{"id":553,"date":"2023-06-06T15:06:10","date_gmt":"2023-06-06T13:06:10","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/waldecker\/?p=553"},"modified":"2023-06-06T15:11:36","modified_gmt":"2023-06-06T13:11:36","slug":"berufung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/waldecker\/2023\/06\/berufung\/","title":{"rendered":"Berufung"},"content":{"rendered":"\n<p>Im wissenschaftlichen Kontext l\u00f6st dieses Wort h\u00e4ufig zwei Assoziationen aus: Einerseits das Thema Berufungsverfahren und die Berufung auf eine Professur, andererseits aber auch, sich berufen zu f\u00fchlen. F\u00fcr ein Thema, f\u00fcr gewisse Projekte, f\u00fcr Leitungspositionen, daf\u00fcr, die n\u00e4chsten Generationen von Wissenschaftler*innen ein St\u00fcck auf ihrem Weg zu begleiten. W\u00f6rter wie &#8222;Berufung&#8220; oder &#8222;Vocation&#8220; wecken Bilder davon, wie etwas oder jemand ruft.<br>Oder? Woran denken Sie?<\/p>\n\n\n\n<p>Auch die Formulierung, dass man sich zu etwas berufen f\u00fchlt, legt nahe, dass da etwas ruft, dass man sich zu einem Thema oder einer T\u00e4tigkeit hingezogen f\u00fchlt. Kennen Sie das von sich selbst? Oder denken Sie an jemanden, eine Person, die ganz klar ihre Berufung gefunden hat und der vielleicht sogar gefolgt ist?<\/p>\n\n\n\n<p>Ich denke da zum Beispiel an Personen, die gern mit Kindern arbeiten und das fr\u00fch merken. Da ist vielleicht ein junger Mann, der kleinere Geschwister hat oder in der Schule gern j\u00fcngeren Kindern Nachhilfe gegeben hat. Irgendwann wird klar, in welcher Altersgruppe ihm die Arbeit mit Kindern besonders viel Spa\u00df macht, und dann geht es nur noch um die Frage: Kinderg\u00e4rtner oder Grundschullehrer? Oder da ist ein M\u00e4dchen, das von den Eltern ermutigt wird, ein Instrument zu lernen, und sie entdeckt Streichinstrumente f\u00fcr sich. Am Ende wird es das Cello, und sie entdeckt mit den Jahren so viel Liebe zu diesem Instrument, seinem Klang und der Musik, dass sie sich voll und ganz diesem Instrument widmen m\u00f6chte. Kann daraus ein Beruf werden? Strebt sie eine Laufbahn als Solistin an, als Orchestermitglied, als Komponistin, als Lehrerin, als Cellobauerin? Oder bleibt es ein intensives Hobby?<br>Was f\u00fcr Beispiele fallen Ihnen ein?<br>Worin unterscheiden sie sich?<\/p>\n\n\n\n<p>Man kann sich zu so unterschiedlichen T\u00e4tigkeiten berufen f\u00fchlen, dass gar nicht klar ist, ob es ein Berufsbild gibt, das dazu passt. Umgekehrt gibt es berufliche T\u00e4tigkeiten, bei denen schwer vorstellbar ist, dass jemand das als Hobby macht. Beratungsangebote dazu wiedersprechen sich fundamental: Die einen sagen, man soll unbedingt etwas finden, was man leidenschaftlich gern tut und wozu man sich berufen f\u00fchlt, und soll dann ein dazu passendes Berufsbild finden, und am anderen Ende des Spektrum gibt es die, die dringend davon abraten, die Berufswahl emotional aufzuladen. Blo\u00df nicht einer Leidenschaft folgen oder einem gro\u00dfen Interesse. Was man stattdessen tun sollte, da gibt es unterschiedliche Vorschl\u00e4ge, aber da steht eventuell eine Grundsatzentscheidung an. Einer Leidenschaft oder gef\u00fchlten Berufung folgen oder nicht?<\/p>\n\n\n\n<p>Falls Sie berufst\u00e4tig sind:<br>Wie haben Sie entscheiden, wohin die Reise geht?<br>Was war beabsichtigt, was war zuf\u00e4llig, was f\u00fcr Ratschl\u00e4ge haben Sie bekommen?<br>Hatte die Berufswahl etwas mit Berufung zu tun?<\/p>\n\n\n\n<p>Man kann das Wort Berufung auch anders interpretieren, und mich faszinieren die Fragen, die sich daraus ableiten. Wir ver\u00e4ndern gar nicht viel &#8211; aber jetzt werde nicht mehr ich als ganze Person irgendwohin gerufen, sondern etwas in mir wird gerufen, dass es rauskommen und sich zeigen soll! Es geht dann nicht um das Umfeld oder die T\u00e4tigkeit, die mich anziehen, sondern es geht um etwas in mir, das sich angesprochen f\u00fchlt und sichtbar wird. Wie k\u00f6nnte das konkret aussehen?