{"id":678,"date":"2025-08-08T10:33:28","date_gmt":"2025-08-08T08:33:28","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/waldecker\/?p=678"},"modified":"2025-08-08T10:36:09","modified_gmt":"2025-08-08T08:36:09","slug":"ueber-mitdenken-und-weiterdenken","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/waldecker\/2025\/08\/ueber-mitdenken-und-weiterdenken\/","title":{"rendered":"\u00dcber Mitdenken und Weiterdenken"},"content":{"rendered":"\n<p>Wie sehr denken Sie in sozialen Situationen die Perspektive anderer Menschen mit?<br>Die der anwesenden? Vielleicht sogar die von Menschen, die gar nicht dabei sind, die aber betroffen sein k\u00f6nnten?<br>Wo haben Sie schon erlebt, dass &#8222;Mitmeinen&#8220; oder &#8222;Mitdenken&#8220; nicht funktioniert und pl\u00f6tzlich ganze Gruppen von Menschen mit ihren Bed\u00fcrfnissen \u00fcbersehen werden?<\/p>\n\n\n\n<p>Private soziale Situationen sind das eine, in beruflichen Situationen oder bei wichtigen Entscheidungen kann diese Art von Mitdenken pl\u00f6tzlich eine gro\u00dfe Rolle spielen. F\u00fcr mich ist das immer dann relevant, wenn ich mit mehreren Kolleg:innen in einem Team zusammenarbeite, und besondes spannend wird es, wenn wir in der Lehre zusammenarbeiten und es nicht nur um uns geht, sondern auch um ganz viele Studis.<br>Da sind wir nun also in einem mehrfach diversen Team, wollen die interne Diversit\u00e4t gut ber\u00fccksichtigen, Hierarchie und Erfahrungen navigieren und<br>m\u00fcssen dann auch noch Entscheidungen f\u00fcr die Studis treffen. Egal, wie sehr ich mitdenke, da sind nat\u00fcrlich blinde Flecken. Kollektiv haben wir dann hoffentlich schon weniger, aber selbst da ist noch Luft nach oben. Denn die konsequente Weiterentwicklung von &#8222;Mitdenken&#8220; ist &#8222;Weiterdenken&#8220; im Sinne von &#8222;Vorausdenken&#8220;, und zwar genau da, wo die eigenen blinden Flecken sind. Das geht h\u00e4ufig gar nicht, aber ich \u00fcbe das jetzt und m\u00f6chte daher hier ein paar Beispiele reflektieren, die zumindest teilweise reale Vorbilder haben.<\/p>\n\n\n\n<ol><li>Die verschiedenen Leute im Team haben unterschiedlich gro\u00dfe Bed\u00fcrfnisse nach informeller sozialer Interaktion. Manche gehen zusammen in die Mensa, manche wollen allein Mittagspause machen.<br>Manche m\u00f6gen informelle Arbeitstreffen mit Kaffee, Keksen und auch etwas privatem Austausch, manche nicht. Da kann ich mitdenken, indem ich betone, was freiwillig ist und wo ich Teilnahme erwarte, und ich kann die Abl\u00e4ufe so strukturieren, dass es Optionen gibt. Zum Beispiel Arbeitstreffen mit Kaffee, aber zuerst wird alles besprochen, was wichtig ist und wo ich alle brauche, und dann gibt es f\u00fcr die, die Lust haben, den eher privaten Teil. Klappt nur, wenn dann auch wirklich akzeptiert wird,<br>wenn ein, zwei Leute sich vom privaten Gequatsche verabschieden.<br>Noch mehr mitdenken kann ich, indem ich von Anfang an kommuniziere, dass mir die verschiedenen Vorlieben bewusst sind, wo ich mich selbst auf dem Spektrum sehe und wann und wie wir das am besten thematisieren. Sonst kommen manche Menschen gar nicht erst auf die Idee, mir zu sagen, wo sie mehr oder weniger soziale Interaktion haben m\u00f6chten. Die m\u00fcssen sich von mir gesehen f\u00fchlen und wir m\u00fcssen \u00fcber Optionen sprechen, und zwar m\u00f6glichst fr\u00fch. Nicht erst dann, wenn mir eine Person sagt, dass sie sich unwohl f\u00fchlt.