{"id":1023,"date":"2022-08-02T19:00:17","date_gmt":"2022-08-02T17:00:17","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/weimarerpublizistik\/?p=1023"},"modified":"2022-08-10T10:34:49","modified_gmt":"2022-08-10T08:34:49","slug":"22-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/weimarerpublizistik\/22-2","title":{"rendered":"Die Briefe der Queen"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-columns\">\n<div class=\"wp-block-column\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/weimarerpublizistik\/files\/2022\/08\/Qu.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-1025\" width=\"247\" height=\"298\" srcset=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/weimarerpublizistik\/files\/2022\/08\/Qu.png 670w, https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/weimarerpublizistik\/files\/2022\/08\/Qu-249x300.png 249w\" sizes=\"(max-width: 247px) 100vw, 247px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Die Briefe der Queen<\/p>\n\n\n\n<p>Litterary Times (London) besch\u00e4ftigt sich in einem l\u00e4ngeren Aufsatz mit der zweiten Reihe der Briefe der K\u00f6nigin Viktoria, die soeben George Earle Buckle bei Murray herausgegeben hat.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eEin dunkler Abgrund, der Abgrund ihrer furchtbaren pers\u00f6nlichen Einsamkeit, liegt zwischen der Periode von K\u00f6nigin Viktorias Leben, die in den fr\u00fcheren B\u00e4nden ihrer Korrespondenz aufgedeckt wurde, und der Periode, die mit Buckles neuer Auswahl aus ihren Briefen und Tageb\u00fcchern er\u00f6ffnet wird. Die sechzehn Jahre, die jetzt blo\u00dfgelegt sind, waren sowohl f\u00fcr die eigene Entwicklung der K\u00f6nigin wichtig wie f\u00fcr die Geschichte der britischen Monarchie. Denn zum ersten Male stand die Frau, die aus ihrem Schulzimmer zum Throne geschritten war, die zun\u00e4chst die gelehrige Sch\u00fclerin von Lord Melbourne gewesen ist und dann die unterw\u00fcrfige eines verg\u00f6tterten Gemahls, v\u00f6llig allein da. Die Stellung der Krone w\u00fcrde nunmehr davon abh\u00e4ngig sein, was sie macht; denn, wie sie unmittelbar nach ihres Gatten Tod in einem der letzten Briefe der fr\u00fcheren Reihe schrieb: \u201aEs ist mir bewusst, da\u00df keine einzige Person, mag sie noch so gut, noch so hingebungsvoll unter meinen Dienern sein, mich leiten oder mir diktieren soll\u2018, und hier f\u00fcgt sie an: \u201akein Kind kann mir helfen \u2013 kein einziges!\u2018 In der Tat erscheint sie zu Beginn ihrer jungen Witwenschaft v\u00f6llig allein. Zwar hatte sie noch f\u00fcr einige Jahre ihren Onkel, den K\u00f6nig der Belgier, zur Unterst\u00fctzung und als Ratgeber; aber Stockmar ging seinem Ende entgegen. Palmerton und Russel, die damaligen f\u00fchrenden Staatsm\u00e4nner, zeigten die h\u00e4rteste Seite ihrer harten Naturen, wenn sie mit ihr teilen sollten; von Gladstone, der erfreut gewesen w\u00e4re, ihre Lasten mit ihr zu teilen, war sie von Jahr zu Jahr mehr getrennt worden durch den Unterschied von Glauben und Sympathie; die schmeichlerische pers\u00f6nliche Huldigung von Disraeli \u2013 nicht die w\u00fcrdigste Episode in seiner oder ihrer Laufbahn \u2013 hatte noch keine Zeit gehabt zu reifen. Es ist kein Wunder, da\u00df sie, als sie ihre Situation zu Beginn dieser Periode \u00fcberblickt, schreibt, \u201ada\u00df jetzt \u00e4u\u00dferste Trostlosigkeit, Dunkelheit und Einsamkeit sei, und sie sich t\u00e4glich mehr und mehr ersch\u00f6pft und elend f\u00fchle\u2018\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Zwei Fragen besch\u00e4ftigen haupts\u00e4chlich den Vordergrund der ausw\u00e4rtigen Politik w\u00e4hrend der von diesen B\u00e4nden umschlossenen Jahre. Es sind die verschiedenen Phasen in der Entwicklung des Deutschen Reiches und die Probleme der englisch-russischen Beziehung in nahen Osten. Die Stellung der K\u00f6nigin Viktoria gegen\u00fcber Ru\u00dfland wurde zuletzt auseinandergesetzt von Buckle in seinem \u201aLeben des Lord Beaconsfield\u2018, und wenig ist hier f\u00fcr unsere Kenntnis