Medienprodukt – Theoretische Grundlagen

Worum geht es?

Das Medienprodukt läuft unter dem Titel „Picturegram“ – Algorithmen in Sozialen Medien verstehen“ und wurde mit dem H5P-Inhaltstyp „Branching Szenario“ konzipiert. Das Ziel dieses interaktiven Szenarios ist es den Lernenden die Funktionsweise von Algorithmen auf Social Media näher zu bringen und auf die Gefahr von Filterblasen hinzuweisen.

Was steckt dahinter?

Wahrscheinlich hat jede Person, die die Sozialen Medien nutzt schon einmal etwas von „Algorithmen“ gehört. Oft wird darunter ein Prozess verstanden, der im Hintergrund dafür sorgt, dass Nutzer*innen immer wieder neue Inhalte angezeigt werden und zwar genau solche, die zu dem bisherigen Nutzungsverhalten passen. Welche Beiträge angesehen, geliket, kommentiert oder geteilt werden, beeinflusst somit, welche Inhalte künftig auf dem Feed angezeigt werden. Doch auch wenn wir mehrere Stunden pro Tag auf diesen Apps verbringen, bleibt die Funktionsweise für viele ein Geheimnis, weshalb es oft zu Lücken und Unsicherheiten im Bezug auf die technischen Grundlagen und den möglichen Gefahren dieser Prozesse kommt. Daher möchte ich hier kurz die Begriffe „Algorithmus“ und „Filterblase“ definieren um anschließend den Aufbau und die mögliche Nutzung des Medienprodukt zu erläutern.

In ihrem wisschenschaftlichen Artikel „Algorithmen und Meinungsbildung – Eine grundlegende Einführung“ beschreiben Zweig et al. (2017) folgendes:

„Algorithmische Empfehlungssysteme treffen aus einer großen Menge von Informationen, z.B. in Form von Dokumenten oder Webseiten, eine grundlegende Auswahl und sortieren diese Auswahl dann nach geeigneten Kriterien so, dass möglichst relevante Informationen zuerst angezeigt werden.“

Zweig, K., Deussen, O. & Krafft, T. Algorithmen und Meinungsbildung. Informatik Spektrum 40, 318–326 (2017). https://doi.org/10.1007/s00287-017-1050-5

Das bedeutet, dass Algorithmen anhand des bisherigen Nutzungsverhaltens erkennen, welche Inhalte für die Nutzer*innen besonders relevant erscheinen. Auf dieser Grundlage werden weitere Beiträge angezeigt, die den bereits angesehenen, gelikten oder kommentierten Inhalten ähneln. Dieses Phänomen dürfte vielen Nutzerinnen und Nutzern bereits aufgefallen sein. Wer beispielsweise mehrfach Katzenvideos ansieht oder mit einem „Gefällt mir“ versieht, wird feststellen, dass der Feed zunehmend ähnliche Inhalte enthält. Erst durch die bewusste Interaktion mit anderen Themen verändert sich die Auswahl der angezeigten Posts wieder.

Wer jedoch über längere Zeit ausschließlich mit ähnlichen Inhalten interagiert, erhält immer mehr Beiträge derselben Art. Dadurch kann sich eine sogenannte Filterblase bilden, in der andere Themen oder Perspektiven zunehmend ausgeblendet werden.

Der Begriff Filterblase wurde erstmals von Eli Pariser benutzt. Er beschreibt ihn wie folgt:

„a unique universe of information for each of us“

Stark, B., Magin, M., Jürgens, P. (2021). Maßlos überschätzt. Ein Überblick über theoretische Annahmen und empirische Befunde zu Filterblasen und Echokammern. In: Eisenegger, M., Prinzing, M., Ettinger, P., Blum, R. (eds) Digitaler Strukturwandel der Öffentlichkeit. Mediensymposium. Springer VS, Wiesbaden. https://doi.org/10.1007/978-3-658-32133-8_17

Der Algorithmus zeigt den Nutzer*innen im Feed also zunehmend Beiträge zu Themen an, mit denen sie in der Vergangenheit bereits häufig interagiert haben. Dies kann dazu führen, dass andere Themen und Perspektiven immer seltener im Feed erscheinen und sich eine sogenannte Themen- oder Meinungsblase entwickelt. Problematisch wird dies insbesondere dann, wenn Fehlinformationen, radikale Ansichten oder Inhalte, die das emotionale Wohlbefinden negativ beeinflussen können, innerhalb dieser Blase verstärkt werden. Da kaum noch gegensätzliche Perspektiven sichtbar werden, kann schnell der Eindruck entstehen, dass diese Sichtweisen von der Mehrheit geteilt werden oder die einzig relevante Perspektive darstellen.

Folglich soll das Branching Scenario den Lernenden anhand eines konkreten Beispiels einen Eindruck davon vermitteln, wie Algorithmen zur Entstehung von Filterblasen beitragen können. Durch die Interaktion mit verschiedenen Beiträgen erleben sie selbst, wie sich ihr Feed verändert und wie dadurch die Wahrnehmung bestimmter Themen und Meinungen beeinflusst werden kann. Auf diese Weise soll die Bedeutung einer offenen und vielfältigen Meinungsbildung verdeutlicht werden.

Den Link zum Medienprodukt sowie eine Erklärung zu dessen Aufbau finden Sie auf der nächsten Seite „Medienprodukt – Picturegram“.