<br><\/li><li>Unsere Arbeitsweisen und Tagesrhythmen sind unterschiedlich. Wenn wir also etwas gemeinsam machen (Pr\u00fcfungen, Seminartage, Ausflug zu einer Konferenz), dann ist meine Aufgabe, mitzudenken, dass die Leute verschiedene Dinge gut und gern machen und evtl. zu verschiedenen Tagszeiten. Ich bin selbst zum Beispiel komplett ungeeignet f\u00fcr ein soziales Abendprogramm mit Kneipentour bis 2 Uhr morgens, aber stehe daf\u00fcr umso fr\u00f6hlicher morgens mit frischem Kaffee und Tee bereit.<br>Wieder m\u00f6chte ich weiterdenken als nur bis zum Umgang mit den Vorlieben, wenn ich sie denn kenne. Ich m\u00f6chte aktiv dazu einladen, dar\u00fcber mit mir zu sprechen, rechtzeitig vorher, und dann Optionen parat haben. Wenn jemand allein zur Konferenz reisen m\u00f6chte und nicht in der Gruppe &#8211; ok, nat\u00fcrlich! Was ist an Logistik zu beachten?<br>Wenn jemand gewisse Aufgaben nicht gern oder nicht gut macht und dadurch bei anderen mehr Arbeit liegen bleibt dann muss ich mir \u00fcberlegen, was das bedeutet und wie wir das kompensieren k\u00f6nnen.<br>Wo sollte die Person dazulernen oder aus der Komfortzone rausgehen?<br>Wo sollten wir R\u00fccksicht nehmen, und was f\u00fcr andere Aufgaben kann die Person dann \u00fcbernehmen, damit es insgesamt fair bleibt? All das tr\u00e4gt dazu bei, dass wir \u00fcberhaupt fr\u00fchzeitig darauf eingestellt sind und Leute sich trauen, so etwas anzusprechen.<br><\/li><li>Auch die Studis brauchen Unterschiedliches. Es reicht nicht, daraus zu lernen, dass in der letzten Klausur eine gewisse Formulierung ganz oft missverstanden wurde. Wenn wir als Team schon so divers sind, dann k\u00f6nnen wir uns auch anstrengen und uns fragen: Wo gibt es noch Potential f\u00fcr Fehler und Missverst\u00e4ndnisse? Was k\u00f6nnen wir vorher schon besprechen, \u00fcben, im Gespr\u00e4ch mit den Studis klarer machen? Wie etablieren wir m\u00f6glichst fr\u00fch mit den Studis eine Kultur, in der sie ganz selbstverst\u00e4ndlich ansprechen, wenn sie Aufgabenstellungen unklar finden oder Bewertungsma\u00dfst\u00e4be nicht transparent genug?<br>Wo \u00fcberall k\u00f6nnen wir Fehlerkultur \u00fcben und dadurch das Vertrauen aufbauen, dass alles geh\u00f6rt wird und Offenheit oder kritische Nachfragen nicht bestraft werden?<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Die Leitfrage, die die Beispiele verbindet und die ich mir jetzt immer \u00f6fter stelle, ist die: Was ist n\u00f6tig, damit die betroffenen Personen \u00fcberhaupt auf die Idee kommen, dass es einen Raum f\u00fcr ihr Bed\u00fcrfnis gibt, ihre Fragen, einen Sonderwunsch? Ich kann als Teil eines Teams sagen, dass ich auf einer Konferenz nicht f\u00fcr das abendliche Unterhaltungsprogramm zust\u00e4ndig sein m\u00f6chte und kann das ggf. auch begr\u00fcnden. Eine andere  Person hat vielleicht auch eine Vorliebe oder Abneigung bei gewissen Aufgaben, kommt aber gar nicht auf die Idee, dass es eine Option sein kann, das zu \u00e4u\u00dfern. Das muss vielleicht jemand vormachen (Lernen durch Beispiel) oder eben explizit ansprechen. Beim \u00fcblichen &#8222;Brainstorming, was zu tun ist&#8220;, Aufgabenverteilung auf Zuruf oder Warten, wer sich wof\u00fcr freiwillig meldet, kann sowas leicht untergehen. (Dementsprechend schrecklich finde ich das.)<\/p>\n\n\n\n<p>Wo haben Sie das schon erlebt?<br>Wo w\u00e4ren Sie nicht auf die Idee gekommen, eine pers\u00f6nliche Vorliebe oder Abneigung anzusprechen und nach einer Ver\u00e4nderung zu fragen?<br>Wo k\u00f6nnten Sie das selbst mehr mitdenken?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wie sehr denken Sie in sozialen Situationen die Perspektive anderer Menschen mit?Die der anwesenden? 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