<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn es mir Spa\u00df macht, Dinge zu erkl\u00e4ren und Menschen dabei zu helfen, etwas zu verstehen, dann f\u00fchle ich mich vielleicht berufen, als Lehrerin zu arbeiten. Die T\u00e4tigkeit in dem Umfeld passt dazu.<br>Was liefert die andere Interpretation?<br>Was in mir wird da angerufen und soll rauskommen?<br>Geht es um das gute Gef\u00fchl, hilfreich zu sein?<br>Ist es die Kommunikation mit anderen Menschen, und das Erkl\u00e4ren steht gar nicht im Vordergrund?<br>Oder geht es vielleicht um das Sp\u00fcren der eigenen Kompetenz, weil man anderen etwas erkl\u00e4rt und sich dann automatisch klug f\u00fchlt?<br>Geht es um das befriedigende Gef\u00fchl, etwas richtig tief verstanden zu haben, w\u00e4hrend man mit anderen detailliert dar\u00fcber ins Gespr\u00e4ch kommt?<\/p>\n\n\n\n<p>An der Bandbreite merken Sie vielleicht schon, dass hier mehr Fragen auftauchen und dass aus &#8222;Mir macht es Spa\u00df, Leuten Sachen zu erkl\u00e4ren.&#8220; ein differenziertes Bild entsteht, das bei verschiedenen Menschen sehr unterschiedlich aussehen kann, auch wenn sie sich alle berufen f\u00fchlen, in einem Lehrberuf t\u00e4tig zu sein. Je genauer wir verstehen, was uns da motiviert, was in uns angerufen wird, desto eher sehen wir eine Bandbreite an m\u00f6glichen Berufen (oder einfach T\u00e4tigkeiten) und desto eher wird aus der Frage, was uns Spa\u00df macht, die Frage, was wir beitragen k\u00f6nnen.<br>Wie passt das, was da in mir angerufen wird, in die Welt?<br>Wohin passt es besonders gut, wo ist es wertvoll?<br>In welchen Situationen ist der Ruf besonders laut oder klar?<\/p>\n\n\n\n<p><br>Was f\u00fcr Fragen kommen bei Ihnen auf, wenn Sie das lesen? Kennen Sie das Gef\u00fchl, dass da in Ihnen etwas an- oder wachgerufen wird und sich da pl\u00f6tzlich etwas sehr richtig anf\u00fchlt?<\/p>\n\n\n\n<p>Mir passiert das manchmal ganz \u00fcberraschend, und ich \u00fcbe, genau zuzuh\u00f6ren. Denn jedes Mal, wenn sich dieses typische zufriedene Gef\u00fchl ausbreitet, dass ich gerade etwas beigetragen habe, dann sind das wertvolle Informationen. Bei welchen mathematischen Themen leuchten meine Augen, wenn ich dar\u00fcber spreche? In welchen Lehrsituationen klickt es, und ich f\u00fchle mich genau richtig am Platz?<\/p>\n\n\n\n<p>Nicht zuletzt geht es dabei auch um Menschen. Manche Menschen bewirken bei mir, dass ich das Rufen besonders stark sp\u00fcre. Dann kann ich fast &#8211; aber nur fast &#8211; in Worte fassen, was das ist, was da in mir angerufen wird. Und ich erkenne, was das mit meinem Beruf und seinen vielen verschiedenen Facetten zu tun hat. Daher m\u00f6chte ich Sie einladen, sich auch auf solche Fragen und auf die Suche einzulassen.<\/p>\n\n\n\n<p>Was wird in Ihnen angerufen, wenn Sie mit einer beruflichen (oder anderen) Situation so richtig zufrieden sind?<br>Wo sp\u00fcren Sie, dass Ihre Beitr\u00e4ge wertvoll sind?<br>Gibt es da ein Muster?<br>Welche Menschen oder Situationen bringen das Beste in Ihnen hervor?<br>Was sp\u00fcren Sie da, was wird gerufen?<br>Haben Sie Worte daf\u00fcr?<br>Wie viel Raum bekommt das derzeit in Ihrem Leben?<br>W\u00fcnschten Sie, dass es mehr w\u00e4re?<br>Was m\u00fcsste passieren?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im wissenschaftlichen Kontext l\u00f6st dieses Wort h\u00e4ufig zwei Assoziationen aus: Einerseits das Thema Berufungsverfahren und die Berufung auf eine Professur, andererseits aber auch, sich berufen zu f\u00fchlen. 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