{"id":548,"date":"2023-05-30T07:57:11","date_gmt":"2023-05-30T05:57:11","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/waldecker\/?p=548"},"modified":"2023-05-30T07:57:55","modified_gmt":"2023-05-30T05:57:55","slug":"meditation-4","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/waldecker\/2023\/05\/meditation-4\/","title":{"rendered":"Meditation 4"},"content":{"rendered":"\n<p>Hier ist das Zitat:<br>\u201eJedes Leben hat ein Ma\u00df an Leid. Manchmal bewirkt eben dieses unser Erwachen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Da steckt viel drin. Ich m\u00f6chte mit dem ersten Satz beginnen und der Frage, was Leid ist. Was ist es f\u00fcr Sie?<br>Reicht es, ein bisschen hungrig zu sein, m\u00fcde, genervt von irgend etwas? Oder verwenden Sie das Wort &#8222;Leid&#8220; erst, wenn es Ihnen richtig schlecht geht? Z.B. wegen einer heftigen Erk\u00e4ltung? Generell bei k\u00f6rperlichen Beschwerden? Bei Liebeskummer, Heimweh, Streit mit jemandem? Bei einem pers\u00f6nlichen Ungl\u00fccksfall (Unfall, Wasserschaden, sowas), beim Verlust eines geliebten Menschen? Haben Sie Gewalt erlebt, Krieg, Naturkatastrophen?<\/p>\n\n\n\n<p>Es gibt viel Spielraum, und es ist sehr unterschiedlich, worunter wir leiden. Der erste Liebeskummer war vielleicht so schlimm, dass Sie dachten, er w\u00fcrde nie vorbeigehen. Nichts w\u00fcrde jemals wieder so schlimm und so schmerzhaft sein. Bei einer heftigen Krankheit vergessen wir, wie es sich anf\u00fchlt, wenn wir k\u00f6rperlich gesund sind. Ein Konflikt kann sich in dem Moment ganz schlimm und unl\u00f6sbar anf\u00fchlen, und am n\u00e4chsten Tag fragt man sich, wo eigentlich das Problem war. Jedes Mal, wenn ich Kopfschmerzen habe oder Muskelkater, dann empfinde ich ganz bewusste Wertsch\u00e4tzung f\u00fcr die Abwesenheit solcher Schmerzen. An jedem Tag, an dem ich keine Schmerzen habe, feiere ich meinen gesunden K\u00f6rper und bedanke mich bei ihm. Leid macht die Abwesenheit von Leid sp\u00fcrbar, oder r\u00fcckt sie jedenfalls st\u00e4rker in mein Bewusstsein.<\/p>\n\n\n\n<p>Beim ersten Satz kommen mir noch mehr Gedanken, n\u00e4mlich zum Beispiel, dass wir das &#8222;Ma\u00df an Leid&#8220; im Leben anderer Menschen nicht einsch\u00e4tzen k\u00f6nnen. Manchmal k\u00f6nnen wir es nachf\u00fchlen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie sch\u00e4tzen Sie das bei sich selbst ein?<br>An welche Art von Leid denken Sie, und wann haben Sie es erlebt?<br>Welche Lebensphasen waren besonders davon gepr\u00e4gt?<br>Haben Sie vor diesem Hintergrund manchmal andere Menschen beneidet?<br>Nach dem Motto &#8222;Ich leide und die haben es so leicht.&#8220;?<br>Oder haben Sie umgekehrt erlebt, dass andere Menschen unglaublich viel aushalten und Sie sich fragen, wie die das machen?<\/p>\n\n\n\n<p>Ich kenne beides und verweise f\u00fcr meinen Umgang mit diesen Gef\u00fchlen auf meine Texte zu Akzeptanz. Das ist nach wie vor das beste Rezept, das ich kenne, und ich \u00fcbe jeden Tag. Auch beim Umgang mit meinem eigenen Leid hilft mir das am meisten. Wahrnehmen, akzeptieren, irgendwie weitermachen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wie ist das nun mit dem &#8222;Erwachen&#8220; zu verstehen? Vielleicht ist es ganz banal, wie oben schon angedeutet. Manchmal m\u00fcssen wir das Gegenteil von etwas erleben, um das Urspr\u00fcngliche wahrzunehmen. Man leidet vor\u00fcbergehend an Schlafst\u00f6rungen und merkt pl\u00f6tzlich, was f\u00fcr ein Privileg es war, die nicht zu haben. Man genie\u00dft Schmerzfreiheit mehr, wenn man starke Schmerzen kennt. Man verarbeitet ein Trauma und entdeckt in sich eine St\u00e4rke, die man vorher nicht gesp\u00fcrt hat. Oder auch, dass es sch\u00f6n sein kann, verletzlich zu sein und dann gehalten und getr\u00f6stet zu werden. So m\u00f6chte ich das &#8222;Erwachen&#8220; f\u00fcr mich interpretieren. Als M\u00f6glichkeit, dass sich etwas kl\u00e4rt, dass man etwas Neues an sich entdeckt. Ich habe durch Leid viel \u00fcber mich gelernt und bin daf\u00fcr dankbar.<\/p>\n\n\n\n<p>Was haben Sie durch Leid gelernt?<br>Wann hat gerade das Leiden zu einem &#8222;Erwachen&#8220; gef\u00fchrt in dem Sinne, dass Sie ohne die Leidenserfahrung vielleicht gewisse Erfahrungen nicht gemacht h\u00e4tten oder gewisse Entscheidungen nicht getroffen h\u00e4tten? Zur Akzeptanz geh\u00f6rt auch das. Es mindert das Leid vielleicht nicht, es gibt vielleicht kein &#8222;Da steckt ja auch was Gutes drin.&#8220; Aber vielleicht wird etwas klar. Vielleicht lernen wir etwas Neues \u00fcber uns selbst.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hier ist das Zitat:\u201eJedes Leben hat ein Ma\u00df an Leid. Manchmal bewirkt eben dieses unser Erwachen.\u201c Da steckt viel drin. Ich m\u00f6chte mit dem ersten Satz beginnen und der Frage, was Leid ist. 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