{"id":342,"date":"2021-06-28T19:22:42","date_gmt":"2021-06-28T17:22:42","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/waldecker\/?p=342"},"modified":"2021-06-28T19:22:43","modified_gmt":"2021-06-28T17:22:43","slug":"ueber-gruebeln-und-nachdenken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/waldecker\/2021\/06\/ueber-gruebeln-und-nachdenken\/","title":{"rendered":"\u00dcber Gr\u00fcbeln und Nachdenken"},"content":{"rendered":"\n<p>Balbina singt \u00fcber das Gr\u00fcbeln. In einem Interview 2015 sagte sie: &#8222;Ich gr\u00fcbel st\u00e4ndig. Gr\u00fcbeln ist f\u00fcr mich der Superlativ von Nachdenken. Ich h\u00f6re gar nicht erst damit auf. Ich analysiere meine Umgebung am laufenden Band.&#8220; <\/p>\n\n\n\n<p>Ist Gr\u00fcbeln wirklich eine Steigerung oder sogar der Superlativ von Nachdenken? Was ist der Unterschied? Ist es Gr\u00fcbeln, wenn man die ganze Zeit die Umgebung (oder auch sich selbst) analysiert, wenn da quasi st\u00e4ndig so eine Spur mitl\u00e4uft und man innerlich Dinge festh\u00e4lt, einordnet, bewertet, kommentiert? Mein Empfinden ist da anders. Oder zumindest die Wortwahl. Was Balbina beschreibt, kenne ich auch: Mein Gehirn muss so  richtig was zu tun haben oder ich muss in einer Art Flow- oder Meditationszustand sein, damit nicht die ganze Zeit so eine Analysespur mitl\u00e4uft. Allerdings ordne ich das nicht als Gr\u00fcbeln ein, sondern als Nachdenken. Wie bei Nina Kunz. &#8222;Ich denk, ich denk zu viel.&#8220; Vielleicht nicht zu viel, aber viel. Dieses Nachdenken passiert einfach und liefert auch durchaus Ergebnisse, Zwischenberichte, und es entstehen am laufenden Band Fragen. Manchmal wird das Wort &#8222;Gr\u00fcbeln&#8220; auch f\u00fcr sehr tiefes angestrengtes Nachdenken benutzt, aber so verwende ich das Wort innerlich nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Gr\u00fcbeln f\u00fchlt sich f\u00fcr mich anders an. Dabei f\u00fchren die Fragen nicht wirklich weiter, oder es geht um Dinge, die l\u00e4ngst vorbei und nicht mehr zu \u00e4ndern sind, bei denen es auch keine neuen Informationen gibt. Denken ohne Erkenntnisgewinn. Es wiederholt sich, wie bei einer besch\u00e4digten Schallplatte, die in Endlosschleife vor sich hindudelt und von allein nicht wieder aufh\u00f6rt. Ich habe ge\u00fcbt, zu merken, wenn ich gr\u00fcble, oder zumindest einen &#8222;Gr\u00fcbeltest&#8220; zu machen. Was ist das Thema? Geht es um diffuse Sorgen, \u00c4ngste, Unsicherheit? Geht es um l\u00e4ngst Vergangenes, nach dem Motto &#8222;Wieso habe ich (nicht) ..?&#8220; oder &#8222;Warum ist \u2026. so und so passiert?&#8220;? Das ist bei mir oft ein Indikator f\u00fcr Gr\u00fcbeln. Aber zur Sicherheit kommen noch mehr Tests: Stelle ich mir neue Fragen oder alte, immer die gleichen? Suche ich nach Erkenntnissen, m\u00f6chte ich etwas neu verstehen und daraus lernen? Falls ja, dann ist es vielleicht kein Gr\u00fcbeln, sondern es k\u00f6nnten neue Einsichten und Lernprozesse herauskommmen. Ich merke das daran, dass sich etwas l\u00f6st, dass ich das Gef\u00fchl habe, wirklich etwas anders oder besser zu verstehen. Beim richtigen Gr\u00fcbeln passiert das nicht, sondern da geht etwas in Dauerschleife, macht sich selbstst\u00e4ndig, zieht mich emotional runter und es ist sehr anstrengend, das wieder loszulassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Und genau wie man bei Meditieren \u00fcben muss, immer wieder innezuhalten, Gedanken gehen zu lassen und die Pausen zwischen den Gedanken l\u00e4nger werden zu lassen, \u00fcbe ich auch beim Nachdenken, innezuhalten und mal kurz nachzugucken, ob sich das eher nach Nachdenken anf\u00fchlt oder nach Gr\u00fcbeln. Wenn ich mich beim Gr\u00fcbeln ertappe, dann sage ich mir innerlich ganz bewusst &#8222;Stop&#8220;. Noch bin ich auf der Suche nach S\u00e4tzen, die das Gr\u00fcbeln wirklich stoppen, nach dem Motto &#8222;Das f\u00fchrt jetzt nicht weiter&#8220;. Je nach Situation hilft so etwas wie &#8222;Das ist lange her, ich kann da nichts mehr machen.&#8220; oder &#8222;Schon gut, ich habe meine Lektion gelernt.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ich merke, dass es eher produktives Nachdenken ist oder zumindest in einer Grauzone, dann geht es halt weiter. Nach- und Mitdenken ist ja gut und wichtig! Ich habe \u00fcbrigens die Gelegenheit genutzt, mal wieder zu gucken, was denn der Duden zum Thema &#8222;Gr\u00fcbeln&#8220; sagt: &#8222;seinen oft qu\u00e4lenden, unn\u00fctzen oder fruchtlosen Gedanken nachh\u00e4ngen; \u00fcber eine Sache nachsinnen, um zu einer L\u00f6sung oder Kl\u00e4rung zu kommen&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Ich verwende &#8222;Gr\u00fcbeln&#8220; f\u00fcr das erste und &#8222;Nachdenken&#8220; f\u00fcr das zweite.<br>Wie ist das bei Ihnen?<br>Neigen Sie zum Gr\u00fcbeln?<br>Sorgen, \u00c4ngste, Unsicherheit,<br>Besch\u00e4ftigung mit l\u00e4ngst Vergangenem?<br>Empfinden Sie das als belastend?<br>Ertappen Sie sich dabei, und falls ja: K\u00f6nnen Sie dann damit aufh\u00f6ren?<br>Wo verl\u00e4uft die Grenze zwischen Nachdenken und Gr\u00fcbeln?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Balbina singt \u00fcber das Gr\u00fcbeln. In einem Interview 2015 sagte sie: &#8222;Ich gr\u00fcbel st\u00e4ndig. 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