich habe die Liegest\u00fctze sehr bewusst gemacht und jeden Tag innerlich ein bisschen gefeiert, denn es ging um mehr als die Liegest\u00fctze. Es ging um eine kleine Aufgabe, eine kleine Herausforderung, bei der ich dranbleiben und jeden Tag etwas besser werden wollte. Insofern war das eher ein Ritual als einfach nur eine Gewohnheit &#8211; diese wenigen Liegest\u00fctze waren mit Bedeutung aufgeladen und ich war sehr stolz darauf, dass die Liste an Tagen mit 10 Liegest\u00fctzen immer l\u00e4nger wurde, ohne Unterbrechung. Mit der Zeit konnte ich immer mehr nacheinander machen, so dass langsam eine Gewohnheit daraus wurde: jeden Tag zwei Mal f\u00fcnf St\u00fcck. Ich habe keine Strichliste mehr gef\u00fchrt, aber irgendwann geschaut, ob noch Luft nach oben ist. Schaffe ich zwei Mal sechs? Oder drei Mal f\u00fcnf? Oder einfach zehn am St\u00fcck? <\/p>\n\n\n\n<p>Es ging also um mehr, es war eben doch keine Angewohnheit wie Z\u00e4hneputzen. Im Gegenteil: Mit den Variationen und der &#8222;Luft nach oben&#8220; \u00fcberwog wieder der Ritualcharakter, denn es ging darum, das alte Ziel durch ein neues zu ersetzen und dabei nicht zu schnell zu ehrgeizig zu werden. Zum Vergleich: Ich hatte vor Jahren mal ein Sportprogramm, in dem insgesamt 90 Liegest\u00fctze vorkamen. Dahin komme ich so schnell nicht wieder, und wenn die Ziele sich zu schnell ver\u00e4ndern, w\u00e4chst die Gefahr, unterwegs aufzugeben. Also kam als n\u00e4chstes Zwischenziel 15. Zuerst regelm\u00e4\u00dfig drei Mal f\u00fcnf, dann irgendwann 15 am St\u00fcck.<\/p>\n\n\n\n<p>Inzwischen sind es 20 am St\u00fcck. Jeden Tag. Manchmal mache ich ein Ganzk\u00f6rpertraining, in dem Liegest\u00fctze vorkommen, und dann sind es auch mal 30 oder 50. Vor allem aber spiele ich mit Varianten und damit, wie viel Luft nach oben ist. 25 St\u00fcck? Beim Schreiben merke ich, dass die Liegest\u00fctze sich wie eine nicht-verhandelbare Gewohnheit anf\u00fchlen, dass sie einfach jeden Tag dazugeh\u00f6ren und dass sie immer noch ein wenig Ritualcharakter haben. Denn sie bedeuten f\u00fcr mich mehr als k\u00f6rperliches Training. Sie sind der Beweis daf\u00fcr, dass kleine t\u00e4gliche Trainingsziele \u00fcber die Zeit einen gro\u00dfen Effekt bewirken. Kleine Rituale entfalten gro\u00dfe Wirkung, einfach durch Akkumulation.<\/p>\n\n\n\n<p>Deswegen fordere ich Sie auf, Ihre Gewohnheiten zu hinterfragen daraufhin, welchen langfristigen Effekt sie haben. In welche Richtung bewegen Sie sich? Mit kleinen Schritten kommen Sie auch vom Fleck, wenn auch langsam. Wo stimmt die Richtung? Wo nicht?<br>Welche Angewohnheiten m\u00f6chten Sie \u00e4ndern?<br>Welche Gewohnheiten sind eher Rituale?<br>Woher kommt die zus\u00e4tzliche Bedeutung?<br>Werden Sie durch Ihre Gewohnheiten immer mehr zu der Person, die Sie sein wollen?<br>Oder entfernen Sie sich von ihr?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Welche Rituale haben Sie?T\u00e4glich, jede Woche, jedes Jahr? Allein?Oder mit jemandem?Freund:innen, Familie, Lebenspartner:in?Sind Rituale und Gewohnheiten f\u00fcr Sie dasselbe?Welche Rituale sind schon so alt, dass Sie sich gar nicht mehr daran erinnern, wie sie entstanden sind? Ich habe beim Nachdenken festgestellt, dass ich viele Gewohnheiten habe, die als Rituale angefangen haben. 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