{"id":711,"date":"2026-01-19T09:39:54","date_gmt":"2026-01-19T08:39:54","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/waldecker\/?p=711"},"modified":"2026-01-19T09:40:38","modified_gmt":"2026-01-19T08:40:38","slug":"geschichten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/waldecker\/2026\/01\/geschichten\/","title":{"rendered":"Geschichten"},"content":{"rendered":"\n<p>Heute in der Schwimmhalle war es wieder interessant, das w\u00fcrde sich f\u00fcr einen Text eignen. Aber stattdessen geht es um Geschichten. Dabei meine ich die, die wir uns selbst erz\u00e4hlen, um unser Verhalten zu erkl\u00e4ren.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn ich es zum Beispiel schwierig finde, Nein zu sagen, also z. B. Einladungen abzulehnen, Leuten eine Gefallen nicht zu tun oder ein Familienmitglied nicht \u00f6fter zu besuchen, dann kann ich das gut damit begr\u00fcnden, dass ich eben hilfsbereit bin, gro\u00dfz\u00fcgig, dass ich Menschen ungern entt\u00e4usche. Vielleicht stimmt das sogar, zumindest teilweise. Wenn ich aber Aufgaben \u00fcbernehme, obwohl ich keine Lust habe (und mich dann beschwere oder es nicht gut mache), wem n\u00fctzt dann meine Hilfsbereitschaft? Wenn ich Verwandtschaft besuche, die ich gar nicht so oft sehen m\u00f6chte, und wenn ich das anstrengend finde und nervig, f\u00fcr wen ist das eigentlich gut? Wenn ich Einladungen annehme, dann aber dort gar nicht pr\u00e4sent bin oder mit schlechter Laune da herumsitze oder -stehe, wof\u00fcr ist das gut?<\/p>\n\n\n\n<p>Und hier sind die Geschichten, die dann oft kommen:<br>Ich muss dahin, denn es w\u00e4re unh\u00f6flich, die Einladung abzulehnen.<br>Ich muss die Aufgabe \u00fcbernehmen, weil es sonst niemand macht.<br>Ich muss die Verwandtschaft besuchen, weil die Leute sonst entt\u00e4uscht sind.<\/p>\n\n\n\n<p>Ist es nicht auch unh\u00f6flich, eine Einladung widerwillig anzunehmen? Ich k\u00f6nnte auch absagen und den Platz f\u00fcr eine Person frei machen, die sich freut. Ist es nicht unfreundlich, eine Aufgabe zu \u00fcbernehmen und sie dann schlecht zu erledigen? Oder rumzumeckern? Dann wird es halt nicht gemacht. Wann ist das wirklich schlimm? Oder vielleicht w\u00fcrde sich ja doch jemand finden? Ist es nicht auch unh\u00f6flich, Leute zu besuchen und so zu tun, als w\u00fcrde man sich freuen, wenn man gar keine Lust darauf hat?<\/p>\n\n\n\n<p>Ich sehe hier nie ein &#8222;m\u00fcssen&#8220;, sondern immer ein &#8222;Ich entscheide mich, das zu tun, weil die Alternative noch unangenehmer f\u00fcr mich ist.&#8220; Und die Geschichte \u00fcberdeckt h\u00e4ufig, dass es in Wirklicheit um unser eigenes Unbehagen geht. Ja, da sind vielleicht Leute entt\u00e4uscht oder genervt, wenn ich eine Aufgabe nicht \u00fcbernehme. Das ist dann so. Die m\u00fcssen das aushalten, und ich muss aushalten, dass ich mich damit vielleicht nicht gut f\u00fchle. Wenn ich Teile der Verwandtschaft seltener besuche, weil das aufw\u00e4ndig und anstrengend ist und ich es ok finde, die Leute nur alle paar Jahre zu sehen, dann sind die vielleicht ent\u00e4uscht (Vielleicht sind sie auch sehr verst\u00e4ndnisvoll?) und deren Entt\u00e4uschung ist deren Problem, nicht meins. Ich muss aushalten, dass die sich vielleicht so f\u00fchlen und mir das auch sagen. Das ist dann mein Problem. Aber wenn ich das unangenehmer finde, als \u00f6fter hinzufahren, mich dar\u00fcber zu beschweren und die Geschichte zu erz\u00e4hlen, das ich ja &#8222;muss&#8220;, dann erz\u00e4hle ich eben diese Geschichte.<\/p>\n\n\n\n<p>Wo erz\u00e4hlen Sie sich Geschichten?<br>Wo w\u00e4re eine andere, ehrlichere Entscheidung m\u00f6glich,<br>und was m\u00fcssten Sie dann (aus-)halten?<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute in der Schwimmhalle war es wieder interessant, das w\u00fcrde sich f\u00fcr einen Text eignen. Aber stattdessen geht es um Geschichten. 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