{"id":694,"date":"2025-11-17T16:04:31","date_gmt":"2025-11-17T15:04:31","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/waldecker\/?p=694"},"modified":"2025-11-17T16:05:42","modified_gmt":"2025-11-17T15:05:42","slug":"schicksalsgemeinschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/waldecker\/2025\/11\/schicksalsgemeinschaft\/","title":{"rendered":"Schicksalsgemeinschaft"},"content":{"rendered":"\n<p>Ich hatte Ideen f\u00fcr einen anderen Text und hatte den Anfang auch schon geschrieben. Der kommt dann demn\u00e4chst. Aber nun, aus aktuellem Anlass:<\/p>\n\n\n\n<p>Wann ist bei Ihnen in letzter Zeit etwas so richtig schiefgelaufen, und dann standen Sie da, mit ein paar Leuten, und alle hatten das gleiche Problem? Vielleicht wurden Sie von einem Schauer \u00fcberascht, sind richtig nass geworden und haben sich trotzdem mit ein paar anderen Menschen zusammen irgendwo untergestellt. Vielleicht haben Sie nachts eine Stra\u00dfenbahn knapp verpasst (und waren damit nicht allein), oder Sie sind Bahn gefahren. Ich fahre viel Bahn, und eigentlich auch gern, aber sogar bei mir hei\u00dft es in letzter Zeit nur noch &#8222;Und ich dachte, ich h\u00e4tte schon alles gesehen!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn unterwegs genug schiefgeht, dann ist irgendwann der gesamte Puffer aufgebraucht und man sitzt pl\u00f6tzlich im letzten Zug. Es ist schon kurz vor Mitternacht, irgendwo gibt es noch Schienenersatzverkehr, und auch da wartet man dann auf den letzten Bus. Wenn der dann nicht kommt, steht man da pl\u00e4tzlich in einer Schicksalsgemeinschaft. So ging es mir k\u00fcrzlich, es war wirklich mitten in der Nacht, und der letzte Bus vom Schienenersatzverkehr ist einfach losgefahren, leer, und hat nicht auf den leicht versp\u00e4teten Regionalzug gewartet. Wir standen also alle etwas fassungslos an der Bushaltestelle, ca. 15 Leute, und was dann passierte, war wirklich toll: Nur ein, zwei Leute haben ein bisschen rumgemeckert, alle anderen haben Witze gemacht. Wir konnten nicht glauben, dass da die Kommunikation so versagt hatte (&#8222;Das ist der letzte Bus, nat\u00fcrlich wartet der auf Sie!&#8220;) und dass wir da jetzt stehen, gestrandet. Dann kam noch ein SEV-Bus, viele Menschen stiegen aus und wir haben uns schon alle gefreut, aber nein: Der Busfahrer hatte Feierabend und fuhr kommentarlos wieder ab. Wieder gab es wenig Geschimpfe, die meisten von uns mussten einfach nur lachen wegen der Absurdit\u00e4t der Situation. Bei einigen (mich eingeschlossen) kam noch M\u00fcdigkeit dazu, dann ist sowieso alles witzig und ich f\u00fcge mich einfach in mein Schicksal. <\/p>\n\n\n\n<p>Von meinem Mann habe ich gelernt, dass es oft sinnlos ist, sich zu \u00e4rgern oder aufzuregen: Stattdessen ruhig bleiben, nach L\u00f6sungen gucken, und lachen. Er hat in unnachahmlicher Weise immer wieder gelacht, egal, was schiefging, und diese kleine Schicksalsgemeinschaft an der Bushaltestelle hat mir wieder mal gezeigt, was daran so hilfreich ist. Humor hilft, es auszuhalten. Gerade dann, wenn wir gerade machtlos sind und zum Beispiel einfach nur abwarten k\u00f6nnen. Der Humor verbindet, wir f\u00fchlen uns weniger allein, und wir sind dann auch eher hilfsbereit. <\/p>\n\n\n\n<p>Wann waren Sie das letzte Mal in so einer Schicksalsgemeinschaft? Wie war die Stimmung? Motzig? Aggressiv? Oder auch humorvoll angesichts des Absurden? <\/p>\n\n\n\n<p>PS: Wir sind dann doch noch alle gut nach Hause gekommen. Seeeeehr sp\u00e4t.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich hatte Ideen f\u00fcr einen anderen Text und hatte den Anfang auch schon geschrieben. Der kommt dann demn\u00e4chst. Aber nun, aus aktuellem Anlass: Wann ist bei Ihnen in letzter Zeit etwas so richtig schiefgelaufen, und dann standen Sie da, mit ein paar Leuten, und alle hatten das gleiche Problem? 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