{"id":633,"date":"2024-06-18T09:37:01","date_gmt":"2024-06-18T07:37:01","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/waldecker\/?p=633"},"modified":"2024-06-18T09:37:28","modified_gmt":"2024-06-18T07:37:28","slug":"um-die-ecke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/waldecker\/2024\/06\/um-die-ecke\/","title":{"rendered":"Um die Ecke"},"content":{"rendered":"\n<p>Dies ist eine Aufforderung, um die Ecke zu denken.<br>oder zu f\u00fchlen.<\/p>\n\n\n\n<p>Beispiel 1:<br>Zu Beginn einer Fortbildung stellen sich alle Teilnehmenden reihum kurz vor und werden dann nach ihren Erwartungen gefragt. Manche beantworten das mit &#8222;Ich bin hier, weil \u2026 &#8220; und sprechen \u00fcber W\u00fcnsche oder \u00fcber Gr\u00fcnde, warum sie da sind. Vielleicht sagen sie, was sie gern lernen m\u00f6chten.<\/p>\n\n\n\n<p>Am Ende wird wieder eine Runde mit Fragen gemacht, und dort stellen dann einige fest, dass manche Aspekte der Fortbildung sie \u00fcberrascht haben. Die \u00dcberraschung kommt daher, dass sie eben doch Erwartungen hatten &#8211; allerdings nur unbewusst. Auf Anfrage konnten sie die Erwartungen nicht formulieren, aber im Nachhinein, durch die \u00dcberraschung, wurde deutlich, dass es Erwartungen gab und wie die ungef\u00e4hr aussahen.<\/p>\n\n\n\n<p>Beispiel 2:<br>Eine Gruppe von Leuten tanzt, komplett frei und ohne Absprache, und die Musik ist von starken Rhythmen gepr\u00e4gt. Auf die Nachfrage, worauf sie beim Tanzen achten bzw. h\u00f6ren, gibt es keine klare Antwort. Intuition halt, es entsteht spontan. Nach einer Weile wird die Gruppe gebeten, beim n\u00e4chsten Lied die Beats auf eine ganz bestimmte Weise zu interpretieren &#8211; sonst ist nichts vorgegeben.<\/p>\n\n\n\n<p>Es wird losgetanzt und einige sind sehr irritiert, wie ungewohnt sich das anf\u00fchlt! Erst durch ausf\u00fchrliches Nachbesprechen kommt heraus, dass sie vorher eben doch nicht einfach nur alles frei interpretiert haben, sondern dass sie auf Dynamik, Lautst\u00e4rke, Harmoniewechsel etc. geachtet haben und dass etwas fehlte, als sie &#8222;gezwungen&#8220; waren, nur die Beats zu interpretieren.<\/p>\n\n\n\n<p>Beispiel 3:<br>Ich bin erk\u00e4ltet, aber fast ohne Symptome. Etwas m\u00fcde, sonst geht es mir gut, nur die Stimme ist etwas mitgenommen. Dann, am Morgen der n\u00e4chsten Vorlesung, ist die Stimme komplett weg. Eine Vertretung ist so kurzfristig nicht m\u00f6glich, ausfallen soll die Vorlesung auch nicht, also gehe ich in den H\u00f6rsaal und halte eine stumme Vorlesung.<\/p>\n\n\n\n<p>Dabei beobachte ich nicht nur, dass der ganze H\u00f6rsaal mucksm\u00e4uschenstill ist und unglaublich aufmerksam, sondern es gibt hinterher auch zahlreiche R\u00fcckmeldungen von Studis, denen aufgefallen ist, wie sehr sie \u00fcber die Ohren lernen.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Beispiele haben gemeinsam, dass hier im Nachhinein, manchmal<br>durch eine starke Ver\u00e4nderung, etwas aufgedeckt wurde, was durch direkte Abfrage oder Nachdenken nicht an die Oberfl\u00e4che gekommen w\u00e4re. Der Impuls von au\u00dfen durchbricht eine Gewohnheit, oder etwas f\u00e4llt auf, weil es pl\u00f6tzlich fehlt oder man \u00fcberrascht wird. Das k\u00f6nnen wir bewusst einsetzen, um nach blinden Flecken zu suchen und unsere Wahrnehmung zu sch\u00e4rfen.<\/p>\n\n\n\n<p>Wo m\u00f6chten Sie anfangen, um die Ecke zu denken?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Dies ist eine Aufforderung, um die Ecke zu denken.oder zu f\u00fchlen. Beispiel 1:Zu Beginn einer Fortbildung stellen sich alle Teilnehmenden reihum kurz vor und werden dann nach ihren Erwartungen gefragt. Manche beantworten das mit &#8222;Ich bin hier, weil \u2026 &#8220; und sprechen \u00fcber W\u00fcnsche oder \u00fcber Gr\u00fcnde, warum sie da sind. 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