{"id":330,"date":"2022-06-24T16:16:43","date_gmt":"2022-06-24T14:16:43","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/weimarerpublizistik\/?p=330"},"modified":"2022-08-07T17:03:50","modified_gmt":"2022-08-07T15:03:50","slug":"30","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/weimarerpublizistik\/30","title":{"rendered":"Eine L\u00f6sung f\u00fcr \u00a7218"},"content":{"rendered":"\n<div class=\"wp-block-columns\">\n<div class=\"wp-block-column\" style=\"flex-basis:66.66%\">\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft size-large is-resized\"><img loading=\"lazy\" src=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/weimarerpublizistik\/files\/2022\/06\/30-png.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-454\" width=\"178\" height=\"302\" srcset=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/weimarerpublizistik\/files\/2022\/06\/30-png.png 450w, https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/weimarerpublizistik\/files\/2022\/06\/30-png-176x300.png 176w\" sizes=\"(max-width: 178px) 100vw, 178px\" \/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>Eine L\u00f6sung f\u00fcr \u00a7218 von Jenny Br\u00fcnn<\/p>\n\n\n\n<p>Eine Radikall\u00f6sung f\u00fcr die ganze Abtreibungsfrage ist gegeben in der Anwendung der Suggestionsmethode von Cou\u00e9 auf die Empf\u00e4ngnisverh\u00fctung und Schwangerschaftsunterbrechung.<br>Asien kennt dieses Machtmittel der Frau, den Sieg ihres Geistes \u00fcber ihren K\u00f6rper seit jeher. In den Kegelschnitten Gottes&#8216; von Sir Galahad \u2014 Pseudonym einer europ\u00e4ischen Frau \u2014 wird geschildert, wie eine schwarze Frau ganzen M\u00e4dchengenerationen Asiens diese Kunst lehrt.<br>Unter allen Tropenst\u00e4mmen verstehen die Suaheli-Weiber sich am besten auf die gl\u00fchende Kunst: frei sein. Auf das Frauenrecht: Mutter aus Wahl \u2014 nicht Zwang, Herrin, nicht Sklavin der Generation. Und das durch \u00dcberh\u00f6hung, nicht Hemmung der Hingabe.<br>Und als diese Menschen Asiens nach Europa kommen und das sexuelle Elend der europ\u00e4ischen Frauen sehen, fragen sie entsetzt:<br>Woher die furchtbare Abh\u00e4ngigkeit der \u201ewei\u00dfen Frauen\u201c, der Herrinnen der Erde, von Gyn\u00e4kologen, also M\u00e4nnern, in ihrer eigensten Frage, ja der Frauenfrage \u00fcberhaupt, selbst von Suaheli-Negerinnen l\u00e4ngst gel\u00f6st?<br>Eine Frage, die heute gegen\u00fcber unsern \u00c4rzten und Juristen sehr aktuell erscheint.<br>Auch die z\u00fcnftige medizinische Wissenschaft Europas hat etwas von dieser naturgegebenen M\u00f6glichkeit der Geburtenregulierung gemerkt und sie bereits registriert. In Heft 2 des I. Jahrgangs (1924) der Vierteljahrsschrift des Bundes Deutscher \u00c4rztinnen schreibt Dr. med. Margarete Stegmann:<br>Eine Tatsache mu\u00df neu ins Bewu\u00dftsein der \u00c4rzte und der Gesetzgeber gehoben werden: bei sensitiven Frauen gibt es nat\u00fcrliche Aborte aus seelischen Gr\u00fcnden. Hier denkt Niemand an ein Verbrechen gegen das keimende Leben; kein Gesetzgeber kann hier eingreifen. Nun wohl: alle mit k\u00fcnstlichen Mitteln herbeigef\u00fchrten Aborte k\u00f6nnen angesehen werden als nicht qualitativ, sondern nur gradweise von diesen nat\u00fcrlichen verschiedene; der unterschiedliche Grad von Bewu\u00dftheit bei den Frauen zwingt die einen, den innern Willen durch \u00e4u\u00dfere Mittel zu realisieren, w\u00e4hrend die andern ihn allein durch unbewu\u00dfte Umwandlung seelischer Vorg\u00e4nge in k\u00f6rperliche zu verwirklichen verm\u00f6gen.