hinzugekommen. Weder die Frage noch in dem Problem des europ\u00e4ischen Gleichgewichts, das durch den Aufstieg Preu\u00dfens an der Spitze des geeinigten Deutschlands aufgetaucht war, ist es m\u00f6glich, der K\u00f6nigin Weitblick oder in der Tat irgendeine gro\u00dfe zusammenh\u00e4ngende Ansicht der europ\u00e4ischen Beziehungen zuzutrauen. Zu dem, was nach ihrer Vermutung ihr Gemahl gedacht haben w\u00fcrde, f\u00fcgte sie derartige Empfindungen, was das nationale und k\u00f6nigliche Prestige sie eingaben, und Ideen, wie sie in der Luft um sie herum waren. Ihre Briefe zeigen in keiner Hinsicht ein Zeichen, da\u00df ihr t\u00e4gliches eifriges Pr\u00fcfen von Depeschen und Staatspapieren durch die Lekt\u00fcre oder durch unterst\u00fctzendes Nachdenken \u00fcber die Probleme von Macht und Politik ausgeglichen wurde. Das ist keine \u00dcberraschung nach dem trivialen und h\u00e4uslichen Charakter ihrer fr\u00fcheren Erziehung. Wenn sie auf den Gang der Dinge einwirkte, si geschah es, weil sie stark war, wo ihre Minister oft schwach waren, im guten Sinne, im Instinkt f\u00fcr handelnde Personen, in der Kenntnis kontinentalen F\u00fchlens, vor allem in der Achtung und dem Vertrauen, den ihr klarer, guter Glaube eingab. Zweimal in den Jahren war ihr pers\u00f6nliches Eingreifen von entscheidender und gl\u00fccklicher Wirkung. Das erstemal war es, als sie im Jahre 1867 an den K\u00f6nig von Preu\u00dfen schrieb und ihn bat, Frankreich in der Luxemburgaff\u00e4re weit genug entgegenzukommen, um einen Krieg zu vermeiden. Das zweitemal geschah es, als sie dem Kaiser von Ru\u00dfland schrieb, um ihn zu dr\u00e4ngen, seinen Einflu\u00df auszu\u00fcben, um die Anschl\u00e4ge f\u00fcr einen Pr\u00e4ventivkrieg gegen das wiederauflebende Frankreich zu vernichten, die in Berliner Milit\u00e4rkreisen gehegt wurde\u2026<\/p>\n\n\n\n<p>Charakterst\u00e4rke \u2013 immer wieder werden wir darauf zur\u00fcckgebracht; sie gibt der au\u00dferordentlichen Verschiedenheit der dynastischen, politischen und religi\u00f6sen Angelegenheiten, die die Seiten dieses starken Bandes f\u00fclle, die Einheit. Hinter der K\u00f6nigin, mit ihren Ideen, Traditionen und bestimmten Denkgewohnheiten, sehen wir die Frau, die in schwieriger Lage die Grenzen ihrer Erziehung und Stellung \u00fcberschreitet. Die Zur\u00fcckhaltung, die der Herausgeber gegen\u00fcber dem Privatleben beobachtet hat, vermindert nicht unsere Vertrautheit mit ihr, da ihre Pers\u00f6nlichkeit in jeder Zeile ihrer Handschrift gef\u00fchlt wird. Viktoria kann nie in einem milden oder sanften Sinne \u201agut\u2018 gewesen sein. Sie hatte eine bemerkenswert leidenschaftliche und heftige Natur, mit den Zeichen des romantischen Temperaments in der Liebe zur Einsamkeit und zur \u201aeinfachen, wilden Freiheit\u2018 der schottischen Landschaft, in ihrem br\u00fctenden Bewu\u00dftsein der Gemeinschaft mit dem Tod und ihrem fast abergl\u00e4ubischen Glauben an die st\u00fctzende Macht eines besonderen hochl\u00e4ndischen Dieners.\u201c<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<p class=\"has-background\" style=\"background-color:#1e92bc\"><span class=\"has-inline-color has-white-color\">Die Neue Rundschau, Heft 5, S. 554-555,&nbsp; 05.1926<\/span><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-background\" style=\"background-color:#dce1e3\"><strong>Kommentar: <\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-background\" style=\"background-color:#dce1e3\">Die hier \u00fcbersetzte und abgedruckte Rezension befasst sich mit der zweiten Reihe einer Sammlung von Briefen verfasst von K\u00f6nigin Viktoria. Die Reihe <em>Die Briefe der K\u00f6nigin Viktoria<\/em> (Original: <em>The Letters of Queen Victoria<\/em>) besteht insgesamt aus neun B\u00e4nden ver\u00f6ffentlicht in drei Reihen. Das Projekt wurde gestartet, mit k\u00f6niglicher Zustimmung, von Dr. Arthur Christopher Benson und Graf Esher. So befasste sich die erste Reihe in drei B\u00e4nden mit den Jahren 1837 bis 1861. Nach Bensons Tod \u00fcbernahm George Earle Buckle die Rolle des Herausgebers. Buckle editierte daraufhin die folgenden sechs B\u00e4nde, welche Briefe und Tageb\u00fccher der K\u00f6nigin bis zum Zeitpunkt ihres Todes 1901 beinhalten. Sowohl Benson als auch Buckle wurde exklusiver Zugang zu den Royal Archives im Windsor Castle gew\u00e4hrt. Dort wurde eine Auswahl an Briefen der K\u00f6nigin getroffen, welche vor allem ihre charakterliche Entwicklung im jeweiligen Lebensabschnitt widerspiegeln.