{"id":37,"date":"2019-11-08T09:21:52","date_gmt":"2019-11-08T08:21:52","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/waldecker\/?p=37"},"modified":"2019-11-08T09:22:07","modified_gmt":"2019-11-08T08:22:07","slug":"wie-wir-lernen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/waldecker\/2019\/11\/wie-wir-lernen\/","title":{"rendered":"Wie wir lernen"},"content":{"rendered":"<p>Es ist Freitag fr\u00fch und mir ist etwas im Kopf geblieben aus der Vorlesung gestern. Da wurde um ein Bild gebeten und ich habe spontan eins gemalt, nur um w\u00e4hrenddessen st\u00e4ndig zu denken &#8222;Hm, das passt nicht, und so w\u00e4re es eigentlich besser, und erzeuge ich so nicht eine v\u00f6llig falsche Vorstellung?&#8220; Dann habe ich nachgedacht: Was sollen Bilder in der Vorlesung, wie reagiere ich auf solche Fragen? Manchmal sagt ein Bild wirklich mehr als 1000 Worte, aber es gibt auch Bilder, die verwirren oder eine falsche Vorstellung vermitteln. Was nun?<\/p>\n<p>1. Keine Bilder in der Vorlesung. Ist auch irgendwie doof.<\/p>\n<p>2. Nur vorbereitete Bilder malen. Naja. Bisschen Spontanit\u00e4t in der Vorlesung ist doch auch ganz sch\u00f6n, oder?<\/p>\n<p>3. Spontan malen, aber dabei thematisieren, dass es spontan ist und vielleicht kein gutes Bild. Das mache ich \u00f6fter mal und denke dann das, was oben steht. So oder so \u00e4hnlich.<\/p>\n<p>4. Spontan malen, sicher sein, dass das gut ist, und nicht dr\u00fcber nachdenken. Ist f\u00fcr mich leider keine Option.<\/p>\n<p>Aber das Thema f\u00fchrte mich dann weiter und deshalb hei\u00dft dieser Beitrag nicht &#8222;Bilder&#8220;.\u00a0 Ich mag Bilder und Skizzen in Kombination mit Notizen. Wenn ich schreibe (viel und gern), dann gibt es Boxen, Wolken, eingekringeltes Zeug, Pfeile, Listen etc. (allerdings keine Farbe, hm). W\u00e4ren Beweise besser verst\u00e4ndlich, wenn ich sie nicht so ordentlich anschreiben w\u00fcrde, sondern mit Boxen und Kringeln und Pfeilen? Was passt zum Denkprozess?<\/p>\n<p>Und jetzt geht es los: Um mich geht es nicht, sondern um 90 Studis im H\u00f6rsaal (und noch ein paar zuhause auf dem Sofa, die das Video gucken).<\/p>\n<p>Also 100 oder 120 Leute mit ihrem eigenen Denkprozess. Manche m\u00f6gen Bilder, manche nicht. Boxen und Pfeile an der Tafel? Farbe? Merks\u00e4tze? Sagen wir es gemeinsam? Selbst sprechen, Fragen stellen? Zuh\u00f6ren oder mitschreiben? Nur mitlesen?<\/p>\n<p>Wenn mitschreiben, zuh\u00f6ren und mitdenken zu viel ist (und f\u00fcr die allermeisten Studis ist das zu viel!), dann brauchen Sie einen Plan. Was k\u00f6nnen Sie am besten live in der Vorlesung mitnehmen und was kann auch nachgearbeitet werden? Ich skizziere mal Beispiele.<\/p>\n<p>&#8222;Ich schreibe&#8220;: Die Vorlesung ist nur dazu da, von der Tafel abzuschreiben. Es geht nur um die ordentlichen Notizen, und alles, was sonst so passiert, wird mit Video\/Audio nachgearbeitet und ggf. per Anmerkung erg\u00e4nzt. Daf\u00fcr kann man in der Mitschrift Platz lassen und zum Beispiel mit verschiedenen Farben arbeiten.<\/p>\n<p>&#8222;Ich h\u00f6re&#8220;: Die Vorlesung ist dazu da, zuzuh\u00f6ren und mitzudenken. Ein paar Notizen, sonst nur Konzentration auf&#8217;s Zuh\u00f6ren. Gibt Dateien im StudIP und Video f\u00fcr den Tafelanschrieb. So k\u00f6nnen Sie das, was Ihnen beim Zuh\u00f6ren besonders aufgefallen ist (&#8222;Das sagt sie jetzt zum f\u00fcnften Mal, ist wohl wichtig.&#8220;), mit dem Tafelanschrieb kombinieren.<\/p>\n<p>&#8222;Ich male&#8220;: W\u00e4hrend der Vorlesung entsteht eine Art Mindmap der Vorlesung. Sie schreiben also Teile mit, aber nicht als Mitschrift, sondern wie ein gro\u00dfes Bild, in dem die wichtigen Definitionen und S\u00e4tze optisch passend zu ihrer Bedeutung platziert werden und durch Skizzen unterst\u00fctzt wird, was wie zusammenh\u00e4ngt. Beweise etc. k\u00f6nnen nachgearbeitet werden.<\/p>\n<p>Na, ist da was f\u00fcr Sie dabei? Eine gute Vorlesungsmitschrift entsteht normalerweise in mehreren Schichten und h\u00e4ngt in der finalen Optik sehr davon ab, was Sie f\u00fcr ein Lerntyp sind.<\/p>\n<p>Ich war \u00fcbrigens als Studentin total langweilig, hab immer einfach alles ganz schnell mitgeschrieben und mir keine Gedanken dar\u00fcber gemacht, ob ein anderer Arbeitsstil vielleicht besser w\u00e4re. Zu ein paar Pr\u00fcfungen sind Mindmaps entstanden (die ich heute ganz anders machen w\u00fcrde). Jedenfalls viel Handarbeit, viel Papier, alles muss irgendwie geschrieben durch meine H\u00e4nde flie\u00dfen. Sonst kommt es nicht im Gehirn an. Das ist auch jetzt noch so, wenn ich forsche, Vorlesungen schreibe oder \u00dcbungsaufgaben bastle. Sogar die Podcastfolgen sind mit handschriftlichen Anmerkungen vorbereitet (und dazwischen improvisiert) und ich schreibe st\u00e4ndig Notizen zu irgendwas auf. Am besten h\u00f6re ich mit einem Stift in der Hand zu.<\/p>\n<p>Und Sie?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist Freitag fr\u00fch und mir ist etwas im Kopf geblieben aus der Vorlesung gestern. 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