<br>Bei \u201esensitiven Frauen\u201c, das hei\u00dft: bei denjenigen, denen von der Natur gegeben ist, durch ihr Unterbewu\u00dftsein auf ihren K\u00f6rper einzuwirken \u2014 Methode Cou\u00e9. Mit dem Wert oder Unwert dieser Methode an sich hat das \u2014 so seltsam es klingen mag \u2014 wenig zu tun. Unabh\u00e4ngig davon, wie weit diese als Heilmittel bei funktionellen oder organischen St\u00f6rungen des menschlichen Organismus bereits erprobt oder noch zweifelhaft ist, besteht die Tatsache der gro\u00dfen Empfindlichkeit der Mutterschaftsorgane gegen\u00fcber Gehirneinwirkungen.<br>Sie ist erwiesen durch die Ver\u00e4nderungen am Embryo infolge von Angst- oder Schreckvorstellungen der Mutter w\u00e4hrend der Schwangerschaft, beim sogenannten \u201eVersehen\u201c schwangerer Frauen und dergleichen. Charles Baudouin, der bekannte<br>Sch\u00fcler Cou\u00e9s, schildert als Maximalleistung der Autosuggestion eine Geburt w\u00e4hrend eines leichten Schlummers der Geb\u00e4renden, die durch eine Suggestion auf die Stunde vorher festgesetzt worden war und sich exakt vollzog. Diese Einwirkung des Gehirns auf die sexuellen Organe als Maximalleistung der Suggestionslehre Cou\u00e9s ist kein Zufall. Die Voraussetzungen dieser Methode selbst schaffen hier die gr\u00f6\u00dfte Wirksamkeit und Erfolgswahrscheinlichkeit. Bei der Autosuggestion wird an die Einbildungskraft appelliert. \u201eNicht der Wille ist die Triebfeder unsres Handelns, sondern die Einbildungskraft\u201c, sagt Cou\u00e9. Und: wenn Wille und Einbildungskraft gegen einander stehen, das hei\u00dft: wenn ich mir einbilde, irgendetwas nicht tun oder erreichen zu k\u00f6nnen, und meine Willensanstrengung verdopple, um es doch durchzusetzen, so siegt immer die Einbildungskraft, das hei\u00dft: ich erreiche unfehlbar das Gegenteil dessen, worum ich mich bem\u00fche.<br>Es handelt sich also um die Ausschaltung des kritischen, analysierenden Bewu\u00dftseins zugunsten des Unterbewu\u00dftseins, der Intuition. Und hier sind die intuitivern Naturen der Frauen, der Kinder, der K\u00fcnstler von vorn herein im Vorteil vor dem Durchschnitt der M\u00e4nner und den reinwissenschaftlichen Denkern. Die drei Grundgesetze, wonach sich die Autosuggestion von der intuitiven Einstellung her abrollt, sind:<br>1) die vertiefte Konzentration (die gegeben sein mu\u00df),<br>2) die das Gegenteil bewirkende Anstrengung (die vermieden werden mu\u00df),<br>3) die unsch\u00e4tzbare Hilfskraft der Erregung, die den Erfolg jeder Autosuggestion in jedem Falle sicherer und umfassender gestaltet.<br>\u201eErregung erhitzt eine Vorstellung sofort bis zum Siedepunkte, von welchem Punkte an sie eine wirksame Kraft wird.\u201c Die Anstrengung zu vermeiden, um nicht das Gegenteil dessen, was man w\u00fcnscht, zu bewirken, l\u00e4\u00dft sich erlernen \u2014 ebenso eine Vertiefung der Konzentration, die schon von selbst eintritt, wo ein starkes Interesse an dem Gegenstand der Autosuggestion vorliegt. Eine Erregung dagegen kann nicht willk\u00fcrlich hervorgerufen werden, und man mu\u00df auf sie bei den absichtlichen Autosuggestion verzichten. Umso wertvoller, wo sie sich von selbst einstellt! Das ist der Fall bei der suggestiven Einwirkung der Frau auf ihre Mutterschaftsorgane, Bei dem Abort der sensitiven Frauen ergibt sich diese Hilfskraft der Erregung durch den Widerwillen, ja Ha\u00df gegen das zu geb\u00e4rende Kind (oder dessen Vater).