{"id":419,"date":"2022-01-31T17:56:28","date_gmt":"2022-01-31T16:56:28","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/waldecker\/?p=419"},"modified":"2022-01-31T17:56:29","modified_gmt":"2022-01-31T16:56:29","slug":"begrenzung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/waldecker\/2022\/01\/begrenzung\/","title":{"rendered":"Begrenzung"},"content":{"rendered":"\n<p>Zwei Schwimmbecken, etwa gleich gro\u00df. Das eine hat mehrere Abgrenzungen, die das Becken in einen recht gro\u00dfen Bereich und mehrere Bahnen unterteilen. In jeder Bahn k\u00f6nnen zwei Leute nebeneinander schwimmen, und eine ist speziell f\u00fcr sportlich schwimmende Leute gekennzeichnet. Das andere Becken hat keine solchen Abgrenzungen. Es ist einfach ein gro\u00dfes Becken. Manche schwimmen lieber am Rand, manche in der Mitte, manche schnell, manche langsam, manche quatschen die H\u00e4lfte der Zeit. Die meisten schwimmen in einer Bahn hin und her, jedenfalls ungef\u00e4hr, man arrangiert sich irgendwie. Ab und zu kommt jemand und pfl\u00fcgt sich kraulend zwischen den anderen durch&#8217;s Wasser. Mehr oder weniger r\u00fccksichtsvoll.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Becken ohne Abgrenzungen f\u00fchle ich mich weniger wohl, werde \u00f6fter getreten oder bekomme literweise Wasser ins Gesicht gespritzt. Obwohl da viel weniger Leute schwimmen. Die unklaren Bahnen, das Bestehen auf der eigenen Bahn, auf der man hin- und herschwimmt und die man eher nicht teilt, und die einzelnen Leute, die auftauchen, wenn man sich halbwegs arrangiert hat und die dann mitten durch uns alle ihre Bahnen kraulen, stressen mich. W\u00e4hrend ich auf der einen Seite der quatschenden Vierergruppe ausweiche, werde ich auf der anderen Seite getreten.<\/p>\n\n\n\n<p>Das passiert im Becken mit den Abgrenzungen fast nie, obwohl da insgesamt viel mehr Leute schwimmen. Mit den Abgrenzungen kommen ungeschriebene Regeln: Man schwimmt auf der einen Seite hin, auf der anderen zur\u00fcck, man weicht ein wenig aus und macht so pro Bahn locker f\u00fcr drei, vier, f\u00fcnf Leute Platz. Beim sturen Hin- und Herschwimmen w\u00e4ren es nur zwei. Man kennt irgendwann die Leute, wei\u00df etwa, wer ein \u00e4hnliches Schwimmtempo hat, wo mal Leute zum Quatschen Pause machen,ab welchem Tempo man sich auf die sportliche Bahn traut. Im gr\u00f6\u00dferen Bereich, ohne Unterteilung, wird gequatscht und irgendwie zuf\u00e4llig herumgeschwommen, st\u00e4ndig muss man jemandem ausweichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Inzwischen gehe ich viel lieber in die Halle mit den Abtrennungen. Sogar dann, wenn es etwas voller ist. Ich suche mir eine Bahn mit ein paar Leuten, die \u00e4hnlich schnell schwimmen wie ich, und dann l\u00e4uft das schon. Die Regeln sind klar, wir nehmen R\u00fccksicht. Die Begrenzung f\u00fchlt sich gut an. Ich f\u00fchle mich freier, muss weniger ungeordnet ausweichen, kann mich mehr auf das Schwimmen selbst konzentrieren. Es ist unintuitiv, aber die Abgrenzung schafft mehr Freiheit.<\/p>\n\n\n\n<p>Ist es unintuitiv?<br>Manche der gro\u00dfartigsten k\u00fcnstlerischen Momente, die ich erleben durfte (selbst oder als Zuschauerin), entstanden unter Einschr\u00e4nkungen.<br>Eine Verletzung, ein eingeschr\u00e4nkter K\u00f6rper.<br>Eine klemmende Taste am Fl\u00fcgel.<br>Eine winzige B\u00fchne.<\/p>\n\n\n\n<p>Freiheit ist nicht unbedingt die Abwesenheit von Regeln. Und die gr\u00f6\u00dfte Kreativit\u00e4t entsteht nicht unbedingt dann, wenn man gar keine Vorgaben macht.<br>Oder?<br>Was denken Sie?<br>In welchem Schwimmbecken w\u00fcrden Sie sich wohler f\u00fchlen?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zwei Schwimmbecken, etwa gleich gro\u00df. Das eine hat mehrere Abgrenzungen, die das Becken in einen recht gro\u00dfen Bereich und mehrere Bahnen unterteilen. 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