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-buttons aligncenter\">\n<div class=\"wp-block-button\"><a class=\"wp-block-button__link has-text-color has-background\" style=\"border-radius:50px;background-color:#1e92bc;color:#fffffa\">&lt;<\/a><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-button\"><a class=\"wp-block-button__link has-text-color has-background\" style=\"border-radius:50px;background-color:#1e92bc;color:#fffffa\">Artikel in dieser Zeitschrift<\/a><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-button\"><a class=\"wp-block-button__link has-text-color has-background\" style=\"border-radius:50px;background-color:#1e92bc;color:#fffffa\">&gt;<\/a><\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-buttons aligncenter\">\n<div class=\"wp-block-button\"><a class=\"wp-block-button__link has-text-color has-background\" href=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/weimarerpublizistik\/26-2\" style=\"border-radius:50px;background-color:#1e92bc;color:#fffffa\">&lt;<\/a><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-button\"><a class=\"wp-block-button__link has-text-color has-background\" href=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/weimarerpublizistik\/frauen-in-literatur-und-kunst\" style=\"border-radius:50px;background-color:#1e92bc;color:#fffffa\">Artikel im gleichen Thema<\/a><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-button\"><a class=\"wp-block-button__link has-text-color has-background\" href=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/weimarerpublizistik\/20\" style=\"border-radius:50px;background-color:#1e92bc;color:#fffffa\">&gt;<\/a><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Briefe der Queen Litterary Times (London) besch\u00e4ftigt sich in einem l\u00e4ngeren Aufsatz mit der zweiten Reihe der Briefe der K\u00f6nigin Viktoria, die soeben George Earle Buckle bei Murray herausgegeben hat. \u201eEin dunkler Abgrund, der Abgrund ihrer furchtbaren pers\u00f6nlichen Einsamkeit, liegt zwischen der Periode von K\u00f6nigin Viktorias Leben, die in den fr\u00fcheren B\u00e4nden ihrer Korrespondenz [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":4947,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[25,28],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/weimarerpublizistik\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1023"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/weimarerpublizistik\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/weimarerpublizistik\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/weimarerpublizistik\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4947"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/weimarerpublizistik\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1023"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/weimarerpublizistik\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1023\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1067,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/weimarerpublizistik\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1023\/revisions\/1067"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/weimarerpublizistik\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1023"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/weimarerpublizistik\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1023"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/weimarerpublizistik\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1023"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}