<br>Noch bestimmter aber, weil aus dem Vorgang selbst sich ergebend, kann diese erfolgsichernde Erregung bei der Konzeption berechnet und angewendet werden zur Verh\u00fctung dieser Konzeption, Warum sind Nachtgeburten so viel h\u00e4ufiger als Taggeburten?, fragt Cou\u00e9, Und er antwortet: weil die meisten Frauen sich vor der unbequemen Nachtgeburt f\u00fcrchten und sie durch diese Furcht (Gesetz der das Gegenteil bewirkenden Anstrengung) erst herbeif\u00fchren. Nach demselben Gesetz kann man behaupten, da\u00df ein gro\u00dfer Teil der unehelichen und der ehelich unerw\u00fcnschten Kinder grade aus der Furcht vor der Empf\u00e4ngnis konzipiert werden.<br>Die Gesetze der Autosuggestion wirken blind: nach der negativen Seite bei den Vielen, nach der positiven Seite bei Wenigen. Es gilt, sie zu erkennen, ihre Anwendung zu erlernen, um sie nur positiv zu gebrauchen.<br>Der Maximalerfolg ist gesichert in der gr\u00f6\u00dfern intuitiven Begabung der Frau, er ist gesichert in der starken Konzentration aus der Hinlenkung der Aufmerksamkeit auf sein starkes vitales Interesse, wie es die Empf\u00e4ngnisverh\u00fctung ist; er wird unersch\u00fctterlich durch die Erregung, die sich aus der Situation ergibt. Um zu dieser positiven Einstellung, zu dieser letzten Beherrschung des K\u00f6rpers zu gelangen, m\u00fcssen die Gehirne der Frauen greinigt werden von den verbrauchten, abgespielten Grammophonplatten Jahrtausende alter Geschlechtsknechtschaft und verkalkter Wissenschaft. Die Frauen m\u00fcssen, nach einem Wort der Aufkl\u00e4rungszeit, \u201eden Mut finden, ihren Verstand zu gebrauchen\u201c, das hei\u00dft in diesem Falle: ihre Vernunft, ihre Intuition.<br>Damit h\u00e4tte die Frau nicht nur die geheiligte \u201eNaturgebundenheit des Weibes\u201c aufgehoben, die Herrschaft des Geistes bis zu einem Punkt ausgedehnt, wo bisher die Natur am schrankenlosesten und willk\u00fcrlichsten herrschte: sie br\u00e4chte auch in das erotische Zusammensein der Geschlechter eine Feinheit und Unbeschwertheit, die weder in dem Schlafzimmer der schrankenlosen Kindererzeugung m\u00f6glich ist noch in dem Schlafzimmer der konzeptionsverh\u00fctenden Mittel, \u2014 das, wie Jemand treffend gesagt hat, \u201eauch nur ein Stall ist, in dem kein Heiland geboren wird\u201c. Nicht einmal \u201eIrreligiosit\u00e4t\u201c k\u00f6nnten die kirchlich denkenden Kreise den Frauen bei dieser L\u00f6sung der Geburtenfrage vorwerfen. Denn sie besiegen die von \u201eGott\u201c gesetzten Schranken durch den von Gott geschaffenen Geist. Hat sich die Einbildungskraft einmal von dem Ammenm\u00e4rchen der unbeeinflu\u00dfbaren Konzeption abgewandt und das furchtlose \u201erichtige Denken\u201c erlernt, so gen\u00fcgt es, an diese empf\u00e4ngnisverh\u00fctende Autosuggestion zu glauben, um sie zu verwirklichen. Und dies ist viel leichter und einfacher, als manche von Geburten und Aborten geschw\u00e4chte und verzweifelte Frau denkt.<\/p>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-column\" style=\"flex-basis:33.33%\">\n<p class=\"has-background\" style=\"background-color:#1e92bc\"><span class=\"has-inline-color has-white-color\">Weltb\u00fchne, Heft 23, S. 934-936, 15.06.1926.