{"id":516,"date":"2023-03-02T12:04:38","date_gmt":"2023-03-02T11:04:38","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/waldecker\/?p=516"},"modified":"2023-03-02T12:04:51","modified_gmt":"2023-03-02T11:04:51","slug":"ueber-angebot-nachfrage-und-undank","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/waldecker\/2023\/03\/ueber-angebot-nachfrage-und-undank\/","title":{"rendered":"\u00dcber Angebot, Nachfrage und Undank"},"content":{"rendered":"\n<p>Starten wir mit ein paar Gedankenexperimenten, teils basierend auf wahren Begebenheiten.<\/p>\n\n\n\n<ol><li>Studis fordern lautstark ein Zusatzlehrangebot f\u00fcr eine Vorlesung, die sie besonders schwierig finden. Man fragt nach dem Bedarf, richtet das Angebot mit viel Aufwand ein und dann wird es kaum oder gar nicht angenommen.<\/li><li>Man probiert ein neues Format aus (z.B. neue Ideen f\u00fcr ein Tutorium oder Veranstaltungen f\u00fcr eine neue Zielgruppe) und bekommt im Vorfeld viel Resonanz und Interesse signalisiert, aber dann kommen kaum Leute.<\/li><li>Man meldet sich freiwillig f\u00fcr etwas und braucht nur ein wenig Zuarbeit,<br>aber die kommt dann nicht.<\/li><li>Man gibt sich richtig viel M\u00fche bei einem Geschenk und bekommt daf\u00fcr keinen Dank.<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Falls Ihnen solche Situationen v\u00f6llig fremd sind: super!<br>Falls Sie das kennen, es Sie aber gar nicht st\u00f6rt: auch super!<\/p>\n\n\n\n<p>Ich kenne solche Situationen, teils von mir selbst, teils aus Erz\u00e4hlungen, und es st\u00f6rt mich mal mehr, mal weniger. Teilweise kann ich die unterschiedlichen Emotionen auch nachvollziehen und einordnen, und dann ist recht klar, wie ich in Zukunft damit umgehe. Um ein Beispiel zu nennen: Wenn ich zu einem Kind einen guten Draht habe und mir daher bei einem Geburtstagsgeschenk M\u00fche gebe, und falls es dann die Eltern vergessen, mir wenigstens Bescheid zu sagen, dass das Geschenk \u00fcberhaupt angekommen ist (geschweige denn sich dann oder sp\u00e4ter zu \u00e4u\u00dfern, ob es dem Kind gefallen hat), dann kann das alles sein von Vergesslichkeit bis hin zu tats\u00e4chlich fehlender Wertsch\u00e4tzung. Aber da geht es ja um das Kind, und ich kann zumindest hoffen, dass es ein gutes Geschenk war, und irgendwann ist das Kind alt genug, um direkt und unabh\u00e4ngig von den Eltern mit mir zu kommunizieren. Also frage ich irgendwann nach, h\u00f6re mir die Entschuldigungen (oder Ausreden?) an und gebe mir beim n\u00e4chsten Mal auch wieder M\u00fche.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn eine Veranstaltung schlecht besucht ist, obwohl vorher Bedarf angemeldet wurde, frage ich die, die da sind, ob es f\u00fcr sie eine sonnvolle Veranstaltung war. Wenn ja, dann war es wenigstens f\u00fcr diese paar Leute eine gute Idee. Aber da geht es dann los &#8211; je nachdem, wie viel Aufwand es war, \u00fcberlege ich mir dann schon, ob ich das noch mal f\u00fcr so wenige Leute machen w\u00fcrde. Wie viel Aufwand ist &#8222;zu viel&#8220;? Wann ist es ok, wenn auch nur eine Person profitiert oder sich bedankt? Woran liegt es, dass manchmal eine einzige positive R\u00fcckmeldung reicht? Warum entsteht an anderer Stelle dieses bittere Gef\u00fchl, dass der eigene Einsatz nicht wertgesch\u00e4tzt wird?<\/p>\n\n\n\n<p>Ich finde das wirklich schwierig. Oft ist da dieses klare Gef\u00fchl, dass es nicht um Wertsch\u00e4tzung geht, sondern um die Sache. Wenn es eine gute Idee ist, es sonst niemand macht und ich in der Lage bin (und Lust habe), mache ich es. Wertsch\u00e4tzung ist das Sahneh\u00e4ubchen, nicht der Grund, es \u00fcberhaupt zu machen. Aber manchmal f\u00fchlt es sich nicht so an. Manchmal kommt dieses &#8222;Dann eben nicht.&#8220;-Gef\u00fchl, dieses trotzige und irgendwie kleinliche Gef\u00fchl von &#8222;Wenn da niemand danke sagt, dann mache ich das eben in Zukunft nicht mehr.&#8220; Ich mag das nicht besonders und denke doch, dass es einen Grund gibt, warum das manchmal kommt. Steckt darin ein gesundes, ein berechtigtes Gef\u00fchl, dass ich mir \u00fcberlegen sollte, wof\u00fcr ich meine Zeit und Energie investiere? Dass so ein seltsamer Nachgeschmack ein Signal ist, beim n\u00e4chsten Mal &#8222;Nein&#8220; zu sagen? Und dass, wenn dieses Gef\u00fchl nicht kommt, es ein Signal ist, dass es nicht um Dank oder Wertsch\u00e4tzung geht und mir wirklich die Resonanz\/Hilfe\/Teilnahmezahl egal ist?<\/p>\n\n\n\n<p>Fr\u00fcher habe ich regelm\u00e4\u00dfig Sprechstunden angeboten und es \u00fcberhaupt nicht pers\u00f6nlich genommen, wenn meistens niemand kam. Dann war halt kein Bedarf da. Die Sprechstunde war ein offenes Angebot, man konnte es annehmen oder auch nicht. Wenn ein Angebot eingefordert und dann nicht angenommen wird, reagiere ich empfindlicher. Also geht es vielleicht darum, dass hier Wort und Tat auseinanderfallen. Nach dem Motto: Es ist einfach, in der Lehrevaluation zu schreiben, dass man mehr Sprechstuden braucht, aber wenn man sie wirklich braucht, nimmt man sich eben auch Zeit und geht hin.<\/p>\n\n\n\n<p>Was denken Sie?<br>Kennen Sie das kleinliche, trotzige Gef\u00fchl, das ich beschrieben habe?<br>Ich suche derweil weiter nach Antworten und arbeite daran, fr\u00fcher zu erkennen, ob es mir bei einer \u00fcbernommenen Aufgabe darum geht, wie die Resonanz ist, oder ob es wirklich nur um die Aufgabe und deren Inhalt geht. Im zweiten Fall kann mir nichts passieren, im ersten Fall brauche ich bessere Strategien, um bei wenig Resonanz nicht entt\u00e4uscht zu sein und<br>nicht die Motivation zu verlieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie ist es eigentlich umgekehrt?<br>Dr\u00fccken Sie in solchen Situationen Wertsch\u00e4tzung aus?<br>Bemerken Sie, wenn jemand sich M\u00fche gibt?<br>Extra Aufgaben \u00fcbernimmt?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Starten wir mit ein paar Gedankenexperimenten, teils basierend auf wahren Begebenheiten. Studis fordern lautstark ein Zusatzlehrangebot f\u00fcr eine Vorlesung, die sie besonders schwierig finden. Man fragt nach dem Bedarf, richtet das Angebot mit viel Aufwand ein und dann wird es kaum oder gar nicht angenommen. 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