{"id":446,"date":"2022-06-23T09:31:40","date_gmt":"2022-06-23T07:31:40","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/waldecker\/?p=446"},"modified":"2022-07-01T10:44:59","modified_gmt":"2022-07-01T08:44:59","slug":"awkward-brave-and-kind","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/waldecker\/2022\/06\/awkward-brave-and-kind\/","title":{"rendered":"Awkward, brave and kind"},"content":{"rendered":"\n<p>Ich habe Bren\u00e9 Brown durch ihre B\u00fccher kennengelernt und h\u00f6re auch manchmal ihren <a href=\"https:\/\/brenebrown.com\/podcasts\/\">Podcast<\/a>. Am Ende einiger Episoden ermutigt sie uns, &#8222;awkward, brave and kind&#8220; zu sein, und das spricht mich total an.<\/p>\n\n\n\n<p>Beginnen wir also mit Assoziationen: Woran denken Sie bei diesen W\u00f6rtern? Oder bei deutschen W\u00f6rtern mit \u00e4hnlicher Bedeutung, etwa &#8222;merkw\u00fcrdig, mutig und freundlich&#8220;?<\/p>\n\n\n\n<p>W\u00f6rter wie &#8222;awkward&#8220; oder &#8222;weird&#8220; mag ich schon immer gern, und sie haben in der deutschen Sprache keine wirkliche Entsprechung. Es ist eben nicht nur &#8222;seltsam&#8220;, &#8222;eigenartig&#8220; oder &#8222;merkw\u00fcrdig&#8220;, sondern da schwingt nach meinem Gef\u00fchl eine Unsicherheit oder Unbeholfenheit im Sozialverhalten mit. Das kann befremdlich sein, aber auch sympathisch, und wenn wir einen Moment Luft lassen zwischen Beobachtung und Bewertung, dann ist seltsames Sozialverhalten, bei uns oder bei anderen, eine Einladung, in Frage zu stellen, was wir eigentlich als &#8222;normales Sozialverhalten&#8220; ansehen. Das ist n\u00e4mlich oft ziemlich seltsam.  Bei einigen gesellschaftlichen Gepflogenheiten im Umgang miteinander finde ich die Frage berechtig, warum wir eigentlich das eine als normal und angemessen auffassen und das andere als &#8222;awkward&#8220;. Ich m\u00f6chte Sie einladen, sich selbst und Ihr Umfeld aufmerksam zu beobachten und &#8222;seltsames&#8220; Verhalten wahrzunehmen. Lassen Sie einen Moment Luft, machen Sie bewusst eine Pause zwischen Beobachtung und Bewertung, denn dann k\u00f6nnen Sie unbefangener nachdenken und vielleicht eigene Vorurteile aufdecken und \u00fcberdenken.<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Brave&#8220; ist viel einfacher, dazu fallen mir &#8222;mutig&#8220; oder &#8222;tapfer&#8220; ein. Was f\u00fcr Assoziationen haben Sie dazu<code>?<\/code> Wo f\u00fchlen Sie sich mutig, wo nicht? Woran liegt das? Wo oder wann w\u00e4ren Sie gern mutiger? Wo ist nach Ihrer Wahrnehmung der Unterschied zwischen &#8222;mutig&#8220; und &#8222;tapfer&#8220;? Wo liegt die Abgrenzung zum Leichtsinn oder \u00dcbermut, zum fahrl\u00e4ssigen Umgang mit der eigenen Gesundheit oder auch den Mitmenschen?<\/p>\n\n\n\n<p>&#8222;Kind&#8220; ist auch so ein Wort, bei dem die \u00dcbersetzung nach meinem Gef\u00fchl nicht alles einf\u00e4ngt. &#8222;Freundlich&#8220; ist zwar sch\u00f6n, aber bei &#8222;kind&#8220; schwingt f\u00fcr mich eine gewisse Ruhe und Sanftheit mit, Offenheit, Geduld, Mitgef\u00fchl. Freundlich zu sich selbst zu sein ist gut, f\u00e4ngt f\u00fcr mich aber zu wenig ein, dass es um Akzeptanz geht, um Geduld. Wieder geht es um die Pause zwischen Beobachtung und Beurteilung und die Frage: Was passiert in dieser Pause?  Kann ich das, was ich an mir oder anderen beobachte, mit einer gewissen Ruhe, Freundlichkeit und Sanftheit stehenlassen und eine winzige Pause machen, bevor ich beurteile oder reagiere? Ich \u00fcbe das momentan und finde es in vielen Situationen sehr schwierig, diese Pausen zu machen und eben nicht immer gleich einzuordnen, zu analysieren, zu antworten, nachzufragen, zu beurteilen, zu mutma\u00dfen,&#8230;.  Was haben Sie dazu f\u00fcr Assoziationen? Sind sie tendenziell freundlich zu sich selbst und zu anderen? F\u00e4llt es Ihnen schwer, zu sich selbst freundlich, offen und nachsichtig zu sein? Gibt es einen Raum zwischen der Wahrnehmung, wie es Ihnen geht, und einer Beurteilung oder Reaktion? <\/p>\n\n\n\n<p>Die Kombination der W\u00f6rter spricht mich wahrscheinlich deshalb so an, weil die Eigenschaften im Zusammenspiel so spannend sind und, nach meinem Empfinden, sich gegenseitig noch aufwerten. Ich f\u00fchle mich oft in sozialen Situationen unsicher und unbeholfen und habe ge\u00fcbt, das zu verstecken und mir gewisse Verhaltensmuster anzutrainieren. Warum eigentlich? Inzwischen versuche ich, zu sp\u00fcren, wann ich aus Respekt vor dem Rahmen, meiner Rolle und anderen Personen sozialen Erwartungen gen\u00fcgen m\u00f6chte und wo es vielleicht absolut ok ist, ein bisschen anzuecken und Menschen zu irritieren. Die eigene Unbeholfenheit zu zeigen, erfordert etwas Mut und gleichzeitig Freundlichkeit und Geduld mit mir selbst und anderen, weil ich dann eben auch mit dem Echo leben muss. Wenn ich mir w\u00fcnsche, dass ich mit meinem sozial unbeholfenen Verhalten akzeptiert werde, m\u00f6chte ich die Irritation der anderen aushalten und freundlich darauf reagieren. Oft sehe ich Erleichterung in den Gesichtern anderer, denen es \u00e4hnlich geht und die dann merken, dass sie nicht allein sind. Lasst uns gemeinsam seltsam sein! <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe Bren\u00e9 Brown durch ihre B\u00fccher kennengelernt und h\u00f6re auch manchmal ihren Podcast. 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