<\/span><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-background\" style=\"background-color:#dce1e3\"><strong>Kommentar:<\/strong><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-background\" style=\"background-color:#dce1e3\">Meint die Autorin das ernst? Der*die Leser*in muss f\u00fcr sich selbst entscheiden, ob er*sie die Autorin beim Wort nimmt, oder Hinweise auf Ironie findet. Der Artikel selbst nimmt Bezug auf die Autosuggestion nach Cou\u00e9, die im Fr\u00fchjahr 1926 vielfach diskutiert wurde und viel Zuspruch, aber auch viel Spott erntete. Er steht aber vor einem sehr ernsten Hintergrund: Der Paragraf 218 bestrafte eine Abtreibung mit bis zu f\u00fcnf Jahren Zuchthaus. Doch jedes weitere Kind bedeutete gr\u00f6\u00dferes wirtschaftliches Elend f\u00fcr die verzweifelten Arbeiterfrauen, was viele von ihnen zu den sogenannten \u201eEngelmachern\u201c trieb und unter Umst\u00e4nden sogar das Leben kostete. Gegen Ende des Jahrzehnts wurden etwa 1 Million Abtreibungen pro Jahr durchgef\u00fchrt. Die Debatte um den Paragrafen 218 f\u00fchrte dazu, dass 1926 die Strafe verringert wurde und eine geahndete Abtreibung eine Gef\u00e4ngnisstrafe nach sich zog, deren L\u00e4nge im Ermessen des jeweiligen Richters lag.<\/p>\n<\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-buttons aligncenter\">\n<div class=\"wp-block-button\"><a class=\"wp-block-button__link has-text-color has-background\" href=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/weimarerpublizistik\/9\" style=\"border-radius:50px;background-color:#1e92bc;color:#fffffa\">&lt;<\/a><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-button\"><a class=\"wp-block-button__link has-text-color has-background\" href=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/weimarerpublizistik\/die-weltbuehne\" style=\"border-radius:50px;background-color:#1e92bc;color:#fffffa\">Artikel in dieser Zeitschrift<\/a><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-button\"><a class=\"wp-block-button__link has-text-color has-background\" href=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/weimarerpublizistik\/31\" style=\"border-radius:50px;background-color:#1e92bc;color:#fffffa\">&gt;<\/a><\/div>\n<\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-buttons aligncenter\">\n<div class=\"wp-block-button\"><a class=\"wp-block-button__link has-text-color has-background\" href=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/weimarerpublizistik\/36\" style=\"border-radius:50px;background-color:#1e92bc;color:#fffffa\">&lt;<\/a><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-button\"><a class=\"wp-block-button__link has-text-color has-background\" href=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/weimarerpublizistik\/sexualitaet\" style=\"border-radius:50px;background-color:#1e92bc;color:#fffffa\">Artikel im gleichen Thema<\/a><\/div>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-button\"><a class=\"wp-block-button__link has-text-color has-background\" href=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/weimarerpublizistik\/4\" style=\"border-radius:50px;background-color:#1e92bc;color:#fffffa\">&gt;<\/a><\/div>\n<\/div>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Eine L\u00f6sung f\u00fcr \u00a7218 von Jenny Br\u00fcnn Eine Radikall\u00f6sung f\u00fcr die ganze Abtreibungsfrage ist gegeben in der Anwendung der Suggestionsmethode von Cou\u00e9 auf die Empf\u00e4ngnisverh\u00fctung und Schwangerschaftsunterbrechung.Asien kennt dieses Machtmittel der Frau, den Sieg ihres Geistes \u00fcber ihren K\u00f6rper seit jeher. 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